Westwind mit Böen über 30 Knoten aus auflandiger Richtung prägte den Auftakt der Island Games Rügen 2026 auf der Insel Ummanz. Am vergangenen Wochenende versammelten sich 17 Windsurfer an der UMMAII Surfstation in Suhrendorf zum Freestyle Battle. Die Bedingungen lieferten genau das, was die Szene erwartet hatte: Draußen an der Sandbank entstanden kleine Chop-Rampen für Loops und Shakas, während der Bodden auf der Innenseite das für Suhrendorf typische Flachwasser bot. Die Segelgrößen bewegten sich zwischen 3,6 und 4,4 Quadratmetern. Am Samstag zogen kräftige Regenschauer durch das Revier und ließen die Windstärke innerhalb weniger Minuten deutlich ansteigen. Der Sonntag zeigte sich mit konstanteren Bedingungen um 25 Knoten etwas gnädiger. Mitorganisator Philipp Grzybowski berichtet.
Sportlich wurde das Event in einer Single und einer Double Elimination ausgetragen. Zusätzlich gab es die mittlerweile etablierte B-Fleet, die insbesondere Freestyler mit wenig Wettkampferfahrung den Einstieg in den Contest-Sport erleichtern soll. Die Unterteilung erfolgt dabei nicht nach Alter oder Geschlecht, sondern nach Fahrkönnen: Wer noch keine Manöver über die Airjibe hinaus sicher beherrscht, startet in der B-Fleet. Genau dieses Konzept macht die Island Games seit ihrer Premiere im Jahr 2021 zu einem besonderen Wettbewerb innerhalb der deutschen Freestyle-Szene. Insgesamt gingen 17 Windsurferinnen und Windsurfer an den Start. Viele von ihnen traten zum ersten Mal bei den Island Games Rügen an. Für einige war es sogar der erste Windsurfwettkampf überhaupt, darunter Lars Rumberg, Silvio Finke und Kurt Rosenow.
Während in den ersten Jahren noch Papierbögen und Kugelschreiber das Bild am Judge-Tisch bestimmten, feierte 2026 ein vom Orga-Team selbst entwickeltes digitales Judging-System seine Premiere. Auf zwei Laptops wurden die Wertungen live erfasst, während ein großer Bildschirm die Punktestände für alle Anwesenden in Echtzeit sichtbar machte. Das machte die Heats nicht nur transparenter, sondern verlieh den Island Games auch ein Stück professionelles Contest-Feeling.
Bereits in der Single Elimination setzte Favorit Foivos Tsoupras ein deutliches Ausrufezeichen in der A-Fleet. Der Kieler zählt seit Jahren zu den stärksten Freestylern Deutschlands und konnte diesen Status auch auf Ummanz bestätigen. Mit technisch anspruchsvollen Powermoves und hoher Konstanz arbeitete er sich bis an die Spitze des Feldes vor und sicherte sich den Sieg in der Single Elimination vor Markus Marsand und Mathias Genkel. Doch damit war das Wochenende noch lange nicht entschieden.
In der Double Elimination meldete sich Markus Marsand eindrucksvoll zurück. Der Rostocker, der die Island Games bereits dreimal gewinnen konnte, konnte seinen zweiten Platz verteidigen und bekam seine Revenge gegen Foivos. Im Finale entwickelte sich ein spannendes Duell zwischen den beiden. Während Foivos im Finale der Double zunächst auf ein 4,0-Quadratmeter-Segel setzte, fehlte ihm zeitweise die notwendige Power, um sein gesamtes Repertoire auszuspielen. Im anschließenden Superfinale gingen beide Fahrer schließlich mit 4,4 Quadratmetern aufs Wasser. Das Niveau war entsprechend hoch. Powermoves, Double-Move-Kombinationen und saubere Ausführungen bestimmten das Bild. Am Ende setzte sich Markus mit einem Vorsprung von lediglich 2,5 Punkten durch und sicherte sich damit seinen insgesamt vierten Island-Games-Titel.
Hinter dem Spitzentrio aus Markus Marsand, Foivos Tsoupras und Mathias Genkel sorgte vor allem Gabriel Leirbag für Aufsehen. Der Debütant bei den Island Games zeigte eine der stärksten Leistungen des Wochenendes. Auf seinem Weg zu Platz vier besiegte er unter anderem Leon Struppeck, der vor dem Event von vielen als Kandidat für einen Podiumsplatz gehandelt wurde. Anschließend setzte sich Gabriel auch gegen den Suhrendorfer Lokalmatador Pascal Mikolajski durch, der in der Vergangenheit bereits einen dritten Platz bei den Island Games erreichen konnte. Erst gegen Mathias Genkel endete seine beeindruckende Serie. „Es hat unglaublich Spaß gemacht, nach langer Zeit mal wieder einen Wettkampf zu fahren. Das Ergebnis hat meine Erwartungen weit übertroffen und motiviert mich total weitere Wettkämpfe zu bestreiten. Die Stimmung war sehr cool vor Ort, vor allem um mit neuen Leuten außerhalb von Kiel zu connecten”, berichtet Gabriel Leirbag.
Für Leon Struppeck verlief das Wochenende dagegen anders als erhofft. Nach einem Fehler in der Single Elimination geriet der Turnierverlauf früh ins Stocken. Trotz seines unbestritten hohen fahrerischen Niveaus reichte es am Ende nur für Platz sieben.
Mindestens genauso interessant wie die A-Fleet war auch in diesem Jahr die Entwicklung der B-Fleet. Fiona Jendrzi aus Leipzig gewann die Wertung und bestätigte damit ihre starke Entwicklung der vergangenen Jahre. Nachdem sie bereits mehrfach auf dem Podium der B-Fleet gestanden hatte, sicherte sie sich diesmal den Sieg. Besonders bemerkenswert: In mehreren Heats stand Fiona bereits saubere Spocks. Damit bewegt sie sich fahrerisch eigentlich schon an der Grenze zur A-Fleet. „Ich bin natürlich super happy mit meiner Leistung dieses Jahr. Aber der Fokus liegt eher darauf zusammen Spaß auf dem Wasser zu haben und man nimmt super wertvolle Tipps von anderen mit. Ich würde mich natürlich freuen wenn das nächste Mal noch andere Mädels dabei sind”, meint Fiona Jendrzi. Dasselbe gilt für Kurt Rosenow. Der Surflehrer der UMMAII Surfstation zeigte – offensichtlich von sich selbst überrascht - ebenfalls mehrere gestandene Spocks und machte deutlich, dass die Leistungsdichte innerhalb der B-Fleet kontinuierlich wächst.
Für zusätzliche Begeisterung sorgte das Duell zwischen Kurt Rosenow und Tim Julier in der Double Elimination. Beide Fahrer überraschten Zuschauer und Konkurrenz gleichermaßen mit gelungenen Semi-Eslidern – ein Manöver, das man in der B-Fleet nicht unbedingt auf dem Zettel hatte, die Konkurrenz aber sicher inspiriert haben dürfte. Die B-Fleet gewann Fiona Jendrzi vor Kurt Rosenow und Tim Julier: „Man wird bei den Island Games sofort offen aufgenommen. Die B-Fleet ist genau richtig, um Wettkampferfahrung zu sammeln. Mich hat das total motiviert und ich bin happy, mittlerweile Airjibes und Semi-Eslider auch im Heat zu landen.“
Überhaupt zeigte sich im gesamten Teilnehmerfeld eine bemerkenswerte Entwicklung. In der B-Fleet wurde in der Duckjibe regelmäßig stylisch die Hand gewaschen, aus Airjibes wurden zunehmend Spocks und die ersten Flaka-Versuche wurden auch gezeigt. Aber auch die A-Fleet wollte es wissen und sich dem oberen Trio nicht kampflos geschlagen geben. Neben Gabriels Aufholjagd freute sich besonders Thies Romig über einen persönlichen Meilenstein: Ihm gelang im Heat ein Burner – ein Manöver, das ihm bislang im Freesailing nur selten gelungen war.
Genau solche Momente sind es, die den Charakter der Island Games ausmachen. Wenn die Teilnehmenden sich gegenseitig pushen und über sich selbst hinaus wachsen. (Philipp Grzybowski)
Die Kombination aus familiärer Atmosphäre, überschaubaren Einstiegshürden und gleichzeitig sportlich anspruchsvollen Bedingungen hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Teilnehmende motiviert, ihr Trickrepertoire kontinuierlich auszubauen und an Freestyle-Wettkämpfen teilzunehmen. Die Kooperation mit den German Freestyle Battles verstärkt diesen Effekt zusätzlich. Teilnehmende sammeln nicht nur wertvolle Wettkampferfahrung, sondern gleichzeitig auch Punkte für die Jahreswertung der GFB-Serie. Dadurch profitieren gleichermaßen etablierte Wettkampfaktive sowie Surferinnen und Surfer, die ihre ersten Heats fahren möchten.
Auch an Land blieb die Atmosphäre dem Geist der Veranstaltung treu. Trotz wechselhaften Wetters mit wiederkehrenden Regenschauern herrschte über das gesamte Wochenende eine entspannte und familiäre Stimmung. Viele Teilnehmende halfen beim Judging, Fotografieren oder bei organisatorischen Aufgaben mit. Am Samstagabend wurde gemeinsam gegrillt, Erfahrungen ausgetauscht und bei Livemusik sowie einem DJ-Set bis spät in die Nacht gefeiert.
Für den wohl hektischsten Moment des Wochenendes sorgte Loris Vietoris. Kurz vor seinem zweiten Heat verabschiedete sich seine Finne vom Board. Während sein Kontrahent bereits auf dem Wasser war, rannte er zur Surfstation, kaufte eine Ersatzfinne und versuchte unter Hochdruck, sein Material wieder startklar zu bekommen. Doch die neue Finne wollte nicht passen – der Schaft der alten steckte noch im Finnenkasten fest. Was folgte, erinnerte eher an einen Formel-1-Boxenstopp als an einen Windsurf-Wettkampf: Innerhalb weniger Sekunden rückten zahlreiche helfende Hände mit Zangen, Schraubenziehern und jeder Menge Improvisationstalent an. Gemeinsam wurde geschraubt, gezogen und geflucht, bis das Material schließlich wieder einsatzbereit war. Und trotz verlorener vier Minuten, konnte der GFB Routinier den Heat tatsächlich noch für sich entscheiden.
Ein Wermutstropfen blieb allerdings: Mit Fiona Jendrzi stand in diesem Jahr nur eine einzige Frau am Start. Umso beeindruckender war ihre Leistung. Gleichzeitig zeigt sie, dass Freestyle-Windsurfen längst keine reine Männerdomäne sein muss. Die Organisatoren würden sich für die kommenden Jahre über deutlich mehr Frauen im Starterfeld freuen. Die Tür steht offen – und Fiona hat eindrucksvoll gezeigt, dass man ganz einfach durchsurfen kann.
Mit das Coolste an den Island Games: Ich habe schon einige andere Windsurfgirls kennengelernt. Allein dafür lohnt sich die Anmeldung! Richtig toll wäre, wenn wir irgendwann genug Frauen für ein eigenes Feld sind. (Swantje Romig)
Nach dem erfolgreichen Freestyle-Wochenende richtet sich der Blick nun bereits auf den zweiten Teil der Island Games. Sollte in den kommenden Wochen ein passendes Windsystem eintreffen, wird noch in dieser Jahreshälfte das geplante Wave-Event ausgetragen. Andernfalls bietet die zweite Standby-Phase im September eine weitere Chance auf eine Freestyle-Rückrunde und ein mögliches Event in der Welle.
A-Fleet
1. Markus Marsand
2. Foivos Tsoupras
3. Mathias Genkel
4. Gabriel Leirbag
5. Pascal Mikolajski
6. Roman Handke
7. Leon Struppeck
8. Loris Vietoris
9. Thies Romig
10. Philipp Grzybowski
11. Lars Rumberg
12. Fiona Jendrzi
13. Silvio Finke
14. Kurt Rosenow
15. Tim Julier
16. Manuel Tröster
17. Herrmann Behrndt
B-Fleet
1. Fiona Jendrzi
2. Kurt Rosenow
3. Tim Julier
4. Herrmann Behrndt
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