„Ey, die waren ja echt richtig nett!“, dachte ich mir, als wir am Flughafen auf Guadeloupe vor dem Gate sitzen und auf unseren Rückflug nach Deutschland warten. Dabei meine ich nicht die Frauen am Check-In-Schalter von Air France, die kritisch meine Boardbags begutachten. Sondern ich rede von den Organisatoren, Teilnehmern und Zuschauern des „King of Moule 2025“. Am 18. und 19. Januar 2025 fand die 6. Ausgabe des 2-Sterne-IWT/PWA-Events auf Guadeloupe am rassigen Wavespot Alizes (Le Moule) statt. Es war zufälligerweise das letzte Wochenende unseres 3-wöchigen Urlaubs.
Aufgrund eines Spot Guides und ein paar Youtube Videos haben Sabine und ich entschieden, dieses Jahr unseren Urlaub auf Guadeloupe zu verbringen, nachdem wir fünf Jahre jeweils im Winter auf Barbados waren. Etwas Neues musste her, aber warm sollte es sein, schöne Strände zum Baden sollte es geben, aber auch ordentlich Welle, am besten mit side-offshore Wind. Also fiel die Wahl auf das gar nicht so weit davon entfernte französische Überseedepartement. Da man bei Air France nur 23 kg mitnehmen darf, war eh klar, dass wir zwei Boardbags mitnehmen. Also Waveboard, Freestyler, Segel 4,2 bis 5,3 und das Shortboard eingepackt, und ab gings vom Bodensee nach München und dann über Paris nach Guadeloupe. Praktisch war dabei der Vorabend Check-in bei Air France in München (man wird gleich bis Guadeloupe eingecheckt).
Als Unterkunft wählten wir eine Bude in Le Moule mit Blick auf den Spot, ergo perfektes Frühstück auf dem Balkon. Le Moule an der Nordost-Küste von Grand Terre fängt im Winter eigentlich immer Welle ein, und der NO- bis SO-Wind weht von rechts. Für Wassersportler gut geeignet, gibt es unweit auch einige Wellenreitspots. Im Gegensatz zu Sainte-Anne, Saint-François und Le Gosier geht es hier weniger touristisch, aber mit dem Wind auch etwas rauer zu.
Am ersten Tag mit Wind sah ich während des Frühstücks zwei Surfer auf dem Wasser und hetzte zum Spot. Dort angekommen, traf ich auf Morgan Noireaux, der seinen Winter hier verbringt, und Coraline Foveau, die hinterm Spot wohnt. Die beiden erklären mir netterweise, wo der Channel ist um ans Riff zu kommen. Vom Strand aus sieht es eigentlich ganz entspannt aus. Da der Wind immer weniger wird, entschied ich mich erstmal fürs Wellenreiten.
Am nächsten Tag traf ich Nathan Loridon, den Betreiber der Surf-Station „Wanalao“ und Organisator des Contests “King of Moule”. Ein super freundlicher Typ, der mir noch mal eine ausführliche Einführung in den Spot gibt, bevor er seine Wing- und Windsurf-Kurse beginnt. Bestens informiert fühle ich mich bereit für die erste Session, und obwohl die Vorhersage gar nicht so besonders war, rollten 2,5-Meter-Sets rein, in die man drei bis vier Turns ziehen konnte, nice! Beim zurückkommen merke ich allerdings die Tücke des Spots. Bei wenig Wind braucht man auf jeden Fall eine Welle, um durch den Channel zurück zu kommen, ansonsten zieht einen die Strömung wieder zurück auf Meer. Im Lee gibt es noch drei weitere, schwer zu erkennende Channels für einen weiteren Versuch, dazwischen schaut das Riff raus. Nicht ganz so anfängerfreundlich wie der Süden von Grand Terre.
Nathan fragt, wie lang wir bleiben und nachdem ich antworte „Drei Wochen“ meinte er: „Hey cool dann kannst du ja beim King of Moule mitmachen“. „Wer, ich?“ frag ich, „Ich bin froh wenn ich die Channels wieder finde.“ Er antwortet: „Nein, das wird lustig, wir haben eine gute Zeit und ein Jetski, mach mit“. Während ich nach weiteren Ausreden suche, kommen Coco und Morgan wieder an, sowie weitere Locals. Es war ein weiterer super Tag, der für mich allerdings mit reinschwimmen durch den vierten und letzten Channel endet, anstrengend!
Die nächsten drei Wochen haben Sabine und ich eine super Zeit auf Guadeloupe. Auch wenn der Wind nicht optimal war, haben wir viel unternommen, wie Wasserfall-Wanderungen, Kayak fahren, Wellenreiten, Sonnenbaden, Freestylen in Vieux Fort, wo es eigentlich immer Wind hat. In Sainte-Anne hab ich es noch geschafft, mein Segel zu zerstören. Danach lernte ich den Segelmacher der Insel kennen, niemand Geringeres als der Vater von Antoine Martin, Spitzname „Le Boss“. Es sollte nicht das letzte Mal bleiben, dass ich auf ihn treffe.
Zwischenzeitlich hat Sabine es geschafft mich zu überreden am Wettkampf teilzunehmen. Der Wind meldet sich rechtzeitig einen Tag davor zurück. Zur Vorbereitung dachte ich, ich gehe am ersten Wettkampftag früh raus, um noch ein wenig alleine üben zu können. Allerdings war bereits um neun Uhr morgens einiges los am Riff. Mit 5,3 maßlos überpowert, kehrte ich zurück und wechselte auf 4,8, passt. Beim Briefing um 13 Uhr stand „Le Boss“ wieder da und erklärte die Regeln (zwei Wellen, ein Sprung) und auch sonst war er den ganzen Tag am Micro und organisierte die Heats. Die Judges waren Local Heroes, unter anderem auch die Mutter von Lisa Wermeiser, Laetitia. Insgesamt eine sehr entspannte, familiäre Atmosphäre, ich fühle mich wohl. Die internationalen Topfahrer waren mittlerweile auch vertreten, mit den Juban-Brüdern, Antoine Martin, Morgen Noreaux, Freestyle-Ass Antony Ruenes, Coraline Foveau und Lisa Wermeister sind einige bekannte Namen am Start.
Als ich meinen Heat checkte und sah, dass ich gegen Antoine Martin fahren sollte, wurde ich ganz entspannt, denn außer meinen Außenbändern würde ich da eh nichts reißen. Nach der Hälfte der ersten Runde wurde der Wind immer weniger, und ich riggte wie die anderen auf 5,3 um. Als mein Heat dann startete, war der Wind wieder voll zurück und ich war einmal mehr überpowert. Das sollte aber auch nicht ausschlaggebend sein, denn der Heat startete wie erwartet. Mit dem ersten Schlag raus setzte Antoine mir einen Double Loop vor die Nase und die Geschichte war erledigt. Ich hatte trotzdem Spaß und war zufrieden mit meiner Leistung.
Da es der letzte Heat war für diesen Tag, hatten wir alle zusammen noch eine „Super Session“ am Riff. Die Stimmung war gut. Ich wechselte auf das Freestyle-Brett und ließ den Tag in der Lagune ausklingen. Abends war dann an Nathans Station noch Party mit guter Musik und „Windsurf-Kino“ angesagt. Ich habe mich zurückgehalten, schließlich startete für die Verlierer der ersten Runde am nächsten Morgen um neun Uhr die „Mini Double Elimination“, diesmal ohne Sprung. Aber auch in der Revanche-Runde blieb ich chancenlos gegen die Locals, die genau wussten welche Wellen sauber übers Riff brechen.
An unserem Abreise Tag habe ich wenig riskiert, aber hey, alles ist ganz geblieben und ich habe genug Zeit mein Zeug zu trocknen. Am Mittag gab es lecker Paella für alle und wir mussten für die Heimreise packen gehen. Nachmittags starteten die Finals. Antoine, Morgan und Camille machten wie erwartet in einer eindrucksvollen Show das Podium unter sich aus, ebenso wie Lisa und Coco bei den Frauen. Bei der Siegerehrung gab es noch die Youth Wertung und die Masters. Für alle Teilnehmer gab es ein kleines Präsent. Wir verabschiedeten uns von allen herzlich, es war wunderbar. Mit diesen schönen Erinnerungen an ein top organisiertes Event, sitze ich am Flughafen und freue mich schon auf den King of Moule 2026. „Hey Nathan, count me in!“
Text: Christoph Burkhard
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