Beim Gedanken an Seegras bekommt man als Surfer normalerweise Stress-Pickel: Entweder hängt das nervige Kraut in den Sommermonaten an Finne oder Foil, oder aber man muss sich mit suboptimalen Seegrasfinnen herumschlagen. Doch das, was uns auf den Keks geht und jedem schon mal die eine oder andere Session versaut hat, sind nur einzelne, durch Sturm losgerissene Halme, die an der Wasseroberfläche treiben. Gesundes Seegras am Meeresgrund ist ein wichtiger Faktor beim ökologischen Gleichgewicht, viele Seegraswiesen sind inzwischen gefährdet. Deswegen setzt sich der Verein “Just 1 Ocean Diver e.V.” für die Aufforstung der Seegraswiesen ein.
Am kommenden Wochenende vom 18. bis 20. Juli 2025 setzen ehrenamtliche Taucher des Vereins ihre Seegras-Pflanzaktion am Wulfener Hals auf Fehmarn fort. Die Aktion knüpft an die erfolgreichen Einsätze Anfang Mai und am Pfingstwochenende an. Freiwillige Helfer sind herzlich willkommen, an den Tagen werden jeweils von 11 bis 17 Uhr helfende Hände für die Vorbereitung an Land benötigt. Als Dankeschön gibt es am Samstagabend einen gemeinsamen Grillabend.
Martin Noël Lampe, Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins, betont die zentrale Rolle von Seegras für den Klimaschutz: „Seegras ist nicht nur Lebensraum für viele Meeresbewohner, sondern spielt auch eine zentrale Rolle im Klimaschutz, indem es Kohlendioxid speichert und die Küsten vor Erosion schützt.” In den vergangenen Jahren hat der Seegrasbestand aufgrund von Umweltverschmutzung, Klimawandel und menschlichen Eingriffen dramatisch abgenommen. Die Pflanzaktionen zielen darauf ab, diesem Trend entgegenzuwirken und die wichtigen Funktionen der Seegraswiesen für das marine Ökosystem zu erhalten.
Die Pflanzaktionen werden mit großer Sorgfalt durchgeführt, um die bestehenden Seegrasbestände zu schonen und gleichzeitig neue Flächen zu erschließen. Taucher entnehmen die Seegrastriebe minimalinvasiv aus intakten Spenderwiesen und transportieren sie per Boot in speziellen Behältern zum Ausbringungsort. An Land werden die Triebe von Helfern gespült, von Muscheln und Sand befreit und in sogenannte Pflanzbündel à 50 Stück gebündelt. Anschließend pflanzen Taucher diese Bündel händisch an geeigneten Stellen im Meeresgrund ein. Diese Methode gewährleistet eine schonende Verpflanzung und erhöht die Überlebenschancen der neu angesiedelten Seegräser.
Der Verein lädt interessierte Helfer ein, sich aktiv an der Aktion zu beteiligen. Auch Personen ohne Taucherfahrung können an Land bei der Vorbereitung und Reinigung des Seegrases mitwirken. „Einfach vorbeischauen und mitmachen!”, ermutigt der Verein in seiner Ankündigung. Neben der praktischen Arbeit informiert Just 1 Ocean Diver e.V. Besucher vor Ort über die Bedeutung von Seegras für das Ökosystem Meer und seine Rolle beim Schutz der Küstengewässer. Diese Öffentlichkeitsarbeit soll dazu beitragen, das Bewusstsein für den Meeresschutz in der breiten Bevölkerung zu stärken.
Die Koordination und Logistik der Einsätze erfolgt in enger Zusammenarbeit mit GEOMAR und dem Umweltrat Fehmarn. Zudem unterstützen weitere Organisationen wie die Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. das Projekt. Diese Kooperationen ermöglichen es, Wissen, Ressourcen und Erfahrungen zu bündeln und gemeinsam wichtige Projekte zum Meeresschutz umzusetzen. Um den Erfolg der Maßnahmen langfristig zu überprüfen, führen die Taucher von Just 1 Ocean Diver e.V. regelmäßige Monitoring-Einsätze durch. Dabei beobachten und dokumentieren sie die Entwicklung der neu angepflanzten Seegraswiesen am Standort Wulfener Hals.
Tobias Pootz, stellvertretender Tauchteamleiter des Vereins, unterstreicht die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements: „Unsere Arbeit ist nur durch das Engagement vieler Menschen möglich. Jeder, der Interesse hat, kann sich bei uns einbringen und helfen – sei es unter Wasser oder an Land.” Dieser Aufruf verdeutlicht, dass Meeresschutz eine gemeinschaftliche Aufgabe ist, bei der jeder Beitrag zählt. Die Seegras-Pflanzaktion auf Fehmarn zeigt exemplarisch, wie Wassersportler und Umweltschützer Hand in Hand arbeiten können, um marine Ökosysteme zu schützen und zu regenerieren.
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