Nachwuchs-RacerWer ist Erik Telser?

Stephan Gölnitz

 · 11.03.2026

Auch bei Leichtwind sind schwere Surfer auf dem Foil schneller, weil man stabiler fliegt. Erik fehlen noch ein paar Kilos zum PWA-Idealgewicht.
Foto: privat
Eine Verletzung beim Défi Wind 2025 verdarb Erik Telser nahezu die gesamte Saison. Für 2026 hat er einige neue Pläne mit Finne und Foil. Foil-Slalom bei Starkwind, wenn die Bedingungen am Limit sind, ist dabei Eriks große Leidenschaft

Wer mal zum Windsurfen am Gardasee war, hat vielleicht die Segelnummer GER-148 von hinten heranfliegen und dann schnell in der Ferne verschwinden sehen. Hier ist das Trainingsrevier von Erik Telser, einem der jungen Nachwuchs-Racer, die sich dem Windsurf-Foilen verschrieben haben. Erik will – ganz wie seine Art „auf Teufel komm raus“ – in der PWA Fuß fassen. Bevorzugt auf dem Foil, aber auch im Slalom-X. Wegen der Faszination auf der Finne und wegen des Reglements.

Am Lago sieht man dich oft. Trainierst du sonst noch zusätzlich zum Windsurfen?

Ich gehe oft ins Fitnessstudio. Ich versuche auch gerade schwerer zu werden, denn mit 84 Kilo bin ich noch vergleichsweise leicht.

Was ist dein Zielgewicht?

Das darf meine Mutter jetzt nicht hören. (Lacht) Aber 95 Kilo wären schon gut.

Das klingt für Leichtwind-Foilen nach ziemlich viel.

Man könnte denken, bei Leichtwind müsste man leicht sein, aber das Gegenteil ist der Fall. Es kommt beim Foilen sehr stark darauf an, stabil zu fliegen. Dabei hilft die Masse, das gesamte System zu stabilisieren. Zusätzlich hast du mehr Hebelwirkung für die großen Segel und Foils und kannst mehr Druck geben. Am unteren Limit ist das Gewicht sogar noch wichtiger als bei Starkwind. Außerdem will ich auch wieder mehr auf der Finne fahren, dafür sind 95 Kilo perfekt.

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​Man könnte denken, bei Leichtwind müsste man leicht sein, aber das Gegenteil ist der Fall.”

Gilt das für alle Klassen?

Beim iQFOiL besteht das Risiko, dass zu schwere Fahrer bei sehr leichtem Wind nicht mehr fliegen. Aber in der PWA haben wir ein höheres Windlimit. Bei zehn Knoten über den kompletten Kurs ist es auch kein Problem, wenn man 100 Kilo wiegt.

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​Woher kommt das neue Interesse für die Finne?

Zum einen sorgen die Regeländerungen der PWA mit dem Wechsel von Foil auf Finne ab 15 bis 17 Knoten dafür, dass Foilen ab 2026 zweitrangig wird. Zum anderen macht Surfen auf der Finne mega Spaß. Und ich habe gemerkt, dass ich da noch immer schnell bin. Vor allem der Slalom-X mit Sprüngen und unterschiedlichen Race-Formaten hat mich schon länger interessiert. Und nicht zuletzt möchten die Sponsoren natürlich auch pushen, was die breite Masse macht. Und das ist leider nicht Windsurf-Foilen.

Wie bist du denn ursprünglich zum Foil-Racing gekommen?

Ich bin zuerst nur zum Spaß aufs Foil gestiegen, ich bin ja erst mit 18 so richtig zum Regattasurfen gekommen. Mein Vater hat mich zwar auch davor viel unterstützt. Aber Wettkämpfe, die weiter weg waren, Frankreich, Teneriffa, das war nicht möglich. Bis dahin hatte ich nur Erfahrung von kleineren Regatten oder der One Hour am Gardasee. Ich hatte aber auch schon gemerkt, dass ich auf dem Foil näher an den Profis dran war.

Vor dem Défi Wind 2025 war die Saison noch in Ordnung. Nach einer Verletzung mit OP inklusive Schrauben und Platten im Sprunggelenk blickt Erik aber wieder optimistisch ins Jahr 2026.Foto: privatVor dem Défi Wind 2025 war die Saison noch in Ordnung. Nach einer Verletzung mit OP inklusive Schrauben und Platten im Sprunggelenk blickt Erik aber wieder optimistisch ins Jahr 2026.

Dann kam früh dein PWA-Debüt?

Mein erstes Rennen in der PWA war in Kroatien, und das hat ’ne Menge Spaß gemacht. Ich hatte damals auch schon den passenden Freundeskreis zum Foil-Training am Gardasee – Tim Kröner und Maxi Raeuchle.

Viele Windsurfer wechseln mittlerweile von der Finne gleich zum Wingfoil.

Als ich mit Foil-Racing angefangen habe, gab es noch keinen ernsthaften Wingfoil-Slalom. Das hat sich erst in den letzten zwei, drei Jahren entwickelt. Ich überlege auch tatsächlich, ob ich da mal einen Fuß reinsetze und mich in der PWA dann überwiegend auf die Finne konzentriere.

Dir passt das neue Reglement nicht so gut. Was würdest du dir wünschen?

So wie letztes Jahr, dann kann man von 8 bis 45 Knoten foilen. Mir macht es am meisten Spaß, wenn die Bedingungen mich richtig herausfordern. Bedingungen, bei denen nicht jeder fahren kann. Dafür sind nach meiner Meinung die Profi-Wettkämpfe da.

Du würdest gerne auch bei viel Wind foilen?

Ich hätte auf jeden Fall gerne mehr Events, bei denen auch bei richtig viel Wind gefoilt wird. Ich war 2024 in Fuerte dabei, das war meine bisher schönste Erfahrung bei Events. Weil es einfach extrem war.

Ich habe gehört, du handelst oft nach dem Motto „Erst machen, dann denken“.

Auf jeden Fall. Ich suche gerne das Risiko. In meinem Segel und auf meinem Brett steht „No Mercy“ – keine Gnade. Danach fahre ich auch. Ich mag im Wettkampf das enge und risikobewusste Matchen – ohne dabei jemand anderen bewusst in Gefahr zu bringen. Wenn ich danach die Videos von den Rennen sehe, wird mir aber schon manchmal mulmig.

​In meinem Segel und auf meinem Brett steht groß ‘No Mercy’. Danach fahre ich auch.”

Übertreibst du es manchmal?

Tatsächlich denke ich da oft drüber nach. Ich habe das auch häufiger von meiner Freundin und meiner Mutter gehört. (Lacht)

​Den Speedloop mit dem Racefoil machst du ja eh schon.

Die Idee kam beim Worldcup auf Fuerte. Da habe ich Balz Müller auf dem Freestyle-Foil Backloops springen gesehen und gedacht: Das schaffe ich auch. Den ersten Backloop habe ich dann gleich mit meinem Racematerial probiert. Ich war erstaunt, wie weich man mit dem Foil im Wasser landet. Da hat jeder Schleudersturz bei Starkwind mehr Impact auf den Körper und das Material.

Den Speedloop auf dem Foil zeigt Erik regelmäßigFoto: privatDen Speedloop auf dem Foil zeigt Erik regelmäßig

Letzte Saison hat dich aber eine Verletzung lange aus dem Rennen geworfen.

Ich hatte zwei OPs und Metallteile im Fuß. Mir ist vor dem Défi Wind das Syndesmoseband gerissen, auch die Außenbänder, und es wurden ein paar Knochenabsplitterungen gefunden. Andy Laufer hat mich in Frankreich ins Krankenhaus gefahren. Rennen gab es dann wegen Windmangel eh nicht. Die richtige Diagnose kam dann erst später, als ich am Gardasee wieder surfen wollte und gemerkt habe, dass das gar nicht geht.

Wie bist du als junger Fahrer, ohne bis dahin große Worldcup-Erfahrung, zu deinen Sponsoren gekommen?

Ich hatte mit meinem langjährigen Sponsor Surftools eine Academy auf Sardinien, und da hat mich Manfred Rassweiler, der Chef von NeilPryde, gefragt, ob ich Teil des Teams werden wollte.

Was ist für einen Teamfahrer wichtiger: Erfolge auf dem Wasser oder Social Media?

Ich habe verschiedene Verpflichtungen. Ich teste viel Material, aber Social Media ist zunehmend wichtiger. Ich muss regelmäßig Beiträge posten. Aber man sollte auch Ergebnisse bringen. Ich bin aber froh, dass meine Sponsoren mich weiter unterstützt haben, als ich wegen der Verletzung raus war und keine Ergebnisse hatte. Oder auch wenn ich mal ein paar Tage nichts poste, weil ich zum Trainieren auf dem Wasser bin.

Wie passt so viel Engagement mit deiner beruflichen Laufbahn zusammen?

Ich bin gerade auf der Meisterschule und noch ein Jahr sehr eingespannt. Danach will ich mich noch mehr aufs Surfen konzentrieren. Vielleicht auch noch weiter studieren, denn Windsurfen ist ja nicht die Formel 1, wo man Millionen verdienen kann.

Was möchtest du Windsurf-Einsteigern mitgeben?

Lasst euch nicht unterkriegen. Es ist am Anfang sehr hart. Aber nach den ersten schweren Schritten geht es immer schneller voran. Und es ist einfach der geilste Sport der Welt.

Danke, Erik. Weiterhin viel Spaß und Erfolg!

Facts Erik Telser

  • Alter: 23
  • Wohnort: München
  • Beruf: Student
  • Größe/Gewicht: 186 cm/84 Kilo
  • Surft seit: dem 11. Lebensjahr
  • Regattadebüt: One Hour Classic 2019
  • Disziplinen: PWA Foil-Slalom, PWA Slalom-X
  • Hobbys: Wakeboarden, Motocrossfahren, Mountainbiken
  • Erfolge: 16. Platz Overall bei der One Hour Gardasee, Bayerischer Meister, Plätze vier, fünf und sechs bei österreichischen Meisterschaften.
  • Sponsoren: JP-Australia/NeilPryde, F4-Foils, 4AM
  • Lieblingsspots: Torbole, El Medano
  • Instagram: eriktelser_ger148

Stephan Gölnitz

Stephan Gölnitz

Stellvertretender Chefredakteur surf

Stephan Gölnitz stammt aus Bochum und kam 1996 als Testredakteur zum surf-Magazin nach München. Der Diplom-Ingenieur für Werkstofftechnik begleitet seit seinem Volontariat nahezu alle Materialtests – auf dem Wasser und seit über zehn Jahren auch als Fotograf – mit Stationen u. a. am Gardasee, in Langebaan, Ägypten und Tobago. Privat surft er am liebsten mit dem Foil am Walchensee, gelegentlich in der Welle, und widmet sich außerdem dem SUP auf Fluss- und Mehrtagestouren.

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