OstseeOstwind sorgt für historisch niedrige Wasserstände - und eine Chance

Manuel Vogel

 · 07.02.2026

Die Ostsee ist auf regelmäßigen Salzwassereinstrom angewiesen
Foto: IOW/Prien
Lang anhaltender Ostwind sorgt aktuell für historisch niedrige mittlere Wasserstände in der Ostsee. Wissenschaftler sehen darin gute Startchancen für eine Verbesserung der Wasserqualität.

Die Ostsee ist ein Binnenmeer mit sehr geringem Wasseraustausch. Da über die Flüsse zu viele Nährstoffe in die Ostsee gelangen, reichern sich diese an und sorgen dafür, dass in manchen tiefen Bereichen der Sauerstoff teilweise komplett aufgezehrt wird - hier ist dann kein Leben mehr möglich, Wissenschaftler sprechen dann von sogenannten Todeszonen. Umso wichtiger ist es, dass regelmäßig frisches und sauerstoffreiches Nordseewasser über die Meerengen zwischen Deutschland, Schweden und Dänemark einströmen kann, dies ist allerdings nur bei besonderen und sehr seltenen Wetterlagen der Fall - und genau eine solche könnte jetzt bestehen.

Die schwarzen Bereiche verdeutlichen die Zonen, in denen der Sauerstoff des Tiefenwassers aufgezehrt ist (Stand August 2019). Einströmendes Frischwasser kann die Lebensbedingungen hier wieder deutlich verbessernFoto: IOWDie schwarzen Bereiche verdeutlichen die Zonen, in denen der Sauerstoff des Tiefenwassers aufgezehrt ist (Stand August 2019). Einströmendes Frischwasser kann die Lebensbedingungen hier wieder deutlich verbessern

Ostwind drückt Wasser aus der Ostsee

Grund dafür sind die bereits seit Anfang Januar anhaltenden Ostwinde, die große Mengen Ostseewasser gen Westen und über die Belte herausdrücken. Wie das Leibnitz Institut für Ostseeforschung in Warnemünde (IOW) berichtet, bestätigen Messungen am aussagekräftigen schwedischen Pegel Landsort-Norra Wasserstände, die so niedrig sind wie nie zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1886. So wurde laut IOW am 5. Februar ein Tagesmittelwert von mehr als 67 Zentimetern unter dem langjährigen mittleren Wasserstand gemessen. Damit wurde der niedrigste Wert registriert, der seit Beginn der kontinuierlichen Pegelbeobachtungen im Jahr 1886 dokumentiert ist. Nach aktuellen Berechnungen fehlen der Ostsee dadurch zurzeit rund 275 Kubikkilometer Wasser im Vergleich zum langjährigen Mittel. In der über 140-jährigen Messreihe wurden nur in fünf weiteren Jahren ähnlich niedrige Wasserstände mit Abweichungen von mehr als 60 Zentimetern unter Normalnull gemessen. Das letzte vergleichbare Ereignis liegt mehr als vier Jahrzehnte zurück und datiert auf den März 1980.

Wie das IOW in einer Pressemitteilung verlauten lässt, “bestehen mit dem aktuellen Extremwert von über -67 cm MSL außergewöhnlich gute Startbedingungen für ein großes Einstromereignis. Der Blick der IOW Forschenden richtet sich derzeit jedoch nicht nur auf die momentanen Pegelstände, sondern auch auf die weitere meteorologische Entwicklung in den kommenden Tagen und Wochen. Denn damit es zu einem überdurchschnittlich großen Einstrom von Nordseewasser in die Ostsee kommen kann, muss die derzeitige Ostwindlage enden und durch anhaltende Westwinde abgelöst werden, die dann salz- und sauerstoffreiches Nordseewasser in die Ostsee hineindrücken. Dies ist insbesondere für die tiefen zentralen Becken der Ostsee von großer ökologischer Bedeutung, da dort oft über Jahre oder Jahrzehnte Sauerstoffmangel in den tiefen Wasserschichten herrscht, so das IOW.

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ECKERNFÖRDER BUCHTFoto: Oliver Maier

„Die Chancen für einen größeren Einstrom in den kommenden Wochen sind so hoch wie schon lange nicht mehr“, erklärt Michael Naumann, einer der Koordinatoren des IOW-Langzeitbeobachtungsprogramms. „Nach den hier bei uns am IOW berechneten Zeitreihen zu Salzwassereinstrom Ereignissen in die Ostsee liegt die Wahrscheinlichkeit aktuell bei 80 bis 90 Prozent.“

Für die Ostsee könnte der lang anhaltende Ostwind also eine spürbare Verbesserung der ökologischen Bedingungen nach sich ziehen.

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