Preview Aloha Classic 2026Deutsches Führungsduo vor der ultimativen Herausforderung auf Maui

Julian Wiemar

 · 14.10.2026

Aloha Classic 2025 – Die besten Bilder
Foto: Fish Bowl Diaries
Wenn Hookipa die Bühne freigibt, lässt sich die Wave-Elite nicht zweimal bitten: Vom 19. bis 30. Oktober steigt auf Maui der 5-Sterne Aloha Classic. Marc Paré kämpft um wichtige Punkte im WM-Duell mit Philip Köster – und bei den Frauen reisen Lina Erpenstein und Maria Behrens als deutsche Nummer eins und zwei der Weltrangliste nach Maui.

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Nur drei Tage liegen zwischen dem offiziellen Ende des Tiree Wave Classic in Schottland und dem Start des Aloha Classic auf Hawaii. Vor allem für Marc Paré bedeutet das: raus aus dem Neo, rein ins Flugzeug und einmal um die halbe Welt. In Hookipa wartet schließlich nicht irgendein Contest, sondern einer der prestigeträchtigsten Wave-Wettbewerbe überhaupt. Zwölf Tage lang öffnet sich das Contest-Fenster für das 43. Aloha Classic – und hoffentlich für die kräftigen Nord-Swells, die diesen Event berühmt gemacht haben.

Ho’okipa – die Arena der Spezialisten

Hookipa ist schön, spektakulär – und gnadenlos. Schon der Weg ins Lineup kann über Sieg, Niederlage oder zerstörtes Material entscheiden. Draußen treffen Strömungen, Windlöcher vor der Impact Zone und ein flaches, scharfes Riff aufeinander. Wer hier gewinnen will, braucht nicht nur radikale Turns und Aerials, sondern auch perfektes Timing und gute Spotkenntnisse.

Genau deshalb ist der Aloha Classic immer auch das Duell der Tour-Allrounder mit den Hookipa-Spezialisten. Morgan Noireaux kennt jeden Stein des Riffs und geht als Titelverteidiger ins Rennen. Bernd Roediger, Camille Juban, Levi Siver und der ebenfalls gemeldete Kai Lenny gehören zu den Fahrern, denen man jederzeit den Sieg zutrauen muss. Dazu kommen Tourstars wie Marcilio Browne, Antoine Martin, Takuma Sugi, Thomas Traversa und natürlich der amtierende Weltmeister Marc Paré.

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Wenn Hookipa groß und sauber läuft, zählen weniger die bisherigen Saisonergebnisse als Instinkt, Positionierung und stylisches Waveriding.

Paré gegen Köster – Titelduell auf getrennten Wegen

Der WM-Kampf der Männer wird 2026 von zwei Namen bestimmt: Marc Paré und Philip Köster. In Gran Canaria gewann Köster knapp vor Paré, auf Teneriffa und zuletzt in Wissant drehte der Spanier die Reihenfolge um. Vor Tiree führte Paré die Gesamtwertung mit 24.500 Punkten an, Köster folgte mit 23.300 Punkten – nur 1.200 Punkte trennten den amtierenden Weltmeister vom fünfmaligen Champion.

Gerade kämpfen beide auf der schottischen Insel Tiree um weitere wichtige Punkte. Das Contest-Fenster läuft dort bis zum 16. Oktober, der Aloha Classic beginnt bereits am 19. Oktober. Für Paré könnte daraus ein echter Reisekrimi werden: Sollte die Entscheidung in Schottland erst spät fallen, bleiben ihm nur wenige Tage für die lange Reise von den Inneren Hebriden über mehrere Flughäfen bis nach Maui.

Zum direkten nächsten Duell mit Köster kommt es in Hookipa allerdings nicht. Der Deutsche hat den Aloha Classic ausgelassen und setzt nach Tiree auf das abschließende 5-Sterne-Event in Chile vom 14. bis 29. November. Paré kann auf Maui somit ohne seinen engsten WM-Rivalen wichtige Punkte sammeln und seinen Vorsprung möglicherweise deutlich ausbauen. Köster wird versuchen, in Tiree vorzulegen und anschließend beim Grand Final in Chile zurückzuschlagen.

​In die Weltrangliste 2026 fließen jeweils die vier besten Saisonresultate ein. Dabei können Resultate aus allen Events der Kategorien 1 bis 5 Sterne berücksichtigt werden. Das bedeutet: Sobald jemand mehr als vier gültige Ergebnisse gesammelt hat, werden die schwächeren Resultate zu Streichresultaten. Für den Titelkampf zwischen Marc Paré und Philip Köster ist daher nicht nur die aktuelle Punktzahl entscheidend, sondern auch, welches bisherige Ergebnis sie durch Tiree, Maui oder später Chile ersetzen können.

Erpenstein und Behrens: Deutsche Titelträume an der North Shore

Bei den Frauen bietet sich aus deutscher Sicht ein sensationelles Bild: Lina Erpenstein und Maria Behrens reisen als Nummer eins und zwei der Wave-Weltrangliste zum Aloha Classic. Zwei deutsche Fahrerinnen an der Spitze! Und beide haben bereits bewiesen, dass sie mit den anspruchsvollen Bedingungen von Hookipa zurechtkommen.

Beim 5-Sterne Maui Pro im Frühjahr wurde Behrens Zweite. Mit sauberem, kraftvollem Waveriding und starker Wellenauswahl fehlte ihr nicht viel zum Sieg. Erpenstein landete auf Rang vier und verpasste das Podium um gerade einmal 0,06 Punkte. Nach ihrem zweiten Platz beim World Cup auf Teneriffa übernahm sie später die Führung in der Gesamtwertung.

Beim Aloha Classic treffen die beiden Deutschen unter anderem auf die erst 16-jährige Sol Degrieck, die zuletzt den World Cup in Wissant gewann, sowie auf Pauline Katz, Lisa Wermeister, Natsuki Wakasa, Svenja Chudoba und Julia Meijer. Sarah-Quita Offringa ist nach ihrer Fußverletzung bisher nicht gemeldet. Das Feld ist klein, aber gefährlich – und in Hookipa gibt es keine einfachen Heats. Für Erpenstein und Behrens geht es deshalb nicht nur um die berühmte Aloha-Krone, sondern auch um eine möglichst gute Ausgangslage vor dem abschließenden World Cup in Chile.

Am 19. Oktober fällt in Hookipa der Startschuss. Dann heißt es wieder: tiefe Bottom Turns, späte Hits, hohe Aerials – und immer ein Auge auf das nächste Set. Der Aloha Classic ist nicht das Ende der Saison, aber vielleicht ihre wichtigste Bühne. Und 2026 könnte dort vor allem aus deutscher Sicht ein weiteres Kapitel Windsurfgeschichte geschrieben werden.

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Julian Wiemar

Julian Wiemar

Redakteur surf

Julian, 1996 in Köln geboren, zählt zu den besten deutschen Freestyle-Windsurfern und trainiert bis heute regelmäßig auf dem Rhein. Nach deutschem Meistertitel und mehreren Jahren an internationalen Top-Spots mit Weltcup-Ambitionen fand er über Reise- und Revierberichte den Weg zum surf-Magazin. Dort absolvierte er ein Volontariat und arbeitet heute als Redakteur, der seine Erfahrungen und Leidenschaft für den Windsurfsport mit den Lesern teilt.

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