Tobias Frauen
· 30.06.2026
Der Führende im WM-Ranking ist bei den nächsten großen Events - vermutlich - nicht dabei! Was sonst üblicherweise Verwunderung bis Sorge ausgelöst hätte, ist beim Blick auf den Wave-Kalender 2026 erklärbar. Bernd Roediger, der Windsurf-Feingeist mit der unnachahmlichen Eleganz, der die Wave-Saison bislang geprägt hat und bereits drei Siege in Folge einfahren konnte, wird sich das Starkwind-Gemetzel von Pozo nicht antun - jedenfalls steht er bislang nicht auf der Melde-Liste.
Mit dem Gran Canaria Windsurf World Cup 2026 vom 4. bis zum 12. Juli steht der erste Event in Europa an, es folgen dann in der Welle Teneriffa und Sylt, auch diese höchstwahrscheinlich ohne Roediger. Dafür schlägt dann die Stunde der europäischen Top-Fahrer und Sprung-Experten wie Köster, Paré, Fernandez, Gherardi und Co, die beim bislang einzigen 5-Sterne-Event auf Maui entweder nicht dabei waren oder nichts mit den finalen Heats zu tun hatten.
Apropos Sterne: Bei Roedigers drei Siegen steht mit dem Quatro Maui Pro nur ein Event mit fünf Sternen zu Buche, und nur diese “großen” Events zählen für die Weltmeisterschaft. Doch nach den Euro-Worldcups folgen zum Saisonende mit dem Aloha Classic und einem geplanten Event in Chile noch zwei 5-Sterne-Contests mit dem Fokus aufs Waveriding, bei denen Roediger auf jeden Fall zu den Top-Favoriten zählt. Die World Tour 2026 ist also mit drei Events in europäischen Bedingungen und dreimal Down-The-Line so ausgeglichen wie selten zuvor.
Der Favoriten-Kreis für den WM-Titel bei den Herren ist dementsprechend überschaubar: Außer Marcilio Browne und Antoine Martin gibt es nur wenige, die in beiden Szenarien ganz nach vorne fahren können. Brawzinho, fünffacher Weltmeister, Zweiter auf Maui und mehrfacher Sieger in Pozo, überstrahlt dabei alle und wird derjenige sein, den es zu schlagen gilt. Aber auch Martin, derzeit auf Platz drei der WM, kann immer für eine Überraschung sorgen. Zu den Pozo-Favoriten gehört natürlich auch Vorjahres-Sieger Philip Köster, der 2025 in einem epischen Finale samt Mega-Crash und Laufeinheit über die Steine den Sieg holte. WM-Titelverteidiger Marc Paré wartet noch auf seinen ersten Pozo-Sieg, sieht sich nach einem Tief zu Beginn der Saison jetzt aber in Top-Form. Und Altmeister Victor Fernandez ist auch immer noch vorne dabei, Marino Gil Gherardi hat schon 2024 gezeigt, dass er an seinem Homespot gewinnen kann.
Spannend wird auch der Blick auf Namen wie Alessio Stillrich, Liam Dunkerbeck und Takuma Sugi, die allesamt über jede Menge Pozo-Erfahrung verfügen. Auch Moritz Mauch, der in der vergangenen Saison seine bislang besten Ergebnisse einfuhr, ist in Pozo für eine Überraschung gut.
Offringa - wer über Favoriten bei den Damen spricht, kommt um die Queen of Windsurfing natürlich nicht drumherum. Doch auch im vergangenen Jahr kam die Dauer-Weltmeisterin nicht an der Queen of Pozo vorbei: Daida Moreno gibt sich laut Meldeliste auch in diesem Jahr bei ihrem Heim-Worldcup die Ehre und kehrt noch einmal zurück. Sie wird damit diejenige sein, die es zu schlagen gilt. Natürlich ist auch Lina Erpenstein eine naheliegende Podiums-Kandidatin, im letzten Jahr fehlte sie in Pozo verletzt und will nun sicherlich wieder angreifen.
Dazu kommt mit Sol Degrieck ein Mega-Talent, die sich im Zeitraffer-Tempo entwickelt und 2025 bereits auf Sylt die komplette Weltspitze hinter sich ließ. Auch Alexia Kiefer ist - mit neuem Material - an ihrem Homespot eine heiße Top-Drei Kandidatin. Mit Maria Behrens, Sybille Bode, Emma und Frida Miron, Helena Lale und Trine Gobisch sind noch weitere starke deutsche Namen im Feld dabei.
Erstmals läuft der Gran Canaria Windsurf World Cup in diesem Jahr unter dem Dach der WWT. Das hat ein paar Auswirkungen auf den Ablauf des Contests: Bevor die Top-Fahrerinnen und -Fahrer aktiv werden, gibt es zunächst die Challenger Rounds, in denen die ungesetzten Starter um die jeweils vier freien Plätze im Hauptfeld mit den 28 gesetzten Herren und 12 gesetzten Damen kämpfen. Die Hauptrunden sollen dann im WWT-typischen “Dingle”-Format gefahren werden, also eine Single Elimination mit zwischengeschobenen Verlierer-Runden. Dabei zieht beispielsweise der Sieger eines 4-Personen-Heats direkt in die nächste Runde ein, der Letzte scheidet aus, die Zweit- und Drittplatzierten bekommen gegen die Zweiten und Dritten der anderen Heats eine weitere Chance. Die genauen Modalitäten können dabei je nach Bedingungen angepasst werden.
Einen Livestream soll es nur an drei Tagen geben: Das Qualifying an Tag 1, die Hauptrunden an Tag 2 und die Finals an Tag 3 werden inklusive Live-Scoring der WWT bei Youtube übertragen. Die Junioren-und Masters haben dabei nur die zweite Priorität. Am Mikrofon soll wie gewohnt Ben Proffitt sitzen, auch PWA-Fotograf John Carter ist angekündigt! Gleichzeitig soll der Event auch beim kanarischen TV-Sender RTVC übertragen werden - wie schon auf Fiji will die WWT so die Reichweite für den Sport erhöhen.
Die Vorhersage ist zumindest für den Start des Events übrigens noch ausbaufähig: Für das Wochenende sind keine nutzbaren Bedingungen angekündigt, erst im Laufe der Woche soll der Wind - Stand heute - wieder etwas zulegen. Alle Ergebnisse und Infos bekommt ihr natürlich auch hier bei surf-magazin.de!

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