Tobias Frauen
· 31.07.2025
Vom 1. bis zum 10. August macht die PWA Tour Hat auf Teneriffa. Der von Dany Bruch organisierte World Cup hat dieses Jahr wieder vollen Fünf-Sterne-Status, obendrein wird der WM-Titel der Herren im Slalom X vergeben. Es gibt - anders als auf Fuerte - keine festgelegten Tage für Wave oder Slalom X, sondern die jeweilige Disziplin wird je nach Bedingungen festgelegt
Auf Teneriffa fahren die Herren um die Weltmeisterschaft - aus Budget-Gründen sind die Damen hier nicht am Start und mussten bei nur einem einzigen Event auf Fuerte ihren Titel vergeben. Die Herren haben immerhin zwei Events, allerdings ist auch dabei der Raum für Fehler äußerst gering. Als Titelverteidiger und mit seinem Fuerte Sieg in der Tasche geht natürlich Pierre Mortefon als Top-Favorit ins Rennen. Doch der Franzose musste seine Segeln wechseln, nach dem Rausschmiss seines bisherigen Ausrüsters aus der PWA ist er kurzerhand bei NeilPryde untergeschlüpft. Ob ein paar Trainings-Sessions aber ausreichen, sich auf die neuen Segel einzustellen, muss sich noch herausstellen. Kleiner Trost: Die Pryde-Tücher gelten als die derzeit schnellsten Segel - der erzwungene Wechsel könnte also auch ein Upgrade sein.
Engster Verfolger ist Matteo Iachino, der auf Teneriffa lebt und damit einen Heimvorteil mitbringt. Der Italiener ist extrem konstant und war auf Fuerte immer vorne dabei - zog im direkten Duell mit Mortefon aber immer den Kürzeren. Eine Art Heimvorteil haben aber auch Maciek Rutkowski und Jordy Vonk, die beide seit vielen Jahren zum Winter-Training bei TWS nach Teneriffa kommen. Auch Bruno Martini, Amado Vrieswijk, Nico Prien und viele andere müssen sich vor El Medano nicht groß einfahren. Vor allem Rutkowski ist extrem hungrig auf einen Sieg, er wirkte auf Fuerte extrem stark und musste für kleine Fehler teuer bezahlen. Bei Jordy Vonk gibt es noch ein mittelgroßes Fragezeichen, ob er nach seinem Crash auf Fuerte schon wieder zu 100% fit ist oder die lädierte Schulter ihn noch hemmt. Niemals ausschließen sollte man Bruno Martini, der mit “cojones” und im Zweifelsfall einem größeren Segel jede Menge Speed aufs Wasser bringt, und Nico Prien, der auf Fuerte ebenfalls immer wieder seinen Speed durchblicken ließ. Spannend wird auch, ob sich bei dem zu erwartenden etwas leichteren Wind andere Hierarchien ergeben als im Hack von Sotavento!
Pozo-Siegerin Daida Moreno ist auf Teneriffa laut Meldeliste nicht dabei - wenn die Bruch-Teamfahrerin antreten würde, wäre sie nach dem eindrucksvollen Comeback fast automatisch Top-Favoritin. Doch so werden sich alle Augen auf Sarah-Quita Offringa richten. Als einzige Fahrerin der ganzen Tour ist sie bei allen drei Kanaren-Cups in allen Disziplinen am Start - wnn die Kraftreserven reichen, geht der Weg zu einem Sieg nur über sie. Immerhin hat sie nach ihren beiden WM-Triumphen auf Fuerte angesichts der Vorhersage (siehe unten) ein paar Tage mehr Zeit zur Regenration.
Hinter ihr lauern mit Alexia Kiefer und Sol Degrieck zwei Fahrerinnen der nächsten Generation. Vor allem Alexia hat schon mehrfach bewiesen, dass sie auch in hochkarätig besetzten Events aufs Podium fahren kann. Dort gehört natürlich auch Lina Erpenstein hin, die Teneriffa-Gewinnern des vergangenen Jahres. Doch nach ihrer Fuß-Verletzung aus Chile ist sie noch nicht wieder bei 100% und geht ohne große Erwartungen in den Event. Dennoch ist sie natürlich auch eine heiße Kandidatin für die Top Drei. Liegt der Fokus auf dem Waveriding, kann auch Maria Behrens weit nach vorne fahren, sie kennt El Medano ebenfalls sehr gut und kann ihren smoothen Stil auf den Wellen noch mehr zeigen als in Pozo.
Besonders stark vertreten ist auf Teneriffa der Nachwuchs: Mit Trine Gobisch, Helena Lale, Lizzlotte Schilling, Natsuki Wakasa und Isabel van Noesel ist ein großer Teil des Junioren-Tross von Pozo direkt nach Teneriffa weitergereist. Und mit Maria Andres und Justyna Sniady sind auch zwei sehr erfahrene Wave-Fahrerinnen dabei, die ebenfalls wissen, wie man auf ein Podium fährt!
Klar, Marcilio Browne ist in der Form seines Leben - wie seit vielen Jahren - und ist irgendwie immer der Top-Favorit. Auch wenn er in Pozo “nur” Zweiter wurde, ist der Brasilianer in fast allen Bedingungen bärenstark und immer bestens vorbereitet. Doch Marc Paré hat nicht nur im vergangenen Jahr auf Teneriffa gewonnen, sondern wird immer stärker und will ganz nach oben! Vielleicht liegen im die etwas zahmeren Bedingungen von El Medano einen Hauch besser als der Pozo-Hack - er kann jedenfalls ganz nach vorne fahren!
Auch Philip Köster ist nach seinem Sieg in Pozo voll im Flow, und will sicherlich nachlegen. Dafür wird er aber auf viel Wind hoffen, der erst Richtung Ende der Woche erwartet wird. Niemals abschreiben sollte man Victor Fernandez, der auch mit über 40 immer noch vorne mitfährt. Seine Konstanz und überragende Erfahrung könnten der entscheidende Faktor sein, um weit nach vorne zu kommen, er erlebt derzeit eine Art zweiten Frühling. Mit Liam Dunkerbeck, Antoine Martin, Alessio Stillrich lauern in der zweiten Reihe indes gleich mehrere Fahrer, die darauf hoffen, dass endlich mal alles zusammenpasst und das Zeug für eine Überraschung haben.
Apropos Überraschung: In den Meldelisten taucht auch fast die gesamte Teneriffa-Crew auf. Jochen Stolz, Martin Ovsik, Tim van Dam Sanchidrian und Nikodem Merlak kennen den Spot wie ihre Westentasche - ob jemand von ihnen eine kleine Sensation schafft? Zu den Locals gehört auch Julian Salmonn, der sicherlich hungrig ist, an seine Erfolge aus der letzten Saison anzuknüpfen.
Nach zwei spektakulären Events auf Gran Canaria und Fuerteventura scheint der Passat eine kleine Pause einzulegen. Zum Auftakt des World Cups auf Teneriffa ist kaum Wind vorhergesagt, zudem wechselt die Windrichtung teilweise mehrmals am Tag. Erst im Laufe der Woche soll sich die Wetterlage stabilisieren, der Wind auf die gewohnte Nordost-Richtung drehen und stetig zunehmen. Vor Ort weht es erfahrungsgemäß auch häufig spürbar stärker als die Forecasts versprechen.

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