Windböen von über 50 Knoten und ein über Nacht angestiegener Swell verwandelten den Racecourse am vierten Tag in ein Schlachtfeld, auf dem selbst Profis um ihr Überleben kämpften. Die Bedingungen waren derart brutal, dass selbst Fahrer, die normalerweise 100 von 100 Halsen sicher stehen, verzweifelt versuchten, überhaupt auf dem Board zu bleiben. Die Veranstalter nutzten verschiedene Kurse, darunter den berüchtigten „Downwind of Death", wo bereits das Erreichen der Ziellinie als Erfolg galt. In diesem gnadenlosen Kampf gegen die Elemente trennte sich die Spreu vom Weizen – und Justine Lemeteyer bewies genau zur richtigen Zeit ihre mentale und physische Stärke.
Nach dem ersten Wettkampftag hatte sich Lemeteyer in einer scheinbar aussichtslosen Position befunden. Doch die Französin steigerte sich kontinuierlich und ging mit nur 0,3 Punkten Rückstand auf die Führenden Jenna Gibson und Femke van der Veen in den Finaltag. Was folgte, war eine Machtdemonstration: Lemeteyer gewann alle vier Rennen des Tages und insgesamt sieben der letzten neun Eliminationen. Am Ende betrug ihr Vorsprung auf die Zweitplatzierte van der Veen komfortable 9,1 Punkte. Für die 23-Jährige bedeutet dies ihren dritten Weltmeistertitel nach zwei Foil Slalom Titeln. Besonders bemerkenswert: In der Vergangenheit hatte Lemeteyer am Finaltag stets unter Druck gepatzt und nervöse Momente in Japan erlebt. Diesmal zeigte sie eine völlig andere Seite und bewies ihre mentale Reife.
„Mir fehlen ein bisschen die Worte. Ich habe das wirklich nicht erwartet. Wenn es zum Finaltag kam, habe ich vorher immer einen Weg gefunden, Dinge zu vermasseln, aber heute habe ich genau das Gegenteil getan", sagte Lemeteyer unmittelbar nach ihrem Titelgewinn. Sie fügte hinzu: „Dieser Titel ist vielleicht mein stolzester, weil ich von so weit zurückkam. Ich bin einfach super glücklich." Die Französin, die einst kurz davor stand, den Windsurfsport aufzugeben, sieht ihren Erfolg als Bestätigung ihrer Entscheidung weiterzumachen. Nun kann sie ihre Erfolge feiern, bevor sie sich später im Jahr auf die Jagd nach einem dritten Foil Slalom Weltmeistertitel macht.
Femke van der Veen lieferte die konstanteste Leistung des gesamten Events ab. Die 26-jährige Niederländerin beendete nur zwei der 15 Eliminationen außerhalb der Top Vier und sicherte sich am Finaltag drei zweite Plätze sowie einen dritten Rang. Damit verbesserte sie sich im Vergleich zum Vorjahr um eine Position und wurde erstmals in ihrer Karriere Vize-Weltmeisterin. Jenna Gibson hatte nach drei Siegen zum Auftakt das Event dominiert, doch die brutalen Bedingungen forderten ihren Tribut. Wenn der Körper nicht zu 100 Prozent fit ist, lässt sich in solchen Extrembedingungen keine Höchstleistung abrufen – und bei den hauchdünnen Margen zwischen den Top-Fahrerinnen reichen bereits wenige Prozent Leistungsdefizit, um zurückzufallen. Gibson bewies erneut, dass sie die schnellste Frau der Welt ist, musste sich diesmal aber mit Rang drei begnügen.
Die erst 16-jährige Bobbi-Lynn De Jong aus Bonaire zeigte, dass sie bereits jetzt um Podiumsplätze mitkämpfen kann. Sie beendete das Event auf Rang vier, punktgleich mit Mae Davico, die sich ebenfalls ihr bestes Slalom X Welttour-Ergebnis sicherte. De Jong setzte sich nur aufgrund der besseren Einzelplatzierungen durch. Für beide Athletinnen markiert dieses Resultat einen wichtigen Schritt in ihrer Entwicklung auf der internationalen Bühne.
Bei den Männern zeigte Matteo Iachino erstmals eine kleine Schwäche, als er in Elimination neun nur Siebter wurde. Dennoch kontrolliert der Italiener das Event weiterhin souverän und steht kurz vor seinem vierten Weltmeistertitel. Mit 6,9 Punkten Vorsprung geht er in den Finaltag. Je nach Bedingungen sollen zwei Eliminationen gefahren werden, doch sollte Iachino im ersten Rennen unter die Top Sechs kommen, ist ihm der Titel sicher. Iachino liefert eine seiner besten Welttouren-Performances überhaupt ab.
Pierre Mortefon ist der einzige Fahrer, der Iachino theoretisch noch den Titel streitig machen kann. Der Titelverteidiger wird alles geben, um diese Chance zu nutzen, doch die Wahrscheinlichkeit ist gering. Mortefon müsste beide Rennen des Finaltags gewinnen und gleichzeitig darauf hoffen, dass Iachino in beiden Läufen außerhalb der Top Sechs landet – ein äußerst unwahrscheinliches Szenario angesichts der bisherigen Konstanz des Italieners.
Maciek Rutkowski machte es seinen Fans diese Woche schwer. Nach einem katastrophalen Start erholte sich der Pole am dritten Tag beachtlich, nur um im Viertelfinale von Elimination acht einen Frühstart zu kassieren und scheinbar alle Fortschritte zunichtezumachen. Doch Rutkowski fand erneut einen Weg zurück und gewann Elimination neun. Damit hält er Rang drei, allerdings ist seine Position prekär. Jeder weitere Fehler könnte massive Auswirkungen auf seine Endplatzierung haben, denn zwischen Platz drei und sechs liegen nur 6,6 Punkte.
Neben Rutkowski befinden sich Nico Prien, Amado Vrieswijk und Jimmy Thieme im Kampf um den dritten Gesamtrang. Die Top Ten komplettieren Taty Frans, Benoit Merceur und Bruno Martini, die sich punktgleich auf Rang sieben teilen, sowie Jordy Vonk auf Platz zehn. Der Finaltag verspricht weitere windige Bedingungen, das Skippers Meeting ist für 11 Uhr angesetzt, der Start für 12 Uhr geplant.
Frauen Slalom X Weltmeisterschaft 2026:
Männer Slalom X Zwischenstand nach neun Eliminationen:
Alle Ergebnisse und der heutige Livestream unter: pwaworldtour.com
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