RückspiegelDas waren die Highlights in surf 02/1985

Tobias Frauen

 · 14.02.2026

So einen "Weg zur Arbeit", wie der surf-Titel im Februar 1985 beschrieben wird, hätte wohl jeder gerne.  Fotografiert hat Uli Seer
Foto: surf Archiv
surf fuhr zum Testen nach Israel und probierte Serien-Guns und die trendigen 295er aus. Außerdem: das mysteriöse Verschwinden von Arnaud de Rosnay, Hersteller-Zoff, kuriose Werbung und vieles mehr!

​Zank auf Funktionärsebene: F2 ist aus dem Worldcup-Pool ausgetreten und hat einen eigenen “Verein zur Förderung des Surfports” gegründet in dem sieben deutsche Hersteller vertreten sind. Fanatic hingegen weigert sich beizutreten. Peter Brockhaus und Udo Schütz teilen in separaten surf-Interviews gegeneinander aus - sehr unterhaltsam zu lesen, auch wenn die Streitpunkte nicht mehr aktuell sind. Brockhaus prangert an, dass der Worldcup sich nicht um die Basis kümmere, es seien “mehrere sehr dumme Beschlüsse” gefasst worden. Sein Vorschlag waren weniger Werksfahrer, sondern dafür Amateure und Qualifikanten aus darunter angesiedelten Regatten wie dem Euro Funboard Cup. Fanatic- Boss Schütz hingegen wirft Brockhaus “kleinkarierte Kirchturmpolitik” vor, der neugegründete Verein repräsentiere wegen der Zugangsbeschränkungen nicht die Surfindustrie, sondern nur einen kleine Teil davon. F2 hingegen wolle “den Erfolg von Robby Naish nicht mehr mitfinanzieren” und zweifle daran, dass aus dem Worldcup marktgerechte Bretter kommen, fasst surf in einer Frage zusammen. Schütz kontert: “Dann frag ich mich, warum er den ganzen Sommer die Racy Cat zum Vergleichstest gebraucht hat, um seinen Lightning zu tunen!”

Lebt Arnaud de Rosnay noch?

Bis heute eine der mysteriösesten Geschichten der Windsurf-Historie: Wenige Wochen vor dem Erscheinen war Arnaud de Rosnay verschwunden. Der französische Baron wollte bekanntlich auf Friedensmission von China nach Taiwan surfen und verschwand kurz nach dem Start spurlos. surf-Autorin Angelika Schäfer rekonstruiert die letzten Tage und Stunden vor dem Verschwinden. Rosnay startet ohne Genehmigung, er reist als Tourist ein und wählt seinen Startpunkt so, dass er außer Reichweite der Kriegsschiffe des nächsten Militärhafens ist. Deswegen muss er auch ohne Begleitboot starten. Seine zwei Begleiter, ein Fotograf und ein Material-Spezialist von NeilPryde, reisen sofort nach dem Start nach Hongkong zurück. Eigentlich sollte der Baron am späten Nachmittag ankommen, doch der vereinbarte Anruf aus Taiwan bleibt aus. Dafür treffen drei Tage später die offiziellen Genehmigungen der chinesischen und taiwanesischen Regierung doch noch ein. Kurz darauf wird Rosnay als vermisst gemeldet, es startet eine umfangreiche Suchaktion auf dem Meer und hunderten unbewohnten Inseln. Weder Board noch Rigg noch sonstige Hinweise werden gefunden. Doch im Februar 1985 herrscht immer noch Hoffnung, dass Rosnay wieder auftaucht, das wird auch in einem persönlichen Text eines Wegbegleiters deutlich. Heute wissen wir: Es wird dabei bleiben, dass Arnaud de Rosnay spurlos verschwand - ohne Happy End für seine Frau Jenna de Rosnay und Tochter Alizé.

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Und sonst so?

  • Aufregung kurz vor der boot in Düsseldorf: Eine neue DIN-Norm besagte, dass Trapeze 7,5 Kilo Auftrieb haben müssen. Viele Marken schneiderten eilig noch neue Modelle.
  • Ein umtriebiger surf-Leser hat einen “Überzieher” gebastelt, mit dem man ein Funboard um 25 cm und etwa 30 Liter vergrößern kann. Der Anschnall-Bug wird mit Gurten befestigt.
  • Heute legendär, damals peinlich: Der Lösungssatz eines surf-Rätsels lautete “Lee vor vor”. Völlig zu Recht gab es eine Flut von Leserbriefen
  • Mit Fragebogen und Tabellen kann man mit surf herausfinden, wie gut man wirklich windsurfen kann. Das Zauberwort lautet “Überschussvolumen”
  • surf-Test in Israel: Vier neue Serien-”Guns” müssen gegen den F2 Sunset ran. Urteil: Schnelle Bretter, aber kaum massentauglich
  • Perlen der Werbung: “Surfen ist zu teuer!” “Jeder hat das Recht auf ein Board was zu ihm passt!” - was klingt wie Schlagzeilen der “Bild”, sind Slogans der Surf-Marken
  • surf beleuchtet die Szene in Salzburg: Pionier Bertram Glaser bekam nur 14 Tage nach dem Sylter Calle Schmidt seinen Vertrag als Windsurfer-Importeur, Alpha wurde in der Gegend gegründet und das Klappschwert erfunden.
  • Nochmal Test: 295er boomen als guter Kompromiss zwischen Sportlichkeit und genügend Volumen. Die Test-Erkenntnisse gelten auch heute noch: “Breites Heck gleitet früh”, “Wenig Rocker gut für Speed” und “Breites Heck, mehr Kantendruck”. Jeder Test-Bericht ist mit dem Hinweis versehen “Achtung, für dieses Brett ist hohes Fahrkönnen erforderlich!”
  • Ein Klassiker: surf stellt die Spot rund um Hood River vor. Am “Gardasee hoch zwei” musste kurz vorher ein Worldcup wegen zu viel Wind verschoben werden (!)

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Tobias Frauen

Tobias Frauen

Redakteur

Tobi verantwortet alles Digitale – von der surf-Webseite bis zu den Social-Media-Kanälen – und sorgt täglich für frischen Bild- und Videocontent. Seine Surf-Wurzeln reichen vom Münsterland über Ijsselmeer, Brouwersdam und Sylt bis nach Kiel und Heidkate. Heute lebt er seit über zehn Jahren in Hamburg als „Weekend Warrior“ und ist so oft wie möglich mit Campingbus und Familie unterwegs – bevorzugt an Ostsee, SPO, Dänemark sowie in Finnland, Schweden oder Sardinien.

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