Eine “emotionslose Bestandsaufnahme” soll es werden, die Nordsee-Geschichte im Mai 2001. Während die einen von Licht, Wellen, Wind und Stimmung schwärmen, denken andere bei der Nordsee an “Saukälte, Dreckbrühe, Scheiß-Dauerregen”. Wo liegt denn nun die Wahrheit? In Sachen Wellen braucht sich die Nordsee jedenfalls nicht zu verstecken, die Höhe der Swell-Wellen ist laut Statistik besser als etwa vor Sardinien - auch wenn die Richtung aus der ein funktionierender Swell kommen kann, etwas eingeschränkter ist. Auch in Sachen Sonnenstunden und Regen ist Dänemark nicht schlechter als das Mittelmeer - allerdings bei spürbar niedrigeren Temperaturen. Allerdings gebe es da schon Unterschiede zwischen dem Norden Dänemarks und der Küste rund um Scheveningen. Auch die Windstatistik ist vielversprechend, und die Wasserqualität ist zwar noch nicht lupenrein, aber deutlich besser als der Ruf, so Autor Andreas Erbe - ein großer Nordsee-Fan.
Von Wind- und Wellenstatistiken zu anderen Zahlen: Die “Chance”, von einem Hai angegriffen zu werden, ist deutlich geringer als ein Sechser im Lotto. Dennoch surft an bestimmten Spots immer ein mulmiges Gefühl mit: “Ich mach’ mir jedes Mal fast die Neoprenhose voll, wenn ich in der Tafelbucht vor Kapstadt unfreiwillig das Brett verlassen muss”, gibt Autor Josh Welz zu. Craig Ferreira, Hai-Forscher aus Südafrika, würde jedoch sogar in der Bucht mit der höchsten Hai-Population weltweit den Wasserstart üben. Im Normalfall flüchten Haie vor Windsurfern und bewegen sich eher weit unter der Wasseroberfläche - Begegnungen sind also eher unwahrscheinlich. Greift der Hai dann doch mal an, dann nur, weil er Lust auf Robbe hat und Wellenreiter, Schwimmer oder Taucher mit seiner Leibspeise verwechselt. Windsurfer sind eher selten im Visier, und auch bei allen anderen “Häppchen” lässt der Hai meistens von seiner Beute ab, wenn er den Irrtum bemerkt. Die Gefahr ist dann, dass die Opfer zu viel Blut verlieren- doch auch diese Fälle sind äußerst selten im Verhältnis von Wassersportlern und Hai-Population. “Windsurfer müssen sich von allen Wassersportlern am wenigsten Sorgen machen” beruhigt Ferreira. Haie seien eher skeptisch und schreckhaft, absichtlich angreifen würden sie nur, wenn man sie gezielt reizt - etwa durch Ziehen am Schwanz oder Wegschnappen der Beute. Menschen und Windsurfer speziell seien “keine Beute, eher abschreckend, bestenfalls interessant.” Wer ruhig bleibt, nicht flüchtet, Arme und Beine ausbreitet und Brett und Rigg festhält, signalisiert: “Schau her, ich bin keine Robbe!” Insgesamt gibt es Stand 2001 nur zwei Angriffe auf Windsurfer (in einem Fall setzte sich das Opfer aus Versehen beim Wasserstart auf einen Tigerhai).
Tiree hat sich unter Windsurfern einen exzellenten Ruf erarbeitet, vor allem Dank des legendären Contests, bei dem es ein imposantes Schwert zu holen gibt. 2001 machte sich eine Crew norddeutscher Windsurfer auf den Weg, das damals noch weitgehend unbekannte schottische Eiland zu erkundigen. Dank Golfstrom relativ mildes Klima - ”nach schottisches Maßstäben” - und die guten Swell-Aussichten in den Inneren Hebriden versprechen Top-Bedingungen. Die Jungs wurden nicht enttäuscht: Nach einem grandiosen Wellenreit-Tag und etwas Geduld werden sie mit Sahne-Tagen an heute wohlklingenden Spots wie “The Maze” oder Crossapol belohnt. Besonderen Zauber übt dabei die Insel selber aus: Linksverkehr gibt es nicht, weil alle Straßen ohnehin nur einspurig sind - und unweigerlich früher oder später zum Hafenpub führen. Dort sollte eigentlich die Party des Jahres mit 70er- und 80er-Songs starten, musste jedoch abgesagt werden, weil der Wirt plötzlich verschwunden war. Er habe niemanden gefunden, der ihn im Falle einer Schlägerei zur Seite stehe, so die Erklärung.
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