RückspiegelDas waren die Highlights in surf 1-2/1998

Tobias Frauen

 · 03.01.2026

Auf dem surf-Cover im Januar 1998 springt Frank Baensch am Diamond Head, fotografiert von Warren Bolster
Foto: surf Archiv
1998 erkannte man langsam, dass große Boards Vorteile haben. Außerdem gab es in Berlin einen Indoor World Cup und jede Menge spannende Neuheiten auf dem Markt!

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Die Waveboards werden größer

​“Fette, geduldige, windgenügsame Waveboards” im surf-Test: Die neuen Jumbos sollen den Einstieg erleichtern und das Windlimit senken. “Jetzt sitzen die Waverider nicht mehr als coole Arschlöcher am Strand herum und machen sich über die Freerider lustig”, frohlockt ein Marken-Verantwortlicher. Die neuen Shapes haben Eigenschaften zurückbekommen, die jahrelang keine Rolle spielten: “Diese Boards gleiten deutlich früher und laufen besser Höhe”, so Bic-Shaper Fabien Vollenweider. Zugleich macht die Sandwich-Bauweise die Bretter deutlich leichter, selbst “radikale Soulsurfer auf Serien-Waveboards” seien keine Seltenheit mehr, staunt Fanatic-Schnitzer Sebastian Wenzel. Grundsätzlich ist er jedoch skeptisch und sagt beim Blick auf die neuen, großen Boards: “Wenn ich ein Waveboard für die Gruppe machen müsste, sähe das sicher anders aus.” Dabei meint er vor allem die relativ flache Scoop-Rocker-Linie vieler Neulinge, die seiner Meinung nach keine Wave-DNA mehr haben. Mit dabei sind Klassiker wie der F2 Wave (gelb mit schwarzem Drachen!) oder HiFlys Top-Modell von Sean Ordonez, einem der späteren Quatro-Gründer. Bei Mistral standen noch Rick Naish und Harold Iggy am Hobel, beim JP war Peter Thommen verantwortlich. Während die kleinen Waveboards teilweise nur winzige 68 Liter Volumen mitbringen, überspringen einige der großen Neuheiten bereits die 100-Liter-Marke.

Hookipa in der Halle - Indoor-Contest in Berlin

Indoor-World Cups sind in der zweiten Hälfte der Neunziger total angesagt. Stadion-Atmosphäre, Action-Garantie und die Stars mitten in der Großstadt erleben. Paris-Bercy hat es vorgemacht, auch in Mailand lief ein Hallen-Event, Ende 1997 bekam auch Berlin seinen Indoor-World Cup im Velodrom. Dass die Show wichtiger ist als der Sport, wissen auch die Fahrer: Im Traum-Finale Naish gegen Dunkerbeck zeigt erst Robby seinen Sportsgeist, als er unter dem Jubel der Zuschauer nach einem Mastbruch bei Björn wartet, bis dieser wieder am Start ist. Umgekehrt bremst Dunki ab, als Naish die Gabel verrutscht, um so ein Super-Final zu bekommen. Nach zwei Tagen lieg Dunki vorne, auch Dank eines speziellen, für damalige Verhältnisse sehr breiten Boards, mit dem er nach den Halsen schnell wieder ins Gleiten kam. Aufs Springen über die Rampe allerdings verzichtet Dunkerbeck, er will sich nicht verletzen. Bei einem einzigen Versuch im Training knickte er auch prompt sein Brett ein. Auch andere Fahrerinnen und Fahrer werden Opfer der Rampe, Sieger ist am Ende Robert Teriitehau. Die Zuschauer allerdings finden Slalom spannender, “das ist wie Formel 1!”

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World Cup-Finale als “Krimi unter Palmen”

In Fortaleza trafen sich die World Cupper zum letzten Event des Jahres, vor allem beim Waveriding und bei den Damen war der Titelkampf spannend. Nach tagelanger Flaute mit Skippers Meetings um 5:00 Uhr Morgens dann endlich eine leichte Brise und der Start in die Single Elimination. Robby Naish will unbedingt gewinnen, sein Halbfinale gegen Dunkerbeck muss aber mehrfach abgebrochen werden. Doch dann wird Naish nachträglich rausgeworfen, ein Judge hatte im Viertelfinale einen Sprung falsch gewertet. Das würfelt das Ranking durcheinander, Scott Fenton ist plötzlich WM-Dritter. Ganz vorne landet ein überwältigter Jason Polakow mit seinem ersten WM-Titel. Die Freude ist so groß, dass der Australier schon mal vorfeierte und dann angeheitert zur offiziellen Siegerehrung aufkreuzte. Eine ähnliche Taktik fuhren auch Andy Laufer und einige andere Fahrer, die angesichts der mauen Vorhersage ausgiebig das Nachtleben erkundeten und dann jeweils direkt zum frühen Skippers Meeting gingen. Bei den Damen holte Nathalie LeLievre ihren achten Titel und kündigt ihren Abschied aus dem World Cup an.

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Und sonst so?

  • “Ein neues Kapitel Windsurfen” möchte F2 mit dem New Move im Longboard-Style aufschlagen. Zumindest optisch ist das Board in edler Holz-Option ein echter Hingucker
  • Vorboten eines Mammut-Projektes: Eine kleine Meldung kündigt das Trans Atlantic Windsurf Race an. Erst kürzlich hat Organisator Louie Hubbard ein Buch über das legendäre Rennen geschrieben!
  • Transfers: Wave-Weltmeister Jason Polakow wechselt von Gaastra zu NeilPryde, wo er bis Ende 2023 bleiben und auch sein Label JP-Australia integrieren sollte.
  • Mit dem Ziel “Superlearning” bringt Mistral ein aufblasbares Board mit dem Namen “Windglider” auf den Markt. Die Luftmatratze soll bei den allerersten Schritten helfen - ein Urahn der iSUPs.
  • Wie bei den Waveboards setzen die Shaper auch im Flachwasser auf mehr Volumen. F2 bringt mit dem Thommen 305 einen Leichtwind-Racer jenseits der damals noch magischen Drei-Meter-Marke, 179 Liter sollen für Gleiten ab zwei Windstärken reichen. Mistral verpasst dem 311 cm langen SLE in Müllabfuhr-Orange sogar 185 Liter. RRD hängt erstmals einen Flap ans breite Heck - einen kleinen Gummi-Lappen, der verhindern soll dass die weit hinten liegende Finne Luft zieht.
  • Tolles Revier im Schatten der Hot Spots: surf stellt die Halbinsel Odsherred im Norden der dänischen Insel Seeland vor - für fast jede Windrichtung gibt es hier tolle Spots mit perfektem Dänemark-Flair!
  • Jason Priors Doppelloop beim Aloha Classic war 1998 noch eine eigene Meldung wert...

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