In Zeiten vor Windfinder, Windguru und Co. waren verlässliche Wind-Vorhersagen eine Wissenschaft für sich. Kurz vor dem Beginn der Saison versuchte sich surf an einer Prognose für den Surf-Sommer 1978. Als Experten dabei: Ein zeitgenössischer Wissenschaftler und der Mönch Dr. Mauritius Knauer, der im 17. Jahrhundert das Wetter beobachtete und den “Hundertjährigen Kalender” erfand, der Wetter-Phänomene in Mond-Zyklen beschrieb und lange als ein Anhaltspunkt für die Prognose herangezogen wurde. Aus diesen beiden Quellen sollte nun bestimmt werden, ob 1978 ein gutes Windsurf-Jahr werden sollte. Die Aussagen des längst verstorbenen Geistlichen sind kryptisch bis unentschlossen: “mehr feucht als trocken, auch mehr kalt als warm, obwohl der Sommer sehr warm, öfters aber kalt”. Aha. Etwas genauer formuliert es dann schon Wolfgsng Döbereiner, der 1978 in München ein “astrologisches Institut für Rhythmenlehre” betreibt. Er gibt für jeden Tag eine zumindest tendenzielle Vorhersage ab, im Frühjahr noch ähnlich wie 300 Jahre zuvor der Mönch, Richtung Herbst sind die Herren sich dann nicht mehr ganz so einig. Knauer weist übrigend noch darauf hin, dass zum Herbst 1978 seiner Meinung nach Krankheiten drohen (”Gicht, Grimmen, Katarrhe, Wassersucht und andere Krankheiten, die durch Verstopfung der Adern entspringen”), und dass der Hopfen in diesem Jahr nur “mittelmäßig” gerate, ebenso wie der Wein (”nicht viel und ein gemeiner Speisewein, gewöhnlich ziemlich sauer”). Kann man das glauben, oder sind die astrologischen Beobachtungen Humbug? Die Experten vom Deutschen Wetterdienst haben sich jedenfalls nicht zu einer Sommer-Prognose herablassen können. Sie verwiesen auf den Mönch und den Astrologen...
Hat hier jemand Kite gesagt? Ten Cate, der Windsurf-Riese aus den Niederlanden, hat seine Wurzeln eigentlich in der Textil-Branche und wittert mit dem “Uphill Racer” einen neuen Mega-Trend. Die Idee: Eine Art Fallschirm soll Skifahrer schon bei ein bis zwei Windstärken den Berg hinaufziehen, Wartezeit an Liften ist damit vergessen. surf-Chefredakteur Ulrich Stanciu probierte den 50 Quadratmeter großen Schirm von Erfinder Dieter Strasilia auf der Piste aus. Hoch gings wunderbar, auch der Mechanismus zum Entpowern und “landen” funktionierte tadellos. Nach der Abfahrt dann aber der Dämpfer: Die 30 Leinen haben sich gnadenlos verheddert, in Wind und Kälte ist da nichts zu machen. Stanciu kann sie erst abends im Hotelflur, zur Verwunderung von Gästen und personal, wieder sortieren. Sein Fazit: “Ten Cate hatte mit dem Windsurfer so viel Erfolg, weil das Gerät so einfach ist. Der Uphill Racer jedoch ist sehr kompliziert, zu kompliziert vielleicht.” Und doch denkt man aus heutiger Sicht: Nicht nur Kitesurfen hat gewisse Ähnlichkeiten mit der Idee von 1978, sondern vor allem der neue Parawing-Trend - rausziehen mit Windkraft, Verstauen und dann beginnt der Downwind-Spaß.
“Lieber in kleinen Wellen leben als in großen Wellen sterben”, so tickten 1978 noch die Wave-Surfer auf Hawaii. Pat Love, Larry Stanley, Dennis Davidson und andere waren die unter den ersten, die sich in “echte” Brandung wagten - ohne Schlaufen. Mit großer Sorgfalt wird ein Spot gesucht, an dem Wellen und Wind stimmen, wo es einen Channel zu rauskommen gibt und bei einem Waschgang keine Felsen lauern, denn “Sicherheit geht über alles”. Meistens halten sich die Pioniere auch von der Brandungszone fern, sondern bleiben eher draußen. Der dramatische Höhepunkt des Nachmittags gehört dann Pat Love: er “reitet mit Höchstgeschwindigkeit eine Welle ab, die hinter ihm zu brechen droht.” Später, beim Betrachten der Bilder, kommentiert sein Kumpel lakonisch: “holding ass” - er hatte Schiss.
Eigentlich war Jochen Halbe für eine Segel-Regatta hinter den Eisernen Vorhang nach Estland gereist, ins Olympia-Revier für die Spiele 1980. Als Freizeit-Spaß hatte die Segler-Truppe ihre Windsurf-Boards mitgenommen, sehr zur Begeisterung der Gastgeber: “Macht ihr bei unserer Regatta mit?” kam prompt die Einladung. Etwa 30 Starter waren dabei, größtenteils mit akribisch ausgetüftelten Eigenbauten. Denn abgesehen von einigen wenigen “Holland-Brettern” kam der neue Sport nur über Bilder in die Sowjetunion. Die waren mit sehr flachen Bodenkurven optimal auf flaches Wasser zugeschnitten, einige sogar auffallend leicht. Sieger war am Ende Ain Vilde, allerdings nicht unumstritten, denn der Este fächelte sich mit ausgefeilter Pumptechnik an die Spitze - damals verpönt und sogar vom Reglement untersagt. Das jedoch hatte die Wettfahrtleitung nicht parat und fragte bei den deutschen Gästen um Rat - die mit ihrem diplomatischen Verweis auf die internationalen Wettsegelbestimmungen alle Gemüter beruhigen könnten und anschließend zu Champagner, Wodka und Cognac eingeladen wurden.
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