RückspiegelDas waren die Highlights in surf 3/1990

Tobias Frauen

 · 01.08.2026

Ein Fotomodell mit dem Namen "Brazil" macht auf dem März-Cover Sommer-Laune, fotografiert von Bernard Biancotto
Foto: surf Archiv
Das Geheimnis der Segellatten, die Wiedervereinigung der Windsurf-Szenen und Rückblick auf die boot - das waren die surf-Highlights im März 1990!

Themen in diesem Artikel

Heute ist Ägypten eine der beliebtesten Surf-Destinationen, 1990 sind noch weite Teile der Küste des Roten Meeres unbekannt. Ein Team der Surf-Akademie mit Wolfhard Smit, Dirk Muschenisch, Andrea Hoeppner und einigen Surflehrern machte sich auf den Weg, um neue Spots südlich von Safaga zu entdecken, surf durfte dabei sein. teils ist die Küste noch militärisches Sperrgebiet, ohne Genehmigung kommt man nicht weit. Die Mühe lohnt sich: “Fast nach jeder Kurve staunen wir über eine neue Traumbucht”, teils mit Welle, teils als riesige Stehreviere. Die Einheimischen in der Stadt Qusier bestaunen die “flippigen Surf-Klamotten” der Truppe, einige scheue Beduinen bestaunen wenig später sogar das Auto.

boot 1990

Der März war traditionell der Termin für die große boot-Nachlese. In der “Hölle 12”, dem Basar der Surf-Händler, prügelten sich die Massen um “zweitklassigen Messeschund”. Etwas gesitteter ging es bei den Herstellern zu: Jimmy Lewis shapte jeden Tag in einem gläsernen Kasten live ein Board und war sogar im ZDF Sportstudio zu Gast, Walter Eichler und Axel Ohm präsentierten die neue Marke “On” mit Shapes aus dem Computer, Fanatic polarisiert mit schwarz-lastigen Designs, und North kauft einem Händler 100 “Schrottsegel” ab, um den Markt zu bereinigen.

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Segellatten im Test

Für die meisten Hobby-Surfer sind sie einfach da, doch die Profis haben auch 1990 schon längst das Tuning-Potenzial entdeckt, dass verschiedene Segellatten bieten. surf testet exemplarisch an einem F2 Slalom-Segel, dass mit Edel-Stangen aus GFK und Carbon getunt wird. Erster Eindruck: Bei Leichtwind haben die Serien-Latten einen Vorteil, bei Hack dann die extrem steifen Carbon-Stäbchen - allerdings leidet die Manöverfreundlichkeit. Fazit: gute Segellatten müssen nicht unbedingt teuer sein, auch günstige “Strangware” kann mithalten, wenn sie sinnvoll profiliert wird.

Der erste Surf-Frühling nach dem Mauerfall

“Scheiße”, dachte sich Heinz Schäfer, 1983 DDR-Meister im “Brettsegeln”. “Jetzt wo ich endlich auf die Ostsee darf, kommen die Westsurfer auch.” Tatsächlich herrscht im ersten Frühling nach dem Mauerfall eine extreme Aufbruchstimmung, auch unter den Windsurfern. Die Zeit zwischen November 1989 und der Einheit am 3. Oktober 1990 wirkt aus heutiger Perspektive wie eine skurrile Parallelwelt: die Grenzen sind offen, doch die DDR als eigener Staat existiert noch. Die auf Improvisation angewiesenen Ost-Surfer können endlich Serien-Material kaufen, reisen und ohne Einschränkungen die eigenen Spots entdecken. Die westdeutschen Surfer wittern im Osten leere, unentdeckte Spots, die Locals fürchten, dass ihnen dort die wenigen Plätze in Hotels und auf Campingplätzen weggenommen werden. Fernreisen sind wegen der schwachen Ostmark kaum drin. Umso eifriger wird das Material aufgerüstet und trainiert, um bei den ersten gesamtdeutschen Regatten, die ab 1991 geplant sind, mithalten zu können. Wiedervereinigung auf der Regattabahn? “Die im Westen sollen sich warm anziehen!”

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Und sonst so?

  • 110 km/h sind drin - das glaubt Eissurfer Markus Steinlein. “Du kannst sechsmal schneller werden als der Wind”, so Steinlein.
  • Der Mauerfall ist gerade mal ein paar Monate her, jede Menge neue Spots warten an der ostdeutschen Ostsee-Küste darauf entdeckt zu werden (siehe oben). Man werde Windsurfer “möglichst keinen Einschränkungen unterwerfen”, kündigt Konteradmiral Herbert Städtke, Chef der DDR-Grenzbrigade Küste, gegenüber surf an. “Bei aller Offenheit können wir aber nicht tolerieren, dass sich Surfer in der Nähe von Sperrgebieten oder Seehäfen tummeln.”
  • Gleichzeitig warten “ungefähr 10 000 bis 20 000” Ost-Surfer auf neues Material, surf ruft die Leser dazu auf, die Garagen auszumisten und zu spenden.
  • “Wellen-Flitzer” lautet die Headline zum Test der Serien-Sinker, und die Test-Crew muss fürs Aufmacherbild blank ziehen.
  • 4000 surf-Leser haben bei der Umfrage nach der Zufriedenheit mit ihren Boards teilgenommen. Vor allem aufgerissene Kanten sind ein großes Thema bei einigen Marken
  • In Sachen Fahrtechnik gibt es zwischen Mauerfall und Einheit natürlich - die Wende
  • “Easy Surfing heißt das Stichwort für die Neunziger Jahre”, verkündet surf und lobt bis zu 30 “Westmark” für Tipps aus, die das Surfen leichter machen sollen. Zum Start: Monofilm nicht in der Sonne liegen lassen und Bauschwämme als Footpads.
  • Perlen der Werbung: “1200 Quadratzentimeter, die die Surfwelt verändern”, bewirbt HiFly seinen “Facet Bottom” - eine plane Fläche im Unterwasserschiff, die schnell gleiten soll und ebenso schnell wieder verschwunden ist.
  • Was sind Board-Oldtimer aus den frühen Achtzigern noch wert? surf begibt sich auf die Suche und findet alles von 1000 Mark bis “unverkäuflich”.

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Tobias Frauen

Tobias Frauen

Redakteur

Tobi verantwortet alles Digitale – von der surf-Webseite bis zu den Social-Media-Kanälen – und sorgt täglich für frischen Bild- und Videocontent. Seine Surf-Wurzeln reichen vom Münsterland über Ijsselmeer, Brouwersdam und Sylt bis nach Kiel und Heidkate. Heute lebt er seit über zehn Jahren in Hamburg als „Weekend Warrior“ und ist so oft wie möglich mit Campingbus und Familie unterwegs – bevorzugt an Ostsee, SPO, Dänemark sowie in Finnland, Schweden oder Sardinien.

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