Der “Klimatod” surft mit: Anfang der Neunziger wird bewusst, wie schädlich FCKW ist, das auch bei der Herstellung von Surfboards eine wichtige Rolle spielt. “Für einen umweltfreundlichen Sport eine Katastrophe”, schreibt Chefredakteur Gerd Kloos im Editorial, auch wenn die Branche relativ gesehen nur einen kleinen Anteil hat. surf hatte schon zwei Jahre vorher andere Lösungen für den “Stratosphärenrowdy” gefordert. FCKW wird damals vor allem bei den eher günstigen Boards eingesetzt, um den Schaum in die geblasenen Hüllen zu pressen. HiFly versuchte als einer der ersten Hersteller, auf das schädliche Gas zu verzichten und testete verschiedene andere Optionen. Nach einigen Rückschlägen begann man, selber zu experimentieren. Mit Erfolg: Ein anderes Gas war nicht nur zehnmal weniger schädlich, sondern die Boards wurden sogar noch 1,5 kg leichter. HiFly bot der Konkurrenz sogar an, das Know-How zu teilen. Doch während man auch bei Fanatic inzwischen FCKW-frei ist, setzen Tiga und Bic noch immer auf den Ozonkiller.
Im großen Amerika-Special zeigt surf die besten Windsurf-Spots im Land der (damals noch) unbegrenzten Möglichkeiten. Im Internet-Zeitalter fast vergessen, dass die Infos zu Windsurf-Möglichkeiten im Traum-Land vieler Deutscher damals rar waren. Los gehts in San Francisco, am legendären Crissy Field direkt neben der Golden Gate Bridge, Startpunkt für einen Trip Richtung Oregon. Der kalte Pazifik und das warme Hinterland produzieren zuverlässig Wind, selbst Robby Naish schwärmt von den einsamen Spots entlang der Küste, wie etwa Pistol River. “Ich habe mich mein Leben lang noch nicht vor dem Halsen umgesehen, ob da einer kommt”, so einer der ganz wenigen Locals. Die sind ausgesprochen freundlich und neugierig auf alle Gäste. Das gilt auch weiter südlich, in “Kaliforniens Superwelle” am Waddell Creek. Weniger einladend sind hier jedoch die Bedingungen: “Die Locals [...] empfinden 13 Grad Wassertemperatur als warm”, dazu kommen heftiger Shorebreak und Haie. Auch in Las Vegas kann man surfen, auf dem vom gigantischen Hoover-Damm aufgestauten Lake Mead. Und auch wenn sie zu Mexico gehört, ist die Baja California Teil der Westküsten-Szene. Auch zu Florida gehört Windsurfen “wie Don Johnson zu Miami”. Im Gegensatz zu den karibischen Spots dort ist Corpus Christi im Süden von Texas zwar bekannt, aber überfüllt und dreckig. Die Spot-Rundreise beenden das legendäre Cape Hatteras und Cape Cod an der Ostküste, bevor es noch Tipps für die River Gorge gibt.
Saintes Maries de la Mer hatte in den Neunzigern einen genauso verheißungsvollen Namen wie heute Lüderitz: Hier, im Süden Frankreichs, lag damals ein künstlich ausgebaggerter Kanal, der die höchsten Geschwindigkeiten auf einem Windsurfboard ermöglichte. Im Rhone-Delta zwischen lauter Etangs (kleinen Seen) weht der Wind ungestört ablandig und macht die Gegend zum Speed-Mekka. Zunächst wurde noch auf dem offenen Meer gefahren, bevor Hotelbesitzer Michel Rousselet 1986 die Idee hatte, einen Kanal zu buddeln. Der lehmige Sand war perfekt, und 1988 wurde das erste “Surf-Stadion” der Welt eröffnet, 800 Meter lang, 20 Meter breit und einen Meter tief. Der Kanal liegt so, dass vier Windrichtungen raumschots wehen, und in den Jahren danach wurden Rekorde am Fließband aufgestellt. Später wurde die Piste auf 1100 Meter verlängert, die Gemeinde und das Sportministerium in Paris unterstützen kräftig und dennoch wird wegen üppiger Betriebskosten kein Geld mit dem Kanal verdient. Als ab 2007 der Kanal in Lüderitz gebaut wird, gerät St. Maries de La Mer in den Schatten des Kanals in der Wüste Namibias.
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