RückspiegelDas waren die Highlights in surf 6/1986

Tobias Frauen

 · 26.09.2026

Wyatt Jones flieht auf dem surf-Cover im Juni 1986 vor einer Welle, an der Kamera war Darrell Wong
Foto: surf Archiv
Das schnellste Revier der Welt, ein Undercover-Test von organisierten Windsurf-Reisen, kleine Custom-Schmieden und vieles mehr! Das war der Windsurf-Sommer 1986!

Ein Revier wie aus dem Labor: Zwei Autostunden von Los Angeles entfernt liegen mitten in der kalifornischen Wüste “The Ponds”. Zwölf langgestreckte Becken sammeln Wasser, dass 400 Kilometer weit aus dem Colorado River hierhergeleitet wird und die Grundwasserspiegel des nahegelegenen Palm Springs sicherstellen soll. Zufällig weht hier dank der Thermik in der kochen heißend Wüste auch noch ein bisschen Wind, genauer gesagt zwischen 30 und 50 Knoten (!). Der treibt nicht nur einen Wald aus Windkraftwerken an, sondern hat diesen bizarren Ort auch zu einem Mekka für Speed-Surfer gemacht. Bei der Alpha Speedweek sollen neue Rekorde aufgestellt werden, surf war dabei. Doch die extremen Bedingungen fordern besondere Vorsicht: Autotüren werden einfach umgeklappt, wenn falschherum geparkt wird, zudem werden Scheinwerfer und Lack im Zeitraffer blind. Normale Trapeztampen sind unbrauchbar, da sie weggeblasen werden, stattdessen müssen extra steife Konstruktionen an die Gabel. Vor dem Start des Events wurden sogar 15 Stahlcontainer mehrere hundert Meter weggeweht. Wer auf einem der knapp hundert Meter breiten Teiche fahren möchte, darf auf keinen Fall die Leekante belasten, denn dann packt sofort der Wind unters Board und es zerlegt einen. Beim Warmfahren werden schon für damalige Verhältnisse sensationelle 54 bis 57 km/h auf Serienmaterial gemessen, die Strecke ist jedoch nur knapp 100 Meter lang. Pünktlich zum Event dann das Außergewöhnliche: Ein hartnäckiges Tief behindert die Thermik und der Wind bleibt aus. Wie das so ist, kommt er erst nach dem Ende der Regatta wieder auf Touren...

Der Traum vom eigenen Windsurf-Business

Der Traum vom eigenen Geschäft in der Surf-Branche: Zwei kleine Custom-Schmieden im Ruhrgebiet und in Bayern sind das Zeugnis eines gelebten Traumes. Die (vermutlich namenlose) Werkstatt in Essen ist mit vier Angestellten und rund 500 Boards eine der größten Custom-Anbieter in Deutschland. Chef Andreas wollte nie reich werden, “nur unabhängig”. Inzwischen ist er zu seinem Unbehagen selber Chef, das Team sei “schwierig zu führen”: Auf Druck reagieren sie sauer, wie jeder der selbsständig denkt”, so der Chef achselzuckend. Er selber bepreise seine Boards immer so, dass er nichts mjehr draufzahlen müsse. Auch bei “Keep Cool” in einem bayerischen Dorf geht es den jugen Shapern nicht ums Geld: “Wer kann einem armen Schüler einen Preisnachlass abschlagen, wenn er selbst mal in dieser Situation war?” Basis für die Boardbauer war ein eigens entwickelter Spachtel für kaputte Epoxy-Bretter, der mit viel Engagement und Herzblut auf den Markt gebracht wurde. Der Rat an alle, die auch vom eigenen Surf-Business träumen: “Man muß noch in Ruhe Bier trinken gehen, wenn der Dispo-Kredit überzogen ist und 400 Mark Telefonrechnung ins Haus flattern.”

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Windsurf-Reisen im Inkognito-Test

“Für Einzelgänger und kontaktscheue Menschen sind diese Massenveranstaltungen ebenso ungeeignet wie für individuelle Lebenskünstler”, warnen zwei surf-Autorinnen vor organsisierten Busreisen. Solche Trips mit einem Gesamtpaket aus Anreise, Unterkunft und oftmals auch Surf-Kursen sind eine günstige Option, um an bekannte Spots zu kommen. Wenn es gut läuft, hat man mit netten Gleichgesinnten eine gute Zeit. Wenn es schlecht läuft, kann solch ein Massen-Trip die Hölle auf Erden sein. surf schickte zwei Reporterinnen inkognito los. Der Start ist zunächst ein Reinfall: Überfüllte Busse, schlechter Kaffee, eine anstrengende Reise und ein “Stehrevier” ohne Boden unter den Füßen. Die Top-Bedingungen der folgenden Tage und der Test-Pool der Hersteller heben dann die Laune, trotz einem “hektischen Choleriker” als Reiseleiter. Doch auf Dauer werden die Werbe-Veranstaltungen der Marken und die ewige Pizza im immer gleichen Restaurant langweilig. Außer Surfen gibt es nichts zu tun, ohne Autos sitzt die Truppe fest. Der zweite Trip an den Golf von Lyon startet zwar gut, die Gruppendynamik leidet aber unter einem fest verschworenen Surfclub und den offen angekündigten Sauf-Absichten einiger Teilnehmer. Die “ghettoartige, aus dem Boden gestampfte Beton-Anlage”, die statt eines mediterranen Dörfchens vor Ort angesteuert wird, macht es dann nicht besser. Regen und Flaute sorgen dann für komplette Ernüchterung. Dafür kann zwar der Reiseveranstalter nichts, immerhin ist die Reiseleitung bemüht. Und als dann an einem Tag doch mal ein bisschen Wind kommt, sind die Ärgernisse fast vergessen.

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Und sonst so?

  • F2 ist in neuen Händen, die Brockhaus-Nachfolger wollen “die besten sein”, wie sie vollmundig verkünden. Mit Shaper Peter Thommen ist schon mal einer der prägenden Shaper der folgenden Jahre mit dabei.
  • Gleichzeitig verteilt F2 “Oscars” in der Surfbranche. Alle Partner, die im Trubel um den Besitzerwechsel treu geblieben sind, bekommen eine Plastik-Statue. Auch surf wird derart geehrt.
  • Sind Windsurfer und Wassersportler generell nach dem Super-GAU in Tschernobyl durch verseuchte Gewässer gefährdet? Experten sagen, das Wasser sei weniger belastet als beispielsweise das Gras am Ufer.
  • In der Frankfurter “Schwimmoper”, eine Hallenbad, können Windsurfer zu bestimmten Zeiten erste Startversuche üben
  • Beach- und Wasserstart werden bald zu den Anfänger-Schulungen gehören, prophezeit surf in der Fahrtechnik. Denn vor allem der Lift aus dem Wasser öffne die Türen für den “neuen Stil” und sportliche Bretter.
  • Perlen der Werbung: “Zwei unserer besten Test-Surfer haben noch nie das Wasser gesehen”, titelt Gaastra. Die Niederländer schnallen Riggs auf eine spezielle Konstruktion auf einem Pick-Up, um Vortrieb, Druckpunktstabilität und Dehnungsverhalten zu prüfen.
  • Im Test: 330er Funboards wie der F2 Comet sowie lange Allround-Raceboards wie Bic BeeBop und Fanatic Fox
  • Heute hat jede Familie eine Strandmuschel dabei, 1986 wurde das halbierte Zelt als “Windschutz für Surferwitwen” angepriesen
  • Manche Probleme verschwinden mit der Zeit: 1986 wurden Trapezhaken in einem großen Test bis zum Bruch belastet, um Flops zu identifizieren. Heute brechen Haken nur noch selten.
  • surf zeigt die neuesten Designs für “flippige”, bunte kurze Hosen, die - ganz verrückt - auch mal übers Knie reichen dürfen. Die Szene sage “Boardshorts” zu sowas. Denn: “Wer dabei sein will, der trägt Boardshorts unterm Neopren!” Unter!
  • Local Jürgen Hönscheid stellt “Deutschlands beliebtesten Brandungsspot” vor, den Brandenburger Strand auf Sylt.
  • Weißwürste statt Weißwasser: Bayerns Seen seien mehr fürs Gemüt als für die sportliche Herausforderung geschaffen, senkt der Spotguide gleich zu Beginn alle Erwartungen. “Sie werden die Powerhalse nicht vermissen!”
  • Beim Worldcup in La Torche gewinnt sensationell die erst 16 Jahre alte Natalie Siebel. Bei den Herren auf Platz drei: Ein ebenfalls 16 Jahre alter Junge “auf dem Weg in die Weltspitze”: Björn Dunkerbeck.

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Tobias Frauen

Tobias Frauen

Redakteur

Tobi verantwortet alles Digitale – von der surf-Webseite bis zu den Social-Media-Kanälen – und sorgt täglich für frischen Bild- und Videocontent. Seine Surf-Wurzeln reichen vom Münsterland über Ijsselmeer, Brouwersdam und Sylt bis nach Kiel und Heidkate. Heute lebt er seit über zehn Jahren in Hamburg als „Weekend Warrior“ und ist so oft wie möglich mit Campingbus und Familie unterwegs – bevorzugt an Ostsee, SPO, Dänemark sowie in Finnland, Schweden oder Sardinien.

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