Ein Revier wie aus dem Labor: Zwei Autostunden von Los Angeles entfernt liegen mitten in der kalifornischen Wüste “The Ponds”. Zwölf langgestreckte Becken sammeln Wasser, dass 400 Kilometer weit aus dem Colorado River hierhergeleitet wird und die Grundwasserspiegel des nahegelegenen Palm Springs sicherstellen soll. Zufällig weht hier dank der Thermik in der kochen heißend Wüste auch noch ein bisschen Wind, genauer gesagt zwischen 30 und 50 Knoten (!). Der treibt nicht nur einen Wald aus Windkraftwerken an, sondern hat diesen bizarren Ort auch zu einem Mekka für Speed-Surfer gemacht. Bei der Alpha Speedweek sollen neue Rekorde aufgestellt werden, surf war dabei. Doch die extremen Bedingungen fordern besondere Vorsicht: Autotüren werden einfach umgeklappt, wenn falschherum geparkt wird, zudem werden Scheinwerfer und Lack im Zeitraffer blind. Normale Trapeztampen sind unbrauchbar, da sie weggeblasen werden, stattdessen müssen extra steife Konstruktionen an die Gabel. Vor dem Start des Events wurden sogar 15 Stahlcontainer mehrere hundert Meter weggeweht. Wer auf einem der knapp hundert Meter breiten Teiche fahren möchte, darf auf keinen Fall die Leekante belasten, denn dann packt sofort der Wind unters Board und es zerlegt einen. Beim Warmfahren werden schon für damalige Verhältnisse sensationelle 54 bis 57 km/h auf Serienmaterial gemessen, die Strecke ist jedoch nur knapp 100 Meter lang. Pünktlich zum Event dann das Außergewöhnliche: Ein hartnäckiges Tief behindert die Thermik und der Wind bleibt aus. Wie das so ist, kommt er erst nach dem Ende der Regatta wieder auf Touren...
Der Traum vom eigenen Geschäft in der Surf-Branche: Zwei kleine Custom-Schmieden im Ruhrgebiet und in Bayern sind das Zeugnis eines gelebten Traumes. Die (vermutlich namenlose) Werkstatt in Essen ist mit vier Angestellten und rund 500 Boards eine der größten Custom-Anbieter in Deutschland. Chef Andreas wollte nie reich werden, “nur unabhängig”. Inzwischen ist er zu seinem Unbehagen selber Chef, das Team sei “schwierig zu führen”: Auf Druck reagieren sie sauer, wie jeder der selbsständig denkt”, so der Chef achselzuckend. Er selber bepreise seine Boards immer so, dass er nichts mjehr draufzahlen müsse. Auch bei “Keep Cool” in einem bayerischen Dorf geht es den jugen Shapern nicht ums Geld: “Wer kann einem armen Schüler einen Preisnachlass abschlagen, wenn er selbst mal in dieser Situation war?” Basis für die Boardbauer war ein eigens entwickelter Spachtel für kaputte Epoxy-Bretter, der mit viel Engagement und Herzblut auf den Markt gebracht wurde. Der Rat an alle, die auch vom eigenen Surf-Business träumen: “Man muß noch in Ruhe Bier trinken gehen, wenn der Dispo-Kredit überzogen ist und 400 Mark Telefonrechnung ins Haus flattern.”
“Für Einzelgänger und kontaktscheue Menschen sind diese Massenveranstaltungen ebenso ungeeignet wie für individuelle Lebenskünstler”, warnen zwei surf-Autorinnen vor organsisierten Busreisen. Solche Trips mit einem Gesamtpaket aus Anreise, Unterkunft und oftmals auch Surf-Kursen sind eine günstige Option, um an bekannte Spots zu kommen. Wenn es gut läuft, hat man mit netten Gleichgesinnten eine gute Zeit. Wenn es schlecht läuft, kann solch ein Massen-Trip die Hölle auf Erden sein. surf schickte zwei Reporterinnen inkognito los. Der Start ist zunächst ein Reinfall: Überfüllte Busse, schlechter Kaffee, eine anstrengende Reise und ein “Stehrevier” ohne Boden unter den Füßen. Die Top-Bedingungen der folgenden Tage und der Test-Pool der Hersteller heben dann die Laune, trotz einem “hektischen Choleriker” als Reiseleiter. Doch auf Dauer werden die Werbe-Veranstaltungen der Marken und die ewige Pizza im immer gleichen Restaurant langweilig. Außer Surfen gibt es nichts zu tun, ohne Autos sitzt die Truppe fest. Der zweite Trip an den Golf von Lyon startet zwar gut, die Gruppendynamik leidet aber unter einem fest verschworenen Surfclub und den offen angekündigten Sauf-Absichten einiger Teilnehmer. Die “ghettoartige, aus dem Boden gestampfte Beton-Anlage”, die statt eines mediterranen Dörfchens vor Ort angesteuert wird, macht es dann nicht besser. Regen und Flaute sorgen dann für komplette Ernüchterung. Dafür kann zwar der Reiseveranstalter nichts, immerhin ist die Reiseleitung bemüht. Und als dann an einem Tag doch mal ein bisschen Wind kommt, sind die Ärgernisse fast vergessen.
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