“Meuterei auf Maui”, “Star Wars”, “Krieg der Generationen”: Klingt dramatisch, war aber einfach nur der Durchbruch einer neuen Generation von Waveridern, die Altstars wie Robby Naish mit Doppelloops und nie gesehener Radikalität vor der Nase herumfuhren. Namen, die heute zur absoluten Oberklasse gehören und ihrerseits schon zu den “Alten” zählen. 1993 sorgten Francisco Goya, Jason Prior, Josh Angulo und Sean Ordonez für Aufsehen und prangten auf nahezu allen Titeln und Postern. “Wir sind dabei, das Gesicht des Windsurfens zu verändern”, brachte es Josh Angulo auf den Punkt. Vorbild ist Jason Polakow, das Aushängeschild der neuen Generation. Die Hawaii-Clique um Rush Randle oder Dave Kalama findet das nicht lustig, doch die jungen Wilden geben sich demonstrativ offen: “Unsere ‘Familie’ ist toleranter”, sagt Sean Ordonez. “Ich respektiere auch die Europäer”, ergänzt Josh Angulo, damals 20 Jahre alt. Der Style ist dabei weniger gemütlich: “Josh spielt nicht mit den Wellen, er zerstört sie.” Neue Moves und der Mut zum Risiko das, was die Gruppe vereint: “Wir bemühen uns sehr, der Welt das zu zeigen, was alle für unmöglich gehalten haben”, beschreibt Sean die Haltung. Er ist gleichzeitig der Hausshaper der jungen Wilden und treibt die Material-Entwicklung voran, damit alle die Spielzeuge haben, die radikale Sessions ermöglichen. “Wenn man Seeger auf eines unserer Bretter mit den neuen Shapes stellen würde, müßte er sich ernsthaften Gedanken um seine Gesundheit machen.”
Das beliebteste Manöver beim Windsurfen? Eine Kombination aus “Halsenversuch und anschließendem Wasserstart”, unkt Chefredakteur Gerd Kloos im Editorial. In Leserbriefen wird sich über ständige Halsen-Ratgeber beschwert, dennoch geben 61 % der Leser zu, dass sie nach wie vor an der Powerhalse feilen. Warum haben viele ein so gespaltenes Verhältnis zu Halse? “Wer sie lernt, bleibt dem Sport erhalten, wer scheitert ist ein potentieller Aussteiger”, fasst Coach Wolfhart Smidt seiner Erfahrungen zusammen. Reinfallen bedeutet Frust, und das wolle der Mensch vermeiden. Erschwerend kommt hinzu, dass die Boards Anfang der Neunziger vor allem auf Speed getrimmt sind, weil jeder auf dem neuesten Dunkerbeck-Design über den See rasen möchte. Ans Umdrehen hat damals kaum jemand gedacht. Nur etwa10 bis 20 Prozent der Windsurfer fahren saubere, durchgeglittene Halsen, schätzten Surfschul-Betreiber vom Gardasee. Doch Shaper Helmut Kirner prophezeit: “Es werden Boards kommen, auf denen man seine Halsen verbessern und vor allem Durchgleiten kann!” Wie diese aussehen, hat surf mit den Shapern herausgearbeitet - und ist erstaunlich nah an den heutigen Freeride-Shapes!
...lautet die Headline des Porträts von Dietmar Kornelli. Wer? Genau, denn obwohl Kornelli mit Deutschen Meistertiteln, Europameisterschaften und einem Vize-WM-Titel der erfolgreichste deutsche Surfer der frühen Neunziger und “Prä-Flessi-Ära” war, stand er meist im Schatten des Team Germany. Seine Schwächen liegen in der Welle - und in der Selbstvermarktung. “Das geht mir gegen den Strich”, gibt er im surf-Porträt zu. Gleichzeitig empfindet der ausgesprochene “Wettkampftyp” es als ungerecht, so wenig beachtet zu werden: “Irgendwie bin ich ein ungeliebter Gewinner.” Dennoch kann der Mann mit der Segelnummer G-5 mit Sponsoren wie F2 vom Windsurfen leben und bricht nach dem Durchbruch sein Studium ab. Er konzentriert sich auf den Windsurf-Cup, Worldcup macht er “nur zum Spaß” und gehe “abends auch viel weg”, das sei eher Training für die Funboardrennen.
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