“Wer Angst hat, riskiert weniger” - sagt Jason Polakow, einer der radikalsten und prägendsten Windsurfer der Geschichte, dem surf-Autor Steve Chismar einen Besuch abstatten durfte. Der Australier hat eine dicke Krankenakte, inzwischen aber auch zwei WM-Titel und den Ruf, eine Klasse für sich zu sein. Schon als Jugendlicher beim Motocross ist er nicht zimperlich, zu Risiko-Bereitschaft und einem riesigen Bewegungstalent kommt der unbedingte Drang, gewinnen zu wollen. Selbst an der Spielkonsole ist Polakow so ehrgeizig, dass er auch schon mal einen windigen Tag sausen lässt, um besser zu werden. Auch beim freien Surfen brennt Polli jedes Mal ein Feuerwerk ab - Aerials, Spray, Tukkas (”Off the lip Board-Segel-360er”). Doch sein Signature-Move ist auf den ersten Blick vergleichsweise simpel: “Keiner kann mit so extremer Vorlage Bottom Turns kratzen und die Welle schnitzen wie Jase”, sein Spitzname ist wegen des katzenartigen Buckels auch “Quasimodo”. Er wohnt mit Nik Baker zusammen, eine Porno-Sammlung bildet einen Großteil des Mobiliars in der Junggesellen-WG. Zur Ruhe kommt er nie, immer in Bewegung, sei es zum Windsurfen, Motorrad fahren, Wellenreiten, was auch immer. Das Rauchen der Mutter während der Schwangerschaft vermutet Marketing-Mann Martin Brander als Grund für Jasons Rastlosigkeit.
Ein Rennen zwischen Seglern und Windsurfern soll endlich klären, wer denn nun der “König der Meere” ist. Wobei “Segelyacht” arg untertrieben ist für den 2,5 Millionen Euro teuren Renn-Trimaran “Club Med”, den die gleichnamige Kette in das von ihr angesetzte Rennen schickt. Aber auch die Windsurfer können sich sehen lassen, mit Robert Teriitehau, Patrice Belbeoc’h und Jochen Kraut sind einige der besten Racer der Neunziger dabei. “Bei 20 Knoten haben wir keine Chance, aber bei Hack: I’ll kill those guys!” kontert Teriitehau die überheblichen Sprüche der Segler. Immerhin sind rund 100 Journalisten beim Start in der Nähe von Almanarre dabei, das Ziel ist ein Club Med auf Korsika. Und es hackt: Robert Teriitehau liegt fast das gesamte Rennen bei bis zu 40 Knoten nahezu uneinholbar vorne, die anderen Windsurfer hatten sich bei der Segelwahl verschätzt und haben “nichts mehr im Griff”. Teriitehau wird nur durch ein kaputtes Board und den unfähigen Fahrer seines Begleitbootes gebremst. Doch als das Ziel schon in Sicht ist, schläft der Wind ein und ein frustrierter Teriitehau muss das Renn-Boot unter Vollsegeln vorbeiziehen lassen. Immerhin: So richtig nach einer Siegesfeier ist den kleinlauten Seglern dann doch nicht zumute.
“Freestyle hat einen Österreich-Dialekt”, die neue Disziplin wird von auffällig vielen Alpenländern dominiert und geprägt. Dabei sind die Besten so unterschiedlich wie Berge und Wasser: Während Ossi Krupitz die Moves analytisch zerlegt und teilweise im Garten Stück für Stück trainiert, haben andere eine “Go for it”-Mentalität. Alex Humpel, früherer Snowboard-Profi und Erfinder des “King of the Lake” möchte “streßfrei bitte, und ohne strukturiertes Training” aufs Wasser. Er ist da ein gebranntes Kind, hatte doch sein früherer Sponsor Burton die Frechheit, die bezahlten Profis auch im Sommer zum Training bewegen zu wollen. Auch Frank Lewisch, damals schon surf-Tester und Freestyle-Lebemann, ist vor allem entspannt: “Ich fahr einfach hin und her.” Den Spock müsse er aber dann doch ein wenig üben, gibt er zu, der sei “oberschräg”. Auch Michael Schweiger gehört zum Kreis der Ösi-Trickser, er führte als erster Österreicher mal die Weltrangliste an.
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