Der Windsurf-Boom sorgt für ganz neue Probleme: Gemeinden und Tourismus-Verbänden (hier noch “Fremdenverkehrsdirektoren” genannt) sind die Massen an Windsurfern ein Dorn im Auge. Sie verschrecken Badegäste, nehmen zu viel Platz weg und lassen zu wenig Geld an ihren Zielorten. Immer mehr Gemeinden vergeben deswegen limitierte Lizenzen, die entweder als Plakette (Ratzeburg) oder als Fähnchen (Münster) am Segel befestigt werden müssen. Andere Städte geben nur sehr begrenzt ihre Wasserflächen für Surfer frei. Am Walchensee etwa herrscht schon damals ein massives Parkplatz-Problem, die Polzei “könnte den ganzen Samstag und Sonntag Strafmandate verteilen”. Teilweise kommen sogar Rettungswagen nicht mehr durch. “Die Surfer bringen uns ja nichts”, wird auch am Achensee gejammert. Die meisten würden ihren Proviant mitbringen, statt ordentlich im Wirtshaus ein zünftiges Schnitzel zu bestellen, wie sich das gehört. Es drängt sich jedoch der Verdacht auf, dass einige wenige Nörgler versuchen, Stimmung zu machen. So kann die Polizei die Anschuldigung, die Surfer würden am Walchensee die Strände vollgemüllt hinterlassen, weitgehend entkräften, gleichzeitig seien Übernachtungen gemeinsam mit der Zahl der Windsurfer gestiegen. Andernorts wird - auch im Zuge der anstehenden Olympia-Premiere - eine Liberalisierung beobachtet: Nach ausdauerndem Engagement wurden zuletzt viele Sperrungen wieder aufgehoben oder gleich ganz neue Surf-Gebiete eingerichtet. Wer immer noch dagegen ist, hat oft einfach keine Ahnung: “Ich hab da eine Fernsehsendung gesehen”, wird eine Surf-Gegnerin aus Österreich zitiert, “selbst der geübte Surfer kann von einer Böe erfasst werden!” Na sowas.
Evolution vor den eigenen Augen: Bei den surf-Testwochen am Gardasee lässt Robby Naish hunderte Zuschauer staunend zurück. Der damals 18 Jahre alte Shooting-Star zeigt die ersten Sprünge auf dem Lago, und “widerlegte damit die Meinung, dass solche Höhenflüge nur in der Riesenbrandung von Hawaii möglich wären”. Fotograf Dominique Merz war ganz dicht dran - so nah, dass teilweise nur die belüfteten Finnen auf den Bildern zu sehen sind. Doch diese waren 1981 eine Sensation, neben dem Cover hüpft Robby auch durch eine üppige Bilderstrecke. “Ich springe nicht mit dem Board - ich ziehe das Brett mit meinen Armen hoch”, beschreibt Robby die Technik. Wer es nach machen möchte, brauche ein schnelles, leichtes Board (”unter 15 Kilo”) und drei Fußschlaufen. Robby hat es dabei etwas leichter, nicht nur wegen seines Talents: Er fliegt am Gardasee ein Custom von Papa Rick - 2,07 Meter lang und 7 Kilo leicht. Passend zu den Bildern gibts weiter hinten im Heft eine Sprung-Fahrtechnik von Jürgen Hönscheid.
Während an Brettern schon seit geraumer Zeit herumgewerkelt und gefachsimpelt wird, sind Segel für viele noch weitgehend unbekanntes Gebiert. surf hat Segelmacher-Legende André Lefebvre beim Schneidern über die Schulter geschaut und zeigt alle Schritte beim Entstehen eines Dreiecks-Tuchs. Ein zentrales Kriterium damals war die Zahl der Segelbahnen. Während ein Segelmacher sich rühmt, bis zum 12 Bahnen zu verbauen, vertreten andere den Grundsatz “Ein gutes Sgel braucht nicht mehr als fünf Bahnen”. Auch Beschichtung der Stoffe und Dehnungsverhalten sind damals noch entscheidende Faktoren. Einige Marken haben “Zerreißmaschinen” gebaut, um jede Charge Tuch zu testen. Im Gegensatz zu den handgenähten Tüchern kleinerer Marken kommen fast alle Seriensegel der Boardhersteller aus den Hongkonger Fabriken von NeilPryde und Gaastra. Am Horizont tauchen aber bereits moderne Materialien wie Dacron und Mylar auf. Nur von Monofilm wagt noch niemand zu träumen.
Das gesamte Heft gibt es oben in der Galerie zum Durchklicken!
Das gesamte Heft gibt es oben in der Galerie zum Durchklicken!

Redakteur surf
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.