RückspiegelDas waren die Highlights in surf 9/1981

Tobias Frauen

 · 24.10.2026

"Hoch hinaus auf dem Gardasee" fliegt Robby Naish auf dem Cover, fotografiert hat Dominique Merz
Foto: surf Archiv
Zu viele Windsurfer! Die ersten Sprünge am Gardasee! Die Geheimnisse der Segelmacher! Viel los im September 1981 in der Windsurf-Welt - wir blicken zurück.

Der Windsurf-Boom sorgt für ganz neue Probleme: Gemeinden und Tourismus-Verbänden (hier noch “Fremdenverkehrsdirektoren” genannt) sind die Massen an Windsurfern ein Dorn im Auge. Sie verschrecken Badegäste, nehmen zu viel Platz weg und lassen zu wenig Geld an ihren Zielorten. Immer mehr Gemeinden vergeben deswegen limitierte Lizenzen, die entweder als Plakette (Ratzeburg) oder als Fähnchen (Münster) am Segel befestigt werden müssen. Andere Städte geben nur sehr begrenzt ihre Wasserflächen für Surfer frei. Am Walchensee etwa herrscht schon damals ein massives Parkplatz-Problem, die Polzei “könnte den ganzen Samstag und Sonntag Strafmandate verteilen”. Teilweise kommen sogar Rettungswagen nicht mehr durch. “Die Surfer bringen uns ja nichts”, wird auch am Achensee gejammert. Die meisten würden ihren Proviant mitbringen, statt ordentlich im Wirtshaus ein zünftiges Schnitzel zu bestellen, wie sich das gehört. Es drängt sich jedoch der Verdacht auf, dass einige wenige Nörgler versuchen, Stimmung zu machen. So kann die Polizei die Anschuldigung, die Surfer würden am Walchensee die Strände vollgemüllt hinterlassen, weitgehend entkräften, gleichzeitig seien Übernachtungen gemeinsam mit der Zahl der Windsurfer gestiegen. Andernorts wird - auch im Zuge der anstehenden Olympia-Premiere - eine Liberalisierung beobachtet: Nach ausdauerndem Engagement wurden zuletzt viele Sperrungen wieder aufgehoben oder gleich ganz neue Surf-Gebiete eingerichtet. Wer immer noch dagegen ist, hat oft einfach keine Ahnung: “Ich hab da eine Fernsehsendung gesehen”, wird eine Surf-Gegnerin aus Österreich zitiert, “selbst der geübte Surfer kann von einer Böe erfasst werden!” Na sowas.

Robby Naish zeigt die ersten Sprünge am Gardasee

Evolution vor den eigenen Augen: Bei den surf-Testwochen am Gardasee lässt Robby Naish hunderte Zuschauer staunend zurück. Der damals 18 Jahre alte Shooting-Star zeigt die ersten Sprünge auf dem Lago, und “widerlegte damit die Meinung, dass solche Höhenflüge nur in der Riesenbrandung von Hawaii möglich wären”. Fotograf Dominique Merz war ganz dicht dran - so nah, dass teilweise nur die belüfteten Finnen auf den Bildern zu sehen sind. Doch diese waren 1981 eine Sensation, neben dem Cover hüpft Robby auch durch eine üppige Bilderstrecke. “Ich springe nicht mit dem Board - ich ziehe das Brett mit meinen Armen hoch”, beschreibt Robby die Technik. Wer es nach machen möchte, brauche ein schnelles, leichtes Board (”unter 15 Kilo”) und drei Fußschlaufen. Robby hat es dabei etwas leichter, nicht nur wegen seines Talents: Er fliegt am Gardasee ein Custom von Papa Rick - 2,07 Meter lang und 7 Kilo leicht. Passend zu den Bildern gibts weiter hinten im Heft eine Sprung-Fahrtechnik von Jürgen Hönscheid.

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Die Geheimnisse der Segelmacher

Während an Brettern schon seit geraumer Zeit herumgewerkelt und gefachsimpelt wird, sind Segel für viele noch weitgehend unbekanntes Gebiert. surf hat Segelmacher-Legende André Lefebvre beim Schneidern über die Schulter geschaut und zeigt alle Schritte beim Entstehen eines Dreiecks-Tuchs. Ein zentrales Kriterium damals war die Zahl der Segelbahnen. Während ein Segelmacher sich rühmt, bis zum 12 Bahnen zu verbauen, vertreten andere den Grundsatz “Ein gutes Sgel braucht nicht mehr als fünf Bahnen”. Auch Beschichtung der Stoffe und Dehnungsverhalten sind damals noch entscheidende Faktoren. Einige Marken haben “Zerreißmaschinen” gebaut, um jede Charge Tuch zu testen. Im Gegensatz zu den handgenähten Tüchern kleinerer Marken kommen fast alle Seriensegel der Boardhersteller aus den Hongkonger Fabriken von NeilPryde und Gaastra. Am Horizont tauchen aber bereits moderne Materialien wie Dacron und Mylar auf. Nur von Monofilm wagt noch niemand zu träumen.

​​Das gesamte Heft gibt es oben in der Galerie zum Durchklicken!

Und sonst so?

  • Aufregung unter den Herstellern: Patent-Pate Hoyle Schweitzer denkt offenbar darüber nach, Mistral und zwei anderen Marken Lizenzen für den deutschen Markt zu erteilen. Das finden die bestehenden Lizenz-Inhaber naturgemäß wenig erquicklich. Für Verhandlungen beordert Schweitzer übrigens alle anderen gerne nach Hawaii - nur Windglider-Boss Fred Ostermann antwortete, man möge sich doch bitte auf halbem Weg treffen.
  • Perlen der Werbung: “Das Benzinpreis-Fieber grassiert”, an den Zapfsäulen werde “eine bittere Preispille nach der anderen verteilt”. Kennen wir heute auch, war aber 1981 bereits Kern eine Anzeige für den Renault 5.
  • Karlheinz Stickl will in seiner Schule einen T-Shirt Farbcode für die Könnensstufen einführen.
  • Mega-Trend Windsurfen: 37 % der Jugendlichen träumen einer Umfrage zufolge davion. selber Windsurfen zu lernen. 5% sparen sogar auf eigens Material.
  • In Frankreich führen einige Gemeinden in der nähe von Bordeaux eine Sonder-steuer für WIndsurfer ein. Begründung: Sie müssen häufiger gerettet werden als Schwimmer.
  • Perlen der Werbung II: “Wie sieht der ideale Surfanzug aus?” fragt Hersteller Aquata, und ruft mit einer Ausmal-Anzeige zu eigenen Entwürfen auf.
  • Dinge, die man zum Glück nicht mehr braucht: surf zeigt vier Knoten, um ein Rigg aufzubauen. Gelobt seien Schnellverschluss und Belegklemme!
  • Der Spotguide Ostsee überrascht mit wunderbaren Luftbildern und einigen Entdeckungen: In Laboe gab es mal einen Campingplatz direkt auf dem Strand, der Bülker Leuchtturm war mal rot statt grün und ohne Kläranlage im Hinterland.
  • Bei der Windsurfer-EM in Weymouth war man offenbar nicht nur aufs Sportliche konzentriert: Ein Teilnehmer aus Frankreich wurde bei der Einreise wegen Marihuana-Besitzes zwei Tage im Knast, während Sieger Jan Wanggaard bei der letzten Wettfahrt mit einer Sektflasche am Mastfuß fuhr.

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Tobias Frauen

Redakteur surf

Tobi verantwortet alles Digitale – von der surf-Webseite bis zu den Social-Media-Kanälen – und sorgt täglich für frischen Bild- und Videocontent. Seine Surf-Wurzeln reichen vom Münsterland über Ijsselmeer, Brouwersdam und Sylt bis nach Kiel und Heidkate. Heute lebt er seit über zehn Jahren in Hamburg als „Weekend Warrior“ und ist so oft wie möglich mit Campingbus und Familie unterwegs – bevorzugt an Ostsee, SPO, Dänemark sowie in Finnland, Schweden oder UK.

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