RückspiegelDas waren die Highlights in surf 9/1988

Tobias Frauen

 · 06.06.2026

"Zum Ausrasten: Rasta-Halse in der Karibik, fotografiert von Bernard Biancotto" - manche Zeilen altern halt schlecht.
Foto: surf Archiv
Billig-Material im Test, ungewöhnliche Duelle, geborstene Masten und verschmutzte Meere: Im September 1988 ging es wild zu in der Windsurf-Welt.

Themen in diesem Artikel

70 Masten im Bruch-Test

Der “erste große Bruchversuch der Test-Geschichte”: im surf-Labor werden 70 (!) Masten so weit geboben, bis sie in einem ohrenbetäubenden Knall bersten. Eine Woche lang zerstört Tester Helmut Schellinger im Service-Auftrag Masten am Fließband - und ist fix und fertig: “Man müßte schon ein Sadist sein, um von dieser Prozedur nicht angegriffen zu werden”, stöhnt er. Denn ein Mastbruch ist normalerweise für jeden Surfer ein Albtraum: lange Schwimmeinlage, kaputtes Material, Urlaub hinüber, Ersatz-Kauf. Als Hauptursache für brechende Masten werden “Killergabeln” identifiziert: Die Schnellverschlüsse waren Ende der achtziger noch nicht so ausgereift, die Fasern der Masten wurden reihenweise gequetscht und so zur Sollbruchstelle gemacht. Und noch eine Erkenntnis: ein mängelfreier Mast bricht bei normalem gebrauch nicht auf Flachwasser - nur bei Waschgängen in der Welle sind die Kräfte so groß, dass die Bruchfestigkeit überschritten wird.

Mauerblümchen: Billig-Bretter und Serien-Segel

Beim Test widmete sich surf im Sommer 1988 den Mauerblümchen: Kaum jemand kaufte damals noch die Serien-Riggs der Brett-Hersteller (nur das Board zu kaufen wurde noch als “semi-komplett” bezeichnet), sondern separate Segel. Wieso eigentlich? surf testete sieben vermeintliche Notlösungen und kam zum Schluss: “Die Zeiten, in denen die traditionellen Segelmacher ihr Know-how ausschließlich in ihre eigenen Kollektionen steckten und die Tücher für die Serienbretter nur zur Kapazitätsauslastung im Billigstil schneiderten, sind vorbei.”

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“Billig und schwer”, so lautete die wenig schmeichelhafte, aber perfekt getroffene Headline für einen weiteren Test. Neben den Top-Marken gab es noch mehrere Hersteller, die günstige Low-Tech-Boards für Gelegenheits-Windsurfer anboten. “Narbiges PE oder schlichtes ABS und ein Gewicht von bis zu 20 Kilo erinnern an historische Surfgeräte”, so der ungeschönte erste Eindruck - auch wenn die Shapes selber durchaus modern sind. Passenderweise wird ein Test-Kandidat für den Fotografen mit einem Bootskran ins Wasser gehievt. Und auch in der Praxis können die meisten nicht wirklich überzeugen, der Bic Calypso (”nach ersten Schätzungen eines der meistverkauften Bretter auf dem Weltmarkt”) fällt ohne moderne Mastschiene, nicht funktionierendem Schwert und gebremsten Fahrverhalten komplett durch.

“Nordsee-Mörder sind unter uns”

“Mit schwarzen, traurigen Knopfaugen schauen die sterbenden Robben in die Fernsehkameras” - der Artikel über die Verschmutzung der Nordsee startet gleich mit einer Keule. Schon die wenig zimperliche Headline lautet “Die Nordsee-Mörder sind unter uns”. So brachial das Stück daherkommt, so ernst ist der Hintergrund: Neben dem von einem Virus beschleunigten Robbensterben leidet die Nordsee unter massiver Belastung durch Umweltgifte. Deswegen soll gezeigt werden, was jeder Surfer tun kann, um die Umwelt zu entlasten: Reinigungsmittel ohne Schadstoffe verwenden, Müll vermeiden, bewusst einkaufen.

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Und sonst so?

  • Klepper, einst Marktführer in Deutschland, steht nach zwei Jahren mit massiven technischen Problemen vor dem Abgrund. Die Mutterfirma will verkaufen, es gibt mehrere Interessenten.
  • Nach einigen schweren Unfällen bietet Fanatic als erster Hersteller eine Gummiabdeckung an, die allzu scharf geshapte Brettnasen entschärfen soll.
  • Mehrere Marken kündigen an, der boot 1989 fernzubleiben - aus Protest gegen den “Händlerbasar”. In der surf-Halle sollen deswegen auch Motoryachten platziert werden.
  • Für echte Fans: Wer ein Autogrammm von Jenna De Rosnay oder Jill Boyer heban möchte, bekommt von surf die passenden Post-Adressen.
  • Perlen der Werbung: “Leader sein beginnt beim Garn”, protzt Neopren-Hersteller Gul und schwurbelt von “feinstfibrilligen Polyamidgarnen”
  • Laird Hamilton, damals kaum bekannter Hawaii-Nachwuchs, ist bei der Speedweek auf Fuerte dabei. Über Mikro-Swell zwirbelt Hamilton zum allgemeinen Erstaunen bei Vollspeed mit der Needle in knietiefen Wasser einen Loop - und fährt unbeeindruckt weiter.
  • Landungen für Mutige: In der Sprung-Fahrtechnik zeigt Maui Meyer unter anderem den Nose Dive - “elegant und superweich”
  • Sand zwischen den Zähnen statt Salz auf der Haut: Im “surf Fun-Training” gibt es Wasserstart-Übungen, die komplett am Strand absolviert werden können. Das Ziel: Wasserstart in 20 Stunden.
  • 10 gegen 317: Auf dem Chiemsee treten ein Windsurfer mit Super-Leichtwind Equipment (10er Segel, Ausleger am Board) und eine Rennyacht (317 Quadratmeter Segelfläche, acht Mann Besatzung) gegeneinander an. Nach zwei Wettfahrten steht es unentschieden, die ausgelobten 50 Liter Bier werden geteilt - im Verhältnis 8 zu 1.

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Tobias Frauen

Tobias Frauen

Redakteur

Tobi verantwortet alles Digitale – von der surf-Webseite bis zu den Social-Media-Kanälen – und sorgt täglich für frischen Bild- und Videocontent. Seine Surf-Wurzeln reichen vom Münsterland über Ijsselmeer, Brouwersdam und Sylt bis nach Kiel und Heidkate. Heute lebt er seit über zehn Jahren in Hamburg als „Weekend Warrior“ und ist so oft wie möglich mit Campingbus und Familie unterwegs – bevorzugt an Ostsee, SPO, Dänemark sowie in Finnland, Schweden oder Sardinien.

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