Philip Köster stand im September 2011 kurz vor seinem ersten WM-Titel. Für surf berichtete der damals 17 Jahre alte Überflieger exklusiv von den Worldcups in Pozo und Teneriffa. Während Pozo bekanntermaßen Kösters Homespot ist, war er vor dem Event 2011 noch nie auf der Nachbarinsel Teneriffa. Dort traf er auf Dany Bruch, der als Local natürlich entsprechend einen Vorsprung hatte. Beide trafen sich im deutsch-deutschen Finale der Double Elimination. Den ersten Heat konnte Dany dank besserer Wellen noch für sich entscheiden, im zweiten Durchgang behielt dann Köster die Oberhand. Und das, obwohl der Teneriffa-Neulich von den Algen überrascht wurde und permanent mit kleinen Hüpfern seine Finnen vom lästigen Kraut befreien musste. Und schon damals ein Thema: Der Triple Loop: “Die dritte Drehung ist so, als ob man einen Frontloop neu lernen möchte, es ist sehr viel Überwindung dabei”, beschreibt Köster. Aus dem versuch wurde dann ein perfekt durchgeglittener Doppelloop - auch nicht schlecht. Auch in Pozo wenige Wochen vorher hatte Köster bereits im Finale zum Triple angesetzt, dort aber die Notbremse gezogen. Auch dort stand er am Ende ganz oben und ging als WM-Führender nach Sylt, wo es dann ohne Wind kein Ergebnis geben sollte. And the rest ist history...
Der Style in der Welle hat sich in den 2000ern gewandelt - durch junge Nachwuchs-Fahrer und Freestyle-Elemente, aber auch durch kompaktere Shapes und den Trend zu Multifin-Boards. 2011 gab es deswegen mal wieder ein großes Wave-Fahrtechnik-Special mit niemand Geringeren als Kauli Seadi, Jason Polakow, Ricardo Campello und Robby Swift. Angefangen von Basic-Sprüngen geht es über Klassiker wie Frontloop und Table Top zu radikalen Top-Moves wie Pushloop Forward und Goiter, und natürlich dürfen auch Taka und Co nicht fehlen. Zum Ende dann noch eine kernige Crash-Sequenz von Ricardo Campello als Trost, dass auch bei den ganz Großen mal etwas schief geht. “Auf eine genaue Fehleranalyse verzichten wir. Wichtig ist nur zu erkennen, wann der Zeitpunkt gekommen ist, einfach mal loszulassen”, so der lapidare Kommentar.
Wer heute durch Thy fährt, dem begegnet überall das Label “Cold Hawaii”, Surfer sind gern gesehene Gäste und viele Anbieter haben sich auf den lockeren Style der Wassersportler eingelassen. Doch das war nicht immer so, in den 2000ern waren Windsurfer rund um Klitmøller gar nicht gern gesehen. Dass sich das gewandelt hat, ist unter anderem ein verdients von Rasmus Johnsen, der als “Architekt von Cold Hawaii” im Interview vorgestellt wird. 2010 gab es dort erstmals einen Worldcup als Aushängeschild, doch noch viel mehr passierte im Hintergrund. “Wir machten einen Platz, den die Fischer als gefährlich ansahen und der etliche das Leben gekostet hatte, zu unserem Spielplatz”, blickt Rasmus zurück. Außerdem gab es an guten Tagen Chaos rund um die Spots, es wurde wild geparkt und in den Vorgärten aufgeriggt. “Das alles provozierte die alten Fischer und die Menschen ungemein.” Als 2005 der Hafen in Hanstholm ausgebaut werden sollte und der Spot Middles in Gefahr geriet, schlossen sich die Surfer zusammen und suchten den Dialog mit der Gemeinde. Die Politik zeigte sich offen und kooperativ, doch auch in die Surf-Szene hinein schafften es die Crew um Rasmus, ein größeres Verständnis für die Sicht der Einheimischen zu entwickeln. Beim Worldcup selber haben die dänischen Organisatoren erstmals Livestream und Live-Scoring eingesetzt. Und sowohl in dieser Hinsicht als auch beim Projekt “Cold Hawaii” wurde eine Erfolgsgeschichte geschrieben, die bis heute andauert!
Auch heute noch treffen alljährlich am Strand von Sotavento zwei Spezies aufeinander, deren Lebensräume sich ansonsten strikt voneinander trennen. Beim Worldcup auf Fuerteventura sind üblicherweise Slalom und Freestyle angesetzt, was zu skurrilen Szenen führt: “Der Freestyler ist in der Regel etwa einen halben Meter kürzer als der Racer, trägt aber dieselbe Hosengröße”, beschreiben die beiden Protagonisten Tilo Eber und Chris Pressler. Drunter wird eine gut sichtbare Unterhose getragen, gerne von Björn Borg. “Da der Durchschnitts-Freestyler gleichzeitig aber höchstens 17 Jahre alt ist, weiß er nur im seltensten Fall, dass er den Namen eines bärtigen Tennisspielers über dem Gemächt trägt.” Der Slalomfahrer hingegen sei im Schnitt doppelt so alt wie die Freestyler und kann “die im Regelwerk vorgeschriebene Schriftgröße seiner Segelnummer sowie den Härtegrad der drittuntersten Latte im Schlaf aufsagen.” Nachdem er den Freestyler abends unter den Tisch getrunken hat, bearbeitet der Racer seinen Kater “mit einem wie zu Pressspanholz komprimierten, dreitausend Kilokalorien reichen Müsliriegel und einem Red Bull”, bevor er seine zwölf Finnen ordnet und schleift. Konversation ist schwierig, weil das Vokabular kaum Überschneidungen hat. Dafür hilft der Slalomfahrer dem “aus seiner Sicht mangelernährten Freestyler, dessen Brustumfang etwa mit der Dicke des eigenen Bizeps konkurriert”, netterweise mit Müsliriegel und Schleifpapier.
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