Surf-Event in Rewa/Polen“Ein Crashkurs in Management” - Maciek Rutkowski über den “King of the Bay”

John Carter

 · 26.06.2026

King of the Bay: Rewa in Polen ist einer der Top-Spots der Gegend
Foto: King of the Bay/Carter
Maciek Rutkowski mit dem “King of the Bay” einen Wassersport-Event geschaffen, der sich rasant entwickelt hat. Neben Top-Stars wie Matteo Iachino oder Casper Steinfath waren 2026 mehr als 500 Starter dabei - und Fotograf John Carter, mit dem sich Maciek anschließend für ein Interview zusammengesetzt hat.

Wie kam es zu der Idee für diese ganze Veranstaltung?

Ich glaube, nachdem ich seit 20 Jahren auf Events unterwegs bin, ist es mir zur zweiten Natur geworden, mir einfach im Kopf zu merken, was mir gefällt und was nicht. Mir war schon immer bewusst, dass es auf die kleinen Dinge ankommt, wenn man als Teilnehmer bei einer Veranstaltung dabei ist. Vielleicht ist es eine gemütliche Chill-Zone, ein paar Werbegeschenke oder einfach die allgemeine Atmosphäre. Ich wollte eine Veranstaltung schaffen, an der ich selbst gerne teilnehmen würde. Einen Ort, an dem man Rennen fahren kann, aber auch Spaß bei anderen Aktivitäten hat … Material testen, neue Sportarten ausprobieren, an lustigen Wettbewerben teilnehmen, die nicht allzu ernst sind und bei denen es mehr um Spaß, Kreativität und Freude geht. Wie das Nachtlicht-Rennen in diesem Jahr, bei dem wir den Leuten im Grunde nur gesagt haben: ‚Hier sind die Lichter, seid kreativ und macht, was ihr wollt.‘ Der Penis auf dem Segel war vielleicht nicht gerade der Gipfel der Kreativität, aber er zeigte, dass die Leute Spaß hatten! Zum Glück scheint mein Geschmack, was Spaß macht, mit dem übereinzustimmen, was auch andere Leute genießen.

​Ich wollte eine Veranstaltung schaffen, an der ich selbst gerne teilnehmen würde.”

Ist Rewa dein Heimatspot?

Ja. Wenn kein Verkehr ist, sind es etwa 25 Minuten von meinem Wohnort aus, und es ist von Danzig aus der nächstgelegene Spot, der bei den üblichen Westwinden wirklich ordentliche Bedingungen bietet - die sind aber leider dieses Jahr ausgeblieben. Ich komme oft hierher, besonders vor Flachwasser-Events. Wenn ich für einen Event wie in Japan trainiere, verbringe ich auf jeden Fall Zeit hier.

surf/gkotb-day-3-04392-copy_8f565ec676da6b087457d413d90028f7Foto: King of the Bay/Carter

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Du hast diesen Spot also gewählt, weil er ideal für Long Distance-Rennen ist und eine sichere Bucht bietet?

Genau. Ich hatte schon 2020 überlegt, so einen Event auf die Beine zu stellen, aber gleichzeitig war ich noch mit meiner Olympia-Kampagne sowie der PWA beschäftigt. 2023 haben wir einen halbherzigen ersten Versuch unternommen und uns verschiedene Standorte angesehen. Die Kombination aus genügend Platz für den Aufbau eines Event-Dorfes und einem Spot, der bei allen Windrichtungen funktioniert, war der ausschlaggebende Grund für die Wahl dieses Ortes. Als ich dann 2024 die iQFOiL-Kampagne beendete, hatte ich plötzlich die Zeit und den Freiraum, um wirklich damit zu beginnen, die Veranstaltung ordentlich auf die Beine zu stellen

Was hast du aus der Organisation deiner eigenen Veranstaltung gelernt?

Man entwickelt auf jeden Fall enormen Respekt vor allen Event-Organisatoren, weil man erkennt, wie schwer es ist und wie lange alles dauert … Genehmigungen, Finanzierung und Logistik, einfach alles …Es steckt so viel Arbeit dahinter, besonders wenn es so groß wird! Im ersten Jahr habe ich, glaube ich, in vier Tagen insgesamt vielleicht zehn Stunden geschlafen, weil es so viele kleine Probleme zu lösen gab. Die Mobiltoiletten laufen über, ein Zaun bricht, die Gemeinde verspricht eine bestimmte Strommenge, aber es ist tatsächlich weniger da, sodass man plötzlich selbst einen Generator besorgen muss. Das Motorboot geht kaputt, es gibt Probleme mit der Renncrew, jemand fährt den falschen Kurs und man muss entscheiden, ob man ihn disqualifiziert. Es gibt einfach endlos viele kleine Probleme, die ständig auftauchen, und man muss sie spontan lösen. Das ist definitiv ein Crashkurs in Management.

Wie viele Teilnehmer waren im ersten Jahr dabei?

Unser Ziel waren 100 Teilnehmer, und wir hatten 230, was sich schon wahnsinnig anfühlte. Im zweiten Jahr gab es eine großartige Vorhersage, sodass sich in letzter Minute jede Menge Leute angemeldet haben und wir 420 Teilnehmer erreichten. Dieses Jahr waren wir, obwohl die Vorhersage nicht besonders gut war, mit 550 Teilnehmern ausverkauft. Ich schätze also, nächstes Jahr werden wir über 600 Lycra-Shirts machen! Hoffentlich hält der Aufwärtstrend weiter an. Polen hat bereits eine riesige Windsurf-, Kite- und Wassersport-Community, und jedes Jahr kommen mehr Leute hinzu. Dieses Jahr hatten wir mehr als 80 Teilnehmer aus dem Ausland … ein Typ aus Neuseeland war dabei, ein Fahrer aus Jersey und 28 Litauer. Für Leute aus England oder Frankreich klingt Litauen nah, aber es sind immer noch rund 1.000 km Entfernung. Es ist wirklich cool, dass auch Leute außerhalb der polnischen Szene anfangen, die Veranstaltung zu schätzen.

​Es ist wirklich cool, dass auch Leute außerhalb der polnischen Szene anfangen, die Veranstaltung zu schätzen.”

Was ist mit den Profis und Botschaftern? War es von Anfang an Teil der Idee, bekannte Sportler und Persönlichkeiten einzuladen?

Das ist definitiv ein großer Teil des Budgets … sie kommen nicht umsonst! Aber ich habe mir selbst versprochen, dass wir das machen würden, denn eine der besten Möglichkeiten, für eine Veranstaltung zu werben, besteht darin, einflussreiche Leute hierherzuholen und dafür zu sorgen, dass sie wirklich eine gute Zeit haben. Ich bin auch ziemlich patriotisch, und Polen hat sich in den letzten 10 oder 20 Jahren massiv verändert. Ich liebe es, den Leuten zu zeigen, wie weit wir gekommen sind. Wenn jemand, der schon überall auf der Welt gewesen ist, hierherkommt und sich amüsiert, bedeutet das, dass es allen anderen auch so gehen wird. Ich weiß, wie wählerisch ich selber bin … wenn ich irgendwohin fahre und eine gute Erfahrung mache, komme ich zurück und erzähle meinen Freunden davon. Es ist nun mal so, dass Leute wie Sam Esteve, Matteo Iachino, Blanca Alabau, Charles Brodel (Weltrekordhalter im Kite-Jump) oder Casper Steinfath etwas mehr Freunde haben als der Durchschnittsmensch, daher wird der Effekt ein bisschen verstärkt!

surf/gkotb-day-3-04376-copy_8f565ec676da6b087457d413d90028f7Foto: King of the Bay/Carter

Wie groß soll die Veranstaltung deiner Meinung nach werden?

Ich glaube, am Strand und auf den Parkplätzen ist noch Platz für mehr Leute. Aber das Festivalgelände selbst war dieses Jahr ziemlich ausgereizt. Wir hatten 28 Aussteller und es fühlte sich schon sehr voll an. Also werden wir einfach spontan entscheiden und sehen, wie es sich entwickelt.

Warst du mit der diesjährigen Ausgabe von „King of the Bay“ zufrieden?

Sehr zufrieden … vor allem mit der Community. Das Wetter hat nicht so richtig mitgespielt. Wir hatten nur zwei Rennen bei sehr schwachem Wind, es regnete immer wieder, und ehrlich gesagt gibt es Tage auf Sylt, an denen ich bei Regen nicht einmal das Haus verlasse. Aber die Leute blieben positiv und wussten es zu schätzen, dass wir trotz der Bedingungen immer noch versucht haben, etwas Tolles auf die Beine zu stellen. Wir hatten Kite- und Wing-Pumping-Wettbewerbe im Zelt, bei denen man eine elektrische Pumpe gewinnen konnte, und es fanden ständig Präsentationen, Workshops und Aktivitäten statt. Es gab insbesondere einen der Regen-Tage, der mich wirklich mit Dankbarkeit erfüllt hat, denn das Village war den ganzen Tag über voll, obwohl es fast ununterbrochen regnete. Das zu sehen, war großartig.

Zumindest sind alle irgendwann aufs Wasser gekommen.

Ja, so gut wie alle sind aufs Wasser gekommen, und ich glaube, etwa 300 Leute haben die Rennen trotz der Bedingungen absolviert. Wir hatten definitiv Pech mit dem Wind, denn normalerweise ist das eine gute Zeit dafür. Die Woche davor war ich fast die ganze Woche in der Welle unterwegs, und 2025 hatten wir am ersten Tag über 40 Knoten – das war der Wahnsinn! Aber ehrlich gesagt war dieses Jahr ein wirklich wichtiger Test, um zu sehen, ob die Veranstaltung auch unter nicht ganz perfekten Bedingungen bestehen kann. Eine Sache, die mich bei Veranstaltungen immer frustriert, ist, wenn kein Wind weht und absolut nichts los ist. Aktive Menschen wollen nicht einfach den ganzen Tag herumsitzen. Deshalb war es von Anfang an eines unserer Ziele, das niemals zuzulassen. Ob Wind oder kein Wind – das Programm bleibt vollgepackt. Es ist immer etwas los, und alles ist so gestaltet, dass es Spaß macht. Wir versuchen nicht, zum „Défi Wind“ oder zu einer Hardcore-Überlebensherausforderung zu werden. Wir wollen einfach, dass die Leute Spaß haben. Das ist der Grund, warum ich überhaupt Windsurfen gehe … weil es Spaß macht. Also habe ich eine Veranstaltung auf die Beine gestellt, an der ich selbst wirklich gerne teilnehmen würde – eher als Teilnehmer denn als Wettkämpfer. Das Lustige daran ist, dass ich jetzt kaum noch etwas davon genießen kann, weil ich super beschäftigt damit bin, alles zu organisieren! Ich würde liebend gerne richtig Pump-Foiling lernen, am Nachtrennen teilnehmen und alle Aktivitäten selbst mitmachen. Im ersten Jahr dachte ich, ich könnte vielleicht an den Foil-Rennen teilnehmen, aber das war absolut unmöglich. Ich rannte nur herum und kümmerte mich um organisatorische Aufgaben. Hoffentlich kann ich eines Tages endlich richtig auf dem Wasser mitmachen.

surf/gkotb-day-1-03281-copy_8f565ec676da6b087457d413d90028f7Foto: King of the Bay/Carter

Letztes Jahr hattet ihr am ersten Tag 40 Knoten … wie war das?

Letztes Jahr war der erste Tag der Wahnsinn, absoluter Wahnsinn. Wir hatten Böen von bis zu 40 Knoten. Ich erinnere mich, wie ich mit dem Head Judge neben der Bühne stand, Berichte vom Wasser erhielt und der Wind irgendwie immer stärker wurde. Jemand sagt über Funk: „Der Durchschnitt liegt bei 32 Knoten.“ Ich sage: „Vielleicht sollten wir einen kürzeren Kurs fahren. Und aus Sicherheitsgründen nur zwei Runden.“ Und dann kommt über Funk: „Ich habe gerade eine Böe von 40 Knoten gemessen.“ Da dachte ich: „Hmm … vielleicht sollten wir einen kürzeren Kurs fahren und nur eine Runde.“ Es war ziemlich episch. Drohnen konnten nicht fliegen, also habe ich einen Hubschrauber angefordert. Jeder, der an diesem Rennen teilgenommen hat, hat tolle Erinnerungen daran. Wir hatten 80 cm Chop, alles waren auf dem kleinsten Material unterwegs. Ich selber war auf dem Foil gestartet, um irgendwie Energie zu sparen, aber am Ende bin ich einfach ständig nach links, rechts und in alle Richtungen gestürzt. Ich bin Fünfter geworden, glaube ich. Es war also wirklich so episch, wie es nur sein kann. Aber zu dieser Jahreszeit ziehen die Frühjahrshochdruckgebiete normalerweise ab und die ersten großen Sommertiefs kommen aus dem Westen herein. Ich denke also, es ist gut möglich, dass wir das wieder erleben werden!

Glaubst du, dass dir deine Erfahrung als Profi dabei geholfen hat, das zu lernen, was man als Event-Veranstalter braucht?

Ich glaube, das Leben als Profi-Windsurfer bereitet einen auf so ziemlich jede Situation vor, weil man flexibel sein und auf so viele verschiedene Dinge reagieren muss. Es gibt so viele stressige Situationen, sei es beim Einchecken am Flughafen, bei Entscheidungen in Sekundenbruchteilen auf dem Wasser während eines Rennens, im Umgang mit Sponsoren oder bei Verhandlungen. All das erledigst du als Profi-Windsurfer selbst. In anderen Sportarten, wie zum Beispiel beim Tennis, bucht jemand deine Tickets, der Check-in ist einfach, jemand anderes verhandelt deine Verträge, jemand anderes erstellt deine Inhalte usw. Aber als Windsurfer musst du das alles selbst machen. Ein Event wie dieses vereint also wirklich all diese Elemente. Und natürlich noch mehr. Ich lerne jeden Tag Neues dazu. Aber ja, es hilft auf jeden Fall!

Vielen Dank und viel Erfolg weiterhin!

Alle Infos unter kingofthebay.pl


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