surf Jahresrückblick 2024Von surfenden Königen, elektrischen Trimms, heißen Drachen und mehr

Das war 2024 in der Windsurfing-Welt!
Bretter, Segel, Sensationen: Unser kleiner Jahresrückblick aus der Windsurfing-Welt gräbt nochmal die kuriosesten und bemerkenswertesten Geschichten des Jahres aus!

Themen in diesem Artikel

Der windsurfende König

Na gut, als engagierter Windsurfer hat sich Frederik X. von Dänemark nicht hervorgetan, aber der damalige Kronprinz war 2013 zu Gast beim World Cup in Klitmøller. Dort ließ er sich von den Profis ihr Equipment erklären, beobachtete die Action vom Jet Ski aus und machte gemeinsam mit einer Schulklasse einen Surfkurs auf dem Vandet Sø. Im Januar 2024 wurde Frederik dann zum König von Dänemark gekrönt, Grund genug die Bilder vom surfenden Monarchen nochmal herauszusuchen.

Transfer-Karussell auf Hochtouren

Normalerweise zeigt sich der Transfer-Markt bei den Windsurf-Profis nicht ganz so dynamisch wie bei den Fußballern - von den Ablösesummen ganz zu schweigen. Ein paar nette Worte von Marke und Fahrer zum Abschied, kurz darauf dann die ersten Bilder mit neuem Equipment und die Versicherung, es sei das beste Material was man je gefahren sei. In der Winterpause 2023/2024 gab es jedoch einige dicke Überraschungen: JP und NeilPryde holten Wave-Talent Marino Gil Gherardi, und der 2022er Slalom-Weltmeister Maciek Rutkowski stand plötzlich ohne Material da. Der Pole ging dann mit wechselnden Boards und NeilPryde-Segeln an den Start, Ricardo Campello hingegen ließ sich nach dem Aus bei Naish das World Cup-Gastspiel in Pozo von Star-DJ Martin Garrix bezahlen. Das größte Aufräumen fand bei Duotone statt: Nicht nur die Mortefon-Geschwister, auch Wave-Star Marc Paré mussten gehen. Während Paré nach seiner Verletzungspause zwei World Cups am Stück gewann, holte Pierre Mortefon das WM-Double aus Foil und Slalom X. Ob man sich bei Duotone ein ganz klein bisschen geärgert hat?

surf-Test auf Tobago und der Alt-Neu-Vergleich

Auch 2024 waren wir wieder viel unterwegs, um möglichst viele Produkte auszuprobieren und euch Fahreindrücke aus erster Hand zu bieten. Rund 50 Boards, 40 Segel und jede Menge Zubehör hatten wir in diesem Jahr unter den Füßen und in der Hand! Ein großer Teil davon war beim dreiwöchigen Test auf Tobago am Start: Unter karibischer Sonne konnten wir jede Menge Freeride- und Freerace-Material ausgiebig testen. Wie der Test ablief und was uns dabei widerfahren ist, haben wir in einem Blog festgehalten:

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Eine Übersicht aller Tests des Jahres findet ihr übrigens hier: Alle Tests 2024 im Überblick

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Einen Test der etwas anderen Art hat surf-Redakteur Julian Wiemar im Sommer durchgeführt: Das Freestyle-Ass schnappte sich nicht nur ein par neue Boards, sondern auch deren Urahnen für einen Vergleich der Generationen. Gemeinsam mit seiner Crew stellte Julian fest: Auch ein 20 Jahre altes Board kann für bestimmte Moves besser sein als die neuen Freestyler!

Trimmen auf Knopfdruck

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Unser meistgeschautes und kommentiertes Video des Jahres war das mit der wenigsten Action: Tausende Instagram-Nutzer haben dabei zugesehen, wie sich ein Tampen meditativ millimeterweise bewegt. Die Triple D-Mastverlängerung ermöglicht es, während der Fahrt den Vorliekstrimm anzupassen. Eine Elektronik in der Verlängerung kann den Tampen einige Zentimeter weit einziehen, gesteuert wird das ganze per Fernbedienung an der Gabel. Was genau es mit dem Teil für Technik-Nerds auf sich hat, lest ihr im Test.

Das (kleine) Comeback von Mistral

Mistral will zurück auf den Windsurf-Markt, verkündeten wir Anfang des Jahres, und orderten das nagelneue Waveboard Hookipa zum Testen. Der Shape durchaus überzeugend, das Design voll auf der Retro-Schiene, die Resonanz sehr positiv - könnte also klappen mit dem Comeback. Auf weitere Windsurf-Neuerungen müssen wir aber wohl noch etwas warten, da soll erst 2026/2027 Bewegung reinkommen, die uns die Mistral-Köpfe verrieten. Im SUP-Bereich hingegen ist Mistral mittendrin, das iSUP bei Lidl und Kaufland war in diesem Jahr ein voller Erfolg!

Der fulminante Start von Slalom X

Eine neue Disziplin im World Cup: Slalom X brachte das - von einigen Fahrern und Fans herbeigesehnte - Comeback der Finne. Ein Starkwind-Slalom mit optionalen Hindernissen wie einer “Wurst” zum Drüberspringen oder einer Schikane. Nach den beiden Events in Pozo und auf Fuerte kann man sagen: Volltreffer! Jede Menge Action und spannende Rennen - mehr davon!

Lina Erpenstein’s Sternstunden

Beim 4-Sterne-Event in Chile holte sich Lina Erpenstein ihren ersten Sieg auf der PWA/IWT World Tour. Für Lina war es der Auftakt in eine fulminante Saison, in der sie lange vom WM-Titel träumen konnte. Und das, obwohl sie “nebenbei” noch ihr Medizin-Studium abschloss. Auf Teneriffa legte sie nach und ging als WM-Führende ins Heimspiel auf Sylt. Nach einem etwas unglücklich verlaufenen Event dort und dem knappen Halbfinal-Aus beim Aloha Classic auf Maui musste Lina letztendlich Sarah-Quita Offringa den Vortritt lassen. Aber Lina weiß jetzt, dass sie es schaffen kann - und wird 2025 sicher wieder angreifen!

Stephan in eiliger Test-Mission bei Lidl

Discounter Lidl hatte im Juni ein aufblasbares SUP von Mistral ins Sortiment aufgenommen. Das bedeutete eine Sonder-Mission für SUP-Experte Stephan Gölnitz: Im Morgengrauen stand er vor der Tür der örtlichen Lidl-Filiale und schnappte sich als Erster eines der iSUPs. Schnell noch eine Kiste Wein dazu - wenn man schon mal da ist - und dann trotz strömenden Regens aufs Wasser (ohne Wein). Wenige Stunden später war Stephans Test-Bericht auf der surf-Webseite zu lesen - Mission erfolgreich!

Windsurfen rund um Japan und Dänemark

Jono Dunnett hat 2024 seine nächste große Expedition gestartet: Der Brite surft derzeit rund um Japan und hat im Moment etwa die Hälfte der Strecke hinter sich. Zuvor war er bereits rund um Großbritannien und sogar ganz Europa gesurft. In Japan warteten zunächst ein kleiner Kulturschock auf ihn, inzwischen hat er erfolgreich Bären umschifft, einen kapitalen Schaden am Material überstanden und eine neue Liebe gefunden. Während Jono mit einem langen Raceboard unterwegs ist, haben sich Marinus Tambo und Alfred Dixen für das olympische iQFoil-Material für ihre Expedition entschieden. Die beiden sind in nur 13 Tagen rund um Dänemark gefoilt, inklusive Bornholm-Umrundung.

Hvide Sande und Sachsen: Erfolgreiche Protest-Aktionen

Dass gemeinsames Handeln zum Erfolg führen kann, haben wir in Sachsen gesehen: Das dortige Foil-Verbot wurde nach Protesten aus der Surf-Szene zunächst auf den Prüfstand gestellt (in schönstem Behördendeutsch “Modellversuch Foilen”) und dann im März 2024 endgültig gekippt. Schneller und unbürokratischer ging es in Dänemark: In Hvide Sande wollte die Hafenbehörde nahe dem Nordsee-Surfspot einen Helikopter-Landeplatz bauen, bis zu 10.000 Starts und Landungen pro Jahr (!) standen im Raum. Die Surfer und Tourismus-Betreiber vor Ort taten sich zusammen, unterstützt durch die zahlreichen Fans aus ganz Europa, und schon wenige Tage später lenkte die Hafenbehörde ein!

Olympia: Leicht getrübte iQFOil-Premiere

Die lang erwartete Premiere des neuen olympischen Windsurfens: In Marseille, wo die Segel-Wettbewerbe von Olympia 2024 abgehalten wurden, gingen die besten iQFOiler der Welt ins Rennen um die Medaillen. Die eigentlich positive Bilanz - es gab bei allen Windbedingungen spannende Rennen zu sehen und viele sportliche Highlights - wurde durch einige fragwürdige Entscheidungen der Rennleitung getrübt: Sehenden Auges ließ man die Damen beim Marathon gleich zweimal in eine große Windabdeckung hinter einer Insel surfen, in der sie über lange Zeit rumdümpelten und keine Chance hatten aufs Foil zu kommen. Auch der nicht immer faire Modus mit Unmengen von Quali-Läufen und den Medal-Races sorgte für viel Kritik. Ein lachendes und ein weinendes Auge auch aus deutscher Sicht: Medaillen-Kandidat Sebastian Kördel ging mit Rang zwölf unter, während Theresa Steinlein als Underdog sensationell Platz sechs holte. Jetzt ist ihr Ziel Olympia 2028!

Immer wieder Hanstholm

Man mag uns eine gewisse Präferenz vorwerfen: Immer wieder lieferte Hanstholm in diesem Jahr grandiose Bedingungen. Nicht nur zum Testen des Wave-Materials, auch privat gehört Cold Hawaii für Teile der Redaktion zu den absoluten Lieblingsspots. Einigermaßen gut zu erreichen, für viele Level gut fahrbar und seit dem Ende der Fischmehl-Fabrik auch an Land deutlich angenehmer. Dementsprechend haben wir im Laufe des Jahres viele Galerien mit den Bildern aus Hanstholm mitgebracht, angefangen von den Silvester-Sessions von Christian Kohl bis hin zu kernigen Herbststürmen. Und damit der Spot auch für alle offen bleibt, setzt sich der Surfklub Hanstholm für die Interessen der Surfer aller Disziplinen ein - auch Deutsche können dort mitmachen!

Para-Wing - der neue Hot Sh*t?

Was hat der denn da? Wer eine Ahnung von den Trends von Morgen bekommen möchte, muss einfach nur Balz Müller beobachten. Beim World Cup auf Sylt kam der Schweizer Waterman auf einmal mit einer Art Kinder-Drachen an den Strand. Auf seinem befoilten Downwind-Board ließ er sich von dem Drachen nach draußen ziehen, schnappte sich eine Welle und stopfte den Drachen kurzerhand unter sein Lycra. An der Inside angekommen, holte er das Bündel wieder hervor, warf den Drachen hoch - prototypenbedingt noch mit etwas Leinen-Salat - und foilte wieder raus. Einige Tage später hat er uns den neuen Trend genau erklärt und angedeutet, dass mehrere Marken mit Hochdruck an Para-Wings arbeiten. Sein eigener Partner Ensis hat inzwischen ein Serien-Modell auf den Markt gebracht - das dann hoffentlich auch ohne Leinen-Chaos funktioniert.

Pasko, the Magic Move - Gänsehaut-Doku von Maarten Molenaar

2013 starb Windsurf-Profi und Filmemacher André Paskowski an Hodenkrebs - ihm zu Ehren wurde ein Move benannt - der “Pasko”. Als Windsurfer Maarten Molenaar Jahre später die gleiche Krankheit ereilt, setzt er sich das ehrgeizige Ziel, nicht aufzugeben und den Pasko zu lernen. Seinen Weg hielt Maarten in einer bewegenden Dokumentation fest, die mehrere Preise gewann und inzwischen frei verfügbar ist. Für surf hat er aufgeschrieben, wie der Film entstanden ist:

Neues Regatta-Format in Dänemark

Die European Pro Windsurfing Tour feierte 2024 im dänischen Ebeltoft ihre Premiere. Dank guter Bedingungen, aber auch einem beeindruckenden Setup mit Livestream, Videowand und vielen Unterstützern ist das Format fulminant gestartet. Es weerden Foil-Rennen auf Serien-Material gefahren, ansonsten gibt es keinerlei Einschränkungen. 2025 soll es eine komplette Tour geben, wie Organisator Finn Noer im surf-Interview ankündigte, unter anderem sind Stopps am Gardasee oder am Brouwersdam angedacht.

Reiseziele: Von ruppig bis idyllisch, von exotisch bis vertraut

Reisen gehört zum Windsurfen für die allermeisten dazu! 2024 haben wir euch die verschiedensten Reviere vorgestellt: Habt ihr vorher schon mal etwas von den Glenan-Inseln gehört? Abgelegen vor der bretonisch Küste findet man dort karibische Wasserfarben und pure Idylle - wenn man denn hinkommt, denn Übernachtungsmöglichkeiten gibt es kaum. Sam Esteve und Bastien Remery haben uns das Paradies vorgestellt:

Hinkommen und Übernachten ist kein Problem, unbekannt ist dieser Ort auch nicht, dafür für viele äußert unwirtlich: Pozo hat sich über viele Jahrzehnte den Ruf als beinharter Windsurfspot erworben, an dem Champions geformt werden. Was den Mythos Pozo ausmacht, haben uns Local-Legenden und langjährige Besucher versucht zu erklären

Der Ringkøbing Fjord in Dänemark ist wohl Nordeuropas bestes Freeride- und Einsteiger-Revier – sehr gute Surfstationen und Schulen, perfekte Surf-Infrastruktur, riesige, stehtiefe Spots und eine beeindruckende Windstatistik. Wir sind im Sommer einmal rund um den Fjord gefahren um euch die besten Spots der Gegen vorzustellen - auch wenn die Gegend für viele norddeutsche Surfer wie eine zweite Heimat ist, lohnt sich ein Besuch immer wieder!

Neue Speed-Weltrekorde in Lüderitz

500 Meter auf einem schmalen Rinnsal geradeaus surfen -für Freestyler eine qualvolle Vorstellung, für Speedsurfer die Definition von artgerechter Haltung. Die schnellsten Windsurfer der Welt kamen im November wieder nach Lüderitz, um dort den wie immer eigens ausgebaggerten Kanal runterzuballern. 2024 gab es dann auch endlich mal wieder die Big Days mit Rekord-Bedingungen: Jenna Gibson stellte gleich zu Beginn einen neuen Weltrekord auf, den sie im Laufe der Wochen mehrmals bis auf 48,03 Knoten hochschraubte! Der alte und neue Weltrekordhalter bei den Herren, Antoine Albeau musst etwas zittern, sein erster neuer Rekord wurde nachträglich nach unten korrigiert, am Ende stellte er dann mit 53,49 Knoten doch noch eine neue Bestmarke auf. Hauchdünn dahinter lag Gunnar Asmussen mit 52,69 Knoten - neuer deutscher Rekord! Für surf berichtete Björn Dunkerbeck mehrmals aus Lüderitz!


Tobias Frauen

Tobias Frauen

Redakteur

Tobi verantwortet alles Digitale – von der surf-Webseite bis zu den Social-Media-Kanälen – und sorgt täglich für frischen Bild- und Videocontent. Seine Surf-Wurzeln reichen vom Münsterland über Ijsselmeer, Brouwersdam und Sylt bis nach Kiel und Heidkate. Heute lebt er seit über zehn Jahren in Hamburg als „Weekend Warrior“ und ist so oft wie möglich mit Campingbus und Familie unterwegs – bevorzugt an Ostsee, SPO, Dänemark sowie in Finnland, Schweden oder Sardinien.

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