Manuel Vogel
· 13.01.2026
Regattabahn, eigene Neoprenmarke, Olympia -Trainer - Vincent Langer konnte sich in den letzten Jahren nicht über Langeweile beschweren. Jetzt startet er ein neues Projekt - als Category Manager Windsurfen für North Sails. Wie er die Kultmarke wieder zurück zu alter Stärke führen will, verrät er im surf-Interview.
Einer der Anteilseigner hatte mich nach der Deutschen Meisterschaft 2025 auf Sylt angesprochen, ob ich mir vorstellen könnte, für North Sails zu arbeiten. Aus dem Bauch raus habe ich erstmal mit “Nein” geantwortet. Es gab seiner Aussage nach zwei mögliche Szenarien: Entweder North Sails zieht sich aus dem Windsurfbereich zurück, ober die Marke macht einen Neustart und gibt richtig Gas - dafür sollte die neue Stelle Category Manager Windsurfen geschaffen werden. Ich habe eine Weile drüber nachgedacht, Konzepte verfasst und mir einen Überblick über den Markt verschafft, mir die Ideen angehört - und mich dann entschlossen, es zu machen.
Die Marke ist gerade ziemlich im Umbruch. Es gab bislang zwei Niederlassungen - in den Niederlanden und in Neuseeland, wo die gesamte Entwicklung für den Wassersportbereich stattgefunden hatte. Das Office in Neuseeland wurde geschlossen und in Europa wurde ein komplett neues Team aufgebaut mit vier neuen Bereichen - Mystic, Kiten, Wingfoilen und Windsurfen. Ich bin jetzt also verantwortlich für die zukünftige Ausrichtung im Windsurfbereich. Uns übergeordnet sitzt ein neuer Brand Manager Wassersport, Clinton Filen, der in der Vergangenheit bereits Geschäftsführer bei Starboard, Severne und zuletzt bei der Foilmarke AK Durable Supply war. Im November 2025 habe ich ein Konzept geschrieben wie unsere Ziele meiner Ansicht nach erreicht werden können und wie wir mit North Sails wieder WM-Titel holen können. So bin ich letztlich zu diesem Job gekommen.
Aktuell sind wir eine High-Performance-Marke, mit Produkten, die außergewöhnliche Materialien beinhalten, aber auch preislich extrem hoch angesiedelt sind. Wir haben uns zu lange auf die Spitze eines ohnehin schon kleinen Marktes konzentriert. Damit ist es natürlich schwer, die breite Masse anzusprechen und Marktanteile zu bekommen.
Wir haben uns zu lange auf die Spitze eines ohnehin schon kleinen Marktes konzentriert
Die 3Di-Modelle wird es auch weiterhin als Performance-Modelle geben, aber daneben eine preislich attraktive Segellinie, mit der wir auch unsere Center (Club North) ausstatten können. Es gibt ja aktuell sechs Club North Stationen, bis Mitte 2026 sollen es zehn Stationen sein. Bis 2030 soll sich die Anzahl der Club North verdreifachen und die wollen wir natürlich umfassend ausstatten können mit preisgünstigen Modellen sowie Anfängersegeln und Boards.
Das wird in den Händen von Pieter Bijl liegen, der als ehemaliger World Cup Fahrer und Segelentwickler extrem viel Erfahrung mitbringt. Alex Udin, der ehemalige Eigentümer von Phantom und auch Segeldesigner, wird mit ihm zusammenarbeiten. Gemeinsam haben die beiden bereits eine völlig neue Racing-Linie entwickelt und werden unsere Teamrider im Frühjahr damit ausstatten. Ende 2026 soll die neue Race-Linie dann auch offiziell auf den Markt kommen und für jedermann erhältlich sein.
Genau! Jedoch ist Knowhow aus dem Yachtbereich und aus der 3Di-Entwicklung jetzt mit eingeflossen. Das ist wirklich spannend.
Mein Fokus ändert sich natürlich. Ich werde jetzt nicht nur am Schreibtisch sitzen, sondern auch mit den Produkten aufs Wasser. Aus der Produktentwicklung werde ich mich aber raushalten, zu viele Köche verderben den Brei. Die Jungs haben hier genug Kompetenz. Unterstützend haben wir zwei Fahrer der obersten Kategorie verpflichtet, die jede Menge Input geben werden - dazu folgen die News Ende Januar. Mittelfristig wollen wir eine komplette Segelrange aufbauen, die den Markt bedient und von Wave über Freemove und Freeride bis hin zum Slalomsegel alles beinhaltet. Ende 2026 wird das alles sichtbar sein. Nur die Racesegel kommen früher, sie werden North Prisma heißen.
Genau. Der Bezug zu alten, erfolgreichen Modellen wird in der neuen Range noch öfter auftauchen, so viel kann ich schon verraten.
Ich glaube, dass man als erfolgreiche Marke das ganze Portfolio bieten muss. Viele andere Marken haben das in der Vergangenheit vorgemacht, jüngstes Beispiel ist Patrik, das sich von einer reinen Boardmarke zu einem Komplettanbieter entwickelt hat. Gerade, um die Surfcenter vernünftig auszustatten, sollte alles aus einer Hand kommen. Über kurz oder lang werden wir daher über Boards reden müssen, wie groß die Range hier sein wird, wird sich zeigen. Aber wir wollen uns nicht mehr nur auf Nischen konzentrieren. Wir wollen raus aus der Nische!
North Sails wird meine Hauptaufgabe sein. Bestimmte Camps und Events sollen aber unter dem North-Dach weiterlaufen. Es wird die North Experience Race Woche geben, an die eine North One Hour Regatta angeknüpft sein wird. Es sind 2026 drei North One Hour Rennen geplant - am Gardasee, in Soma Bay (Ägypten) und auf Fehmarn oder Umgebung (13./14.06.2026).
Das Kids Camp wird weiterlaufen und weiterhin von Duotone unterstützt. Die Kooperation mit Duotone hat in der Vergangenheit immer super funktioniert. Ich werde natürlich auch in 2026 dabei sein und bei der Organisation mithelfen.