Timo Perschke im InterviewSaltwater Kids Academy - “Wir schaffen Erinnerungen und Perspektiven”

SURF

 · 14.06.2025

Timo Perschke von den Saltwater Surfshops hat die Kids Academy ins Leben gerufen - und mit Björn Dunkerbeck einen prominenten Schirmherrn gewonnen
Foto: Tobi Frauen
Die Saltwater Kids Academy startete beim Surf-Festival in ihre erste Saison, auch Schirmherr Björn Dunkerbeck war dabei. Das Interesse an den Schnupperkursen für Kinder war groß, ebenso wie die Pläne von Gründer Timo Perschke, dem Chef der Saltwater-Surfshops. Was die Idee hinter dem Projekt ist und wie es weitergeht, hat er im surf-Interview skizziert.

Timo, du hast die Saltwater Kids Academy ins Leben gerufen. Was genau verbirgt sich dahinter?

Die Saltwater Ocean Academy ist im Kern ein gemeinnützig-orientiertes Projekt, das Kindern und Jugendlichen einen niederschwelligen Zugang zum Wassersport ermöglichen will – vor allem für diejenigen, die sonst kaum Chancen auf solche Erfahrungen hätten. Wir fahren mit einem Trailer bei guten Bedingungen an verschiedene Spots und bieten dort kostenlose Schnupperkurse im Windsurfen an.

Ursprünglich ist das Ganze aus unserem Kundenbindungsprogramm „Love My Earth“ heraus entstanden, das wir als Saltwater in Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern betreiben. „Love My Earth“ zielt darauf ab, über den Konsum hinaus Verantwortung zu übernehmen und durch kleine Beiträge – etwa eine Mitgliedschaft – Bildung zu fördern. Die 10 Euro, die man dafür zahlt, fließen zu 100 % in Bildungsprojekte, insbesondere in Kooperation mit der NGO “Right To Play”. Das ist eine internationale Organisation, die von aktiven und ehemaligen Spitzensportlern getragen wird – unter anderem ist auch der FC Liverpool involviert oder der Fußballer Sergio Mané.

Und wie kam es zur Idee, das aufs Wasser zu übertragen?

Ich komme selbst aus dem Windsurfen – also war die Idee schnell geboren, Bildung und Bewegung miteinander zu verbinden. Mir war klar: Der Einstieg in den Wassersport ist oft teuer und mit vielen Barrieren verbunden – gerade für Kinder aus bildungsfernen oder einkommensschwachen Familien. Wir wollten das ändern und gleichzeitig auch einen Beitrag zum Umweltbewusstsein leisten. Deshalb haben wir gesagt: Lasst uns Programme entwickeln, die spielerisch funktionieren. Kinder können bei uns erste Erfahrungen mit dem Wasser machen – Wassergewöhnung, ein bisschen Windsurfen, Spaß haben – und ganz nebenbei lernen sie noch was über Umweltschutz. Zum Beispiel, dass man den Müll vom Strand mitnimmt – das klingt banal, aber ist längst nicht allen bewusst.

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Wie läuft das organisatorisch? Und wer sind eure Partner?

Unsere Veranstaltungen sind mobil, wir gehen dorthin, wo gerade gute Bedingungen herrschen – Sylt, Büsum, Fehmarn, Kalifornien, Heidkate, Kiel und ein paar weitere Spots. Wir wollen das möglichst unbürokratisch gestalten – es soll ein Online-Buchungsportal geben, wo sich Kinder und Eltern einfach anmelden können.
-> Veranstaltungen und Anmeldungen: love-my.earth/pages/saltwater-kids

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Der wichtigste Punkt sind dabei die geeigneten Partner, zum Surfschulen, die bereit waren, mitzumachen. Das war anfangs gar nicht so einfach – viele hatten Bedenken, dass sie durch unser kostenloses Angebot zahlende Kundschaft verlieren könnten. Aber genau das Gegenteil ist der Fall: Wenn Kinder durch unser Programm Lust auf mehr bekommen, buchen sie später oft reguläre Kurse. Es ist ein Einstieg, kein Ersatz.

Und das Equipment – wie kommt ihr da ran?

Da sind wir auch sehr dankbar. Patrik Windsurfing zum Beispiel hat uns komplette Windsurfausrüstung gestellt. Brett, Segel – alles. Soöruz unterstützt uns mit Schwimmwesten und Neoprenanzügen. Das war auch ein langer Weg – viele zögern erstmal, weil sie den Aufwand oder den Nutzen nicht sofort sehen. Aber als klar war, dass ihr als surf Magazin an Bord seid und das auch medial begleitet, waren viele sofort überzeugt.

Was sind die nächsten Schritte?

Jetzt geht’s erstmal darum, das Konzept in dieser Saison zu erproben. Funktioniert es wirklich? Kommen die Leute? Haben Kinder wirklich Lust auf Wassersport? Machen die Eltern mit – oder sehen sie das eher als „Kinderabgabestelle“?

Ein spannender Testlauf sind zum Beispiel die Schulen in Kiel, mit denen wir arbeiten – auch in Zusammenarbeit mit einem Integrationsbeauftragten. Wir wollen sehen, wie gut wir in eher bildungsferne oder migrantisch geprägte Kontexte vordringen können. Denn ein Surf-Festival bei Sonne ist natürlich einfacher als der Alltag an einer Schule ohne viel Ressourcen. Mit der Kieler Woche startet unsere erste große „offizielle“ Runde. Wir bringen Schulklassen aufs Wasser, erzählen Geschichten, schaffen Erinnerungen. Und hoffentlich auch Perspektiven.

Und das Ganze läuft als Marketing-Maßnahme für die Saltwater Shops?

Genau, das war uns auch wichtig. Wir wollten keine klassische NGO gründen – das ist oft mit Hürden verbunden, und die Leute sind auch zunehmend spendenmüde. Stattdessen sehen wir das als Investment in unsere Marke Saltwater: Wir machen aus unserem normalen Umsatz etwas Sinnvolles. Und wenn dadurch ein positiver Eindruck bei Kunden bleibt – super.

Für alle, die Saltwater nicht kennen – was steckt hinter den Shops?

Saltwater ist kein klassischer Surfshop. Wir verkaufen keinen High-Performance-Hardware-Kram, sondern eher einen Adventure-Lifestyle – Fashion, Accessoires, alles mit Bezug zum Draußen-Sein, Reisen, Vanlife. Kein Preiskampf mit Amazon, sondern eher: ehrliche Beratung, tolle Locations, echte Erlebnisse. Wir sitzen zum Beispiel auf Sylt, in Heiligenhafen, Travemünde – immer da, wo Leute Urlaub machen und das Meer spüren. Auf dem Ahoi-Camp in Altenteil auf Fehmarn haben wir zum Beispiel einen Shop-in-Shop, der wunderbar funktioniert, weil die Werte dort – Bio, Regionalität, Nachhaltigkeit – zu uns passen.

Und du selbst – wie kamst du zu all dem?

Ich komme ursprünglich aus der Sport- und Lifestylebranche, hatte vor Saltwater eine nachhaltige Modemarke. Während Corona habe ich das Konzept gemeinsam mit Melody Harris entwickelt – sie war die erste Frau im Vorstand eines DAX-Unternehmens. Zusammen wollten wir etwas schaffen, das Wirkung zeigt – wirtschaftlich, sozial, emotional. Einfach gesagt: Eine Marke, die mehr kann als nur verkaufen.

Neben den Saltwater-Shops seid ihr auch unter dem schon genannten Label „Love My Earth“ - was ist das?

„Love My Earth“ ist unsere Kundenkarte – aber eben mit Sinn. Keine klassische Rabattkarte, sondern ein Zugang zu Community-Angeboten. Du bekommst damit in unseren Stores und bei Partnern wie Secret Spot in Kiel Sonderaktionen – etwa kostenlose Leihgeräte wie E-Bikes, Wings, Kites oder Surfboards für mehrere Tage. Es geht um mehr als nur Vorteile – es geht um Zugang, Teilhabe, Gemeinschaft. Und die Idee zieht Kreise: Wir sehen, dass es funktioniert – Wind in Klitte? Dann wissen wir schon, wer sich als Nächstes ein Wellenreitbrett ausleiht.

Vielen Dank und viel Erfolg!

Mehr Infos unter saltwater-shop.com und love-my.earth


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