SURF
· 11.06.2025
Im Frühjahr 2025 verzeichnete das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) außergewöhnlich hohe Wassertemperaturen in der Nord- und Ostsee. Die gesamte Nordsee erlebte das wärmste Frühjahr seit Beginn der Auswertungen im Jahr 1997, heißt es in einer Mitteilung des BSH. Die Durchschnittstemperatur stieg demnach auf 8,7 Grad und lag damit 0,9 Grad über dem langjährigen Mittel von 1997 bis 2021. Fast die gesamte Nordsee war an der Oberfläche mindestens 0,5 Grad wärmer als üblich, mit deutlichen Ausreißern nach oben. Diese Entwicklung wird als weiteres Zeichen des fortschreitenden Klimawandels gewertet und könnte weitreichende Folgen für das marine Ökosystem haben.
Die größten Temperaturabweichungen traten laut Angaben des BSH in der östlichen Nordsee vor der norwegischen und dänischen Küste auf. Dort lagen die Temperaturen bis zu 2 Grad über dem langjährigen Mittel - die höchsten Frühlingstemperaturen, die das BSH für große Teile der nördlichen und zentralen Nordsee seit 1997 verzeichnete. Im deutschen Teil der Nordsee seien ebenfalls deutlich erhöhte Oberflächentemperaturen gemessen worden. Je nach Ort war es dort das viert- bis sechstwärmste Frühjahr seit 1997, mit Werten zwischen 0,8 und 1,5 Grad über dem langjährigen Mittel.
Auch die Ostsee blieb laut der Mitteilung des BSH von der Erwärmung nicht verschont. Sie erreichte demnach im Frühjahr eine Durchschnittstemperatur von 5 Grad, was dem sechstwärmsten Frühjahr seit 1997 entspreche und 1 Grad über dem langjährigen Mittel liege. Besonders betroffen sei der südwestliche Teil der Ostsee gewesen, der die deutschen Gewässer und die dänischen Inseln umfasst. Hier lägen die Temperaturen mehr als 2 Grad über dem Langzeitmittel, was das wärmste Frühjahr seit Beginn der aktuellen Daten in 1997 bedeutete.
Am Leuchtturm Kiel wurde vom 28. März bis 21. Mai 2025 eine marine Hitzewelle registriert - die längste, die das BSH je an dieser Station gemessen habe. Dr. Claudia Hinrichs, Klimawissenschaftlerin beim BSH, erklärt: “Die marine Hitzewelle hielt 55 Tage an. Die Temperaturen lagen während dieser Zeit durchschnittlich 2,6 Grad über dem Mittelwert von 1991 bis 2020, mit einem Höchstwert von 4,3 Grad über dem Durchschnitt.” Diese Extremereignisse können erhebliche Auswirkungen auf marine Ökosysteme haben und zeigen die zunehmende Erwärmung der Meere deutlich auf.
Dr. Kerstin Jochumsen, Leiterin der Abteilung Meereskunde beim BSH, betont die Bedeutung dieser Messungen: “Unsere Daten zeigen, dass sich Nordsee und Ostsee kontinuierlich erwärmen. Das ist eine direkte Folge des Klimawandels und verändert die Meeresumwelt zunehmend.” Die langjährigen Messreihen des BSH, insbesondere durch das Meeresumweltmessnetz MARNET, seien entscheidend, um diese Veränderungen einzuordnen und zu verstehen.
Die Analysen des BSH sind Teil des Dienstes “Klima und Wasser”, der im Rahmen der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) betrieben wird. Diese Daten dienen dazu, verschiedene Akteure in Politik und Gesellschaft zu beraten und Entscheidungsgrundlagen für Anpassungsstrategien zu liefern. Die kontinuierliche Erwärmung der Nord- und Ostsee unterstreicht die Dringlichkeit von Maßnahmen gegen den Klimawandel und die Notwendigkeit, marine Ökosysteme besser zu schützen.