Vor dem PWA/WWT-Start“Ich genieße, dass es heute etwas ruhiger ist” - Philip Köster im Interview

Tobias Frauen

 · 24.01.2026

Viel gefragt, aber ohne den Rummel der ersten Jahre: Philip Köster im Oktober beim World Cup Sylt
Foto: PWA/Carter
Bei der Spannung im WM-Rennen konnte man 2025 fast übersehen, dass auch Philip Köster mit Platz drei eine starke Saison abgeliefert hat. Womit er dennoch haderte und wie seine Pläne für dieses Jahr aussehen hat er uns am Rande der boot erzählt.

Philip, unterm Strich war es für dich eine sehr erfolgreiche Saison: dritter Platz in der WM, Siege in Australien und Pozo, dazu Platz zwei auf Sylt. Warst du insgesamt zufrieden?

Ja, ich war schon zufrieden. Klar, die Tour hätte natürlich noch besser laufen können, aber es gab ein paar Events, die wirklich sehr, sehr gut waren, und andere, bei denen ich einfach Pech hatte. Besonders Chile war für mich extrem wichtig, und da lief es leider gar nicht zu meinen Gunsten. Ich hatte den letzten Heat des Tages, es war fast kein Wind mehr, und sie haben uns trotzdem rausgeschickt. Am nächsten Tag war dann eine richtig gute Vorhersage, sie sind an einen anderen Spot gegangen, und da lief alles perfekt. Dieses Ergebnis hat mir am Ende gefehlt, um noch weiter nach vorne zu kommen. Ob es für Platz eins gereicht hätte, weiß ich nicht, aber es hätte mir definitiv mehr Chancen gegeben. Solche Kleinigkeiten entscheiden dann eben. Und Maui ist sowieso so ein Ort, wo ich bisher nie wirklich ein richtig gutes Ergebnis hatte.

Du hast zwischendurch auch Kritik an den Judges geäußert. Wie siehst du das heute?

Ab und zu bin ich damit nicht ganz zufrieden, ja. Das ist halt eine Sportart mit Judges, es ist kein Slalom, wo einfach die Zeit entscheidet. Ich habe manchmal das Gefühl, dass mir mein Training sogar ein bisschen im Weg steht, weil bei mir vieles zu leicht aussieht. Wenn ein Trick sehr sauber und kontrolliert ist, wirkt er vielleicht weniger spektakulär. Wenn ein Doppelloop zum Beispiel perfekt aussieht, bekommt man manchmal weniger Score, als man erwarten würde. Aber so ist das eben. Jede Sportart mit Wertungsrichtern hat diese Diskussionen. Trotzdem macht mir das Ganze immer noch sehr viel Spaß, und ich bin gerne auf Tour!

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​Ich habe manchmal das Gefühl, dass mir mein Training sogar ein bisschen im Weg steht, weil bei mir vieles zu leicht aussieht.”

In dieser Saison ist auch dein zweites Kind geboren worden. Hat das deinen Alltag als Profi stark verändert?

Eigentlich nicht so sehr. Meine Frau ist selbst Sportlerin, sie versteht das alles sehr gut. Klar ändert sich etwas, aber ich habe ja schon eine Tochter, deshalb wusste ich schon, was auf mich zukommt. Man weiß einfach besser, wie alles funktioniert, wie viel man trainieren kann und wie man Reisen organisiert. Zeitlich passt das alles ganz gut.

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Auf Sylt konnte man den Eindruck bekommen, dass du dich etwas zurückziehst. Weniger Interviews, weniger Präsenz am Strand. War das bewusst?

Ich hatte tatsächlich viele Medientermine, nur nicht direkt auf dem Event-Gelände. Ich war über die ganze Insel verteilt unterwegs für Interviews. Und als dann der Forecast für das zweite Wochenende gut aussah, habe ich mich und mein Material vorbereitet. Aber ja, ich genieße es auch, dass es heute etwas ruhiger ist als in den ersten Jahren.

Nach deinem ersten WM-Titel war der Medienrummel enorm.

Genau. 2017 war mega, aber auch extrem anstrengend. Es hat Spaß gemacht, aber es war schwer, das alles mit dem Wettkampf zu verbinden. Ich hatte so viele Termine, dass kaum Zeit zur Vorbereitung blieb.

Auf der boot hast du auch über Big-Wave-Pläne gesprochen – Jaws, Nazaré. Wie konkret ist das?

Jaws ist für mich eher unrealistisch, das ist extrem weit weg und sehr voll mit Locals. Nazaré ist deutlich einfacher zu planen, auch was Forecasts angeht. Das ist definitiv etwas, das ich gerne machen würde.

Was steht als Nächstes auf dem Plan?

Ich fliege für zwei Wochen nach Australien, vor allem für den Worldcup in Margaret River. Ben Severne lebt dort, wir gehen dann auch zusammen aufs Wasser und entwickeln ein paar Dinge weiter. Ich habe ja inzwischen mein eigenes Trapez und mein eigenes Board, und vielleicht kommen noch weitere Produkte dazu. Das macht mir extrem viel Spaß.


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