Herausgekommen ist ein ziemlich ehrlicher Blick hinter die Kulissen: auf Rituale, Lieblingssongs, legendäre Spots und Erinnerungen, die oft weniger mit Scores zu tun haben als mit Menschen, Wind, Vibes – und manchmal auch mit einem aufgeschnittenen Gesicht.
Wer erwartet hätte, dass alle Freestyler vor dem Heat mit aggressiven Beats im Ohr über den Strand tigern, liegt nur halb richtig. Klar, es gibt sie: die Rider, die sich mit Rock, Rap oder harten Gitarren in den Wettkampfmodus schalten. Aber erstaunlich viele sagen auch: Musik? Vor dem Heat lieber nicht.
Für Lennart Neubauer läuft aktuell ausgerechnet P!NK ganz oben in der Rotation. „Ihr werdet vielleicht lachen, aber ich liebe P!NK“, sagt er – besonders „U + Ur Hand“. Dazu tauchen in seiner Playlist auch 12os Pithikos, Of Monsters and Men, Green Day und Pink Floyd auf. Ein wilder Mix, der ziemlich gut zu einem Rider passt, der auf dem Wasser ebenfalls nicht gerade nach Schema F unterwegs ist.
Bei Newcomer Leander Halm ist Musik sogar ein fester Teil des Lebens neben dem Windsurfen. Er singt in einer Rockband, hört viel Punk und Rock, aber auch Balladen von Elton John oder Billy Joel. Auf der Dauerrotation: Led Zeppelin, Maximo Park, The Killers und Zach Bryan. Sein All-time-Favorit? Entweder „Mr. Brightside“ oder „Pink Skies“. Für ihn kann ein guter Song im Kopf auch auf dem Wasser helfen: mehr Flow, mehr Stoke, mehr Spaß.
Manolis Chrysopoulos hat einen klaren Favoriten: Linkin Park. Vor allem Chester Bennington habe ihn geprägt. Songs wie „Points of Authority“, „With You“ und „Figure.09“ laufen bei ihm vor Sessions oder Wettkämpfen – wegen der Energie, der Intros und der Lyrics.
Auch Adam Sims greift gern zu lauteren Gitarren. Rise Against sei für ihn seit Jahren ein Go-to, Linkin Park ebenfalls. „Es muss schon 60 Knoten haben, damit ich mir das in die Ohren stecke und rausgehe”, sagt er lachend. Zuletzt kamen bei ihm auch sphärischere Sounds wie Aaron Hibell dazu. Nach der Session darf es dann gern Reggae sein – Runterkommen, kaltes Bier, Feierabend.
Pier Bongianni nennt Rap und Rock als Genres, die ihn vor dem Wettkampf lockern und anfeuern. Zuletzt lief bei ihm viel „All Along the Watchtower“ von Jimi Hendrix, dazu Central Cee, 50 Cent und 2Pac. Yentel Caers hält es weniger konkret, aber ähnlich energetisch: hart, schwer, pushend – Hauptsache, es bringt ihn in Fahrt.
Bei Takumi Moriya spielt Musik im Alltag zwar eine große Rolle, vor dem Heat aber weniger. Dann hängt er lieber mit Freunden ab und bleibt entspannt. Wenn Musik läuft, dann vor allem japanischer Rock – zuletzt etwa Back Number und Mrs. Green Apple.
Interessant: Viele Rider nutzen Musik nicht, um sich vor dem Heat abzuschotten – sie vermeiden genau das. Živa Batis hört vor dem Windsurfen überhaupt keine Musik. Ihr Ritual ist ein anderes: sich daran erinnern, warum sie überhaupt rausgeht. „Für mich ist das Wichtigste, dass ich mir sage: Ich mache das zum Spaß.“ Wenn sie mit diesem Mindset aufs Wasser geht, trickst sie am besten. Im Auto darf es dann gern Oldschool sein, aktuell viel Michael Jackson.
Auch Maaike Huvermann mag vor Sessions entspannte Indie-Folk-Sounds, vor einem Heat aber bleibt sie lieber am Strand, redet mit Leuten und nimmt die Atmosphäre auf. Zu sehr in den eigenen Kopf zu gehen, sei für sie eher kontraproduktiv. Normal bleiben, sozial bleiben – das funktioniert besser als Kopfhörer und Tunnelblick.
Steven van Broeckhoven beschreibt genau diesen Tunnelblick aus seinen Prime-Jahren: Vor Heats sei er so fokussiert gewesen, dass er Musik ohnehin nicht gehört hätte. Heute gehe es ihm weniger ums Gewinnen um jeden Preis, mehr darum, den Moment auf dem Wasser zu genießen. Musik läuft bei ihm eher im Auto – Hauptsache nicht zu kommerziell.
Lisa Kloster ist ebenfalls keine klassische Playlist-Riderin. Musik? Eher beim Tanzen auf Partys, gern Reggaeton. Ansonsten sucht sie höchstens Songs für Instagram-Reels. Ihr Freund Konstantinos Nikoletos kommentiert trocken: „Wenn ihr über Musik reden wollt, redet mit mir. Lisa weiß nichts über Musik – nur Reels!“
Am Ende ist die Antwort auf die Kopfhörerfrage ziemlich eindeutig: Es gibt keine richtige Antwort. Manche brauchen Linkin Park, Rise Against oder Rap, andere P!NK, Indie Folk oder japanischen Rock. Wieder andere brauchen nur Wind, Freunde und das Gefühl, nicht zu verkrampfen.
Vielleicht ist genau das die eigentliche Erkenntnis: Freestyle beginnt nicht mit dem ersten Move, sondern im Kopf. Und wie man diesen Kopf sortiert, ist so individuell wie ein guter Heat.
Wenn Rider über ihre liebsten Tourstopps sprechen, geht es zuerst um Wind, Wasser und Ergebnisse. Aber ziemlich schnell merkt man: Die wirklich großen Erinnerungen entstehen aus der Mischung. Bedingungen, Community, persönliche Meilensteine, Partys, Sessions nach dem Contest – und dieses Gefühl, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Ein Name fällt dabei auffallend oft: Naxos 2024.
Für viele aus der aktuellen Generation ist Naxos 2024 längst mehr als nur ein Event. Es war einer dieser Stopps, bei denen scheinbar alles passte: Wind, Level, Organisation, Insel-Vibe, volle Strände und eine Lagune, die zeitweise aussah wie ein Freestyle-Camp mit Weltklassebesetzung.
Pier Bongianni nennt Naxos 2024 unvergesslich – wegen der brutalen Bedingungen und des irren Niveaus auf dem Wasser. Gleichzeitig schwärmt er von den Geschichten über EFPT Lanzarote 2017, einem Event, das er selbst nicht erlebt hat, das aber offenbar längst zur Tour-Folklore gehört: Starkwind, Rampen, volles Fahrerfeld, wilde Atmosphäre.
Für Živa Batis war Naxos 2024 das erste FPT-Event überhaupt – und entsprechend emotional. Plötzlich standen da Maaike Huvermann, Lennart Neubauer und Yentel Caers nicht mehr nur als Namen aus Videos herum, sondern real am Strand. Ihr erster Heat ging gegen Lisa Kloster, die Stimmung war riesig, Kinder kamen zum Zuschauen und für Autogramme, die Karpathos-Crew feuerte an. Dazu Insel erkunden, Cliffjumping, neue Freundschaften. Für Živa war es der Einstieg in die Tour-Community.
Leander Halm sieht es ähnlich. Sein erster FPT-Event war Bonaire 2023 – Caribbean Freestyle Vibes, Pros zum ersten Mal live erleben, viele davon heute Freunde. Sein Favorit aber bleibt auch Naxos 2024: Top-Bedingungen, Inselgefühl, Sessions mit der ganzen Crew, eine vollgepackte Lagune und sogar sein erster Culo nach dem Contest. Bonuspunkt: Eis bei Waffle House nach jedem Action-Tag.
Für Foivos Tsoupras hatte Naxos 2024 eine besondere persönliche Bedeutung. 2009 war er zum ersten Mal dort, damals fand zuletzt ein Tourstopp auf der Insel statt. 15 Jahre später kam die Tour zurück – an den Spot, an dem er Freestyle im Grunde gelernt hatte. Aus dem Jungen, der sich früher vor der kabbeligen Seite mit Wellen scheute, wurde ein Rider, der dort im Contest starke Moves und Heats zeigte.
Noch größer war das Heimspielgefühl bei Lennart Neubauer. Für ihn führt der Gedanke an besondere Events sofort nach Naxos. Freunde, Wegbegleiter, ehemalige Lehrer am Strand, alle feuern ihn an. Dazu Top-Bedingungen und eine Bühne, auf der Windsurfen eindrucksvoll gezeigt werden konnte. Dass andere Rider seinen Homespot so feierten und die Organisation lobten, machte es für ihn noch spezieller – schließlich waren seine Mutter und sein bester Freund Manolis Orfanos in die Organisation eingebunden.
Auch Lisa Kloster hebt Naxos 2024 hervor. Zwar mochte sie das On-Forecast-Event in Brouwersdam 2023 mit dem flachen Pool-Spot sehr, doch ausgerechnet in ihren Heats ließ dort der Wind nach. In Naxos dagegen: Wind ohne Ende, gutes Essen, gute Leute, gute Vibes, alle on fire.
Takumi Moriya verbindet Naxos 2024 mit seinem ersten Europa-Trip zu einem Event und einem starken fünften Platz in einem 32er-Feld. Besonders hängen blieb sein Heat gegen Jacopo Testa – den er dort zum ersten Mal schlagen konnte.
Nicht nur Naxos hat Spuren hinterlassen. Yentel Caers nennt ohne Zögern Lanzarote. Wellen, Rampen, Freestyle, perfekte Kombi – organisiert von Ex-Europameister Antxón Otaegui. Yentel gewann dort zweimal und verbindet den Spot mit einigen der größten Action-Momente seiner Karriere.
Adam Sims denkt als Rider gern an EFPT Sigri 2012 zurück. Nicht wegen All-time-Bedingungen, sondern wegen der Community. Viel Lachen, einfache Unterkunft, guter Spirit – und Davy Scheffers, der Triple-Moves raushaute, während andere noch mit einzelnen Moves kämpften. Tarifa 2017 wiederum beschreibt Sims als das höchste Freestyle-Level, das er je auf flachem Wasser in einem Contest gesehen hat: 40 Knoten, spiegelglatt, Jacopo Testa mit Spock Air Kabi into Kono – durchgeglitten. Ein Move, den Sims seitdem nicht wieder gesehen hat.
Aus Sicht des heutigen Tour-CEOs nennt er außerdem Cape Town als Highlight: ein Konzept mit Flatwater-Spot für die Single Elimination und Wave-Spot für die Double. Auch Naxos, Vieste und Geneva lobt er für Organisation und Formatvielfalt.
Für Steven van Broeckhoven bleibt EFPT Naxos 2009 der Meilenstein: Dort wurde er zum ersten Mal Europameister. Das Finale gegen Andre Paskowski fand bei sehr leichtem Wind statt, während ein Hubschrauber mit Fotografen und Filmern tief über den Ridern kreiste. Einige der besten Luftaufnahmen seiner Karriere stammen aus genau diesem Heat.
Maaike Huvermann nennt Brouwersdam 2018 als prägende Erinnerung. Dort schlug sie Sarah-Quita Offringa zum ersten Mal – bei Leichtwind und am eigenen Homespot, vor Freunden und bekannten Gesichtern. Naxos 2024 bleibt für sie trotzdem ebenfalls besonders, vor allem wegen der Gruppe der Frauen, die sich gegenseitig pushte und gemeinsam Spaß auf dem Wasser hatte.
Bijou Shahmirian denkt an Podersdorf zurück. Als Riderin mit österreichischer Segelnummer war das Heim-Event besonders: erstes Podium, starkes eigenes Windsurfen und eine entspannte Atmosphäre mit der gesamten Freestyle-Flotte abseits des Wettkampfs.
Manolis Chrysopoulos nennt Cape Town 2025 als sein bisher denkwürdigstes Event. Dort fuhr er sein bestes internationales Ergebnis ein und zeigte einige seiner höchstbewerteten Heats – Platz vier hinter Lennart Neubauer, Jacopo Testa und Jamie Howard. Paros 2025 bleibt ihm ebenfalls im Gedächtnis, wenn auch schmerzhafter: Dort schlug ihm das Schothorn des Gabelbaums die Lippe auf. Die Bedingungen? „Insane“.
Ob Playlist oder Lieblingsspot – die Antworten der Rider zeigen, dass Freestyle-Windsurfen weit mehr ist als Moves, Scores und Podiumsplätze. Vor dem Heat suchen manche den perfekten Song, andere den perfekten Ruhepuls. Und bei den Tourstopps bleiben nicht nur die besten Bedingungen im Kopf, sondern die Momente drumherum: der erste Heat, das erste Podium, ein Sieg gegen ein Idol, ein Homespot voller Freunde, ein Abend mit der Crew. Und wahrscheinlich ist genau das der Grund, warum die FPT so viele Geschichten produziert. Der Contest dauert ein paar Tage. Die Erinnerungen bleiben für immer.
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Redakteur surf
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