Sie gehören zu den spannendsten Nachwuchstalenten im deutschen Windsurfen: Emma (17) und Frida Miron (15). Beide leben aktuell an der Ostsee auf Rügen, nachdem sie vor acht Jahren aus Hessen dorthin zogen – früher waren sie noch im Skisport aktiv, heute sind sie am liebsten in der Welle. In der Szene fallen die beiden Schwestern nicht nur durch starke Leistungen auf, sondern auch durch ihre offene Art, ihren Teamgeist und ihren Ehrgeiz. Wir haben sie beim Gran Canaria Worldcup zum Gespräch getroffen.
Emma: Ich bin bei den U18 auf Platz 3 gelandet, das hat sich super angefühlt! Ich hatte gute Heats, leichteren Wind und habe ein paar schöne Forwards gelandet. Es waren auch meine ersten Forwards bei Wind von links nach meinem dreifachen Fußbruch im September letzten Jahres – deshalb war es für mich ein ganz besonderer Moment. Klar, ich hätte es gerne eine Runde weiter geschafft, aber ich weiß jetzt, woran ich arbeiten will.
Frida: Ich bin Vierte geworden. Der Event hat total Spaß gemacht, vor allem mit dem starken Mädels-Feld – mit Starterinnen aus Japan, Spanien, Belgien und Deutschland. Es war richtig cool, mit so vielen internationalen Fahrerinnen zu surfen. Ich versuche gerade, meine Forwards noch sauberer zu landen, da gibt es noch einiges zu verbessern. Wir haben beide auch bei den Frauen mitgemacht – das war anstrengend, aber eine richtig gute Erfahrung. Man merkt, dass das Level dort noch mal ein ganz anderes ist.
Frida: Da wir erst 2022 mit dem Waven angefangen haben, war unser erster größerer Contest 2023 in Cold Hawaii beim Jugend-PWA-Tour-Stopp. Ich wurde Vierte, Emma Zweite. Das war unser Einstieg in die Contest-Welt, aufregend und hat uns motiviert weiterzumachen!
Emma: Unsere Eltern haben irgendwann damit angefangen und uns dann einfach mit aufs Wasser genommen. Auf Rügen haben wir auch für Beginner super Bedingungen und sind froh, dass unsere Eltern uns zu dem Sport gebracht haben. Mit acht Jahren haben wir beide so richtig losgelegt. Vorher, als wir noch in Fulda gelebt haben, waren wir eigentlich im Ski-Slalom unterwegs.
Frida: Meistens surfen wir zusammen. Klar wollen wir beide gewinnen, aber auf dem Wasser unterstützen wir uns auch total. Wenn wir zusammen im Heat sind, besprechen wir vorher die Taktik und analysieren die Bedingungen – und manchmal reden wir sogar während des Heats miteinander. (Beide lachen.)
Emma: Das hilft uns total. Wir wissen genau, was die andere gerade braucht oder was sie besser lassen sollte. Teamwork makes the dream work!
Frida: Ganz klar das Waveriding – wenn man so richtig in den Flow kommt. Aber auch die Vantrips, mit Freunden und der Familie am Spot sein, neue Orte entdecken – das alles gehört für mich dazu.
Emma: Bei mir ist es die Mischung aus Springen und Welle. Je nach Spot ist das eine oder das andere spannender. Und das Gefühl, wenn du nach einem guten Heat aus dem Wasser kommst – unbeschreiblich.
Frida: Unsere Homespots sind in Rügen Orte wie Mukran, Kreptitz, Surendorf und auch Klitmøller. Im Sommer sind wir auch oft in Hanstholm oder haben auch Moulay schon mal besucht. Wenn die Bedingungen passen, fahren wir auch mal neun Stunden nach Dänemark – einfach weil wir wissen, dass es sich lohnt.
Emma: Unsere Eltern unterstützen uns da total – sie fahren mit, helfen uns beim Packen und sind oft selbst mit auf dem Wasser. Ohne sie wäre das alles nicht möglich.
Emma: Das ist echt nicht immer einfach. Aber wir haben viel Unterstützung – von unserer Familie und auch von den Schulen. Wir versuchen so lange wie möglich auf dem Wasser zu bleiben und dann abends zu lernen. Wenn’s sein muss, auch auf dem Rückweg im Auto oder im Flugzeug.
Wenn’s sein muss, lernen wir auch auf dem Rückweg im Auto oder im Flugzeug.”
Emma: Ich finde Lina Erpenstein total inspirierend – sie studiert Medizin und ist trotzdem ganz oben mit dabei. Das zeigt, dass man nicht alles für den Sport aufgeben muss.
Frida: Bei mir sind es Sarah-Quita Offringa und Sol Degrieck – beide haben einen ganz eigenen Stil und sind richtig mutig. Insbesondere Sol hat mich gerade beim Weltcup in Pozo total inspiriert und ist definitiv eine Athletin, zu der ich aufschaue, obwohl sie gerade mal so alt ist wie ich.
Frida: Das Finale der Pro Women in Moulay – wir waren mit Maria Schälin, Svenja Chudoba und uns Miron-Schwestern im Heat. Die Bedingungen waren traumhaft, die Wellen sehr groß, und wir waren einfach nur glücklich, dabei zu sein.
Emma: Ich wurde Dritte, Frida Zweite – das war unglaublich. Und das ganze F2-Team war da, Sergio (Alonso Minuth, F2-Shaper und -Entwickler – Anm. d. Red.) hat uns angefeuert – das vergisst man nicht.
Emma: Vor dem Heat sind wir meist ein bisschen aufgeregt, aber wir sprechen uns gut ab. Wenn wir nicht zusammen fahren, ist eine von uns oft Caddy für die andere – das hilft enorm.
Frida: Meistens reicht es, wenn eine von uns einen neuen Move lernt – dann will die andere das auch können. Das pusht total und dauert meist nicht länger als drei Wochen, bis die andere den Move dann auch im Repertoire hat.
Emma: Ich habe mir ja letztes Jahr meinen Fuß gebrochen. In der Zeit habe ich viel beobachtet, gelernt und im Fitnessstudio trainiert. Danach war ich so motiviert wie nie. Gerade arbeite ich am Stalled Forward.
Frida: Hookipa auf Maui – das ist einfach der Königs-Spot.
Emma: Für mich Australien und Chile. Da diskutieren wir echt viel drüber, weil es so viele Möglichkeiten gibt.
Frida: Weiter auf der Tour fahren, möglichst viel gemeinsam reisen und neue Moves lernen. Der Backloop steht dabei ganz oben auf der Liste.
Emma: Sportlich hoffentlich regelmäßig auf Contests, mit vielen anderen Mädels. Und privat würden wir gerne zusammen in einer Stadt studieren – beide am liebsten Medizin.
Frida: Emma ist eindeutig mutiger – sie zieht durch.
Emma: Und Frida ist definitiv ordentlicher – bei ihr ist immer alles sortiert.
Emma: Wir spielen zusammen im Orchester, jede von uns zwei Instrumente. Und wir machen auch American Football – das ist ein guter Ausgleich und macht uns auf jeden Fall robuster. (Lacht.)
Frida: Unsere ersten Forwards auf Video – wir dachten, sie wären mega, aber sie sahen einfach nur lustig aus und waren eher mit einem Schleudersturz zu vergleichen.
Emma: Und die Walk of Shames in Hanstholm und Pozo – die wird uns niemand nehmen!