Wave-Newcomerin aus LübeckMaria Behrens über das Sylt-Märchen, Ziele 2024 und Frontloops mit Mama

Tobias Frauen

 · 27.06.2024

Maria Behrens hat in den letzten Monaten mit Top-Ergebnissen für viel Furore gesorgt - wir haben die Lübeckerin zum Interview getroffen
Foto: Fish Bowl Diaries/IWT
Es war eines der Highlights beim letzten World Cup auf Sylt: Als Außenseiterin fuhr Maria Behrens bis ins Finale der Single Elimination, gewann dabei unter anderem gegen Mit-Favoritin Lina Erpenstein. Später bewies Maria mit Top-Platzierungen beim Aloha Classic und jüngst in Chile, dass ihr Erfolg kein Zufall war. Im surf-Interview erzählt sie, wie sie das Sylt-Märchen selbst erlebte, welche Ziele sie für diese Saison hat und wie sie Windsurfen, Wingfoilen und Studium unter einen Hut bekommt.

An deinem großen Tag auf Sylt hast du während der langen Wartezeit vor dem Finale bei uns im surf-Zelt gesessen und wolltest gar nicht mehr angesprochen werden.

(Lacht) Ja, genau, es kamen plötzlich Interviewanfragen und habe mich versteckt, ich wollte mich in dem Moment einfach nicht zu sehr freuen. Den Fehler habe ich schon mal gemacht, und am Ende ist es dann schief gegangen. Deswegen wollte ich mich auf Sylt in dem Moment lieber etwas zurückziehen. Ich bin eine sehr emotionale Person und weiß, dass ich mich schnell in etwas reinsteigern kann. Ich wollte aber professionell bleiben und mich auf den Wettkampf konzentrieren.

Wie war das für dich im Laufe des Tages, als du immer weitergekommen bist, hast du irgendwann gemerkt “Da geht was, die Bedingungen liegen mir hier”? Was ist da mit dir passiert?

Ich bin sehr emotional geworden, auch weil meine Eltern nicht dabei sein konnten. Als ich im Seeding gesehen habe, dass ich in der ersten Runde gegen Lina fahren muss, dachte ich das wird echt schwierig. Wenn man das dann schafft, gibt es einen totalen Adrenalinboost. Die ganzen Leute am Strand, Ingo am Mikrofon. Ich war überglücklich, ich konnte nicht mehr aufhören zu grinsen. Und dann bin ich immer weitergekommen, habe gute Wellen bekommen und konnte die gut lesen. Das war echt der Hammer. Nach dem Halbfinale waren wir dann lange auf Standby für die nächsten Heats, das war schon aufreibend. Leider hatten wir im Finale dann nicht so schöne Bedingungen, es war dann eher typisch Sylt.

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surf/sy23-wv-g209-2019_ae7b0c97076270456ab229da92811223Foto: Carter/pwaworldtour.com
Ich war überglücklich, ich konnte nicht mehr aufhören zu grinsen.”

Vorher war es mit sauberen Wellen und leichtem Sideshore-Wind eher ungewöhnlich. Das sind die Bedingungen, die dir liegen, oder?

Genau, Wellenabreiten liegt mir sehr, auch weil ich es auf Teneriffa sehr gerne mache. Die Wellen waren ähnlich, es war leichter Wind, das war gut für mich. Ich bin das größte Material gefahren, was ich habe, das hat richtig gut gepasst.

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Und beim Aloha Classic ging es dann so weiter ...

Ja genau (lacht). Ich bin zwei Wochen vorher angereist und habe Starboard Tack trainiert. Das bin ich vorher nur ab und zu mal in Dänemark gefahren. In Hookipa habe ich dann intensiv in den großen Wellen trainiert. Und, ja, ich war echt überrascht, wie gut ich abgeschnitten habe. Ich hatte wieder gute Wellen, das Wellenlesen hat auch wieder gut funktioniert.

surf/ac23-wv-october-29-water160_eee4d91df69139b1034c51db82269d30Foto: Fish Bowl Diaries/IWT

Mit dem siebten Platz in Chile gab es dann auch in diesem Jahr direkt wieder ein Top Ten-Ergebnis.

Chile war super! Das war ein Fünf-Sterne-Event, deswegen waren fast alle da, und ich bin sehr zufrieden mit meinem siebten Platz. Die Bedingungen waren eine große Herausforderung, weil wir vor allem im Semifinal sehr große Wellen hatten. Das war das Größte, was ich jemals gefahren bin bei Wind von links, es war Adrenalin pur! Leider lief es dort nicht so gut mit dem Wellenlesen. Ich hätte ein bisschen früher nach Chile fahren müssen, um dort noch mehr zu trainieren. Aber das ist manchmal schwierig, alles unter einen Hut zu kriegen.

Hat sich durch die guten Platzierungen auch die Unterstützung durch Sponsoren verbessert?

Also, auf jeden Fall haben sich natürlich die Verträge verändert, und ich habe mehr Aufmerksamkeit bekommen. Ich wurde zum Beispiel in meiner Heimatstadt Lübeck zur Sportlerin des Jahres gewählt, die Lübecker Nachrichten haben oft über mich berichtet. Das ist natürlich immer hilfreich. Ich bin immer noch dabei, potenzielle Sponsoren anzuschreiben, aber von fünf Anfragen ist es vielleicht eine Firma, die dann auch antwortet.

Machst du nebenbei noch eine Ausbildung oder ein Studium?

Genau, ich studiere online an einer Fernuniversität und das läuft super. Also, grad bin ich ein bisschen hinterher, aber das ist in Ordnung bei dem Lifestyle, den ich lebe (lacht). Ich genieße das total. Ich bin froh, dass ich auf nichts verzichten muss, so viel mitnehmen kann, wie ich möchte und auch spontan sein kann. Zum Beispiel war ich jetzt beim Maui-Shooting fürs Wingfoilen von Duotone mit dabei. Das war richtig cool, sowas könnte ich natürlich nicht machen, wenn ich an einen Uni-Standort gebunden wäre. Ich studiere Online-Marketing, das ist die Richtung, in die ich gehen möchte. Es bringt mir super viel Spaß und ich lerne viel!

Ich bin froh, dass ich auf nichts verzichten muss!”

Du hast gerade schon gesagt, du warst beim Wingfoil-Shooting. Das machst du auch auf einem relativ hohen Niveau.

Letztes Jahr bin ich Deutsche Meisterin im Race geworden. Und sonst fahre ich auch ein paar World Cups mit. Im letzten Jahr waren es zwei Events und ich war am Ende in den Top Ten, in dieser Saison war ich bislang aber noch nicht am Start. Man muss sich priorisieren, da kommt das Wingfoilen natürlich ein bisschen kürzer im Vergleich zum Windsurfen. Es ist schwierig, wenn man Uni und alles unter einen Hut zu bringen möchte. Für dieses Jahr habe ich aber geplant, auf Gran Canaria den Big Air Event mitzufahren und auch den World Cup auf Fuerteventura. Dadurch, dass da auch Windsurf Freestyle stattfindet, ist das ein Riesen-Event und ich kann beides miteinander verbinden. Viele von den Wing-Events sind auch in Brasilien, Marokko oder so, das ist dann auch eine Kosten- und Zeitfrage.

surf/mariabehrens-slick24-skystyleslifestyle24-maui-duotone-by-tobybromwich-0994_abf0f640dba249de42dd584fbc577e33Foto: Duotone

Trainierst du oft gezielt in bestimmten Bedingungen oder verlässt du dich eher auf dein Können?

Meistens verlasse ich mich auf mein Können. Down-the-Line bin ich nie vorher richtig gefahren, das war in Chile das erste Mal. Sowas hatte ich nur in Hanstholm in Dänemark mal annähernd. Aber in Pozo zum Beispiel konzentriere ich mich drauf, Sprünge zu trainieren, die sind ein bisschen meine Schwäche. Deswegen bin ich schon Mitte Juni hingeflogen, damit ich vor dem Wettkampf noch zwei Wochen lang trainieren kann. Im Mai war ich mit meiner Mutter auf Teneriffa, da habe ich auch Sprünge geübt. Dort war ich auch im Februar spontan für eine Woche, weil der Forecast gut aussah.

Teneriffa ist die zweite Homebase für dich, oder?

Ja, genau! Meine Mutter kommt aus Sevilla, also vom Festland, aber wir fahren seit Jahren immer nach Teneriffa, da nehmen wir dann Windsurfmaterial und Wingmaterial mit und haben unseren Spaß! Und jetzt machen meine Mum und ich einen Mädelsurlaub, sie will den Frontloop lernen, das ist richtig cool. Angefangen hat sie mit Wellenabreiten, da kann ich sie ein bisschen coachen.

Und freust du dich auf Pozo genauso wie auf Chile? Oder ist das eher ein wichtiger Pflicht-Event, mit anderen Bedingungen als du dir selbst aussuchen würdest?

Ich freue mich sehr auf Gran Canaria, auch weil viele Leute da sein werden. Ich weiß, dass die Bedingungen meine Schwäche sind und ich genau das trainieren möchte und muss. Ich mache mir da keinen Druck, es ist eher eine Herausforderung für mich, weil ich da viel Potenzial für Verbesserungen bei mir selbst sehe. Ich möchte bei den Sprüngen besser werden, gerade übe ich am Pushloop. Backloops sind auch ein Thema, mal lande ich welche, aber viele immer noch nicht. Das ist ein superschwieriger Move, das will ich auf jeden Fall verbessern.

Ich freue mich sehr auf Gran Canaria. Ich weiß, dass die Bedingungen meine Schwäche sind und ich genau das trainieren muss.”

Hast du dir Ziele gesetzt, was Positionen angeht?

Letztes Jahr war ich in Pozo nicht so gut, ich hätte viel mehr geben können. Da war ich mental nicht so ganz bei der Sache, dieses Jahr möchte ich auf jeden Fall eine bessere Platzierung erreichen. Also Top sieben wäre schon gut. Aber ich weiß auch, dass ich eine harte Konkurrenz habe, mit Sarah-Quita, Lina, aber auch von vielen Locals.

Das Damenfeld wirkt wie eine recht enge Community, egal wie groß die Konkurrenz auf dem Wasser ist…

Ja, das ist schon so, dabei ist auch egal, welche Altersklasse du bist. Man versteht sich untereinander richtig gut - auch mit den Männern. Das ist ein richtig guter Vibe!

Trainierst du für dich selbst oder hast du auch einen Coach, der dir Input gibt?

Ich mache viel durch Videoanalyse, etwa von Freunden wie Henri (Kolberg) und Laurin (Schmuth), die haben mir viele Tipps gegeben. Manchmal frage ich auch einfach andere Pros beim Wettkampf. Ich nehme auch öfter mal an Clinics teil, auf Teneriffa zum Beispiel bei Dieter van der Eyken, außerdem habe ich mit Dr. Windsurf (Profi-Coach und Caddy von Philip Köster, Anm. d. Red.) ein paar Lessons in Pozo zum Backloop gemacht. Da pickt man sich so seine Leute raus.

Und was sind deine Lieblingsspots von zuhause aus?

Ich habe einen VW-Bus und komme easy nach Dänemark, das geht auch mal für ein paar Tage oder ein Wochenende. Und sonst bin ich viel an der Lübecker Bucht unterwegs, Rettin, Kellenhusen, Weißenhaus, rund um Fehmarn. Das ist natürlich nicht vergleichbar mit Chile oder so, das war schon eine richtige Herausforderung, aber man lernt dann ja jede Menge (lacht)


Tobias Frauen

Tobias Frauen

Redakteur

Tobi verantwortet alles Digitale – von der surf-Webseite bis zu den Social-Media-Kanälen – und sorgt täglich für frischen Bild- und Videocontent. Seine Surf-Wurzeln reichen vom Münsterland über Ijsselmeer, Brouwersdam und Sylt bis nach Kiel und Heidkate. Heute lebt er seit über zehn Jahren in Hamburg als „Weekend Warrior“ und ist so oft wie möglich mit Campingbus und Familie unterwegs – bevorzugt an Ostsee, SPO, Dänemark sowie in Finnland, Schweden oder Sardinien.

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