Windsurf-Comeback nach KnochenkrebsWeronika Lato und Max Brinnich über “Reborn on water”

Julian Wiemar

 · 25.07.2026

Weronika Lato kämpfte sich nach einer Krebserkrankung und einer schweren Operation wieder aufs Board zurück. Max Brinnich begleitete sie dabei und zeigt den Weg im Film "Reborn on water"
Foto: Visionstorm/Max Brinnich
Der Film “Reborn on water” erzählt wie Windsurferin Weronika Lato sich nach einer Knochenkrebserkrankung zurück aufs Board – und ins Leben – kämpft. Im Interview spricht sie zusammen mit Filmproduzent Max Brinnich über die Entscheidung, mit der Diagnose an die Öffentlichkeit zu gehen, über die härtesten Tage nach der OP und darüber, warum das Board am Ende mehr als nur Sportgerät war.

Ein Jahr lang begleitete Max Brinnich die 26-jährige Surflehrerin aus Polen, die bei einer Operation infolge von aggressivem Knochenkrebs einen großen Teil ihres Beckens verlor, mit der Kamera, und formte daraus einen ehrlichen, intensiven Film zwischen Schmerz, Hoffnung und Gänsehautmomenten. Wir erfahren, wie aus einer Nachricht ein Film – und eine Freundschaft – entstand, weshalb Max für dieses Projekt bewusst Routine und Komfortzone hinter sich ließ, welche kleinen Schritte für Weronika den großen Unterschied machten, und vieles mehr. Ein Gespräch über Leidenschaft und die Kraft, sich auf dem Wasser neu zu erfinden – und über einen Film, der weit über Windsurfen hinaus ergreift.

Weronika, warst du dir von Anfang an sicher, dass du mit deiner Krankheit an die Öffentlichkeit gehen willst?

Nein, es gab definitiv Momente, in denen ich gezögert habe. Mit meiner Krankheit an die Öffentlichkeit zu gehen, bedeutete, einen sehr persönlichen und verletzlichen Teil meines Lebens preiszugeben, und ich war mir nicht sicher, wie die Leute reagieren würden oder ob ich für diese Art von Offenheit bereit war. Aber mit der Zeit wurde mir klar, dass das Teilen meiner Geschichte eine Bedeutung haben könnte, die über mich hinausgeht – es könnte anderen helfen, sich weniger allein oder missverstanden zu fühlen. Ich glaubte, meine Geschichte könnte ein Weg sein, anderen zu zeigen, dass keine Diagnose endgültig ist und man nicht aufgeben darf. Auch wenn es schwierig war, wurde es also zu einer bewussten und wichtigen Entscheidung. Zunächst wollte ich meine Privatsphäre schützen – es fühlte sich sicherer an, alles für mich zu behalten. Aber mit der Zeit wurde mir klar, dass Schweigen auch bedeutet, alles allein zu tragen. Dieses Gefühl, einen Sinn zu haben – etwas Schmerzhaftes in etwas Sinnvolles zu verwandeln – gab mir den Mut, an die Öffentlichkeit zu gehen, auch wenn es mir immer noch Angst machte, denn es bedeutete, dass ich nicht aufgeben durfte, sondern es bis zum Ende durchziehen musste.

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Hat es dir persönlich rückblickend geholfen?

Ja, es hat mir auf eine Weise geholfen, die ich nicht ganz erwartet hatte. Mich zu öffnen, hat mir eine riesige Last von den Schultern genommen – ich trug nicht mehr alles allein. Es ermöglichte mir auch, mit Menschen auf einer viel tieferen Ebene in Kontakt zu treten. Einige meldeten sich mit ihren eigenen Geschichten, und das schuf ein Gefühl von Verständnis und Gemeinschaft, das ich zuvor nicht gekannt hatte. Es machte nicht über Nacht alles leichter, aber es gab dem, was ich durchmachte, einen Sinn und half mir, mich versöhnter damit zu fühlen. Es gab mir auch eine enorme Motivation, weiterzukämpfen, den Schmerz zu überwinden und nicht nur mir selbst, sondern auch anderen zu beweisen, dass alles möglich ist.

Was ging dir durch den Kopf, als du die Diagnose erhalten hast?

Ich kann mir diesen Moment noch immer so lebhaft vorstellen, auch wenn ein Teil von mir sich wünscht, ich könnte es nicht. Das Wort „Krebs“ zu hören, war nicht nur schockierend – es fühlte sich wie ein physischer Schlag an. Noch bevor mein Verstand überhaupt begreifen konnte, was geschah, reagierte mein Körper. Ich ging völlig überwältigt auf den Krankenhausflur hinaus, und plötzlich wurde mir übel, als würde mein Körper versuchen, die Realität dessen, was mir gerade gesagt worden war, abzuweisen. Es fühlte sich alles unwirklich an. Ich erinnere mich, dass ich sofort sagte, ich wolle keine Operation. Ich weigerte mich, auch nur daran zu denken. Für mich bedeutete eine Operation, einen Teil von mir selbst zu verlieren. Es bedeutete, das Windsurfen aufzugeben, und in diesem Moment fühlte es sich an, als würde ich alles verlieren. Ich sagte sogar, ich würde lieber sterben, als nie wieder Windsurfen zu können – und das meinte ich auch so. Es war die einzige Art, wie ich ausdrücken konnte, wie tief dieser Sport mit meiner Identität verbunden war.

Diagnose: Knochenkrebs. Die ersten Tage und Wochen nach der OP am Becken beschreibt die 26-Jährige als äußerst „brutal“.Foto: Visionstorm/Max BrinnichDiagnose: Knochenkrebs. Die ersten Tage und Wochen nach der OP am Becken beschreibt die 26-Jährige als äußerst „brutal“.

Max, kanntest du Weronika bereits vor der Diagnose?

Wir kannten uns vorher schon lose aus der Windsurf-Szene und über Social Media, wie das in dieser Community oft der Fall ist. Wirklich näher kennengelernt haben wir uns aber erst, nachdem sie ihre Diagnose öffentlich gemacht hat. Rückblickend fühlt es sich verrückt an, dass aus einer kurzen Textnachricht am Ende ein ganzes gemeinsames Jahr, ein Filmprojekt und auch eine echte Freundschaft entstanden sind.

Kam die Idee von dir, einen Film über ihre Geschichte zu machen?

Es war tatsächlich komplett meine Idee. Als Weronika auf Social Media von ihrer Krankheit berichtete, hat mich das nicht losgelassen und ich habe mich gefragt: „Wie kann ich ihr helfen?“ Und irgendwann kam mir der Gedanke, dass so ein Film vielleicht genau die Motivation sein könnte, die sie braucht, um in den schwierigsten Momenten nicht aufzugeben. Wir haben dann tagelang hin und her geschrieben. Ich habe ihr ein erstes kleines Skript geschickt und sogar schon eine erste Minute mit Archivmaterial zusammengeschnitten. Ich habe sofort gemerkt, was es mit ihr macht und wie es sie motiviert. Da habe ich beschlossen, wir ziehen das durch.

Wie würdest du ihre Persönlichkeit beschreiben?

Weronika ist einer dieser Menschen, die gleichzeitig extrem stark und unglaublich sensibel sind. Diese Kombination macht sie so besonders. Sie hat eine enorme mentale Stärke, aber nicht auf eine laute oder künstlich motivierende Art, eher ruhig und echt. Selbst während der schwierigsten Phasen hatte sie oft noch Humor und die Fähigkeit, anderen Menschen Energie zu geben, obwohl sie selbst eigentlich mitten im Kampf war. Gleichzeitig fühlt sie Dinge unglaublich intensiv. Das macht sie einerseits sehr emotional und empathisch, bedeutet aber auch, dass Ehrlichkeit manchmal härter bei ihr ankommt, als sie eigentlich gemeint ist. Gerade während des Projekts gab es deshalb auch Momente, in denen wir lernen mussten, miteinander umzugehen und uns gegenseitig besser zu verstehen. Aber ich glaube, genau das hat die Zusammenarbeit am Ende auch so ehrlich gemacht.

Die Operation am Becken, der du dich schließlich doch gestellt hast, Weronika, wirkt im Film radikal. Wie würdest du die ersten Tage und Wochen danach beschreiben?

Die Operation sieht im Film radikal aus, aber was danach kam, fühlte sich von innen heraus noch extremer an. Die ersten Tage und Wochen waren einfach… Brutal. Es gibt kein milderes Wort dafür. Der Schmerz war konstant und überwältigend, als würde er jeden Teil meines Körpers ausfüllen. Es war nichts, das in Wellen kam – er war einfach da, die ganze Zeit. Ich konnte nichts allein tun. Ich konnte nicht gehen, ich konnte mich nicht richtig aufsetzen, sogar das Atmen tat weh. Etwas so Grundlegendes wie auf die Toilette zu gehen, war ohne Hilfe unmöglich. Ich erinnere mich, dass ich mich in meinem eigenen Körper gefangen fühlte, völlig abhängig, jegliches Gefühl von Kontrolle oder Unabhängigkeit entzogen. Es war auch nicht nur körperlich. Da war dieser mentale Schock – die Erkenntnis, wie schnell sich alles verändert hatte. In einem Moment war ich stark, aktiv, unabhängig … und dann konnte ich mich plötzlich nicht mehr ohne Schmerzen bewegen. Es war erschreckend. Es gab Momente, in denen es sich endlos anfühlte, als würde es nie besser werden. In diesen Momenten gab es keine Kraft und keinen Mut, nur das Überleben. Einfach den nächsten Atemzug, die nächste Stunde überstehen, in der Hoffnung, dass die Dinge irgendwie, langsam, wieder besser werden würden.

» Ich sagte sogar, ich würde lieber sterben, als nie wieder Windsurfen zu können.«

Du hast dann irgendwann schnell Fortschritte gemacht. Hattest du professionelle Unterstützung von Trainern und Physiotherapeuten oder ging es vor allem um Willenskraft und Routine?

Ich hatte wirklich Glück, starke professionelle Unterstützung zu haben, besonders am Anfang. Meine Physiotherapeutin, Iwona Skorupa vom Medikar Rehab Center, war unglaublich – sie kam in dieser Anfangsphase fast jeden Tag zu mir nach Hause. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich selbst noch nicht viel tun, daher machte es einen riesigen Unterschied, dass ständig jemand da war. Später, als ich etwas stärker geworden war, verlegten wir die Sitzungen ins Reha-Zentrum, was Teil des Aufbaus einer gewissen Routine wurde. Ich versuchte, jeden möglichen Moment zu nutzen, um daran zu arbeiten, wieder stärker zu werden. Selbst die kleinsten Bewegungen fühlten sich wie Schritte nach vorn an. Letztendlich haben mich die Fachleute angeleitet, aber ein großer Teil davon beruhte auf Entschlossenheit – einfach darauf, mich zu weigern, aufzugeben, meinen Körper und mein Leben zurückzugewinnen.

Ausflug mit der besten Freundin. Vom Rollstuhl zurück aufs Brett.Foto: Visionstorm/Max BrinnichAusflug mit der besten Freundin. Vom Rollstuhl zurück aufs Brett.

Wie lange hat der gesamte Weg vom Verlassen des Krankenhauses bis zum ersten Gleiten auf dem Wasser gedauert?

Von dem Moment an, als ich das Krankenhaus verließ, drehte sich alles um den Wiederaufbau – Schritt für Schritt. Zunächst ging es gar nicht um Windsurfen. Es ging darum, zu lernen, wie ich wieder funktionieren, mich bewegen und meinem Körper vertrauen konnte. Weniger als vier Monate später stand ich zum ersten Mal auf einem Anfängerbrett. Dieser Moment war riesig für mich – nicht wegen der Leistung, sondern weil er bedeutete, dass ich zurück war. Und dann, nur ein paar Tage später, war ich das erste Mal auf meinem eigenen, kleinen Equipment im Gleiten. Rückblickend klingt das schnell, aber während ich es durchlebte, fühlte es sich überhaupt nicht schnell an. Jeder einzelne Tag war Arbeit, körperlich und geistig.

Wie war das für dich, Max, während solch einer harten Zeit mit Weronika zusammenzuarbeiten?

Es gab während des Projekts definitiv schwierige Momente. Vor allem, weil wir den Film nicht erst nach ihrer Genesung gemacht haben, sondern mitten in diesem ganzen Prozess. Viele Dinge waren zu diesem Zeitpunkt noch völlig ungewiss. Weronika hatte trotz allem eine unglaubliche mentale Stärke und gleichzeitig diesen Humor, den man im Film teilweise auch spürt. Ich glaube, genau das hat mich während des gesamten Projekts am meisten beeindruckt. Natürlich gab es auch Momente, in denen man gemerkt hat, wie hart das alles wirklich ist – körperlich und mental. Und genau da musste ich manchmal auch lernen, nicht nur Filmemacher zu sein, sondern einfach zuzuhören und den Menschen hinter der Geschichte zu sehen. Gleichzeitig war es aber auch wichtig, dass ich die Geschichte ab einem gewissen Punkt mit etwas mehr Distanz erzählen konnte. Gerade bei einem Dokumentarfilm, der nicht nur für einen engen Freundeskreis gedacht ist, sondern ein breiteres Publikum erreichen soll, braucht es manchmal auch einen Blick von außen. Weronika war natürlich immer ein wichtiger Teil des Prozesses, aber ich brauchte auch kreativen Freiraum.

Dieser gewisse Freiraum treibt einen Filmemacher wie dich besonders an, oder?

Genau, das war auch einer der Gründe, warum ich dieses Projekt begonnen habe. In meinem normalen Job, als Videograf und Teamproducer für Porsche im Motorsport, arbeite ich oft innerhalb klarer Strukturen und Vorgaben – hier wollte ich wieder intuitiver und emotionaler arbeiten können. Denn obwohl ich meinen Job liebe, war ich nach sechs Jahren relativ ausgebrannt und habe nach Inspiration gesucht. Ich wollte etwas Eigenes produzieren, was mich inspiriert, und nicht immer die gleichen Personen, Garagen, Autos filmen – sondern mal was mit Tiefgang machen. Über dieses ganze Jahr hinweg ist Weronika für mich auch ein Stück weit wie eine kleine Schwester geworden. Ich glaube, genau deshalb war der Film irgendwann auch weit mehr als einfach nur ein weiteres Projekt für mich.

Weronika ist für Max während der Arbeit am Film “wie eine kleine Schwester” gewordeniFoto: Visionstorm/Max BrinnichWeronika ist für Max während der Arbeit am Film “wie eine kleine Schwester” gewordeni

Was war körperlich die größte Hürde, um wieder aufs Wasser zu kommen, Weronika?

Wenn ich das Kernproblem nennen müsste, dann war es der Wiederaufbau von Stabilität und Kontrolle in meinem Körper – insbesondere rund um das Becken und die tiefen Muskeln, die alles zusammenhalten. Am Anfang ging es nicht um Kraft im sportlichen Sinne. Es waren grundlegende Dinge wie Bewegungsumfang, Koordination und die Fähigkeit, Muskeln zu aktivieren, die nach der Operation praktisch abgeschaltet waren. Mein Körper fühlte sich nicht mehr wie ein zusammenhängendes System an. Auch die Heilung des Weichgewebes spielte eine große Rolle, denn alles brauchte Zeit, um sich zu beruhigen, bevor ich es belasten konnte.

Und mental?

Das psychisch Schwere war der Verlust der Gewissheit – dieses Gefühl, dass ich nicht wusste, wer ich auf der anderen Seite davon sein würde. Es ist eine Sache, mit Schmerzen und körperlichen Einschränkungen umzugehen, aber es ist etwas ganz anderes, wenn deine Identität auf etwas aufgebaut ist, das du plötzlich nicht mehr tun kannst. Windsurfen war für mich nicht nur ein Sport – es war mein Halt, meine Freiheit, meine Richtung im Leben. Und plötzlich war da diese Lücke, wo früher alles war. Was es wirklich schwer machte, war, nicht zu wissen, wie lange es dauern oder ob ich mich jemals wieder so fühlen würde wie zuvor. Es gab Tage, an denen ich keine Fortschritte sah, an denen ich keinen klaren Weg nach vorn erkennen konnte, und diese Ungewissheit kann psychisch sehr anstrengend sein.

Ohne das Windsurfen im Kopf… Glaubst du, du wärst so stark und schnell wieder auf die Beine gekommen?

​Nein, das glaube ich nicht. Das Windsurfen war die treibende Kraft hinter allem. Ohne den Sport im Hinterkopf hätte ich den Schmerz, die Erschöpfung und die langsamen Fortschritte wohl nicht auf dieselbe Weise durchgestanden. Es gab mir einen klaren Grund, jeden Tag aufzustehen und die Arbeit zu machen, selbst wenn es schwierig war oder ich das Gefühl hatte, dass sich nichts änderte. Es gab viele Momente, in denen sich die Genesung monoton und mühsam anfühlte, und in diesen Momenten war es der Gedanke, wieder auf dem Wasser zu sein, der mich am Laufen hielt. Das war nicht nur Motivation – es war eine Richtung. Das Windsurfen gab dem gesamten Prozess einen Sinn. Ich glaube, ohne den Sport im Hinterkopf wäre die Genesung ganz anders verlaufen – langsamer, weniger zielgerichtet und wahrscheinlich nicht mit dem gleichen Ergebnis.

» Vieles war während des Drehens noch völlig ungewiss – das hat die Zusammenarbeit so besonders gemacht.«

Max, wie war der Moment, als Weronika wieder auf dem Wasser war?

Ich weiß noch genau: Prasonisi, ungefähr 25 Knoten Wind, Sonnenuntergang, kaum Leute am Spot – und einfach dieses komplette Gänsehautgefühl. In diesem Moment hat man gespürt, dass es plötzlich nicht mehr nur um Therapie oder Fortschritte geht, sondern darum, sich ein Stück vom eigenen Leben zurückzuholen. Und genau solche Momente kann man eigentlich nicht planen oder inszenieren. Sie passieren einfach – und genau deshalb fühlen sie sich im Film auch so echt an.

Auf Rhodos stand Weronika das erste Mal wieder auf dem Brett. Filmer Max war bei diesem magischen Moment mit der Kamera dabei.Foto: Visionstorm/Max BrinnichAuf Rhodos stand Weronika das erste Mal wieder auf dem Brett. Filmer Max war bei diesem magischen Moment mit der Kamera dabei.

Was war hingegen der schwierigste Teil für dich?

Das waren die Interviews – vor allem die Gespräche mit ihrer Mutter haben mich extrem bewegt. Da ging es nicht mehr um Sport oder Windsurfen, sondern um echte Angst, Hoffnung und die Frage, wie man als Familie mit so einer Situation umgeht. Während des Drehs gab es Momente, in denen man hinter der Kamera vergaß, dass man eigentlich gerade arbeitet, weil die Emotionen so real waren. Ich glaube, genau diese Ehrlichkeit spürt man aber später auch im Film.

»Das Windsurfen war die treibende Kraft hinter allem.«

Hattest du eine Vision, etwas, was du mit dem Film erreichen wolltest?

Natürlich spielt Windsurfen im Film eine große Rolle, aber eigentlich geht es um etwas viel Universelleres: Leidenschaft, Identität, Angst, Hoffnung und die Frage, was einen Menschen antreibt, trotz allem weiterzukämpfen. Ich wollte außerdem zeigen, dass hinter Social-Media-Posts und sportlichen Erfolgen oft eine viel tiefere Geschichte steckt, die man gar nicht sieht. Wenn der Film am Ende erreicht, dass jemand sein eigenes Leben, seine Leidenschaft oder sogar schwierige Situationen ein wenig anders betrachtet, dann hat das Projekt genau das geschafft, was ich mir erhofft habe.

Was ist es am Windsurfen, das dich so sehr erfüllt und antreibt, Weronika?

Es ist das Gefühl von Freiheit – darauf läuft es für mich wirklich hinaus. Wenn ich auf dem Wasser bin, verschwindet einfach alles andere. Alle Probleme, der ganze Druck, alles, was an Land schwer wiegt – es ist, als bliebe es am Ufer zurück. Es gibt nur den Wind, das Wasser und die Bewegung. Nichts anderes zählt in diesem Moment. Ich denke nicht darüber nach, was im Leben gerade so los ist oder womit ich mich gerade beschäftige – ich bin einfach ganz und gar dort. Diese Art von geistiger Stille und Freiheit ist selten. Es gibt mir einen Ort, an dem ich mich vollkommen frei fühle, egal was außerhalb davon passiert.

Bist du auf dem Wasser nun wieder zu hundert Prozent dabei?

Ich würde es nicht einmal so formulieren, dass ich einfach wieder zu hundert Prozent fit bin – in mancher Hinsicht fühle ich mich sogar stärker als zuvor. Ich habe meine ersten Freestyle-Tricks wie Vulcans und Spocks hingelegt und auch das Ducking gelernt – darauf bin ich wirklich stolz. Es fühlt sich außerdem an, als wäre ich mit einem anderen Bewusstsein und einer neuen Wertschätzung zurückgekommen.

Was sind deine Ziele für die Zukunft im Windsurfen und im Leben allgemein?

Ich möchte an Wettkämpfen teilnehmen, und ich werde nicht aufhören, bis ich im Freestyle auf dem Podium stehe. Ich weiß, dass das hart wird, doch ich habe mir bereits selbst bewiesen, dass ich etwas Schwieriges durchstehen und gestärkt daraus hervorgehen kann. Ansonsten habe ich zusammen mit meinem Bruder Sebastian Lato eine Stiftung gegründet – die Fundacja „Wygrać Życie“. Ihr Ziel ist es, Kinder nach einer Knochenkrebserkrankung psychisch und finanziell zu unterstützen, damit sie wieder in Form kommen und niemals aufgeben. Die Medizin ist wie ein Kino – alles ist möglich.

“Reborn on water” - der Film


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Julian Wiemar

Julian Wiemar

Redakteur surf

Julian, 1996 in Köln geboren, zählt zu den besten deutschen Freestyle-Windsurfern und trainiert bis heute regelmäßig auf dem Rhein. Nach deutschem Meistertitel und mehreren Jahren an internationalen Top-Spots mit Weltcup-Ambitionen fand er über Reise- und Revierberichte den Weg zum surf-Magazin. Dort absolvierte er ein Volontariat und arbeitet heute als Redakteur, der seine Erfahrungen und Leidenschaft für den Windsurfsport mit den Lesern teilt.

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