Tobias Frauen
· 04.09.2023
Was ist die bessere Wahl, Finne oder Foil? Diese Frage stand im Mittelpunkt am ersten Slalom-Tag beim World Cup in Pozo. 14 Jahre nach den letzten Rennen im World Cup wurden wieder Bojen ausgelegt und das kleine Material am steinigen Strand bereitgelegt. Dieser und der kernige Shorebreak machten es für die Fahrerinnen und Fahrer nicht immer ganz einfach, aufs Wasser oder an Land zu kommen -”wie auf Sylt, nur mit Felsbrocken statt weichem Sand”, beschrieb Kommentator Ben Proffitt die Herausforderung.
Bei rund 25 bis 30 Knoten gingen die meisten Fahrer zunächst mit der Finne aufs Wasser. Unter den wenigen Foil-Fahrern waren auch die deutschen Starter Nico Prien und Michele Becker. “Er ist eine Foil-Maschine, sofern es irgendwie geht wird er vermutlich immer zum Foil greifen”, sagte Dieter van der Eyken im Livestream und räumte Becker gute Chancen auf eine Top-Platzierung ein. Während die Foiler Segel um die 5 qm fuhren, hatten die Finnen-Fahrer 6,5 bis 7,0 aufgeriggt.
In den ersten Läufen zeigte sich dann schnell, dass die Foils permanent am Rande des Kontrollverlustes unterwegs waren, aber mit entsprechend hohem Fahrkönnen am Ende schneller sind. Spezialisten wie Enrico Marotti und Weltmeister Maciek Rutkowski, aber auch Prien und Becker dominierten ihre Heats, häufig fuhr mindestens ein Foil von Beginn an vorneweg. Dazu war jedoch eine gute Taktik und ein optimaler Start wichtig, denn im Pulk hatten die Finnen eindeutig Vorteile. Weil sie wendiger sind und schneller reagieren, konnte man mehrfach beobachten, wie Finnen-Fahrer die Foils im Feld ein wenig vom idealen Kurs abdrängten, außerdem waren für die Finnen-Fahrer an den Halsentonnen wesentlich engere Radien möglich. Weil der Start so wichtig war, riskierten einige Fahrer zu viel und es gab zahlreiche Frühstarts und Generall Recalls.
Dennoch war der Speed-Vorteil der Foils unübersehbar, vorausgesetzt man blieb im Fliegen und hatte freie Bahn. Im Laufe des Tages wechselten immer mehr Fahrer aufs Foil, im letzten Finale war dann nur noch eine Finne dabei. Bedeutet das den Tod der Finne im Profi-Racing? Diese Frage wurde von den Kommentatoren und in den Kommentarspalten des Livestreams heiß diskutiert.
Die ersten beiden Eliminations gewann Enrico Marotti aus Kroatien, der schon im vergangenen Jahr zur absoluten Spitze gehörte. Weltmeister Maciek Rutkowski, im ersten Durchgang mit einem Frühstart im Finale disqualifiziert, kämpfte hart und holte noch zwei zweite Plätze. Diese beiden führen nach den ersten drei Eliminations, auf Platz drei liegt ein bärenstarker Nico Prien, der in jedem Lauf in die Top 5 fuhr. Diese Konstanz bringt ihn vorerst auf einen Podiumsplatz, denn viele andere Top-Fahrer leisteten sich mindestens einen Patzer. Michele Becker liegt derzeit auf Platz acht, nachdem er im ersten Durchgang zwar eine starke Performance zeigte, aber im Halbfinale einen heftigen Abgang hinlegte. Den dritten Lauf gewann nach einem äußerst engen Duell mit Rutkowski dann Amado Vrieswijk, der mit einem Frühstart und einem frühen Aus nach Fahrfehler einen miserablen Start erwischt hatte.
Das Feld der nur neun Damen startete zu fünf Full Fleet-Rennen, die nicht weniger spannend waren als bei den Herren. Die meisten griffen zur Finne, doch vorne liegt nach dem ersten Tag Blanca Alabau, die durchgängig Foil fuhr und zwei Durchgänge gewann. Nur knapp hinter ihr lauern Sarah-Quita Offringa mit einem Sieg und die bis hierher WM-Führende Justine Lemeteyer aus Frankreich. Auch Marion Mortefon (Platz 4) und Jenna Gibson konnten jeweils einen Sieg feiern. Die Britin sorgte im ersten Lauf für einen Aufreger, weil sie in Führung liegend zur falschen Boje fuhr (”Nach der ersten Halse hab ich eine Ersatzboje im Hafen mit der zweiten Tonne verwechselt”) und der Großteil des Feldes ihr folgte.
Morgen soll es weitere Rennen bei etwas weniger Wind geben- Spannung ist also garantiert!

Redakteur
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