Tobias Frauen
· 28.09.2024
“Sylt halt...” meinte Nick Spangenberg achselzuckend zu den Bedingungen, die die Fahrerinnen und Fahrer früh am Morgen am Brandenburger Strand erwarteten. Nach dem Sahne-Tag gestern (hier gibt es die besten Bilder) hatte der Wind auf fast platt auflandig gedreht, die wenigen Grad Nord, die manch einer zu erkennen glaubte, waren zeitweise Wunschdenken.
Gleich um acht Uhr morgens wurden die Waverider aufs Wasser geschickt, denn die Wettkampfleitung wollte den Tag unbedingt nutzen. Im weiteren Verlauf der Woche dreht der Wind auf Ost, ob es noch einen weiteren Tag mit Wave-tauglichen Bedingungen geben wird, ist nach derzeitigem Stand der Forecasts pures Glücksspiel.
In der ersten Runde lief erstmal alles nach Plan, die Favoriten kamen weiter, was gleichzeitig das Aus für Nick Spangenberg, Laurin Schmuth und Anton Richter bedeutete. Auch Leon Jamaer konnte sich gegen Miguel Chapuis nicht durchsetzen. Für eine kleine Überraschung sorgte Henri Kolberg, der gegen Julian Salmonn gewann - für Salmonn hingegen nach einer bislang sehr erfolgreichen Saison ein herber Rückschlag.
Bevor Kolberg dann seinen Zweitrunden-Heat gegen Robby Swift beenden konnte, hieß es warten. Immer wieder zogen Regenfronten durch, die für ein Auf und Ab beim Wind sorgten. Wer einmal vor dem Brandenburger Strand eingeparkt hatte, kam so schnell nicht wieder heraus und wurde von der Strömung wie auf einem Fließband Richtung Miramar befördert. Zeitweise waren auf beiden Seiten Sprünge möglich, doch nur die Besten bekamen genug Speed für Doppelloops. Auch die Wellen-Wertungen mussten sich die meisten Athleten mühsam erarbeiten, insgesamt blieben die Scores relativ niedrig. Nur Marcilio Browne, Marc Paré und Miguel Chapuis schafften es, die 20-Punkte-Marke zu knacken.
Das machte auch Philip Köster zu schaffen. Nach solidem Auftakt kam er in der zweiten Runde nur knapp weiter, am Ende standen gerade einmal 9,76 Punkte auf seinem Scoresheet. Dass es nach einem technischen Problem zunächst hieß, er sei ausgeschieden und das Resultat erst knapp 20 Minuten später korrigiert wurde, trug sicher nicht zu seiner Entspannung bei. Im Viertelfinale gegen Antoine Martin wurde Köster dann hunderte Meter Richtung Hörnum abgetrieben, auch ein Sprint am Strand nach Luv half da nicht mehr. Der Frust war ihm deutlich anzusehen.
Im anderen Viertelfinale, einem rein spanischen Heat, gewann Altmeister Victor Fernandez gegen Marino Gil Gheradi. Nicht nur ein Duell der Generationen, sondern auch des WM-Führenden gegen den Zweiten mit entsprechender Bedeutung. Fernandez musste dann aber seinen Landsmann Marc Paré ins Finale einziehen lassen, wo dieser auf Marcilio Browne traf. Brawzinho hatte sich souverän durch die Heats gearbeitet, doch im Halbfinale gegen Antoine Martin zog sich der Brasilianer eine Zerrung zu, er lief unrund und fasste sich immer wieder an den Oberschenkel. Derart gehandicapped, hatte er keine Chance gegen Marc Paré, der sein beeindruckendes Comeback noch einmal unterstreicht. “Am Anfang war ich angespannt, aber dann habe ich mich auf mich selbst konzentriert und jeden Heat genossen”, sagte er glücklich nach seinem Sieg. Die PWA plant eine vollwertige Double Elimination, wenn es die Bedingungen zulassen, an der Spitze kann sich also noch etwas tun.
Bei den Damen waren alle Augen auf Lina Erpenstein gerichtet, die als WM-Führende beim Heim-Event natürlich der absolute Publikumsliebling ist. Bevor sie in Runde zwei ins Geschehen eingriff, gewann Alexia Kiefer gegen Steffi Wahl, Maria Behrens konnte sich gegen Lisa Wermeister durchsetzen. Vorjahres-Siegerin Marine Hunter schied früh aus, ebenso wie Pauline Katz und Sybille Bode. Im Viertelfinale gab es dann keine Überraschungen, mit Erpenstein, Offringa, Sol Degrieck und Alexia Kiefer kamen die Fahrerinnen weiter, die am besten mit den anspruchsvollen Bedingungen zurechtkamen.
Doch bei ablaufendem Wasser waren fast nur noch draußen auf der Sandbank einigermaßen gute Wellen zu finden, Lina verbrachte im Halbfinale gegen Alexia Kiefer viel Zeit weit draußen. Leider ohne Erfolg, Alexia konnte sich durchsetzen und zog ins Finale ein. Auch der Heat um Platz drei lief nicht nach Linas Plan, wieder unterlag sie und muss sich vorerst mit Platz vier hinter Sol Degrieck begnügen. Die junge Belgierin hatte ihr Halbfinale nur hauchdünn gegen Sarah-Quita Offringa verloren, lange Zeit lag sie sogar vorne.
Die Titelverteidigerin traf also auf Alexia Kiefer. Während Offringa draußen mühsam Punkte sammelte, verzweifelte Alexia am Shorebreak. Immer wieder geriet sie in die Waschmaschine und kam im Luvstau vor der Promenade nicht aus dem Weißwasser heraus. Auch ein beherzter Sprint nach Norden half nicht, so dass am Ende null Punkte auf ihrem Scoresheet standen. Eine bittere Enttäuschung, die ein unterm Strich hervorragender Platz zwei hoffentlich etwas lindern kann. “Hier kannst du erster oder letzter werden, da ist alles drin”, bestätigte aber auch Siegerin Sarah-Quita Offringa die herausfordernden Bedingungen.
Die Vorhersage kündigt für morgen deutlich weniger Wind an, bestenfalls können die Foiler aufs Wasser. Los geht es frühestens am späten Vormittag!
Neben der Action auf dem Wasser gab es auch an Land beim Windsurf World Cup Sylt jede Menge zu entdecken: Der neue Camper-Van von Titelsponsor Citroën, das knuffige Stadtmobil Ami, Mitmach-Aktionen von Ehrmann, Autogrammstunden und Legenden-Talk mit Björn Dunkerbeck, Bernd Flessner und Andrea Hoeppner, schicke Kleidung bei HiFly und vieles mehr!

Redakteur