Tobias Frauen
· 02.04.2026
Wenn die beiden besten Wellen mit mehr als einem Punkt Abstand vom gleichen Fahrer kommen, dann ahnt man schon, dass es etwas Außergewöhnliches zu sehen gab. Wenn man dann noch weiß, dass der Event vor Hookipa stattfand, haben die meisten schon eine Ahnung um wen es gehen könnte. Bernd Roediger hat beim Quatro Maui Pro einmal mehr gezeigt, warum er als einer der stylishsten Fahrer der Welt gilt. Zweimal knackte er im Laufe des Final-Tages die 16 Punkte in einem Heat, die drittbeste Wertung des Events (von Marcilio Browne) hatte schon “nur noch” eine 14 vorne stehen.
”Der zweite Tag des Quatro Maui Pro bot alles, was Ho'okipa zur spirituellen Heimat des Waveridings macht”, schwärmte die WWT. “Bei beständigem Passatwind und kraftvollen hawaiianischen Wellen meisterten die weltbesten Wellenwindsurfer eine Welle nach der anderen und zeigten dabei eine solche Kombination aus Kraft, Präzision und Kreativität, dass den Zuschauern – und den Judges – die Superlative ausgingen.”
Der Schlüssel zum Sieg war dabei eine der letzten Wellen im Finale, als Roediger nach zwei knackigen Turns noch einen ins Weißwasser gesprungenen Taka und einen einhändigen, Clew first Bottom Turn draufsetze - ein Move, der gleichzeitig radikal, funktional und atemberaubend stilvoll war. Die Jury bewertete diese Welle mit 8,93, der höchsten Wertung des Events. Viele Zuschauer waren der Meinung, die Punktzahl hätte auch höher ausfallen müssen. Das Ganze wieder mal mit einer Soundbox um die Schultern, um sich mit der passenden Musik in Stimmung zu bringen. Ohne Musik hätte er vielleicht bis aufs Wasser die ungläubigen Schreie von Livestream-Kommentator Kai Katchadourian gehört.
Im Finale trafen vier ehemalige Aloha-Classic-Sieger aufeinander – Roediger, Antoine Martin, Marcilio Browne und Morgan Noireaux – in einem Heat, den Head Judge Luis Escribano später als einen der hochklassigsten Heats bezeichnete, die jemals in Ho'okipa zu sehen waren. Es war Roediger, der sich mit einer Endpunktzahl von 16,40 deutlich vom Feld abhob und sich seinen zweiten WWT-Sieg der noch jungen Saison sicherte – nach seinem Sieg beim 3-Sterne-Event in Puerto Rico – und damit seinen Ruf als Hookipa-Spezialist bestätigte.
„Es ist wirklich schwer, in das Gefühl hineinzukommen, einfach nur unbeschwert zu fahren“, reflektierte Roediger nach seinem Sieg. „Man spürt den Druck, man spürt die Erwartungen. Ich habe festgestellt, dass es seit meinem letzten Sieg schwieriger geworden ist, an Wettkämpfen teilzunehmen – es ist schwieriger geworden, mit den Erwartungen umzugehen. Aber an den Punkt zu kommen, an dem man sich völlig unbeschwert fühlt, völlig losgelöst vom Ergebnis – so nach dem Motto: Ich gehe einfach raus und schaue, was passiert – das spürt man. Ich liege im Vorlauf auf dem letzten Platz. Cool. Es läuft nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe. Aber man surft einfach weiter und glaubt weiter daran.“
Es war die ganze Zeit wie ein Tag voller Glück. Das ist Ho’okipa.” (Bernd Roediger)
Roediger erzählte auch von einem ungewöhnlichen Omen aus seinem ersten Vorlauf. „Der Zeitpunkt passte genau zum Start der Artemis-Mission – dieser Rakete, die gerade gestartet ist. Ich weiß nicht, es fühlte sich einfach die ganze Zeit wie ein Tag voller Glück an. Und das ist Ho’okipa. Es hat eine gute Stimmung, gute Energie.“ Er schloss mit einem herzlichen Dank: „Ich bin so dankbar, dass es dieses Event gibt. Letztes Jahr war es ein Experiment – dieses Jahr findet es wirklich statt, und zwar auf diesem Niveau.
Antoine Martin aus Guadeloupe wurde mit 14,63 Punkten Zweiter und zeigte das wohl meistdiskutierte Manöver des gesamten Events. Im Halbfinale landete Martin einen No-Handed Goiter – bei dem er das Segel mitten in der Drehung komplett losließ –, der am Strand für staunendes Raunen sorgte. Head Judge Luis Escribano hob den Move als einen hervor, der die Grenzen der Wertung sprengte. „Ich glaube, er wollte uns dazu bringen, höhere Punktzahlen zu vergeben“, sagte Escribano. Der Move erhielt 6,53 Punkte – eine Wertung, die nach Meinung vieler einen der technisch anspruchsvollsten und visuell atemberaubendsten Moves unterschätzte, die jemals bei einem Wettbewerb in Ho‘okipa versucht wurden.
Im Finale ging Martin mit einer Reihe von einhändigen Goiters weiter an die Grenzen. Wie Escribano anmerkte: „Ohne Hände ist besser – aber einhändig ist auch großartig.“ Marcilio Browne belegte mit 14,74 Punkten den dritten Platz und verpasste den zweiten Platz nur knapp aufgrund der etwas speziellen Wertungsregelung der WWT. Morgan Noireaux aus Hawaii rundete das Podium mit 13,50 Punkten auf Platz vier ab, doch seine Worte fassten den Tag vielleicht am besten zusammen: Er beschrieb das Niveau als eines der leistungsstärksten Windsurf-Events, das er seit sehr langer Zeit bei einem Wettbewerb in Ho'okipa gesehen hatte.
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Hinter Roediger platzierten sich im Finale Marcilio Browne und Antoine Martin, der zuvor mit einem einhändigen Goiter für Furore gesorgt hatte. Auf Platz vier landete Local Morgan Noireaux. Während Noireaux und Martin direkt ins Finale eingezogen waren, mussten Brawzinho und Roediger sogar noch eine Extra-Runde über das sogenannte B-Finale machen, in denen die Zweit- und Drittplatzierten der Halbfinals noch einmal gegeneinander fahren müssen. Dort flogen dann Robby Swift und Arthur Arutkin raus, während für Liam Dunkerbeck und Thomas Traversa bereits im Halbfinale Schluss war.Weltmeister Marc Paré hingegen musste bereits ab dem Viertelfinale zusehen, genau wie Philip Köster, Victor Fernandez und Moritz Mauch und andere.
Bei den Damen hatte sich Maria Behrens bereits am Vortag ihr Ticket fürs Halbfinale gesichert. Die Lübeckerin, die 2024 beim Aloha Classic vor Hookipa schon Platz vier holen konnte, zeigte auch heute Nacht, wie gut sie in den Down-the-Line-Bedingungen ist. Mit deutlichem Abstand vor Pauline Katz und Lina Erpenstein zog sie direkt ins Finale ein, Katz und Erpenstein mussten in die “B-Finale” genannte Extrarunde. Dort gewann dann Lina vor Angela Cochran und war im Finale dabei, während Katz nach einer Verletzung nicht mehr voll angreifen konnte.
Neben Maria hatte sich auch Vorjahres-Siegerin Marine Hunter direkt fürs Finale qualifiziert. Dort zeigte die Französin dann abermals ihre Klasse in den Hookipa-Bedingungen und gewann mit fast 1,5 Punkten Vorsprung. Ihr Stil wurde durchweg für seinen Flow, seine Kraft und die Präzision unter den unterschiedlichsten Bedingungen gelobt. „Ich bin super, super glücklich“, sagte Hunter nach ihrem Sieg. „Wir hatten wirklich tolle Bedingungen für das Finale – es war Cross-Off, super sanfte Wellen. Einfach großartig.“
Maria Behrens belegte mit 11,40 Punkten den zweiten Platz – ihr zweites Podiumsergebnis bei einem Event auf Maui - eine bemerkenswerte Leistung! Behrens zeigte während des gesamten Wettbewerbs kraftvolle Turns, großartigen Stil und eine sehr gute Wellenauswahl. Angela Cochran aus Hawaii, ehemalige Weltmeisterin und echte Legende, belegte mit 11,36 Punkten den dritten Platz – damit steht sie bei diesem Event zum zweiten Mal in Folge auf dem Podium. Lina Erpenstein belegte mit 11,30 Punkten den vierten Platz, nur 0,06 Punkte hinter dem Podium – ein herzzerreißend knapper Abstand für Lina, die den ganzen Tag über auf außergewöhnlichem Niveau performte.

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