“Zaungast” beim surf-TestPoint-7-Boss Andrea Cucchi verliert die Drohne

Stephan Gölnitz

 · 24.10.2026

Der Move sitzt - gecrasht wird kurz darauf die Drohne.
Foto: Andrea Cucchi
Malcesine, surf-Test, acht Uhr morgens, der Strand liegt im Schatten. Gleich wird die Sonne über die Gipfel des Monte Baldo die ersten magischen Strahlen weit draußen auf den See schicken. Leider sind wir für Fotos auf der “falschen” Seite. Also kommt die Kamera in den Koffer, ab aufs 160-Liter-Board und raus geht’s. Was wir nicht wissen: Point-7-Boss Andrea Cucchi ist uns mit der Drohne auf den Fersen. Später zeigt er uns die Fotos auf seiner Fernsteuerung - die Drohne ist nämlich weg. Schuld ist - natürlich - der einzige Kite an diesem Morgen. “Es ist meine vierte Drohne” kommentiert Andrea lakonisch “ich kaufe jetzt nur noch die billigste von DJI, die 4K”. Im Interview schildert uns Andrea, warum er selber gerade nicht surft und was an diesem Morgen geschah.

​Ciao Andrea, erstmal Danke für das Foto und sorry für deine Drohne. Sag mal, warum warst du an diesem Morgen dort?

Ich bin jeden Morgen, wenn Wind ist, am Strand, um die Segel persönlich zu testen. Und sie testen zu lassen – von meinem Team und auch von Freunden. Den ganzen Medien-Teil mache ich für Point-7. Ich bin dafür kein Profi. Aber weil ich das Produkt entwickle, weiß ich genau, was ich filmen will, um den technischen Teil am besten darzustellen.

Warum warst du nicht auf dem Wasser?

Ich hatte einen anstrengenden Sommer mit Events, Rennen, Besuchen bei unseren Händlern und Lieferanten. Ich war ungefähr 20 Tage zu Hause seit März. Als ich von Alacati zurückkam, habe ich mich gezwungen rauszugehen, um ein Segel zu testen – aber ich war müde und abgelenkt. Es war eigentlich ein Zeichen, dass ich mich ausruhen muss. Ich habe es aber ignoriert, und im Wasser hat mich eine ganz kleine Welle bei niedriger Geschwindigkeit getroffen – und mir das mediale Seitenband am Knie zu drei Vierteln verletzt. Das war ein Zeichen, dass ich langsamer machen sollte. Fünf Wochen Pause – aber schauen wir positiv: Das bedeutet auch für ein paar Wochen mal kein Stress zu haben, die Wettervorhersagen ständig zu verfolgen. Ich habe gleich nach zwei Wochen damit begonnen, die Muskulatur zu stärken, um für Ende September bereit zu sein.

Point-7-Boss Andrea Cucchi (vorne mit der Remote) kauft nur noch die billigsten Drohnen. Da vergeht ihm auch bei einem Verlust nicht die gute Laune.Foto: Andrea CucchiPoint-7-Boss Andrea Cucchi (vorne mit der Remote) kauft nur noch die billigsten Drohnen. Da vergeht ihm auch bei einem Verlust nicht die gute Laune.

​Was hast du gedacht, als du gesehen hast, wie wir mit dem Fotokoffer auf dem Board rausgesurft sind? Was ihr gemacht habt, kenne ich sehr gut. Das bedeutet, einen Windsurf-Ausflug für die Arbeit zu machen – und nicht zum Vergnügen. Das ist ein großartiger Job, aber auch anspruchsvoll. Das heißt „Pragmatismus“: Es gibt Wind, man geht aufs Wasser und macht Fotos – ohne Zeit zu verlieren, ohne zehn Fotografen, Motorboote usw. Den Wind musst du sofort nutzen, ohne auf morgen zu warten – du musst in unserem Sport und Job schnell sein. Und man investiert einen ganzen Vormittag für den einen Shot, der unsere Leser und Follower hoffentlich zum Träumen bringt. Das ist auch der Geist, den wir bei Point-7 haben. Deshalb habe ich die Drohne geholt und bin rausgekommen, um euch zu fotografieren, auch wenn ihr mit den Segeln eines unserer Konkurrenten gefahren seid. Das habt ihr verdient: Den Koffer auf ein 160-Liter-Board packen, damit mitten auf den See surfen, um das magische Foto zu machen – und dabei die professionelle Kamera riskieren, ohne Case oder Schutz. Das zeigt, dass surf seinen Job beherrscht und dass da Jahre an Erfahrung dahinterstecken. Es tut mir leid, dass ich nur wenige Fotos von euch gemacht habe, aber die Drohne ist beim Kontakt mit dem einzigen Kite ins Wasser gestürzt.

Danke. Aber unser Mitleid ist eher bei dir und deiner Drohne. Wann denkst du, dass du wieder aufs Wasser gehst? Ich habe keine Eile. Die Segel für 2027 sind bereits auf dem Markt. Man muss ab und zu auf sich selbst achten, sonst zwingt dich der Körper irgendwann, dich auszuruhen. Ende September geht’s wieder los.

Andrea, Danke für die Fotos und vor allem gute Genesung!

Die 2027er P-7-Segel sind “in trockenen Tüchern”, da kann Andrea Cucchi dem Körper mal die benötigte Ruhe gönnen.Die 2027er P-7-Segel sind “in trockenen Tüchern”, da kann Andrea Cucchi dem Körper mal die benötigte Ruhe gönnen.

Artikel teilen:
Kommentare

Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.

Stephan Gölnitz

Stephan Gölnitz

Redakteur surf

Stephan Gölnitz stammt aus Bochum und kam 1996 als Testredakteur zum surf-Magazin nach München. Der Diplom-Ingenieur für Werkstofftechnik begleitet seit seinem Volontariat nahezu alle Materialtests – auf dem Wasser und seit über zehn Jahren auch als Fotograf – mit Stationen u. a. am Gardasee, in Langebaan, Ägypten und Tobago. Privat surft er am liebsten mit dem Foil am Walchensee, gelegentlich in der Welle, und widmet sich außerdem dem SUP auf Fluss- und Mehrtagestouren.

Meistgelesen in der Rubrik Windsurfen