Gründer Russell Brice im InterviewFlow Fins - junge Finnen-Marke aus Dänemark

Tobias Frauen

 · 16.05.2026

Gründer Russell Brice im Interview: Flow Fins - junge Finnen-Marke aus DänemarkFoto: Tobi Frauen
Russell Brice stammt aus Australien und baut im dänischen Vejle individuelle Finnen
Mit Flow Fins präsentiert sich ein junges Finnen-Label auf dem Surf-Festival. Gründer und Entwickler Russell Brice über personalisierte Finnen und die Pläne mit seiner Marke.

Hallo Russell, was ist dein Hintergrund? Bist du Windsurfer, bist du Ingenieur, und wie bist du zum Designen von Finnen gekommen?

Eigentlich bin ich beides. Ich komme aus Australien und bin dort früher wirklich viel bei Wettkämpfen mitgefahren. Aber dann bin ich auch Bootsbauer für Verbundwerkstoffe und Schiffbauingenieur. Ich nehme also den ganzen nerdigen Ingenieurteil und den praktischen Konstruktionsteil und habe dazu noch das Know-How als Windsurfer.

Und seit wann designst du Finnen?

Flow Fins haben wir vor fast zwei Jahren gegründet. Aber ich habe schon vor vielen Jahren in Australien Boards und andere Komponenten für andere Firmen produziert. Und deswegen haben wir vor Kurzem beschlossen, wieder loszulegen.

Baut ihr eher Performance-Finnen für Regattafahrer oder für Hobby-Surfer?

Wir decken beides ab. Wir haben zwei Modelle, die sich wirklich auf Performance und Höchstgeschwindigkeit konzentrieren. Und dann haben wir ein Freerace-Modell, das wir sowohl in Carbon als auch in G10 anbieten können. Aber der Hauptzweck unseres Geschäfts ist, dass wir die Finne personalisieren. Das heißt, wir passen das Layout und die Eigenschaften bei den Carbonfinnen so an, dass es zu deiner Körpergröße passt und dazu, wie du gerne fährst. Und das ist für den Kunden wirklich gut: Man hat viel mehr Spaß am Surfen, weil es viel mehr so funktioniert, wie man es gerne hätte. Und vor Kurzem haben wir noch eine Seegrasfinne für Flachwasser herausgebracht. Und das ist in den letzten paar Monaten tatsächlich unsere meistverkaufte Finne gewesen.

Meistgelesene Artikel

1

2

3

Wir können alle Finnen personalisieren: Wir passen das Layout und die Eigenschaften bei den Carbonfinnen so an, dass es zu deiner Körpergröße passt und dazu, wie du gerne fährst.”

Sie sieht so aus, als hätte sie viel Fläche, richtig?

Ja, sie hat viel mehr Oberfläche. Und das ist so, damit wir den Druckpunkt der Finne näher an der Position einer normalen Finne halten können. Und es bietet auch den Vorteil, dass die Finne nicht so tief ist. Normalerweise ist beispielsweise eine 31-Zentimeter-Finne für wirklich starken Wind und kleine Segel. Aber diese hier könnte man tatsächlich in ein Board einsetzen, das 85 oder sogar 90 Zentimeter breit ist. Und man kann damit völlig normal fahren und trotzdem noch Höhe laufen. Und sie haben gute Kontrolle, sind also sehr einfach zu fahren.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Was ist euer Hauptmodell? Sind es Freeride-Finnen?

Der größte Verkaufsschlager bei den Carbonfinnen ist die SLR, unsere Slalom-Finne. Sie ist speziell so konzipiert, dass sie die größte Bandbreite an Bedingungen abdecken kann. Denn wenn man erst einmal ein Rennen gestartet hat, kann man nicht mehr tauschen. Sie hat also extra Leistung im unteren Windbereich und ist sehr einfach beim Höhelaufen. Aber die Finne hat trotzdem einen extrem geringen Widerstand. Man büßt also nichts an Geschwindigkeit ein, kann aber trotzdem mit all den Unwägbarkeiten umgehen, die man in einem Rennen erlebt. Der Wind dreht ein bisschen und man schafft es nicht bis zur Boje. Oder es ist extra tief, um zur Boje runterzukommen. Sie gibt einem all diese Flexibilität, ohne dass man dabei Abstriche bei der Höchstgeschwindigkeit machen muss.

Und wo produziert ihr eure Finnen? Produziert ihr sie alle selbst?

Alle Carbonfinnen produzieren wir zu 100 % in Handarbeit in Dänemark. Die G10-Finnen produzieren wir ebenfalls in Dänemark. Aber die maschinelle Bearbeitung lassen wir von einer Partnerfirma machen. Aber dann setzen wir sie auf die Basis und fixieren den Neigungswinkel und die Position im Kopf. Und das alles in Dänemark. Die Kopfkomponenten stellen wir ebenfalls selbst in Dänemark her.

Hier am Stand habt ihr vor allem Freeride- und Freerace-Finnen. Baut ihr auch Wave-Finnen?

Wir entwickeln im Moment Wave-Finnen. Und wir kommen da tatsächlich schon ziemlich gut voran. Aber wir wollen sie nicht auf den Markt bringen, bevor sie nicht völlig ausgereift sind.

Wo kann man eure Finnen kaufen?

Unser Hauptvertriebsweg läuft online über unsere Website. Wir sind sehr aktiv auf Instagram. Also sucht nach uns dort, folgt uns. Und dann alles direkt zu unserem Webshop, flowwindsurf.com.

In welchem Preisrahmen liegt eine durchschnittliche Finne?

Wenn es G10 ist – egal ob das Freerace-, das Slalom- oder das Seegras-Modell –, geht es so im niedrigen 200er-Bereich los. Und für das größte und ausgefeilteste Layout bei den Carbonfinnen können sie knapp über 500 Euro kosten.

Ihr habt auch Björn Dunkerbeck mit Finnen ausgestattet, richtig? Wie kam da der Kontakt zustande?

​Wir haben ihn letztes Jahr beim Defi getroffen, das war unsere erste große Veranstaltung. Und er hatte richtig Lust zu sehen, wie sie fahren, und war echt glücklich damit. Wir haben ihm dann für die Lüderitz Speed Challenge komplette Sets von asymmetrischen Speedfinnen und normalen Speedfinnen angefertigt. Auf dem Kanal gab es damals nicht wirklich die passenden Bedingungen, aber an einem oder zwei Tagen am Diaz Point hat mit einer unserer Finnen auf Anhieb 46 Knoten erreicht!

Infos unter flowwindsurf.com


Tobias Frauen

Tobias Frauen

Redakteur

Tobi verantwortet alles Digitale – von der surf-Webseite bis zu den Social-Media-Kanälen – und sorgt täglich für frischen Bild- und Videocontent. Seine Surf-Wurzeln reichen vom Münsterland über Ijsselmeer, Brouwersdam und Sylt bis nach Kiel und Heidkate. Heute lebt er seit über zehn Jahren in Hamburg als „Weekend Warrior“ und ist so oft wie möglich mit Campingbus und Familie unterwegs – bevorzugt an Ostsee, SPO, Dänemark sowie in Finnland, Schweden oder Sardinien.

Meistgelesen in der Rubrik Windsurfen