Stephan Gölnitz
· 28.08.2026
„Das Bessere ist der Feind des Guten“ scheint das Motto von Michael Still zu sein. Die normale „MS-Fins X7“ begeisterte die surf-Tester bereits, doch die nächste Stufe ist bereits in der harten Erprobung. Kürzlich konnten wir einen besonderen Prototypen ausprobieren: Die „Hyper“-Finne spendierte dem bereits mit der Serienfinne bestens kontrollierbaren Starboard Futura, bei gleicher Finnengröße, nochmals weniger Fahrwiderstand bei ebenfalls stabilerer Gleitlage. Eine Finne mit Ausströmöffnungen an der Hinterkante, belüftet durch ausgeklügelte Kanäle durch die Finnenschrauben und das Finnenblatt. Die „Hyper“ demonstriert handwerkliche Perfektion mit theoretischem und praktischem Know-how aus der Formel 1.
Im Test bot die MS-Fins Hyper weniger Fahrwiderstand bei stabilerer Gleitlage.
Der Aufwand war absehbar so groß und die Idee so irre, dass ich dachte: Die wird entweder hyper-gut oder ein Hyper-Desaster.
Es war, wie es immer ist, dieses Nachdenken, was man noch besser machen könnte. Dabei bin ich an einer Grafik hängengeblieben, die die Widerstände am Profil abbildet. Das Profil und die Oberfläche erzeugen Widerstand, ebenso die Anströmkante und die Abrisskante. Bei Anströmkante, Oberfläche und Profil habe ich für mich, so glaube ich, das Optimum gefunden. Die Abrisskante lief dagegen bisher nur unter dem Motto: schärfer hat weniger Widerstand – stumpfer hat mehr Widerstand. Dann habe ich bei einem Lüderitz-Bericht eine Finne von Erik Beale gesehen, mit abgeschnittener Kante. Ob diese durch Kavitation (Red.: Bildung von Dampfblasen und Druckabfall) belüftet werden sollte, weiß ich nicht. Das sah handwerklich etwas grob aus, aber die Idee fand ich interessant. Denn an der Hinterkante der Finne bildet sich ein Randwirbel und Unterdruck – und das erzeugt Widerstand. Ich habe mich dann auf die Suche gemacht, ob es funktionierende Beispiele in der Aerodynamik gibt, und bin bei der Formel 1 fündig geworden. 2010 gab es von McLaren ein System, das F-Duct, bei dem Luft durch eine vom Fahrer regelbare Hutze zur Unterdruckseite des Heckflügels geleitet wurde. Dadurch wurde der Saugnapfeffekt (Red.: Anpressdruck) verringert und das Auto schneller.
Wenn man den Unterdruck an der Hinterkante durch Luftzuführung auflöst, um den Widerstand zu verringern, ist das schon eine geile Idee. Und nachdem der Widerstand bei steigender Geschwindigkeit stark zunimmt und der Unterdruck bei höherer Geschwindigkeit mehr Luft ansaugt, sollte die Idee im oberen Geschwindigkeitsbereich Vorteile bringen.
In die Finne wird ein Gerippe als Platzhalter einlaminiert, das dann nach dem Aushärten entfernt wird und die Luftkanäle bildet (Red: einzelne Rohre und Schläuche, die nach oben und nach hinten rausgezogen werden können). Die Luftkanäle bestehen aus senkrechten Röhren (Tubes), die in der Finne in Richtung Spitze gehen, und Luftkanälen (Channels), die die Röhren waagerecht mit den Luftauslässen an der Abrisskante verbinden. Aktuell sind in einer 44er Slalom-Finne vier Tubes und 14 Channels verbaut.
Ja, anfangs habe ich auch viel zum Sperrmüll gefahren. Wenn etwas schiefgeht, sind mit Gerippeaufbau und Laminieren drei Stunden Arbeit beim Teufel, aber mittlerweile ist die Quote sehr gut.

Redakteur surf
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