Der Flitzebogentest ist vermutlich ein Klassiker im Surfshop: Der fachkundige Käufer stellt die Gabeln senkrecht hin und versucht sie zu spannen wie beim olympischen Bogenschießen. Damit hat er den ersten Test bestanden, denn nur Laien drücken im Liegestütz auf den Gabelbaum. Der noch fachkundigere, zumindest gewieftere Verkäufer fragt vorab, ob der Kunde eine leichte oder steife Gabel sucht. Denn er weiß, eine voll eingeschobene Gabel ist steifer. Und eine Gabel wirkt auf voller Länge ausgefahren subjektiv leichter als in der kürzesten Einstellung.
Gegenüber den Copperfields der Surfshops ist der surf-Test neutral, aber in der Aussage dennoch interpretationsfähig. Denn wer nach den Testergebnissen impulshaft zur steifsten Gabel greift, erlebt vielleicht sein dickes Wunder. Denn neben viel Carbon hilft im Biege-Contest auch ein dicker Rohrdurchmesser. Die möglichst dünne und maximal steife Gabel zu entwickeln gleicht einer Quadratur des Kreises. Was auch zur Sache mit dem Pi führt. Denn mit zunehmendem Durchmesser erhöht sich die Steifigkeit zwar wie gewünscht – schon wenige Millimeter mehr wirken sich auf das Griffgefühl an der Gabel aber viel stärker spürbar aus, als die Zahlen vermuten lassen.
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Einerseits führt ein größerer Durchmesser bei gleicher Wandstärke zu deutlich höherer Steifigkeit, denn diese nimmt mit dem Durchmesser in dreifacher Potenz zu – ein doppelt so dickes Rohr ist also achtmal so steif. Die scheinbar geringen Unterschiede bei Gabelbäumen von 28 bis 33 Millimeter wirken sich beim Greifen so stark spürbar aus, weil wir ja nicht den Durchmesser greifen, sondern den Umfang. Nach der Formel „Umfang ist gleich Pi mal Durchmesser“ hat die dickste Gabel etwa 1,6 Zentimeter mehr Umfang. In Fingerlänge gedacht entspricht das einem zwei bis drei Nummern zu großen Handschuh, wenn die dünnere Gabel eigentlich genau passt.
Für den Test haben wir alle Gabeln auf 2,10 Meter ausgezogen und wie auf dem Foto aufgehängt und anschließend in 90 Zentimeter Abstand vom Kopfstück zuerst mit 5 Kilo Gewicht vorbelastet und die Innenweite gemessen. Anschließend wurden weitere 20 Kilo Gewicht angehängt, und es wurde gemessen, wie viel sich die Gabel weitet. Die steifsten Gabeln dehnen sich dabei lediglich 1,3 Zentimeter, am nachgiebigsten war erwartungsgemäß eine schlanke Alugabel mit 3,45 Zentimetern Dehnung. Das entspricht etwa 2,6 facher Steifigkeit, und hier kommt die Entwarnung: Selbst die „weichste“ Gabel fühlt sich auf dem Wasser nicht „zweieinhalbmal so weich“ an wie der steifste Carbon-Conan. Die Balken oben vergleichen proportional die Steifigkeiten, gemessen in Newton pro Zentimeter, also wie viel Kraft erforderlich ist, um eine Gabel einen Zentimeter zu dehnen.
Eine gewisse Grundsteifigkeit muss sein, vor allem für große Freeride- und Freeracesegel. Doch auch die Duotone Mega Slim beispielsweise war bereits beim surf-Segeltest im Einsatz und wegen des vergleichsweise schlanken Durchmessers sehr beliebt. Idealerweise surft man so eine Gabel aber nicht voll ausgefahren am 8,2er Segel, denn mit zunehmendem Auszug sinken Steifigkeit und auch Belastbarkeit nachweislich, bei Alu-Gabeln stärker als bei Full-Carbon-Booms. Mindestens 15 Zentimeter Sicherheitspolster sollte man einplanen. Hier versteckt sich ein weiterer Vorteil von Carbongabeln: Der Verstellbereich lässt sich deutlich weiter ausreizen, unter Umständen kann man mit der teuren Carbongabel so eine zweite Gabel einsparen. Viel Steifigkeit für weniger Geld gibt’s aber auch in Leichtmetall. Was man nicht vergessen darf, ist das „Feeling“ – eine dünne, leichte und auch noch steife Carbongabel wirkt einfach auch no bler und macht schon beim Aufriggen mehr Spaß, der bei dem direkteren Segelgefühl weitergeht.
Die Duotone Mega Slim war, obwohl nicht megasteif, beim Test sehr beliebt. Einfach weil sie so schön griffig ist.”
Exemplarisch wurden die NeilPryde Atec 2.8 und die NeilPryde Carbon E 2.6 sowohl eingeschoben als auch in maximaler Länge getestet – mit zwei interessanten Erkenntnissen: Die Aluminiumgabel erreicht in kürzester Länge von 1,70 Meter die gleiche Steifigkeit wie die Gunsails Select bei 2,10 Meter. Und für Carbon-Käufer ein Argument: Die NeilPryde Carbon erreicht den gleichen Wert sogar bei vollem Auszug. Allgemein decken Carbongabeln einen größeren Verstellbereich bei hoher Steifigkeit ab. Alugabeln, die nicht oder nur sehr wenig ausgefahren werden, erreichen aber ebenfalls deutlich höhere Steifigkeiten als mit vollem Auszug.
Was soll man also kaufen? Große, schwere Surfer mit Raceambitionen greifen zu steifen Gabeln. Ob mit größerem Durchmesser oder aus höherwertigem Carbon, bleibt dann eine Preisfrage. Griffdurchmesser unter 31 Millimeter, besser noch unter 30, sind eine sehr feine Sache – unabhängig von der Handgröße werden diese meist bevorzugt. Wer nicht gerade 100 Kilo an den Holm hängt, kann beim normalen Freeriden oder Freeracen auch zur weniger steifen Gabel greifen. Die Gabelinnenlänge verkürzt sich bei einer zusätzlichen Belastung von 10 Kilo, wie in einer starken Böe etwa, lediglich um 2 bis 3 Millimeter. Denn vermutlich ist nur diese zusätzliche Belastung maßgeblich, der Grundzug für normalen Gleitwind ist beim Segeltrimm ja bereits berücksichtigt. Entscheidend für die Auswahl können dagegen auch Outline und Gabelweite sein.
Erstmalig haben wir Gabeln an der breitesten Stelle und am Endstück innen vermessen. Liegt dein (Freerace-)Segel vorne an – oder eher hinten? Anhand deiner alten Gabel und dieser Werte kannst du einen breiteren Ersatz finden. Die leichteste und die schwerste Gabel trennen rund 1,2 Kilo, was immerhin 50 Prozent Mehrgewicht entspricht. Die leichtere Gabel wird aus Gründen der Physik handlicher wirken. Ein dünner Holm und eine schlanke Outline – wenn das Segel diese zulässt – verleihen dagegen nochmals einen gefühlten Schuss Spritzigkeit bei Manövern, der im Labor nicht messbar ist.
Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis meist größer als in der Theorie. Deshalb haben wir ausgewählte Gabeln aus diesem Test mit zum Freeride-und Freerace-Test nach Tobago genommen. Nicht weil wir den Messungen nicht vertrauen, sondern um den vielen nackten Zahlen auch begreifbare Eindrücke zuzuordnen. Wann ist eine Gabel vielleicht schon steif genug und noch mehr Steifigkeit bringt nichts mehr? Ab welchem Durchmesser greift man besonders komfortabel? Wie entscheiden sich surf-Tester und ausgewählte Urlaubssurfer zwischen einer griffigen, dünneren und weniger steifen Gabel und einem dickeren, dafür supersteifen Race-Boom mit Endholmen wie eine Pipeline? Welchen Einfluss spielt das Körpergewicht? Die Ergebnisse lest ihr in surf 3/2026 und bald hier auf surf-magazin.de!
Hier findest du zu jeder Gabel im Test eine genaue Beschreibung und die wichtigsten, von uns gemessenen Werte. Den Griffdurchmesser haben wir dabei sowohl im Griffbereich, als auch im hinteren Bereich gemessen, wo z.B. bei Halsen auch mal zugepackt werden muss. Wenn dort zwei Werte stehen, bezieht sich das bei ovalen oder V-förmigen Rohren auf die Werte in jeweils beiden Richtungen. Die Weite der Gabel im Griffbereich sowie am Endstück kann wichtig werden, wenn das Segel sehr bauchig geschnitten ist.
Mit dem schlanken, innen leicht V-förmigen Rohrquerschnitt im Griffbereich (28,5/29,5 mm) zählt die Aeron zu den handlichsten Carbongabeln der Gruppe (Duotone, GA und Gunsails), die dennoch sehr gute Steifigkeit bieten. Der Freeraceboom liegt wie eine Wavegabel in der Hand, das geringe Gewicht sorgt für gutes Handling, auch das Endstück fällt schlank aus. Mit Klemme, drei integrierten Rollen und einer weiteren, außen liegenden Rolle zum „Loopen“ ermöglicht es alle Trimmoptionen. Die Outline ist vorne nicht übertrieben breit, am Endstück aber weit genug für Freerace-oder Racesegel. Der Belag wirkt sehr robust, außen mit Prägung und auf der Griffinnenseite sehr fein und angenehm in der Hand liegend. Das Kopfstück schließt mit dem sehr soliden Metallhebel leicht und sicher auf RDM-und SDM-Masten.
Der 29er Netto-Durchmesser steht in der Alu-Liga für solide und steife Bauweisen. Mit Grip ergibt das bei der Aeron 32 Millimeter. Das Kopfstück sitzt, wie bei der Carbon Slim, sowohl an RDM als auch an SDM sehr straff, es wird regelrecht angeclipst und klemmt am Mast, bereits bevor der Hebel geschlossen wird. Das funktioniert bei unterschiedlich dicken Masten nicht immer gleichermaßen geschmeidig, sorgt aber bei geschlossenem Hebel für soliden Halt am Mast. Auf der Streckbank erzielt die HD 29 nicht ganz die Werte ähnlich dicker Alugabeln von Point-7 oder Neil-Pryde, die in einer höheren Preisklasse spielen. Die Aeron präsentiert so die klassische, günstige Alugabel mit etwas betagtem Varioverschluss und funktionellen Komponenten (Kopfstück, Beschlag mit drei Rollen und Klemme).
Hat man einmal zur Platinum gegriffen, will man sie eigentlich gar nicht mehr loslassen. Der profilierte Holm liegt perfekt in der Hand, der Belag ist angenehm weich. Mit schlanker Outline wirkt die Platinum filigran und zierlich, auf der Streckbank entpuppt sie sich aber mit dem durchgehend ovalen Vario-Endrohr als Herkules – auch wenn sie nicht ganz an die dicksten Race-Boliden heranreicht. Dafür glänzt sie mit leichtestem Gewicht. Zwischen SDM und RDM wird mit farbigen Adaptern gewechselt, die zwar fummelig einzuklemmen, dann aber sicher fixiert sind und sehr guten Halt am Mast geben. Der superschlanke (28/29,5 mm) ovale Griffbereich ist recht kurz, aber auch wenn die hintere Hand mal weiter zurückrutscht, bleibt das Griffgefühl angenehm. Ein super Kompromiss aus handlich und steif.
Dünn und steif – dieser Spagat gelingt Duotone mit der Alu Mega Slim sehr gut. Alugabeln mit ähnlichen oder höheren Steifigkeits-Laborwerten sind im Griff-und Variorohr üblicherweise spürbar dicker. Der Griffbereich mit rundem Querschnitt misst schlanke 30 mm inklusive Belag, nach hinten raus bis inklusive Variorohr wechselt der Querschnitt zu oval, was neben der hochwertigen Alulegierung die vergleichsweise gute Steifigkeit erklärt. Auf dem Wasser wirkt diese Gabel – das wissen wir aus Praxistests – zwar nicht bocksteif, aber auch nicht schwammig, und Tester bevorzugen oft den geringeren Durchmesser gegenüber mehr Steifigkeit. Die Slim liegt preislich zwischen Carbon und klassischem Alugestänge und bietet einen guten Kompromiss, wenn Handling und Preis über maximale Steifigkeit gehen.
Im Prinzip wie Gunsails mit dem Expert-Boom kombiniert auch GA-Sails Holme und Frontbogen aus T8-Aluminium mit einem Carbon-Endstück. GA arbeitet allerdings mit einem Verstärkungsfaktor bei der Holmdicke und rückt den Hybrid-Boom damit deutlich stärker in die Freerace-Ecke. Die zusätzliche Spannkraft im Vergleich zu vielen reinen Alugabeln holt sich GA aber überwiegend über den Trick der etwas dickeren Holme. Denn auch NeilPryde und Point-7haben ähnlich steife Alugabeln ohne Carbon-Tail – aber mit vergleichbarem Durchmesser. Die Gabel hält steif am Mast, die Adapter für SDM und RDM sitzen sehr eng. Die Hybrid wirkt mit stark geprägtem und auch dadurch vergleichsweise rauem, festem Belag griffig, das breite Endstück bietet alle Optionen, die sich ein Racer wünschen kann.
Der Slim-Carbon-Boom spielt in einer anderen Liga als der GA Hybrid. Trotz deutlich dünnerem, sogar superschlankem Durchmesser wird die Steifigkeit deutlich übertroffen und das Gewicht um fast ein halbes Kilo gedrückt. Zusammen mit dem äußerst dünnen Griffdurchmesser ergibt das ein fast filigranes Feeling, nahe dran an der Duotone Ulti mate. Im Labortest übertrifft die GA-Gabel selbst die dicksten Alugabeln, dennoch ist der Preisunterschied zu teuersten Carbongabeln auch in Form eines kleinen Abfalls der Steifigkeit im Zugversuch nachweisbar. Dabei bietet die GA einen super Kompromiss aus Steifigkeit (die für die meisten Freeracer mehr als hoch genug sein dürfte), Griffigkeit, Gewicht und Preis. Der Griffbereich ist leicht tropfenförmig im Querschnitt und durch Prägung grob strukturiert.
Mit dieser Gabel will Goya sicher nicht den Steifigkeits-Wettbewerb gewinnen -dort ist ja schon die Goya Carbon vorne dabei. Die Aluminiumgabel erzielt zwar nur die geringste Steifigkeit im Zugtest, ist dafür aber mit 29 Millimetern inklusive Grip-Belag die dünnste Alugabel in dieser Gruppe. So liegt sie sehr schmeichelnd in der Hand, selbst der hintere, etwas dickere Variorohr-Bereich liegt mit 32 Millimetern noch unter dem Griffdurchmesser der dicksten Alu-Keule. Damit eignet sich die Goya Aluminium nicht für aufgemästete Slalomracer, sondern eher als Budget-Gabel für dennoch komfortorientierte Freerider. Das Endstück ermöglicht mit drei Rollen und 18,5 Zentimeter Innenweite dennoch die Montage eines Adjustable Outhaul, was unter Umständen auch für Freeridesegel gewünscht sein kann.
Eine der steifsten Gabel im Test erreicht ihre Stabilität auch durch ein massives Endstück, das die Bezeichnung „Gabelbaum“ auch verdient. Das Variorohr läuft klassisch innen, was die Verstellung im Vergleich zu Systemen wie bei Severne spürbar erleichtert. Das Kopfstück sitzt bei RDM und SDM mit sehr enger Klemmung – hakelige Montage garantiert –, dafür auch superfest am Mast. Im Haltebereich greift sich die Goya-Gabel mit dem nach innen leicht V-förmigen Querschnitt sehr angenehm, und die 31,5 Millimeter wirken für so einen steifen Rahmen schon richtig schlank. Die vorne normal weit geschnittene Gabel passt gut zum Freeraceeinsatz. Das breite, glänzend in Carbon gefinishte Endstück funktioniert wahlweise mit und ohne Trimmsystem und gibt dem Segel auch bei sehr lose getrimmtem Schothorn viel Raum.
Gunsails rüstet mit der Expert eine hochwertige T8-Alugabel mit einem Carbon-Endstück zum Hybridmodell auf. Auf den ersten Blick kann die Gabel dadurch im Labor keinen großen Vorteil verbuchen. Bei ähnlicher Steifigkeit wirkt die Gabel dennoch subjektiv zierlicher als beispielsweise eine Severne Metal, und das glänzende Carbon-Endrohr ist definitiv ein Hingucker in dieser Preisklasse, von einer Vollcarbongabel ist die Expert optisch kaum zu unterschieden. Mit dem 30er Durchmesser liegt die Gun-Gabel jedenfalls bereits im schlanken Segment unter den Alugabeln. Das Variosystem ist identisch mit der Severne Metal und lässt sich (beidhändig) gut bedienen. Das Kopfstück hält an RDM-und SDM-Masten mit mitgeliefertem Adapter gleichermaßen sicher und steif, auch bei Zug nach unten gibt es nur minimal nach.
Auf den ersten Blick sieht die Select der Expert verdammt ähnlich. Der Grifftest und die Laborwerte verraten den Unterschied zwischen Vollcarbon-Konstruktion und Endrohr-Tuning. Ein halbes Kilo leichter, im Griffbereich dünner und rund 50 Prozent steifer im Zugtest im Labor lassen die 300 Euro Aufpreis zusammenschmelzen. Die Select ist eine sehr steife und dabei besonders griffig in der Hand liegende Gabel. Ganz im Sinne von mehr Performance ist die Outline geringfügig und das Endstück deutlich breiter als die Expert. Einen Trimmblock mit drei Rollen für klassischen Trimm oder ein optionales Trimmsystem haben beide. Der Griffbereich mit leicht tropfenförmigem Querschnitt wirkt noch mal dünner, als die Zahlen vermuten lassen, und greift sich in einer Liga wie Duotone Platinum und GA Slim Carbon.
Die Atec 2.8 ist mit einem Holmdurchmesser von 30,5 Millimetern inklusive Grip ein Vertreter einer schlanken Standard-Alugabel. Bei NeilPryde wird diese vom sehr fest am Mast sitzenden Kopfstück garniert, das der Gabel eine überaus steife Anbindung in der Rauf-runter-Achse verschafft. Der RDM-Adapter passt ebenfalls gut, kann beim Transport aber leicht rausfallen. Der Griffbelag des durchgehend gleich dicken Holms ist sehr griffig und dennoch robust und etwas fester wirkend. Der Trimmbeschlag kann schnell „geloopt“ oder durch eine einzelne Rolle gefädelt werden. Ein Trimmsystem lässt sich nicht montieren. Das Verstellsystem lässt sich schnell einhändig öffnen und schließen, die Hebelkräfte am Kopfstück sind gering und dennoch gut zupackend. Eine preiswerte, solide Freeride-Freeracegabel.
F 2.9 ist die NeilPryde-Antwort auf die Hybridmodelle. Bei der Atec stabilisiert hinten ein klassisches Alu-Endstück, die gesamte Gabel ist dafür durchgehend im 32,5er Außendurchmesser gehalten, und sie soll die „steifste Alugabel, die NeilPryde je designt hat“ sein. Die Messwerte sind für eine Alugabel tatsächlich recht sehenswert. Gefallen hat auch der sehr elegant gestaltete Kopf, der sich schon mit geringen Hebelkräften sehr solide an den Mast klammert. Durch die leichte V-Form der Innenseite des Kopfstücks liegt es weitgehend unabhängig vom exakten Mastdurchmesser seitlich sehr steif am Mast an. Das Variosystem ist einhändig schnell zu bedienen, der Belag wirkt rutschfest und eher unempfindlich. Mit 52 Zentimetern ist die Gabel vor allem im vorderen Drittel sehr weit geschnitten.
Die Carbon E 2.6 ist der Prototyp-Freeraceboom. Weniger martialisch als manche Race-Gabel, aber bereits sehr steif und dabei noch handlich und leicht. Die breite Outline erlaubt maximalen Leichtwindtrimm. Das Endstück ist für normales Trimmen vorgesehen, bietet aber auch zwei große, feste „Rollen“ für ein optionales Trimmsystem. Mit leichtem Drop-Shape im Griffbereich (29/31,5) wirkt die Gabel sehr griffig, der verjüngte Bereich verläuft weit genug nach hinten. Aber auch das Variorohr steht mit einem 32er Außendurchmesser auf der sehr schlanken Seite, was an Land und auf dem Wasser das Handling verbessert. Das Kopfstück sitzt bekanntermaßen steif und fest am Mast und ist einfach zu montieren. Die Varioverstellung gelingt schnell, die Klemmen lassen sich einhändig öffnen und schließen.
1549 Taler auf den Tisch – und du bekommst die maximale Performance geliefert. Mit der Ultimate Carbon betreten wir den High-End-Race-Bereich mit integriertem Trimmsystem, einem noch geringen Gewicht und einer der höchsten Steifigkeiten. Dabei wirkt die Gabel nicht superklobig, trotz vier Rollen und zusätzlicher Klemme fällt das Endstück flach und aerodynamisch aus. Das Trimmsystem verläuft komplett im Gabelinneren und fällt kaum auf, allerdings ist ein Rollenblock am Segel erforderlich. Eine der Rollen drehte sich bei unserer Testgabel nur sehr schwergängig. Das 30,5er Griffrohr liegt mit rutschfestem, rauem Belag schön griffig und sicher in der Hand. Das Kopfstück nimmt mit geringen Hebelkräften sowohl RDM als auch SDM kraftvoll und ohne Lockerlassen sehr steif in den Würgegriff.
Die sehr günstige Point-7-Gabel rangiert in der Freeracewelt-Einstiegsklasse. Das Endstück ist verbreitert für den Gebrauch mit bauchigen Freeracesegeln und der Beschlag mit drei Rollen auch für Trimmeinrichtungen vorbereitet. Der Trimmtampen lässt sich aber auch klassisch fädeln und klemmen. Unter Zug schlägt sich die Gabel trotz des „nur“ 32er Durchmessers sehr ordentlich, etwa in einer Liga wie die NeilPryde Atec 2.9. Damit erzielt die Gabel bereits ziemlich das Machbare im Alu-Segment – wenn man den Griffdurchmesser in annehmbarer Stärke halten möchte, und das ist hier gelungen. Der Griffbelag wirkt – auch im Vergleich zur Point-7 Carbon – etwas rauer, dafür aber sehr rutschfest. Das Kopfstück (baugleich mit der C-Carbon) klemmt an RDM (mit Adapter) und SDM sehr steif und sicher.
Die getestete C-Carbon ist das günstigere der beiden Top-Modelle mit weniger Carbonanteil. Die im Shape identische 100-Prozent-Carbon-Gabel (959 Euro) bietet sichtbares Carbongewebe bei den Rohren und vor allem im Labor einen ordentlichen Steifigkeitsboost – bis auf das Niveau der North Ultimate. Mit einem 31er Durchmesser liegt die Gabel bereits recht schlank in der Hand und übertrifft trotz reduziertem Carbongehalt im Rohr eine Hybridgabel (Alurohr-Carbon-Endstück) in der Steifigkeit messbar. Auch die dünne Gunsails Select wird, zumindest auf der Streckbank, abgehängt. Dafür könnte auch der im hinteren Bereich sehr üppige Rohrdurchmesser sorgen, besonders zierlich wirkt die C-Carbon hier nicht mehr. Dafür gibt’s viel Steifigkeit fürs Geld, bei angenehmem Griffgefühl.
Unter den Gabeln ist die Enigma der 911er als Pick-up. Vorne sportlich und schlank, hinten mit einem extrem soliden Variorohr, in einem Durchmesser, der als Endtopf jedem 90er-Jahre-Manta zur Ehre gereicht hätte. Die Längenverstellung ist kniffelig wie bei einem Gewindefahrwerk – mal eben zwei Zentimeter länger einstellen erfordert Geduld, weil die Klemme auf dem Variorohr verschoben werden muss. Dafür liegt die Gabel sehr griffig in der Hand, das Endstück sorgt für hohe Steifigkeit, und die breite Outline gibt auch bauchigen Racesegeln ohne Schothornspannung reichlich Luft zum Atmen. Das Endstück ist sehr gut für Adjustable Outhaul geeignet, ein zusätzlicher Beschlag ermöglicht aber auch klassisches Trimmen. Diese Gabel versprüht Race-Feeling und die dazu passende Performance.
Metal klingt vielleicht besser als Alu und ein bisschen nach Heavy Metal. Die Severne-Gabel ist dabei die vielleicht am ehesten klassische Freeridegabel – mit modernem, schlankem Griffholm, bedienungsfreundlich und mit neuem Kopfstück versehen. Der Holm liegt durchgehend gut in der Hand – auch wenn man zur Duck Jibe weit nach hinten greift, bleibt der Durchmesser unverändert. Mit dieser Geometrie erreicht die Gabel eine ordentliche Steifigkeit, überzeugt aber eher durch die Handlichkeit. Das neue Kopfstück sitzt sehr fest am Mast und schließt bereits mit geringer Hebelkraft sicher. Die Längenverstellung gelingt schnell und sicher, der minimalistische Trimmblock verzichtet sogar auf eine Rolle. Dafür lässt sich die Trimmleine wahlweise über einen Haken „loopen“ oder über eine feste „Rolle“ fädeln.
Die Alu HD ist das Gegenteil der Duotone Slim und eine Race-Alternative zum Carbon-Gabelbaum. Was der Gabel an Filigranem, an Zierlichem fehlt, strahlt sie an bulliger Kraft umso mehr aus. Wer den 33er Holm kräftig packt, wird mit maximaler Alu-Steifigkeit belohnt. Auch für bauchige, locker getrimmte Racesegel sind im Endstück alle Rollen für ein optionales Trimmsystem integriert, das Kopfstück mit gleich zwei Schließhebeln und langer Kontaktfläche zum Mast hält in alle Richtungen bombenfest. Für den Transport lässt es sich schnell entfernen oder je nach Segelmarke auch passend umdrehen. Der Bedienungskomfort beim Aufriggen stand bei der Entwicklung aber wohl im Schatten maximaler Performance, die Hebel sind umständlich um den Mast zu fädeln. Günstiges Alu-Kraftpaket auch für schwere Surfer.
Erstaunlicherweise fällt das Endstück der Carbon bei Unifiber schmaler aus als das der Alu, aber immer noch mit reichlich Platz für ein locker getrimmtes, bauchiges Segel. Dasselbe Frontstück greift bombenfest, lässt sich, wie bei der Alu, mit zusätzlicher Bolzenverschraubung (siehe Seite 33) nochmals versteifen, ist dann allerdings nicht mehr ohne Werkzeug abnehmbar. Einen festeren Sitz am Mast kann man aber wohl kaum erreichen. Das leicht tropfenförmige Profil im Griffbereich wirkt schlank und griffig, der Belag rutschfest und solide. Bei dem vergleichsweise günstigen Preis von 769 Euro wird vermutlich ein etwas anderer Carbon mix verwendet als bei den dünneren Gabeln von North oder Duotone. Die Steifigkeit ist zwar sehr hoch, kommt aber an diese deutlich teureren Modelle nicht ganz heran.

Stellvertretender Chefredakteur surf