Kevlar-Helm aus NorwegenSjø Protection-Gründer Thomas Klingenberg im Interview

Tobias Frauen

 · 28.03.2026

Kevlar-Helm aus Norwegen: Sjø Protection-Gründer Thomas Klingenberg im InterviewFoto: Thomas Klingenberg
Nach einem Unfall beim Wellenreiten begann Thomas mit der Entwicklung des Sjø-Helmes
Sjø Protection aus Norwegen ist seit einiger Zeit mit einem Wassersport-Helm auf dem Markt, der sich deutlich von den meisten anderen Modellen unterscheidet. Was dahinter steckt, hat uns Gründer und Entwickler Thomas Klingenberg erzählt.

Der Helm von Sjø Protection ist schon auf den ersten Blick anders, er wirkt optisch eher wie eine gut gepolsterte Haube. Der Clou: Eine Kevlar-Schicht macht den Helm leicht und flexibel, soll im Zweifelsfall aber dennoch guten Schutz bieten. Auf jeden Fall ist der Helm wunderbar leicht und flexibel, wie unser Test gezeigt hat. Und sogar Waterman Ridge Lenny wurde schon mit dem Sjø-Helm gesehen. Wir haben und mit Thomas Klingenberg über sein Helm-Projekt unterhalten.

​Du hast die Helme nach einem Unfall beim Wellenreiten entwickelt, was ist da passiert und warum hat es dich zum Thema Helme gebracht?

Es waren keine extremen Bedingungen, nur ein gewöhnlicher Tag im Wasser mit etwas schlechten Wellen. Ich wollte noch über die Welle kommen, wurde aber gewaschen, und dabei hat mich mein Board am Hinterkopf getroffen, und ich hatte eine Gehirnerschütterung, die fünf Monate anhielt. Danach begann ich das Helmprojekt und entwarf die ersten Prototypen.

Wie bist du an die Entwicklung herangegangen?

Ich bin früher viel Mountainbike-Rennen gefahren und habe viel Erfahrung mit Schutzausrüstung. Dabei wird das gleiche Material genutzt: Es ist im Normalfall weich und flexibel, aber es wird hart bei einem Aufprall und schützt dadurch. Das war die Idee: Eine Art Knieschutz für den Kopf, statt eines klobigen Helmes. Ich habe viel ausprobiert, es war ein Lernprozess, wie man näht und das Material richtig verarbeitet. Es war mir wichtig, ein Produkt zu schaffen, das den Kopf schützt, ohne das Erlebnis zu beeinträchtigen.

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Der Sjø-Helm ist dünn, leicht und flexibel, so dass man ihn auf dem Wasser kaum spürtFoto: Manuel VogelDer Sjø-Helm ist dünn, leicht und flexibel, so dass man ihn auf dem Wasser kaum spürt

Die Optik ist noch etwas speziell. Hast du vor, die Helme mit verschiedenen Designs oder Farboptionen anzubieten?

Das ist derzeit einfach die natürliche Farbe des Materials. Wir haben etwas mit Farben experimentiert. Sichtbarkeit ist für viele wichtig, daher arbeiten wir an einer sichtbareren Version. Dennoch wollen wir, dass der Helm dezent bleibt und nicht zu sehr auffällt.

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Wie viele Prototypen hast du erstellt, bevor du mit dem Helm zufrieden warst?

Nahezu 150 Prototypen. Es war viel Testen und Anpassung nötig, um herauszufinden, was am besten funktioniert. Es hat eine Weile gedauert, bis ich herausgefunden habe, wie man die Nähte anbringt und den Helm so gestaltet, dass er wirklich gut am Kopf sitzt, und bis ich ein gut funktionierendes Verstellsystem entwickelt habe. Viele Dinge sehen jetzt ähnlich aus wie bei anderen Helmen, zum Beispiel die Riemen, aber als ich das Projekt startete, war es für mich nicht selbstverständlich, dass der Helm Riemen haben würde. Ich dachte mir, vielleicht könnte der Schutz einfach in einen Neoprenanzug integriert werden. Das hätte aber wiederum diejenigen nicht angesprochen, die keinen Hoodie brauchen.

​Hast du einen Hintergrund im Ingenieurwesen?

Ja, ich bin Maschinenbauingenieur. Ich habe einen Master-Abschluss in Maschinenbau, und das war meine Grundlage für die Entwicklung dieses Produkts.

Was sind außer dem Schutz die Vorteile eures Helmes?

Er ist sehr dünn und leicht, man merkt kaum dass man ihn trägt. Ich benutze denselben Helm sowohl unter als auch über der Neo-Kapuze. Wenn ich Wingfoilen gehe, wird mir manchmal etwas zu warm, dann kann ich die Kapuze noch zwischendurch abziehen, das wäre unmöglich, wenn der Helm oben drauf wäre. Die Idee war, Freiheit auf dem Wasser zu bieten. Sicherheit bedeutet Freiheit, man kann sich mehr trauen und mehr Spaß haben, ohne sich eingeschränkt zu fühlen. Der Helm sollte so minimalistisch gestaltet sein, dass man ihn nicht wirklich bemerkt, wenn man ihn trägt, aber trotzdem die Gewissheit hat, dass du geschützt bist.

Und wie testest du die Stärke des Helms? Der klassische Melonen-Fall-Test?

Den haben wir auch gemacht, aber das ist nicht wirklich wissenschaftlich (lacht). Wir haben eine Vorprüfung für die CE EN 1385 Zertifizierung für Wassersporthelme durchgeführt und sehr gute Ergebnisse erzielt. Zudem wurde der Helm an der Virginia Tech in den USA getestet und war dabei besser als einige Helme von größeren Marken!

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Denkst du, dass Kundenfeedback weiterhin eine wichtige Rolle bei der Weiterentwicklung deiner Helme spielen wird?

Ja, auf jeden Fall. Die Rückmeldung der Kunden ist entscheidend, um Anpassungen vorzunehmen und das Produkt zu verbessern. Wir sind eine kleine Firma und können auf Feedback viel flexibler reagieren.

Wie ist das erste Feedback auf euren Helm?

Seit über einem Jahr verkaufen wir diese Helme, letztes Jahr waren es über 500 Stück. Natürlich möchten wir mehr verkaufen, um mehr Köpfe zu schützen.

Wo bekommt man eure Helme?

Wir verkaufen hauptsächlich über unsere eigene Webseite und an einige Händler, vor allem in Norwegen, aber auch in anderen europäischen Ländern wie Dänemark und UK. Wir sind aber offen für alle Anfragen!

Infos und Shop unter sjoprotection.com


Tobias Frauen

Tobias Frauen

Redakteur

Tobi verantwortet alles Digitale – von der surf-Webseite bis zu den Social-Media-Kanälen – und sorgt täglich für frischen Bild- und Videocontent. Seine Surf-Wurzeln reichen vom Münsterland über Ijsselmeer, Brouwersdam und Sylt bis nach Kiel und Heidkate. Heute lebt er seit über zehn Jahren in Hamburg als „Weekend Warrior“ und ist so oft wie möglich mit Campingbus und Familie unterwegs – bevorzugt an Ostsee, SPO, Dänemark sowie in Finnland, Schweden oder Sardinien.

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