Schutz ja, aber nur wenn man ihn braucht: Der Wassersport-Helm von Sjø Protection kommt mit einer Kevlar-Schicht, die nur bei Schlägen hart wird. Im Normalfall ist der Kopfschutz jedoch weich und flexibel wie eine Mütze. Das Prinzip hat sich Erfinder Thomas Klingenberg bei Schutzkleidung für Motorradfahrer und Mountainbiker abgeschaut (siehe Interview). Wie sich das in der Praxis anfühlt, haben wir in der Karibik und in Dänemark ausprobiert.
Der Sjø Protection-Helm unterscheidet sich schon auf den ersten Blick von vielen anderen: Grau-braunes Kevlar außen, darunter eine zehn Millimeter dicke Schaumstoff-Schicht. Optisch rangiert er irgendwo zwischen Kauli Seadis Neopren-Haube von früheren Sylt-Worldcups und einer Pilotenhaube aus den 20er Jahren. Die einzelnen Teile wirken clever kombiniert, die Nähte machen einen äußerst soliden Eindruck. Am Hinterkopf lässt sich die Passform mit zwei Gurtbändern innerhalb einer großen Range einstellen. Der Kinnriemen und der Gurtverlauf rund um die Ohren ist in alle Richtungen verstellbar und wird mit einem robusten Fidlock-Magnet-Verschluss unterm Kinn geschlossen. Mit etwas Geduld findet man auf jeden Fall die perfekte Einstellung. Die Gurte lassen sich auch festziehen, während der Helm getragen wird, zum Lösen muss man ihn aber - anders als Modelle mit einem Drehrädchen am Nacken - wieder abnehmen.
Je nachdem wo der Sjø ausgepackt wird, zeigt der Helm zwei Gesichter: Beim Test auf Tobago war er in der karibischen Wärme direkt wunderbar anschmiegsam, etwas später im winterlichen Dänemark kam er dann sehr steif aus dem Auto. Aber mit ein wenig “kneten” und biegen wird das Material auch dann schnell wieder geschmeidig. Mit 280 Gramm Trockengewicht gehört er auf jeden Fall zu den leichtesten Modellen auf dem Markt und wird auch nass mit rund 320 Gramm kaum schwerer. Als Zubehör ist noch ein Ohrenschutz aus Neopren erhältlich, der aber vor allem die Kälte abhalten soll und nicht vor Schlägen schützt.
Dieser Teil könnte eigentlich fast frei bleiben, denn auf dem Wasser ist der Sjø kaum spürbar. Das Sichtfeld wird nicht eingeschränkt, die Bewegungsfreiheit ebenfalls kaum und durch das Material ist auch das Gewicht auf dem Kopf nicht der Rede wert. Das Gefühl erinnert tatsächlich mehr an eine Mütze als an einen Helm und hat nichts von der Klobigkeit manch anderen Modells. Schon nach wenigen Metern vergisst man, dass man einen Helm trägt. Einige provozierte Kontakte mit dem Foil beim Rein - und Raustragen dämpfte der Helm tadellos ab, bei heftigeren Schlägen dann versprechen die DIN-Zertifikate und die Bewertung der US-Uni Virginia Tech einen sehr guten Schutz.
Theoretisch kann der Helm auch, wie von Entwickler Thomas Klingenberg vorgeschlagen, unter der Haube eines Hoodies getragen werden. Das erwies sich bei unserem Test im dicken 6mm-Anzug aber als eine Herausforderung für die Nackenmuskulatur, der Kopf ließ sich nur mit deutlich mehr Anstrengung zur Seite drehen - Wellenreiter legen darauf nicht ganz so viel Wert wie Windsurfer und Wingfoiler, die den Blick permanent seitlich ausgerichtet haben. Zudem dringt dann bei einem Waschgang etwas mehr Wasser in die Haube ein.
Ein Helm für Leute, die keine Helme mögen - so hat Thomas seine Konstruktion bezeichnet. Tatsächlich spürt man den Helm auf dem Wasser so gut wie gar nicht, gleichzeitig bietet er guten Schutz. In Sachen Komfort ist der Sjø Protection eine ganz klare Empfehlung für alle, die mit herkömmlichen Helmen hadern. Nur bei der schnellen Einstellung der Gurte muss man leichte Abstriche machen und etwas Geduld mitbringen
Infos und Shop unter sjoprotection.com

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