Bei den unterschiedlichen Foilanbietern bestehen Foils in der Regel aus Einzelkomponenten, die man munter kombinieren und austauschen kann. Besonders großen Einfluss auf die Fahreigenschaften hat die Länge der Fuselage, also des Längsträgers, auf dem die Flügel montiert werden. Wie sich das Fahrverhalten bei kürzeren und längeren Varianten verändert, erklärt Profi Benjamin May.
Die 60er ist die Fuselage, die ich zumeist benutze. Warum? Die 60er ist top zum Springen geeignet und begeistert mich zudem genauso in der Welle. Und das Besondere ist, dass ich mit der 60er auch super in der Welle herumtricksen kann. Mit der 66er kann man auch springen, jedoch ist die Reaktivität im Vergleich zur 60er geringer, hat aber eine größere Stabilität und mehr Glide.
Ich meine damit die Stabilität in der Längsachse. Die längere Fuselage bringt mehr Ruhe rein, weil man einen längeren Hebel hat, da der Stabilizer weiter hinten positioniert ist. Somit fliegt das ganze System etwas ruhiger und einfacher zu kontrollieren.
Ja, eine gute Frage! Im Bezug auf Freestyle bedeutet es, dass man eine nur kürzere Zeitspanne braucht, um zu springen. Was meine ich damit? Der Moment wenn ich in die Knie gehe, um den Jump zu initiieren, bis zum Moment, wo das Foil das Wasser verlässt, ist kürzer. Das ist vielleicht nur ein Bruchteil einer Sekunde aber es bringt schnell einen halben Meter mehr Höhe, was natürlich viel ist. Ehrlich gesagt heißt „reaktiver“ aber auch, dass die 60er Fuselage im Vergleich zur 66er nervöser ist und man feinfühliger steuern muss.
Auf jeden Fall die längere 66er Fuselage, denn die ist, wie gesagt, nicht ganz so agil, bringt aber – auch in der Welle - mehr Stabilität. Zudem ist der Glide besser, weil man mehr Hebel hat, was bedeutet, dass man beim Foilen kleiner Dünungswellen bessere Angleit- und Durchgleiteigenschaften hat. Und es ist ja nicht so, dass man mit der 66er Fuselage nicht auch springen könnte.
Nicht zwingend! Ich habe dieses Jahr auch für die Welle eine 66er Fuselage, denn wenn man in brechenden Wellen surft, gibt es auch immer Turbulenzen unter Wasser, die einen aus der Bahn werfen können. Auch hier hilft eine etwas längere Fuselage, um keinen Strömungsabriss zu bekommen. Mit einer kurzen 60er kann ich in der Welle natürlich noch engere Turns machen, aber ab einem gewissen Punkt auch „zu eng“, dadurch werden diese Turns eher unkontrollierter. Es ist ein bisschen wie beim Skifahren: Da muss man aus dem Schwung herauskommend den Schwungübergang finden, um einen sauberen nächsten Schwung zu machen.
Am einfachsten ist es für mich diese Frage für die Zielgruppe der Freestyler zu beantworten: Da ist es die Carbonvariante, die Vorteile bietet. Wenn ich zum Beispiel einen 650er Frontflügel fahre, dann merke ich schon, dass das Foil mit einer Carbon-Fuselage ein gutes Stück mehr Power hat. Der Durchmesser ist geringer, wodurch der „Drag“, also der Widerstand im Wasser, reduziert wird. Wenn ich in der Welle rausgehe, fahre ich wegen dem einen oder anderen Riffkontakt meistens die Alu-Variante. Nur wenn ich sehr große und schnelle Wellen abreite, greife ich gern zu der Carbonvariante, denn diese ist dünner und schneller. Das gilt auch für Freerider: Wer “normal” cruist und Manöver macht, braucht keine Carbon-Fuselage. Sobald man aber Races mitfahren möchte, hat die Carbonvariante dann wieder Vorteile.