Egal ob Windsurfen, Wellenreiten oder eben Wingfoilen - mit einem unpassenden Board ist der Einstieg schwieriger als er sein müsste. Meist geht es um drei grundlegende Fragen: Soll ich ein aufblasbares Brett kaufen oder liebes ein festes Hardboard? Wie groß muss das Brett sein? Und welcher Boardtyp ist für mich ideal?
Ähnlich wie beim Stand-Up Paddeln (SUP) gibt es auch beim Wingsurfen zwei generelle Arten von Boards: Bretter mit festem Shape, sogenannte ”Hardboards”, oder aufblasbare Konzepte, auch ”Inflatables” genannt. Während bei Hardboards viele Shape-Feinheiten umgesetzt werden können, sind die Möglichkeiten bei aufblasbaren Konzepten konstruktionsbedingt limitiert.
Sinnvoll können Inflatables vor allem bei großen Brettgrößen sein, da hier der Vorteil des kleinen Packmaßes nicht von der Hand zu weisen ist. Je kleiner das verwendete Wingboard dann wird, desto mehr schmilzt dieser Vorteil dahin. Bei einem 90-Liter-Board beträgt der Unterschied beim Packmaß zwischen einem Hardboard und einem Inflatable oft nur noch 40 bis 50 Zentimeter, dafür nimmt man dann beim aufblasbaren Konzept aber oft Nachteile bei der Performance in Kauf: So tendieren die runden Kanten der Inflatables mitunter dazu, sich in der Anfahrphase etwas festzusaugen, was entweder mehr Wind oder mehr Pumparbeit nötig macht, um abzuheben. Unterm Strich: Wenn das Packmaß für dich oberste Priorität hat, wähle ein Inflatable! Kannst du das größere Packmaß verschmerzen, nimm ein Hardboard.
Für die ersten Schritte auf dem Wasser muss dein Board groß genug sein. In professionellen Wingfoil-Schulen wird normalerweise zunächst das Wing-Handling auf einem großen Longboard oder SUP geübt, erst danach folgt der Wechsel auf ein Foilboard. Wer Foil-Vorerfahrung hat, z.B. vom Windsurf-Foilen, Kitefoilen oder SUP-Foilen, kann auch direkt auf einem Foilbrett anfangen.
Wer für die ersten Versuche mit dem Wing ein SUP verwenden will, sollte unbedingt beachten, dass das Brett eine Mittelfinne benötigt, um die seitliche Abdrift bei Leichtwind zu minimieren. Spezielle WindSUPs bieten die Möglichkeit, eine Centerfinne zu montieren. Bei normalen SUPs hat man diese Option im Normalfall nicht. Man kann hier allerdings Abhilfe schaffen über nachrüstbare Centerfinnen, die man einfach ums Board umschnallen kann.
Bezüglich der Größe sind typische Allround-SUPs mit acht bis elf Fuß Länge ideal zum Üben. Diese bieten in der Regel zwischen 200 und 300 Liter Volumen und somit immer genügend Auftrieb, damit selbst schwere Wingfoil-Einsteiger entspannt an Deck stehen können.
Auf dem Wingfoil-Markt etabliert sind aufblasbare Wingfoilboards aber auch in kleinen Größen mit 70 bis 120 Litern, diese können dann mit einem Foil ausgestattet werden. Aufgrund der Bauweise sind die Shapes des Inflatables etwas limitiert, was sich teilweise in geringerer Leichtwind-Performance niederschlägt, aber auch in etwas geringerer Kippstabilität. Aus diesem Grund solltest du ein aufblasbares Wingfoilboard immer 10-20 Liter größer wählen als ein vergleichbares Hardboard.
Aufblasbare Boards sind immer etwas kippliger als Hardboards. Wähle dein Inflatable daher 10 bis 20 Liter größer
Feste Wingfoilbretter sind in Größen von 30 bis 150 Liter verfügbar. Auch hier gilt: Für den Start sollte es nicht zu klein sein. Welche Brettgröße du brauchst, hängt von der Vorerfahrung (z.B. Windsurfen, Kiten, SUP, Pumpfoilen, etc) und deinem Körpergewicht ab.
Um auf einem reinen Wingfoilboard Spaß zu haben, sollten sich Neueinsteiger ohne Vorerfahrung aus anderen Wassersportarten an folgender Faustregel orientieren, um halbwegs sicher starten zu können:
Körpergewicht + 70 bis 80 Liter = empfohlenes Brettvolumen
Es empfiehlt sich, die ersten Versuche in einer Wingsurfschule zu machen, da hier großvolumige Boards vorgehalten werden. Ein derart großes Board zu kaufen, macht recht wenig Sinn. Man riskiert, dass einem dieses bereits nach wenigen Wochen zu groß ist, denn die Lernkurve verläuft zu Beginn sehr steil. Deshalb: Erst leihen, dann kaufen!
Wer bereits Vorerfahrungen aus anderen Wassersportarten wie Windsurfen, Kitesurfen, Surfen oder SUPen mitbringt, hat gute Voraussetzungen, um auch beim Wingsurfen innerhalb weniger Tage abzuheben. Aber auch hier gilt: Um den Aufstieg zu meistern, muss das Brett genügend Volumen besitzen! Eine grobe Faustregel lautet dann:
Körpergewicht +40/50 Liter = empfohlenes Brettvolumen
Ein 80 Kilo schwerer Surfer mit Vorerfahrung sollte also ein Wingboard mit mindestens 120 bis 130 Litern wählen, um sicher lernen zu können.
Wer bereits Erfahrungen auf einem Windsurffoil- oder Kitefoilboard gesammelt hat, wird innerhalb weniger Stunden auch auf einem Wingsurfbrett klar kommen und kann bereits mit weniger Volumen einsteigen als bei Neueinsteigern ohne Vorerfahrung der Fall. Die grobe Faustregel:
Körpergewicht +30 bis 40 Liter = empfohlenes Brettvolumen
Sobald man die Basismanöver wie Halse und Wende beherrscht und seinen Horizont in Richtung Welle oder Freestyle erweitern möchte, kann der Wechsel auf ein kleineres Brett samt schnellerem Foil erfolgen. Ziel ist es dann, ein Board zu fahren, was gerade noch genügend Auftrieb für den Start bietet und sich nach dem Abheben aber schön klein und kompakt anfühlt. Eine Faustregel, die Potential für Sprünge und Tricks mit einem Mindestmaß an Auftrieb für Leichtwind vereint, lautet:
Körpergewicht +/– 5 Liter = empfohlenes Brettvolumen
Last but not least solltest du dir die Frage stellen, welcher Bretttyp für dich Sinn macht. Es gibt auf dem Markt mehrere Brettklassen, deren Vor- und Nachteile wir dir kurz erklären wollen:
Als Wingfoilen 2020/2021 Fahrt aufnahm, kamen zunächst recht kurze Bretter mit 5 bis 6 Fuß Länge auf den Markt. Die Vorteile: ein kompaktes, leichtes Flugverhalten. Aber: Kurze Boards benötigen mehr Wind oder eine bessere Pumptechnik, um abzuheben. Wer das Wingfoilen erst lernt und bei den Basismanövern noch regelmäßig stürzt, hat deshalb von kurzen Boards unter 5’5’’ Länge eher Nachteile. Wenn du hingegen gut anpumpen kannst, sichere Manöver beherrscht und schon erste Jumps oder Freestyle-Tricks übst, ist ein kompakter Shape von Vorteil.
Seit 2023/2024 drängt die Boardklasse der Midlengthboards mit 6 bis 7 Fuß Länge zunehmend auf den Markt (HIER gibt’s einen Basic-Artikel und Tests zu Midlenghtboards). Abgeleitet von den noch längeren Downwindboards bieten diese langen, gestreckten Shapes vor allem bei Leichtwind große Vorteile: Auch mit suboptimaler Pumptechnik kommen Midlengthboards bereits gut auf Touren - vor allem in typischen Leichtwindrevieren ist das Gold wert. Wenn du in erster Linie früh abheben und entspannt freeriden und Manöver fahren möchtest, sind Midlengthboards ideal.

Redakteur surf
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