Manuel Vogel
· 12.12.2025
Die Fahreigenschaften von Foils hängen maßgeblich vom Frontflügel ab. Nahezu jeder Hersteller bietet, neben unterschiedlichen Größen, auch verschiedene Flügel-Typen an, die markenübergreifend unter den Bezeichnungen “High-aspect-Foils” und “Low-aspect-Foils” verkauft werden. Welcher Foil-Typ für dich geeignet ist, zeigen wir dir im Folgenden. Wenn du generelle Fragen zu den Foil-Begriffen hast oder Tipps zur richtigen Größe des Frontflügel suchst, findest du diese hier.
Der englische Begriff “aspect ratio” beschreibt im Prinzip nichts anderes als das Verhältnis von Spannweite zu Fläche. Tiesda You, Foil-Designer bei Starboard, erklärt die Zusammenhänge: “Flügel mit viel Spannweite und weniger Fläche haben eine „High-Aspect-Ratio“. Umgekehrt haben Flügel mit viel Fläche im Verhältnis zur Spannweite eine „Low-Aspect-Ratio“ – das sind dann also breitere Flügel mit weniger Spannweite und dickeren Profilen”.
Die Frage, für welchen Foil-Typ man sich entscheiden sollte, beschäftigt auch uns schon lange. Im Rahmen vieler Tests haben wir im Laufe der Jahre unzählige Foils verschiedener Typen miteinander verglichen - und dabei folgende Erkenntnisse gewonnen, die sich auch auf GPS-Aufzeichnungen stützen. Was sind also die Unterschiede auf dem Wasser, wenn man gleich große Low-und High-Aspect-Flügel miteinander vergleicht?
Aufgrund der dünneren Profilierung benötigen High-Aspect-Flügel im Durchschnitt eine etwas höhere Startgeschwindigkeit. Geht man hier zu früh auf Höhe, können diese Foils auch wieder absacken, denn erst bei höheren Geschwindigkeiten werden dünn profilierte High-Aspect-Foils stabil angeströmt. Bei den zumeist dicker profilierten Low-Aspect-Flügeln ist der Fahrwiderstand beim Anfahren etwas größer, trotzdem erfolgt das Abheben üblicherweise kontrollierter und verlässlicher. Unterm Strich bedeutet das: Wer mit Gefühl und Technik anpumpt, kann mit einem High-Aspect-Foil bereits bei vergleichbarer Windstärke abheben. Aber: Foil-Einsteiger profitieren von dickeren Flügeln, da diese fehlerverzeihender abheben und stabiler angeströmt werden.
Foil-Einsteiger profitieren beim Abheben von der stabileren Anströmung der Low-Aspect-Foils
Ebenfalls markant sind die Unterschiede beim Verhalten in Windlöchern – hier bleibt der Dicke (”low aspect”) spürbar länger oben und sackt erst bei gefühlter Schrittgeschwindigkeit ab, während dem ähnlich großen aber dünner profilierten High-aspect-Foil schon früher die Puste ausgeht. Beim Speed sind die Unterschiede ebenfalls nicht wegzudiskutieren - wenngleich diese in vielen Fällen geringer als erwartet ausfallen: Vergleicht man Frontflügel mit identischer Größe ist man mit High-Aspect-Flügeln im Schnitt einen Tick flotter unterwegs. Oft bewegen sich die Speedvorteile aber im Rahmen von 2-3 km/h. Einen wesentlich größeren Einfluss auf das Speedpotential einen Foils hat die Größe des Frontwings - je kleiner, desto schneller! Aus diesem Grund nutzen Racer und Freestyler meist Frontwings mit deutlich unter 1000 cm2 Fläche. Diese erfordern jedoch auch eine sehr aktive Fahrweise, um überhaupt aufs Foil zu kommen - für Foil-Novizen ein No-go!
Für das Speepotential ist vor allem die Foil-Größe entscheidend, weniger die Frage ob High- oder Low-Aspect Foil
Für Jedermann spürbar sind die Unterschiede auch bei der Kontrolle. Dünner profilierte High-Aspect Flügel reagieren im Schnitt deutlich sensibler auf Fehlbelastungen. Wer also dem Foil im Wellental, auf der Geraden oder während eines Manövers mal ungewollt Frischluft verpasst, hat schneller mit Strömungsabriss zu kämpfen, als beim stabiler angeströmten Low-Aspect Foil, welches sich oft wieder fängt und den Surfenden oben hält. Aufgrund ihrer Gutmütigkeit werden Low-aspect-Foils deshalb auch für die Anfängerschulung verwendet. Ebenfalls einen großen Einfluss auf die Kontrolle haben der Stabilizer (Backwing) und die Länge der Fuselage. Hier gilt: Je länger die Fuselage, desto stabiler fliegt das Board um die Querachse. Auch größere Stabilizer unterstützen diese Fahreigenschaft, drosseln jedoch auch das Speedpotenzial etwas.
High-Aspect-Foils bieten auf Dünungswellen deutlich mehr Glide
Anders sieht es beim Thema Gleiten auf Dünungswellen aus, Glide genannt: Hier sind High-Aspect-Foils mit ihrer gestreckten Flügelform klar im Vorteil. Bereits runde und kraftlose Dünungswellen lassen sich damit entspannt abreiten. Wer Spaß daran hat, auf knie- bis brusthohen Dünungswellen mit neutral gestelltem Wing endlose Flüge zu machen, kommt um ein High-Aspect-Foil nicht herum. Sind Flügel mit viel Spannweite also auf der Welle prinzipiell besser? Wenn es um den erwähnten Glide geht, dann ja, denn High-Aspect-Flügel gleiten auf kraftlosen Wellen einfach länger. Aufgrund ihrer größeren Spannweite sind allerdings die Radien limitiert. Wer richtige Turns in brechender Welle fahren möchte und ein wendiges Fahrgefühl sucht, der holt aus einem Low-oder Mid-Aspect-Foil mehr raus - idealerweise dann mit kurzer Fuselage.
Jeder Foil-Typ hat seine Berechtigung. Wenn es ums reine Abheben geht, sind die Unterschiede marginal, wer aber auf böigen Binnenrevieren Wingen will und ein Foil sucht, welches in Windlöchern und Manövern möglichst lange in der Luft bleibt und besonders gutmütig ist, sollte sich eher zu einem dicker profilierten Flügel mit einer Low- oder Mid-Aspect-Ratio orientieren.
Die dünner profilierten und schlankeren Flügelformen typischer High-Aspect-Foils haben hingegen vor allem beim Thema “Glide”, also dem entspannten Mitfliegen auf runden Dünungswellen, Vorteile - ideal zum Beispiel für Downwinder auf der Ostsee oder großen Binnenseen. Wer Jumps und Freestyletricks anstrebt, wird meist ebenfalls eher zu schlanken High- bis Mid-Aspect-Foils tendieren. Allerdings ist beim Thema Topspeed (= Sprunghöhe) eher die Größe des Frontwings maßgeblich, weniger die Frage ob High- oder Low-Aspect-Ratio.