Rebekka war lange Windsurferin, bis sie Wingfoilen ausprobiert hat. Vom schweren Zeugschleppen beim Windsurfen hatte sie irgendwann genug und probierte Wingfoilen aus – sofort war sie hin und weg. „Das Gefühl, wenn man aufs Foil kommt, ist einfach einzigartig”, sagt Rebekka.
Mit ihrem Freund Rolf hat Rebekka eine Surfschule (Nido Surf) in Posada übernommen, im Nordosten Sardiniens. Hier schult sie Wingfoil-Schüler und beobachtet: „Immer mehr Paare fangen die Sportart gemeinsam an.” Unterschiede zwischen den Geschlechtern, Dynamiken zwischen Paaren und Geschichten über Paare, bei denen ein Partner dem anderen das Wingfoilen beibringen will, kennt sie zuhauf. Wir haben Rebekka in Posada getroffen und interviewt.
Beim Wing würde ich sagen, ist es fast fifty-fifty. Beim Kiten haben wir fast mehr Frauen als Männer, die es lernen wollen – sehr interessant! Beim Windsurfen auch etwa fifty-fifty. Was beim Wing spannend ist: Das Alter der Schüler. Es sind auch viele ältere Leute dabei, oft Paare, teilweise Ü60. Die sagen: Wir haben einen See in der Nähe, das ist für uns zugänglicher als Kiten. Wir können es vor der Haustür machen. Und wir haben oft Frauen, die sagen: Ich muss gar nicht zwingend aufs Foil. Mir reicht es, wenn ich mit meinem Wing und vielleicht einem SUP auf dem See rumfahren kann.
Das größte Problem ist: Wenn ein Partner versucht, dem anderen Partner etwas beizubringen, ist fast immer Ärger vorprogrammiert. Das hat damit zu tun, dass man vom Partner auf einer anderen Ebene annimmt, was er sagt – anders als vom Lehrer. Der Lehrer kann dir genau das Gleiche sagen, und man würde es eher annehmen. Das ist wirklich das Beziehungsding, das man innerhalb einer Partnerschaft hat. Deswegen sage ich immer: Versuch nicht, deinem Partner sowas beizubringen. Tu der Beziehung den Gefallen und nimm einen Lehrer!
Versuch nicht, deinem Partner sowas beizubringen. Tu der Beziehung den Gefallen und nimm einen Lehrer!”
Es gab schon Diskussionen zwischen Paaren während des Kurses, das kriegt man als Instruktor natürlich mit. Wir haben die zwei dann getrennt geschult. Kurzum: Nimm einen Lehrer, die Beziehung wird's dir danken.
Total! Was ich stark beobachte: Frauen sind wesentlich kritischer, nachdenklicher, ängstlicher, analytischer. Die müssen vorher jede Information haben, bevor sie in die Umsetzung gehen. Männer sind eher: Ja, mach ich, los, hör auf zu labern! Frauen sind insgesamt vorsichtiger, trauen sich weniger zu und brauchen dadurch oft länger, weil Männer einfach eher machen. Und beim Machen lernst du natürlich auch.
Du hast auch Männer – jetzt nicht böse sein – die einfach machen, nicht wirklich zuhören. Dann lasse ich den als Lehrer einfach machen. Irgendwann kommt er wieder, nachdem es gescheitert ist und er von hinten Kilometer den Strand hochlaufen musste, und fragt: Wie war das nochmal? Die Frau fragt lieber zehnmal vorher, bevor sie es tut – und setzt es dann teilweise erfolgreicher um, weil sie gut zugehört hat.
Die Frau fragt lieber zehnmal vorher, bevor sie es tut – und setzt es dann teilweise erfolgreicher um, weil sie gut zugehört hat.”
Wir sind ein verhältnismäßig kleines Center und schulen rund 600 Schüler in einer Saison. Die Aufteilung ist ungefähr 45 % Kitesurfen, 35 % Wingfoil und 20 % Windsurfen. Noch wird Kitesurfen am meisten nachgefragt. Ich glaube, das hängt auch damit zusammen, dass wir Kiten (noch) stärker bewerben als Wing. Wing ist aber immer stärker im Kommen. Windsurfen ist am wenigsten gefragt.
Der große Unterschied ist: Beim Windsurfen hast du hauptsächlich Anfänger, und die Leute machen irgendwie nicht weiter. Das ist super auffällig. Du hast kaum Leute, die auf einem fortgeschrittenen Level surfen und daran anknüpfen wollen. Beim Wingfoilen kommt das immer mehr – die Leute bleiben wirklich dran. Die kommen dann wieder, weil sie lernen wollen, stabil zu fliegen. Oder weil sie an den ersten Manövern arbeiten und da scheitern. Die Halse ist so ein großes Thema – da brauchen viele sehr, sehr lange, um die durchgeflogen hinzukriegen. Das ist oft der Punkt, wo sie sich wieder Hilfe von der Schule holen.
Beim Wingfoilen bleiben die Leute dran. Die kommen wieder, weil sie lernen wollen, stabil zu fliegen oder an den ersten Manövern arbeiten.”
Genau, das ist sehr spannend. Dadurch hast du am Anfang die Herausforderung: Wenn jemand noch gar keine Erfahrung mit Wind hat – von wo kommt der Wind, diese Orientierung – das ist ein Thema. Man muss lernen: Ich muss den Rücken immer zum Wind haben. Wenn ich das Gesicht zum Wind habe, bin ich auf der falschen Seite vom Board. Wenn jemand schon Windsurfen oder Kiten gemacht hat, ist der Punkt abgehakt. Die lernen dann natürlich wesentlich schneller.
Tatsächlich haben wir mehr den großen Kurs. Du merkst schon, dass viele Leute mit dem Ziel kommen: Ich will das lernen. Nicht nur mal ausprobieren, sondern wirklich lernen. Und am besten noch aufs Foil.
Es ist super individuell. In zehn Stunden sind die ersten kurzen Foil-Fahrten möglich. Wie bei euch heute war das Ziel, dass wir euch mal rausbekommen. Aber das sind meistens noch keine zehn Meter, eher ein Raus-und-wieder-runter. Bis man wirklich einen längeren Flug beherrscht, braucht es wesentlich mehr Stunden. Die kann man dann aber teilweise ohne Lehrer machen.
Nach zehn Stunden bist du eigentlich schon in der Lage, dir Material zu kaufen und daran anzuknüpfen, indem du einfach übst, übst, übst. Nach sechs Stunden nicht – außer du hast Vorerfahrung, bist guter Windsurfer und kannst schon gleiten. Dann geht's vielleicht auch nach sechs Stunden.
Der größte Fehler ist: Die Leute kaufen ein viel zu kleines Board am Anfang! Die Denkweise dahinter ist: Ich kann es dann länger nutzen. Das Problem: Wenn du dir von Anfang an ein zu kleines Board kaufst, verlangsamst du deinen Lernfortschritt massiv.
Das ist zum einen abhängig von deinen Vorkenntnissen und zum anderen von dem Spot, an dem du das Board nutzen wirst. Mit bereits etwas Vorkenntnissen und wenn das Aufstehen und das Auf-dem-Board-Stehen in der Schule bereits gut geklappt hat, würde ich zu etwa 20 bis 30 Liter Überschuss zu deinem Körpergewicht raten. Wenn du 80 Kilo wiegst, wärst du bei einem 100-bis-110-Liter-Board, um gut zu üben. Es kommt aber auch auf den Spot an. Wenn du viele Wellen hast, hilft ein größeres Board. Bei super Flachwasser könntest du vielleicht auch mit 90 Litern zurechtkommen. Insgesamt gilt aber: Am Anfang lieber größer! Wichtig auch: Da die allgemein beliebten Inflatable Boards weniger steif sind als Hard-Top-Boards, sollten sie noch mal ungefähr 10 Liter mehr Volumen haben.
Auch total abhängig von Körpergewicht und Spot. An einem Leichtwind-Spot wie dem Starnberger See brauchst du keinen Vierer-Wing, sondern eher was in Richtung 6, 6,5 oder sogar 7 Quadratmeter. Bei unserem Spot mit einer Windrange von 10 bis 25 Knoten würde ich dir bei 80 Kilo einen 4,5er und einen 5,5er empfehlen.
Genau das – dass wir abseits sind! Als Anfänger hast du keinen Spaß an vollen Spots. Das ist super ätzend. Du hast keinen Platz, bist ständig am Achten auf andere, die es auch nicht können. Bei manchen bekannten Spots im Norden mag ich selbst gar nicht hinfahren, obwohl ich sehr gut fahre. Du bist die Hälfte der Zeit damit beschäftigt, anderen auszuweichen. Als Anfänger musst du dich aber auf dich selbst konzentrieren. Allein dass du hier Platz zum Lernen hast, ist ein Riesenvorteil.
Das mag sein, doch unser Spot funktioniert bei allen Windrichtungen. Im Norden funktionieren nur zwei – Nordwind und Westwind. Wir sind einer der besten Südost-Spots der Insel. Im Juli bläst hier zum Beispiel oft der Schirokko.
Mai, Juni, Juli sind sehr windige Monate. August ist weniger stark wegen der Hitze, aber insgesamt auch ein guter Wingfoil-Anfänger-Monat, da der Wind leicht, aber sehr konstant ist und das Wasser meist flach. September ist noch sehr gut. Oktober und November würde ich nicht unbedingt empfehlen – sehr durchwachsen. Da kann mal zwei Wochen gar nichts sein und dann kommen die Herbststürme mit Starkwind und zweieinhalb Meter Wellen.
Wir bieten es als No-Wind-Alternative an. Es ist eine schöne Form, auch wenn es nicht zu 100 Prozent vergleichbar ist mit dem Gefühl aufm normalen Foil. Aber es ist ein erstes Lernen: Wie fühlt sich das an, wenn das Foil hochkommt? Man lernt schon ein bisschen, mit diesem Schockmoment umzugehen.
Total, als ich meine ersten stabilen Meter geflogen bin! Nicht dieses Hoch-runter-reinfallen-Rodeo, sondern wenn du deine ersten paar Meter stabil fliegst – das ist das geilste Gefühl überhaupt. Das kann nichts ersetzen. Oder später, wenn deine erste Halse klappt und du nicht mehr jedes Mal einfach reinfällst. Einfach nur irre! Ich war leidenschaftliche Windsurferin, doch das ganze Material ist halt nicht für Frauen gemacht. Es ist schwer, sperrig, selbst das ultraleichte Carbon-Material ist in der Handhabung einfach nix. Beim Wingfoilen ist das anders.
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