Thomas Pfannkuch
· 30.07.2026
Die Surfwelt erlebt derzeit eine radikale Rückkehr zum Ursprung: die Nutzung der reinen Energie des Ozeans. Während das Wingfoilen immer technischer wurde, etabliert die Surf Foil World Tour (SFT) mit dem Parawing-Downwind-Format eine Disziplin, die maximale Effizienz mit minimalistischem Materialeinsatz verbindet. Es geht nicht mehr nur darum, einen Parawing im Wind zu halten, sondern darum, ihn im entscheidenden Moment verschwinden zu lassen.
Das Rennformat der SFT ist darauf ausgelegt, den „komplettesten Rider“ zu finden. Ein Parawing-Rennen ist kein simpler Sprint von A nach B, sondern ein taktischer Parcours, der verschiedene Segel- und Foil-Kompetenzen abfragt. Ein typischer Kurs besteht aus einer Kombination von Amwind-, Halbwind- und Raumwind-Sektionen, die schließlich in der „Stashed Downwind“-Sektion gipfeln.
Die technische Hürde beginnt bereits beim Material. Laut dem SFT Rulebook 2026 müssen Parawings „stashable“ (verstaubar) und „self-launchable“ (selbststartend) sein. Das bedeutet, der Athlet muss in der Lage sein, den Parawing während der Fahrt sicher am Körper oder in einer Tasche zu verstauen und ihn bei Bedarf – etwa nach einem Sturz oder für ein Upwind-Stück – wieder zu starten. Bei Boards, Foils und Parawing sind aktuell keine Mindest- oder Maximalgrößen vorgegeben und das Reglement lässt hier freien Lauf: Auch Prototypen sind ausdrücklich erlaubt, was die Innovationskraft der Szene beflügelt.
Die Architektur der Rennstrecken ist hochflexibel und wird unmittelbar vor dem Event an die lokalen Gegebenheiten, Wind- und Wellenverhältnisse angepasst. Hug Chardon Fabra, Renndirektor beim SFT Downwind Parawing World Cup Cabarete 2026 im Rahmen des Cabarete Wing Fest, erklärt die Philosophie hinter dem Streckendesign: „Die Streckenführung hängt wirklich stark vom jeweiligen Ort und den dort herrschenden Bedingungen ab – und natürlich auch von der Ausrüstung, die man dabei hat.”
In Cabarete beispielsweise führte der Kurs weit hinaus auf das „Outside Reef“, um den Fahrerinnen und Fahrern den Zugang zu den kraftvollen Atlantik-Wellen zu ermöglichen. Der Ablauf dort verdeutlicht die Aufgabenstellung: Nach einem Start, der oft als Upwind-Schenkel beginnt, müssen die Teilnehmer eine bestimmte Boje erreichen, ab der die „Stash-Zone“ beginnt. Ab diesem Punkt ändert sich die Aufgabe fundamental: Die Rider verstauen ihren Parawing und wechseln in den reinen Foil-Modus. In diesen Downwind-Sektionen ist jeglicher Vortrieb durch den Parawing streng verboten; die Athleten dürfen sich ausschließlich durch Wellenenergie oder aktives Pumpen fortbewegen. Der Parawing muss während dieser Phase jederzeit verstaut bleiben.
Die größte technische Schwierigkeit und gleichzeitig die spektakulärste Aufgabe für die Zuschauer ist der Übergang vom Parawingen zum reinen Wellenreiten. Wer seinen Parawing nicht schnell und sicher verstaut, verliert die Balance oder wertvolle Meter auf der Welle.
Was aber passiert, wenn ein Rider in der Downwind-Sektion stürzt? Hier zeigt sich das Reglement sportlich fair, aber konsequent: Ein gestürzter Athlet hat zwei Minuten Zeit, um wieder auf das Foil zu kommen. Er darf den Parawing benutzen, um erneut Fahrt aufzunehmen, doch es gibt eine klare Einschränkung: Es dürfen dabei keine Meter in Lee (Downwind) gutgemacht werden. Der Rider muss quer zum Wind (cross-wind) starten, sich dabei wieder ins Foilen bringen und den Parawing sofort wieder verstauen, bevor er die Jagd auf die Wellen fortsetzt. Gelingt dies nicht innerhalb des Zeitfensters, wird der Lauf als „Did Not Finish“ (DNF) gewertet.
Um faire Bedingungen in den oft engen Heats zu gewährleisten, setzt die SFT auf eine zweistufige Turnierstruktur:
Obwohl Beach-Races und technische Slalom-Kurse wichtig für die Vielseitigkeit sind, liegt das Herz der Tour im Downwind. Fabra betont im Interview, dass die SFT die Gewichtung der Ergebnisse bewusst steuert, um den Kern der Sportart zu schützen: „Unsere Vision ist es, Parawing-Events speziell mit einem hohen Downwind-Anteil entwickeln.“ Um dies im Klassement abzubilden, werden reine Downwind-Rennen oft mit einem höheren Faktor gewichtet, damit die Leistung dort einen höheren Anteil an der Gesamtwertung ausmacht.
Ein anschauliches Beispiel für die praktische Umsetzung dieses Formats liefert der SFT Downwind Parawing World Cup Cabarete 2026 im Rahmen des Cabarete Wing Fest. Hier setzte die Rennleitung auf ein „Full Fleet“-Szenario, bei dem das gesamte Teilnehmerfeld gemeinsam an den Start ging. Um den Kern der Disziplin zu betonen, bestand die Gesamtwertung aus sechs gewerteten Resultaten: fünf sogenannten Beach Races und einem Downwind-Rennen über mehr als 12 Kilometer, das durch einen Faktor von 3 eine massive Gewichtung erhielt.
In Cabarete führte der Beach-Race-Kurs die Rider bewusst weit hinaus auf das Outside Reef, um die „Stash-Sektion“ in den Atlantik-Wellen zu ermöglichen, bevor der Kurs in einem technisch anspruchsvollen Beach Finish direkt vor den Zuschauern endete. Dieser Mix aus taktischen Kurzrennen und der physischen Herausforderung auf dem offenen Meer stellt sicher, dass am Ende nur derjenige ganz oben auf dem Podium stand, der sowohl seinen Parawing als auch die Energie der Wellen perfekt beherrscht.
Trotz des kompetitiven Charakters setzt die SFT auf „Gentlemen’s Rules“ und gesunden Menschenverstand. Gefährliches Fahren oder absichtliche Behinderung führen zur sofortigen Disqualifikation. Zudem ist die Sicherheitsausrüstung mit Helm und Prallschutzweste für alle Teilnehmer obligatorisch. Die Vorfahrtsregeln orientieren sich an klassischen Segelprinzipien, wobei dem Lee-Rider in Überholsituationen Vorrang eingeräumt wird.
Mit Stopps an ikonischen Orten wie Cabarete oder dem Gardasee zeigt die SFT, dass das Parawing-Format auf unterschiedlichsten Revieren funktioniert – von den langen Swells des Ozeans bis zu den steilen Windwellen großer Binnenseen. Das Ziel für die kommenden Saisons ist klar: Die Downwind-Komponente soll weiter ausgebaut werden. Durch die Kombination von Technik, fahrerischem Können und den Bedingungen auf dem Meer beziehungsweise Seen soll Parawing zu einer der führenden Foiling-Disziplinen ausgebaut werden.
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