GWA Wingfoil TourVon Null auf Weltmeisterin - Marie Schlittenbauer im Interview

Tobias Frauen

 · 23.01.2026

Marie Schlittenbauer holte gleich in ihrer Debüt-Saison den WM-Titel der GWA Tour
Foto: Duotone/Andrea Dal Canton
Stell dir vor, du schnupperst mit 15 Jahren mal in die Contest-Szene hinein - und wirst sofort Weltmeisterin! Marie Schlittenbauer hat genau das geschafft, sie holte 2025 den Sieg auf der GWA Tour im Surf-Freestyle. Im Interview erzählt sie, wie sie ihre Überflieger-Saison erlebt hat.

Du hast in deiner allerersten Worldcup‑Saison direkt den Weltmeistertitel gewonnen. War dir zu Beginn überhaupt bewusst, wie gut du bist?

Am Anfang eigentlich gar nicht. Beim ersten Event in Tarifa war ich im Vergleich zu den anderen noch nicht so gut. Ich wusste zwar von Instagram ungefähr, wie stark die anderen sind, aber im echten Wettbewerb ist das dann doch etwas anderes. Viele waren nicht so konstant mit ihren Tricks, und das hat mir geholfen, gleich vorne mit dabei zu sein.

Zwischen den Events in Tarifa und auf Fuerteventura hast du dich dann nochmal gesteigert. Was hast du in dieser Zeit konkret trainiert?

Ich habe vor allem meine Frontflips komplett neu gelernt. Am Anfang habe ich sie technisch falsch gemacht, weil ich den Wing nicht richtig genutzt habe. Eigentlich muss man den Wing so einsetzen, dass der Wind einen nach unten zieht – das habe ich dann neu gelernt. Außerdem habe ich an meinen Palaus gearbeitet, vor allem an der Höhe. Viele können den Trick zwar, machen ihn aber sehr niedrig, und Höhe gibt einfach viele Punkte.

Analysierst du dein Training gezielt mit Videos oder Trainingsplänen?

Eigentlich nicht wirklich. Ich probiere viel aus und mache meistens das, worauf ich gerade Lust habe. Dann versuche ich, die Tricks immer höher, schneller und sauberer zu machen. Das passiert eher intuitiv als geplant.

​Ich versuche, meine Moves immer höher, schneller und sauberer zu machen.”

Hast du dann auf Fuerte gleich gespürt, dass du vorne dabei sein kannst?

Im ersten Heat bin ich ein anderes Board gefahren als sonst, und das war total ungewohnt. Da lief es erst mal richtig schlecht. Am zweiten Tag war es dann aber ganz anders – da war ich gleich vorne dabei und habe sogar zweimal die vollen zehn Punkte für meine Moves bekommen. Ab da lief es richtig gut.

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Den WM-Titel hast du dann auf Gran Canaria festgemacht. Wie hast du diesen Moment gefeiert?

Ganz entspannt mit den Leuten, die da waren. Der Veranstalter macht auch immer ein bisschen was, und dann feiert man einfach zusammen.

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Wo kommst du her und wie hat alles angefangen?

Ich komme aus Rosenheim in Deutschland. Mit dem Wingfoilen habe ich am Gardasee angefangen, da sind wir auch oft zum Training. Ganz am Anfang habe ich Windsurfen gemacht, dann habe ich mit neun Jahren Kiten gelernt und vor drei Jahren dann mit dem Wingen angefangen. Ich fand Wingfoilen zuerst sogar ziemlich uncool, weil es bei Anfängern nicht gut aussieht. Mein Papa hat dann aber Material gekauft, ich habe es ausprobiert, und dann hat es mir richtig Spaß gemacht. Danach ging alles ziemlich schnell.

Homespot Gardasee: Marie verbringt jede freie Minute mit ihrer Familie am LagoFoto: Duotone/Simone GirottiHomespot Gardasee: Marie verbringt jede freie Minute mit ihrer Familie am Lago

​Dein Bruder Franz fährt auch im Worldcup. Spornt ihr euch gegenseitig an?

Ja, auf jeden Fall. Er ist ein Jahr älter als ich. Als er besser geworden ist, habe ich auch angefangen, mehr zu springen und Tricks zu machen. Er ist von den Tricks her noch besser als ich, aber wir pushen uns gegenseitig. Und bei den Wettbewerben signalisiert er mir, was für Tricks ich noch brauche.

Wie sieht dein Trainingsalltag neben der Schule aus?

Zu Hause kann ich kaum trainieren, weil es nicht oft guten Wind gibt. Im Winter ist es zwar manchmal windig, aber oft zu kalt. Im Sommer fahren wir so oft wie möglich am Wochenende an den Gardasee, und in den Ferien versuchen wir, längere Zeit dort zu sein. Im Winter ist meistens Schule angesagt.

Tarifa war dein allererster Contest überhaupt. Wie bist du an die Heats herangegangen?

Im Heat mache ich zuerst immer die Tricks, die ich sicher kann. Man braucht ja drei Tricks, die zählen. Wenn ich die habe, bin ich nicht mehr so nervös und probiere auch schwierigere Sachen. Das hilft mir sehr.

​Wenn jemand einen neuen Move bei Instagram postet, wird man schon ein bisschen nervös!”

Beobachtest du deine Konkurrentinnen auf Social Media?

Ja, schon. Wenn jemand etwas richtig Neues oder Gutes postet, wird man ein bisschen nervös. Aber man kann ja nichts anderes machen, als zu versuchen, das selbst auch zu lernen.

Bleibst du beim Freestyle oder reizt dich auch anderes wie Welle oder Racing?

Freestyle ist meine Hauptdisziplin, aber ich probiere auch anderes aus. Im April fliegen wir nach Boa Vista, da gibt es viele Wellen, und das möchte ich ausprobieren. Racen habe ich auch schon getestet.

Hast du einen Lieblingsspot und einen Lieblingsmove?

Mein Lieblingsspot ist eigentlich der Gardasee, weil man dort fast immer Wind hat. Gran Canaria fand ich aber auch richtig gut wegen der großen Wellen. Mein Lieblingsmove ist Palau oder Frontflip.

Zum Abschluss: Hast du schon konkrete Zukunftspläne?

Nicht wirklich. Ich mache einfach weiter, solange es mir Spaß macht. Erst wenn ich mit der Schule fertig bin, schaue ich, wie es weitergeht. Vielleicht mache ich dann auch erst mal ein Jahr Pause oder ein Auslandsjahr. Im Moment will ich einfach nur fahren und mich weiterentwickeln.

Vielen Dank und viel Erfolg!


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