InterviewErik Heil - zwischen SailGP und Wingfoilen

Manuel Vogel

 · 30.05.2024

Fast 100 km/h auf Foils: Der SailGP ist quasi die Formel 1 auf dem Wasser. Am Steuer des deutschen Katamarans sitzt mit Erik Heil ein begeisterter Wingfoiler
Foto: Felix Diemer for SailGP
Erik Heil ist einer der erfolgreichsten deutschen Segler. Der 35-jährige gebürtige Berliner holte olympische Medaillen in der 49er-Klasse und ist seit 2023 Steuermann des Team Germany in der spektakulären SailGP-Serie. In seiner Freizeit steigt er aber liebend gern vom Monster-Katamaran aufs winzige Wingfoil-Material. Wir haben den Wandler zwischen den Welten zu Hause in Strande bei Kiel getroffen.

Ihr haltet Segeln immer noch für einen langweiligen Altherrensport? Dann habt ihr noch nie ein Rennen im SailGP verfolgt. Die weltweite Rennserie der Foil-Kats entwickelt sich nicht nur vom Image immer mehr zur Formel-1 des Segelsports, sondern auch von den Geschwindigkeiten auf dem Wasser. Mit mehr als 90 km/h brettern die Teams über einen kleinen Kurs, oft zuschauerfreundlich gelegen an den Ufern großer Metropolen am Meer. Seit letztem Jahr ist auch ein Team Germany am Start, dessen Skipper der Olympia-Medaillen-Gewinner Erik Heil und einer der Besitzer des Teams der viermalige Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel sind. Die rund 15 Meter langen Katamarane und die vom fünfmaligen America’s-Cup-Gewinner Russel Coutts gegründete Rennserie stellen aktuell die Speerspitze im Segelsport dar. In seiner Freizeit steigt Erik, der in Strande bei Kiel lebt, aber liebend gerne vom Monster-Katamaran aufs winzige Wingfoil-Board. Wir haben ihn zu Hause kurz vor dem nächsten Rennen auf den Bermudas getroffen.

SailGP Skipper Erik Heil riggt sein Wingfoil Material auf.Foto: Manuel VogelSailGP Skipper Erik Heil riggt sein Wingfoil Material auf.

Du segelst im SailGP, in der neben dem America’s Cup wohl hochtechnisiertesten Segelklasse, mit unfassbaren technischen Raffinessen und Möglichkeiten. Ist Wingfoilen dagegen nicht todlangweilig?

Erst mal macht es einfach Laune. Ich mag es, mit den Füßen zu steuern. Es ist simpel. Man hat nicht viel Zeug, mit dem man herumfährt. Es ist sogar noch weniger als beim Windsurfen. Die Maße sind etwas kompakter. Man kann ziemlich früh anfangen. Es macht sehr schnell Spaß. Beim Surfen war es immer so, dass es erst bei viel Wind richtig losging. Beim Kiten auch. Bei Wingfoilen ist der schönste Bereich von 10 bis 13 Knoten. Es ist ein entspanntes Gleitgefühl. Wie manche Leute mit ihren Oldtimern rausfahren. Da fahre ich gerne zum Wingfoilen.

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Was war dein erster Kontakt zum Foilen generell?

Wahrscheinlich war es die Motte und danach der G32 – auch ein Katamaran.

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Wann ging es beim Segeln mit dem Foilen los?

Ich glaube so Ende der 90er-Jahre ging es mit der Motte richtig los. Wir waren 2014 eigentlich schon spät dran, aber in Deutschland noch sehr früh. Wir waren mit der ersten Motte viel als Parallelprogramm zum olympischen Segeln unterwegs.

Was hat dich am Foil und der Motte fasziniert?

Die Geschwindigkeit, das ist cool. Und instabile Boote fanden wir sowieso cool, mit dem 49er (Olympiaklasse, in der Erik mit seinem Vorschoter Thomas Pößel 2016 in Rio und 2021 in Tokio die Bronzemedaille holte, Anm. d. Red. ) waren wir da auch nah dran. Es ist relativ leise, muss man sagen. Das war auch teilweise ein bisschen erschreckend, wenn wir mit dem 49er trainiert haben und so eine Motte von hinten kommt, und du hörst nichts.

Mich fasziniert die Geschwindigkeit, das ist cool. Und instabile Boote fanden wir sowieso cool!”
Segeln ist was für  gesetzte Herrschaften? SailGP ist definitiv andersFoto: Ricardo Pinto/SailGPSegeln ist was für gesetzte Herrschaften? SailGP ist definitiv anders

Durch deine Erfolge im 49er und anderen Klassen hattest du schon einen sehr guten Ruf in der Segelszene. Wie ist es dann aber dazu gekommen, dass du als Skipper für Team Germany in der SailGP an den Start gehst?

Russel Coutts hat die Liga 2019 ins Leben gerufen. Er ist als fünfmaliger America’s-Cup-Sieger eine Legende im Segelsport. Vor drei, vier Jahren hat er angefragt, ob wir in Deutschland nicht interessiert an der Liga wären und hat mir geschrieben. Ich war ganz überrascht, weil man von so jemandem eigentlich nicht direkt irgendwas hört. Aber er hat anscheinend unsere Segelkarriere verfolgt und hat uns dann angeschrieben. Wir haben gesagt: Ja, supergerne. Aber wir sind noch voll in der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Tokio, also werden wir nicht so richtig Zeit dafür haben, um uns um Sponsoren zu kümmern. Dafür hatten wir dann eine Agentur in München, aber das hat nicht gut geklappt und die Sache ist etwas im Sande verlaufen.

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Nach einem Jahr haben wir Russel das Feedback gegeben, dass wir weiter Lust haben, aber dass nichts passiert ist. Daraufhin hat Russel Thomas Riedel angesprochen. Der ist ein Global Player im Kommunikationsbereich und ein ganz geiler Typ. Macht echt sehr innovative Projekte. Er hat zum Beispiel 80.000 Walkie-Talkies bei den Olympischen Spielen geliefert und macht den ganzen Broadcast vom America’s Cup, der GP, Formel 1 und so weiter. Sein Business startete eigentlich schon mit 13 Jahren als Magier, seine Bühnentechnik verlieh er dann später an andere Künstler. Er hat auch mal bei Windsurfbrettern an kleinen Pins entwickelt, die unterm Brett sind, um alle Kräfte zu messen. Dafür gründete er extra ein Büro in Portugal, wo einige Experten versucht haben, daraus neue Erkenntnisse zu ziehen. Das zeigt, wie akribisch er an neue Dinge herangeht.

Thomas war von der SailGP begeistert und hat versucht, die Begeisterung und den Spaß mit einem Business-Konzept zu verbinden. Er hat die Medienlandschaft ausgecheckt und geschaut, was und wer gut zu dem Projekt passen könnte? So kam es auch zu dem Kontakt zu Sebastian Vettel. Als viermaliger Formel-1-Weltmeister hatte er viel Interesse an der hoch technisierten SailGP. Außerdem gefiel ihm der Nachhaltigkeitsgedanke der Serie. Sebastian ist dann Co-Eigner des Teams geworden und hat viele seiner Erfahrung in das Projekt einbringen können.

SailGP ist hochtechnisch - deshalb liebt Erik Heil auch den Kontrast beim WingfoilenFoto: Ricardo Pinto/SailGPSailGP ist hochtechnisch - deshalb liebt Erik Heil auch den Kontrast beim Wingfoilen

Sebastian Vettel kennt man natürlich aus der Formel 1, aber er hatte bislang keinen Bezug zum Segeln, oder?

Das ist wirklich interessant, weil ich auch dachte, wenn du keinen Bezug zum Segeln hast, dann gibt es keine richtigen Parallelen. Aber das ist geil, weil er dir schon nach ein paar Minuten so viele Fragen stellt, dass du eigentlich nicht mehr antworten kannst. Der Segler ist da schon relativ früh an seinem Ende, aber er ist es gewohnt, Sachen bis ins Detail zu hinterfragen. Aber er ist auch ein superentspannter und witziger Typ. Wir haben uns hier in der Halle getroffen, er hat mit seinem Womo in der Halle geschlafen und wir hatten hier unsere erste Begegnung.

Du hast den Vergleich von ganz klein bis ganz groß – womit foilt man am frühsten?

Die SailGP Boote können fast immer foilen. Wir haben jetzt neue T-Foils, bislang sind wir noch mit L-Foils unterwegs. Die T-Foils werden noch effizienter. Wenn wir bei 5 oder 6 Knoten schon foilen wollen, packen wir eine Art Propeller ran, der nur im Wasser ist, wenn wir noch nicht foilen, um das Boot zu beschleunigen. Da geht es um Reviere wie Dubai. Wir haben drei Konfigurationen vom Wing. Wir segeln im Grunde von 5 Knoten bis 30 Knoten. Mit der Motte kann man auch früh foilen, aber ich habe nur ein Medium-Foil. Damit würde ich mich hier bei ablandigen Bedingungen von 10, 11 Knoten bis 20 Knoten raustrauen. Und Wing-Foilen eher so zwischen 13 bis 25 Knoten.

Egal was du machst, solange du auf dem Wasser bist, ist es ein gutes Training!”

Hast du das Gefühl, dass du von einer einfachen Sportart wie Wing-Foilen was mitnehmen kannst, was dir später auf dem Boot hilft?

Ja, auf jeden Fall. Du merkst, wenn du fährst, wie und wann das effizient arbeitet. Du kriegst schon ein Gefühl dafür. Wir sind im Team noch nicht so professionell aufgestellt. Eigentlich wollten wir für jedes Team-Mitglied ein Wingfoil-Package basteln, damit zu Hause trainiert werden kann. So ein spielerisches Training ist immer cool. Ich habe das gehasst, in einem Kraftraum zu sitzen. Wir hatten Glück in der Jugend in Berlin. Wir hatten immer irgendein Training – segeln, windsurfen oder auch wakeboarden. Egal was du machst, solange du auf dem Wasser bist, ist es ein gutes Training.

Home sweet home - eine Wingsession am Bülker Leuchtturm streut Erik ein, so oft es gehtFoto: Manuel VogelHome sweet home - eine Wingsession am Bülker Leuchtturm streut Erik ein, so oft es geht

Wie siehst du das? Ist das, was wir technisch beim Wingfoilen machen, nicht totaler Kinderkram gegenüber den Seglern? Müssten wir nicht auch ein L-Foil nutzen wie ihr?

So kann man das gar nicht sagen. Also die T-Foils sind effizienter. Ich werde ja beim Wingen von Starboard und AK Wings unterstützt. Bislang habe ich immer noch darauf gewartet, dass beim Wing die Tube harmonisch in den Segelkörper übergeht, sodass nicht so viel Todraum hinter der Tube entsteht. Aber das macht Starboard jetzt bei den neuen Wings.

Vielen Dank Erik für die Einblicke in die Welt der SailGP und viel Erfolg auf der Tour.



Manuel Vogel

Manuel Vogel

Redakteur surf

Manuel Vogel (Jg. 1981) lebt in Kiel und stand bereits mit sechs Jahren auf dem Windsurfboard in der Surfschule seines Vaters. Nach über 15 Jahren als Windsurflehrer und seit 2003 im surf-Testteam arbeitet er seit 2013 als Redakteur für Test und Fahrtechnik. Seit 2021 ist er zudem begeisterter Wingfoiler – vor allem an der Ostsee und in den Wellen Dänemarks.

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