SUP- und Wing-ProfiVinnicius Martins - der Waterman aus Brasilien im Interview

Tobias Frauen

 · 06.06.2025

Vinnicius Martins ist ein echter Waterman
Foto: JP/NeilPryde
Es gibt kaum eine Wassersportart, in der Vinnicius Martins nicht heraussticht. Der Brasilianer war SUP-Weltmeister, gehört zu den besten Wingfoilern und ist Stammgast in der Riesen-Welle von Nazaré. Wir haben ihn beim Surf-Festival auf Fehmarn für ein Interview erwischt - zwischen Wing- und Windsurf-Session!

Vinni, du bist überall - Wingfoiling-Champion, SUP-Weltmeister, und beim Surf-Festival habe ich dich bei den German Freestyle Battles auch erstklassig Windsurfen gesehen. Gibt es irgendeine Wassersportart, die du nicht betreibst?

(Lacht) Ich bin in einer kleinen Stadt aufgewachsen, die von Wasser umgeben war, also war Wassersport für mich ganz natürlich. Ich habe mit Windsurfen angefangen, ein bisschen Kiten gelernt und dann angefangen, an Wettbewerben im Stand-up-Paddle teilzunehmen. Als das Wingfoiling aufkam, habe ich auch damit angefangen. In letzter Zeit habe ich immer mehr Big-Wave-Surfen ausprobiert. Also ja - wenn es eine neue Wassersportart gibt, versuche ich, sie zu lernen. Ich liebe den Crossover zwischen all diesen Disziplinen.

Das klingt, als wärst du ein echter „Waterman“. Würdest du dich so bezeichnen?

(lächelt) Ja, das stimmt wohl, auch wenn der Begriff ein bisschen komisch klingt. Aber ich kann mich damit identifizieren - wie Kai Lenny, der jeden Wassersport unter der Sonne betreibt. Das ist irgendwie derselbe Vibe.

Wo in Brasilien lebst du genau?

Ich komme aus einer Stadt namens Búzios, in der Nähe von Rio de Janeiro. Sie liegt in dem Bundesstaat, aber nicht in der großen Stadt. Ich verbringe auch viel Zeit im Nordosten, in der Nähe von Jeri. Ich habe dort ein Haus gebaut, also bin ich während der windigen Jahreszeit in Brasilien dort zu Hause.

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Du hast vorhin SUP-Rennen erwähnt - und wenn ich mich nicht irre, warst du darin Weltmeister?

Ja, das war im Jahr 2019. Heutzutage fahre ich keine SUP-Rennen mehr. Es braucht viel Zeit und körperliche Energie, um auf dem Top-Level zu bleiben, und nachdem ich diesen Punkt abgehakt hatte, wollte ich diese Energie in andere Sportarten stecken, die ich liebe. Aber ich surfe immer noch viel auf dem SUP - auch in immer größeren Wellen. Letztes Jahr hatte ich einige tolle Sessions in Nazaré und im Baskenland.

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Ich habe deine Nazaré-Fotos gesehen - so ein kultiger, fast mythischer Ort. Wie ist es, dort zu surfen?

Das war meine vierte Saison in Nazaré. Im Winter gibt es nicht viele Wingfoil-Events, also sehe ich es wie einen Urlaub und fahre für ein bis drei Monate dorthin. Wenn die Wellen groß sind, surfen wir. Aber was die Leute oft nicht wissen, ist, dass es in Nazaré auch tolle kleine bis mittlere Wellen gibt. Und Portugal ist fantastisch - tolles Essen, dieselbe Sprache, und ich habe dort einen großartigen Freundeskreis. Wir wohnen zusammen, trainieren und pushen uns gegenseitig an großen Tagen. Es ist eine meiner Lieblingszeiten im Jahr.

In Nazaré gibt es auch tolle kleine bis mittlere Wellen!”

Wie organisiert ihr die Safety-Crew? Stellst du Leute ein, oder ist es eher eine Teamleistung?

Ich habe das Glück, dass ich eine feste Crew habe. Die meisten von ihnen haben mehr Erfahrung mit großen Wellen als ich. Wir wechseln uns ab - einer fährt den Jetski und kümmert sich um die Rettung, der andere surft. Auf diese Weise ist es viel sinnvoller. Es geht nicht nur um eine bezahlte Dienstleistung, sondern um Vertrauen und Freundschaft.

Nazaré - hier verbringt Vinnicius seinen “Urlaub”Foto: Ben HartleyNazaré - hier verbringt Vinnicius seinen “Urlaub”

Ihr geht auch mit dem Wing und dem Foil in Nazaré raus...

Ja, das hängt immer von den Bedingungen ab. Bei der „Waterman“-Mentalität, über die wir ja vorhin schon gesprochen haben, geht es darum, alle verschiedenen Ausrüstungen zu benutzen. In Nazaré versuche ich das Gleiche zu tun: Wing Foiling, Tow Foiling, SUP, Tow Surf - was immer an dem Tag funktioniert.

Du hast gesagt, der Gewinn des SUP-Weltmeistertitels sei ein Ziel gewesen, dass du abhaken konntest. Was steht als nächstes auf der Liste?

Ein Wingfoil-Wave-Event auf der World Tour zu gewinnen ist ein großes Ziel für mich. Das Niveau ist im Moment wahnsinnig hoch, vor allem mit all den jungen Talenten. Letztes Jahr habe ich zwei vierte Plätze erreicht - was ziemlich gut war - und ich denke, mit einer klugen Strategie ist es nicht unmöglich zu gewinnen. Aber ich liebe auch Reisen und die Suche nach neuen Spots. Letztes Jahr war ich in Norwegen und dieses Jahr in Chile, wo ich mit dem Wingfoil Wellen an Spots geritten bin, die noch niemand zuvor geritten hat. Das finde ich mega spannend, im Geiste der alten Seefahrer!

Also nicht nur auf der Jagd nach Contest-Resultaten, sondern auch nach neuen Orten und Abenteuern?

Ganz genau. Ich arbeite eng mit vielen wirklich talentierten Fotografen und Filmemachern zusammen. Wir versuchen, uns kreativ abzustimmen und ich denke die Action auch auch ihrer Perspektive, was einen großen Unterschied macht. Es gibt erstaunliche Fahrer da draußen, aber wenn man das Bild nicht gut einfängt, ist es schwieriger, die Geschichte zu erzählen. Dieser Teil macht mir Spaß - nicht nur die Performance, sondern auch die Dokumentation und Förderung des Sports.

Ich versuche auch aus der Perspektive des Fotografen zu denken.”

Das sieht man auch auf deinen Accounts, du bist in den sozialen Medien sehr aktiv...

Ich denke, das ist wichtig. Die Ergebnisse von Wettbewerben sind unvorhersehbar - es gibt so viele Variablen - aber wenn man beständig starke visuelle Inhalte produzieren kann, ist das etwas Wertvolles. Ich habe das Glück, dass meine Sponsoren, wie JP-Australia und NeilPryde, das anerkennen. Die Leistung besteht also hauptsächlich darin, dass ich mich selbst antreibe, und nicht in dem Druck der Marken.

Immer ein gutes Bild im KopfFoto: Philip Mackenbrock/JP/NeilPrydeImmer ein gutes Bild im Kopf

Was steht als nächstes in deinem Kalender?

Ich fahre zu einem anderen Festival - mit ähnlicher Atmosphäre - in der Dominikanischen Republik: das Cabarete Wing Foil Festival. Danach werde ich wahrscheinlich im Sommer auf die Kanarischen Inseln fahren, um mich auf Sprunghöhe und Progression zu konzentrieren.

Du bist also fast das ganze Jahr über unterwegs?

Ja. Die Winter verbringe ich in Portugal, ansonsten reise ich zu Events und auf der Suche nach Wind um die ganze Welt.

Klingt fantastisch. Und nächstes Wochenende kann man dich auf dem Foil Festival auf Fehmarn treffen?

Auf jeden Fall - ich werde da sein!


Tobias Frauen

Tobias Frauen

Redakteur

Tobi verantwortet alles Digitale – von der surf-Webseite bis zu den Social-Media-Kanälen – und sorgt täglich für frischen Bild- und Videocontent. Seine Surf-Wurzeln reichen vom Münsterland über Ijsselmeer, Brouwersdam und Sylt bis nach Kiel und Heidkate. Heute lebt er seit über zehn Jahren in Hamburg als „Weekend Warrior“ und ist so oft wie möglich mit Campingbus und Familie unterwegs – bevorzugt an Ostsee, SPO, Dänemark sowie in Finnland, Schweden oder Sardinien.

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