Surfer und Film-KomponistMusik, vom Surfen inspiriert - Philipp Kümpel über AER MARIS

Tobias Frauen

 · 30.05.2026

Philipp Kümpel ist leidenschaftlicher Surfer, Wingfoiler und Segler - und komponiert Filmmusik
Foto: Philipp Kümpel
Philipp Kümpel ist durch seine Youtube-Videos vielen Windsurfern und Wingfoilern bekannt. Der hauptberufliche Komponist hat jetzt seine beiden Leidenschaften zusammengebracht und mit AER MARIS ein Stück komponiert, das die Stimmungen des Meeres musikalisch wiedergeben soll.

​Dein Werk AER MARIS aus verschiedenen Abschnitten wurde als „Surf-Sinfonie“ beschrieben, ist das die richtige Bezeichung?

Eigentlich ist es keine Sinfonie, weil dann alle Instrumente, die man im Orchester hat, mitspielen würden. Bei AER MARIS sind aber nur die Streichinstrumente beteiligt, insofern ist es fachlich richtig eine Suite, in diesem Fall mit acht Teilen.

Hast du deine Komposition absichtlich auf die Streicher beschränkt?

Zum einen bin ich selber studierter Streicher, ich habe Kontrabass studiert und war auch zehn Jahre im Orchester. Und zum anderen wollte ich das geschlossen halten. Der Streichersound ist für mich der geschlossenste Sound und auch der, mit dem man die Stimmung der Tage am Meer am besten ausdrücken kann.

Viele Surfer haben auf dem Wasser immer Musik im Kopf, einen Song den man gerade noch im Auto gehört hat oder was auch immer. Hast du schon auf dem Wasser im Kopf komponiert?

Ja, absolut, diese Art von Mantras habe ich auch! Aber bei der Musik, die ich komponiert habe war es eher so, dass ich nach dem Surftag nach Hause gekommen bin und noch mal Revue passieren gelassen hab, was mich so an diesem Tag begeistert hat. Das kann auch ein windloser Tag gewesen sein, an dem umsonst zum Wasser gefahren bin, es hat gehagelt, es war Nebel oder was auch immer. Und das war das, was mich inspiriert hat - eher die Natur als der Akt auf dem Wasser. Meine Musik beschreibt eher die Stimmungen. Es passiert musikalisch nicht sehr viel, aber es ist das, was diese Sensation vom Segeln und vom Surfen ausmacht, dass wir eben immer der Natur ausgesetzt sind. Wir müssen damit leben, was uns die Natur bietet an dem jeweiligen Tag.

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Und das hast du dann in den sieben Abschnitten eingefangen.

Genau. Es sind sieben Abschnitte wie sieben Wochentage. Dort sind verschiedene Stimmungen zu finden, einmal ein nebliger Morgen, dann ein Tag mit Sturm. Und dann gibt es noch eine Art Wunschtag zum Schluss, wie man ihn gerne hätte. Aber das Ganze ist nicht konkret, man kann nicht genau identifizieren, welcher Klang etwa der Nebel ist. Das muss sich jeder selber vorstellen.

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Wie bist du an die Umsetzung deiner Idee herangegangen?

Ich habe mich nach einem Tag auf dem Wasser abends zuhause an den Flügel gesetzt und improvisiert. Das war die Grundstimmung der Natur, und die habe ich dann für Streichinstrumente umgesetzt. Irgendwann kam die Idee, dass ich ja eine Person in dieser Natur bin, also kam noch eine Solo-Violine dazu, die in jedem Stück ihren Part in dieser Natur spielt. Das ist schon sehr, sehr abstrakt, aber so hat es sich dann entwickelt.

Bei den Aufnahmen mit der Elbland-Philharmonie waren zur Inspiration auch ein Board und ein Wing dabeiFoto: Philipp KümpelBei den Aufnahmen mit der Elbland-Philharmonie waren zur Inspiration auch ein Board und ein Wing dabei

Und was macht Segeln und Surfen für dich musikalisch aus und gibt es da für dich Unterschiede?

Naja, ich glaube der Unterschied beim Segeln ist nochmal die noch größere Weite. Viele der Stimmungen, die ich beschreibe, sind eher vom festen Ufer aus gesehen, aber beim Segeln bin ich noch weiter draußen und habe oft gar keinen Blickkontakt mehr zum Land. Dort bin ich nur dem Wasser ausgesetzt und dem Licht, aber gar nicht mehr der Erde, das ist ein großer Unterschied. Aber prinzipiell ist es diese Farbstimmung, das Licht, aber auch Geräusche wie das Pfeifen an den Tampen, das ist schon fast eine Melodie, die man beim Segeln hat.

Du komponierst hauptberuflich Filmmusik. Hat das auch eine Parallele zu der Natur und zu den Bedingungen, die du beim Surfen siehst und die du in deinem Stück dann untermalt hast?

Auf jeden Fall! Viele denken, die Musik entsteht für einen fertigen Film, aber ganz häufig ist es andersherum. Man kriegt vom Regisseur die grobe Geschichte erzählt und komponiert dann die Filmmusik vor dem Film. Insofern ist dieses Imaginieren von Stimmungen oder vom Wasser eine Sache, die einem als Filmkomponist gegeben ist. Sonst hätte ich ja tatsächlich den Flügel mit auf eine Yacht nehmen oder an den Strand stellen müssen, um sozusagen die Umgebung vertonen. Aber das muss ich nicht. Das spielt sich immer im Kopf ab.

AER MARIS wurde von der Elbland Philharmonie eingespielt. Wie waren die Reaktionen der Musiker?

Die waren von der Idee total begeistert. Ich hatte anfangs mal angekündigt, mit allen gemeinsam Surfen zu gehen, um ein Gefühl für diese Musik zu bekommen. Dazu ist es zwar bis jetzt leider nicht gekommen, aber es waren viele interessiert einen Surfkurs zu machen, weil sie dieses Gefühl, das sie mit ihren Instrumenten ausgedrückt hatten, selber erleben wollen. Die haben normalerweise immer Angst um ihre Finger und dass sich die Hrnhaut aufweicht, die sie zum Spielen brauchen.

Wie und wo kann man AER MARIS hören?

Wir haben es erst mal nur aufgenommen, man kann es auf meinem YouTube-Kanal „Only Philipp“ hören. Aber die Hoffnung ist, dass es noch Aufführungen mit diesem oder einem anderen Orchester geben wird, da laufen zurzeit noch Verhandlungen. Am liebsten wäre es mir in Hamburg in der Elbphilharmonie - nur mit Seglern und Surfern im Publikum. Und dann wäre ich gespannt, ob die Leute ihre Gefühle wiedererkennen!

AER MARIS zum Hören

​1. Mistral Fields – Weite Flächen, Wind als Rhythmus

2. Subcurrent – Unsichtbare Bewegung – das Meer atmet von unten

folgt

3. Tideforms – Ein Kreislauf, eine Welle – Struktur im Fließen

4. Aeolian Drift – Klang wie Wind über Saiten, schwebend, richtungslos

5. Interlude: Between Waters – Ein Moment des Schweigens zwischen zwei Gezeiten

6. Pale Horizon – Ein ferner Atem aus Licht und Nebel

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7. Still Sea – Transparenz und Stille – Musik, die kaum noch klingt

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Tobias Frauen

Tobias Frauen

Redakteur

Tobi verantwortet alles Digitale – von der surf-Webseite bis zu den Social-Media-Kanälen – und sorgt täglich für frischen Bild- und Videocontent. Seine Surf-Wurzeln reichen vom Münsterland über Ijsselmeer, Brouwersdam und Sylt bis nach Kiel und Heidkate. Heute lebt er seit über zehn Jahren in Hamburg als „Weekend Warrior“ und ist so oft wie möglich mit Campingbus und Familie unterwegs – bevorzugt an Ostsee, SPO, Dänemark sowie in Finnland, Schweden oder Sardinien.

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