Tobias Frauen
· 30.05.2026
Eigentlich ist es keine Sinfonie, weil dann alle Instrumente, die man im Orchester hat, mitspielen würden. Bei AER MARIS sind aber nur die Streichinstrumente beteiligt, insofern ist es fachlich richtig eine Suite, in diesem Fall mit acht Teilen.
Zum einen bin ich selber studierter Streicher, ich habe Kontrabass studiert und war auch zehn Jahre im Orchester. Und zum anderen wollte ich das geschlossen halten. Der Streichersound ist für mich der geschlossenste Sound und auch der, mit dem man die Stimmung der Tage am Meer am besten ausdrücken kann.
Ja, absolut, diese Art von Mantras habe ich auch! Aber bei der Musik, die ich komponiert habe war es eher so, dass ich nach dem Surftag nach Hause gekommen bin und noch mal Revue passieren gelassen hab, was mich so an diesem Tag begeistert hat. Das kann auch ein windloser Tag gewesen sein, an dem umsonst zum Wasser gefahren bin, es hat gehagelt, es war Nebel oder was auch immer. Und das war das, was mich inspiriert hat - eher die Natur als der Akt auf dem Wasser. Meine Musik beschreibt eher die Stimmungen. Es passiert musikalisch nicht sehr viel, aber es ist das, was diese Sensation vom Segeln und vom Surfen ausmacht, dass wir eben immer der Natur ausgesetzt sind. Wir müssen damit leben, was uns die Natur bietet an dem jeweiligen Tag.
Genau. Es sind sieben Abschnitte wie sieben Wochentage. Dort sind verschiedene Stimmungen zu finden, einmal ein nebliger Morgen, dann ein Tag mit Sturm. Und dann gibt es noch eine Art Wunschtag zum Schluss, wie man ihn gerne hätte. Aber das Ganze ist nicht konkret, man kann nicht genau identifizieren, welcher Klang etwa der Nebel ist. Das muss sich jeder selber vorstellen.
Ich habe mich nach einem Tag auf dem Wasser abends zuhause an den Flügel gesetzt und improvisiert. Das war die Grundstimmung der Natur, und die habe ich dann für Streichinstrumente umgesetzt. Irgendwann kam die Idee, dass ich ja eine Person in dieser Natur bin, also kam noch eine Solo-Violine dazu, die in jedem Stück ihren Part in dieser Natur spielt. Das ist schon sehr, sehr abstrakt, aber so hat es sich dann entwickelt.
Naja, ich glaube der Unterschied beim Segeln ist nochmal die noch größere Weite. Viele der Stimmungen, die ich beschreibe, sind eher vom festen Ufer aus gesehen, aber beim Segeln bin ich noch weiter draußen und habe oft gar keinen Blickkontakt mehr zum Land. Dort bin ich nur dem Wasser ausgesetzt und dem Licht, aber gar nicht mehr der Erde, das ist ein großer Unterschied. Aber prinzipiell ist es diese Farbstimmung, das Licht, aber auch Geräusche wie das Pfeifen an den Tampen, das ist schon fast eine Melodie, die man beim Segeln hat.
Auf jeden Fall! Viele denken, die Musik entsteht für einen fertigen Film, aber ganz häufig ist es andersherum. Man kriegt vom Regisseur die grobe Geschichte erzählt und komponiert dann die Filmmusik vor dem Film. Insofern ist dieses Imaginieren von Stimmungen oder vom Wasser eine Sache, die einem als Filmkomponist gegeben ist. Sonst hätte ich ja tatsächlich den Flügel mit auf eine Yacht nehmen oder an den Strand stellen müssen, um sozusagen die Umgebung vertonen. Aber das muss ich nicht. Das spielt sich immer im Kopf ab.
Die waren von der Idee total begeistert. Ich hatte anfangs mal angekündigt, mit allen gemeinsam Surfen zu gehen, um ein Gefühl für diese Musik zu bekommen. Dazu ist es zwar bis jetzt leider nicht gekommen, aber es waren viele interessiert einen Surfkurs zu machen, weil sie dieses Gefühl, das sie mit ihren Instrumenten ausgedrückt hatten, selber erleben wollen. Die haben normalerweise immer Angst um ihre Finger und dass sich die Hrnhaut aufweicht, die sie zum Spielen brauchen.
Wir haben es erst mal nur aufgenommen, man kann es auf meinem YouTube-Kanal „Only Philipp“ hören. Aber die Hoffnung ist, dass es noch Aufführungen mit diesem oder einem anderen Orchester geben wird, da laufen zurzeit noch Verhandlungen. Am liebsten wäre es mir in Hamburg in der Elbphilharmonie - nur mit Seglern und Surfern im Publikum. Und dann wäre ich gespannt, ob die Leute ihre Gefühle wiedererkennen!
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