Zwei selbstbewusste Frauen, beide höchst erfolgreich als Wingfoil-Profis. Trotzdem könnten sie kaum unterschiedlicher sein. Auf der einen Seite Nia Suardiaz, die Seriensiegerin und mit Abstand erfolgreichste Athletin im Wingfoil World Cup. Auf der anderen Seite Paula Novotna, die Wingfoil Queen der Sozialen Medien, die sich von der World Cup Tour mittlerweile verabschiedet hat. Zeit, beide zum Interview zu treffen.
Nia: Genau, ich habe einen spanischen Vater und eine deutsche Mutter. Wir leben in Tarifa, an der südlichsten Spitze des spanischen Festlandes wo es fast immer Wind hat. Vor einigen Jahren haben wir mal probeweise für ein Jahr in München gelebt. Es war eine tolle Zeit. Wir waren viel Biken, Hiken und es war zum Glück ein Winter mit richtig viel Schnee. Aber irgendwie haben wir das Strandleben vermisst. Jeden Nachmittag mit den Freunden aufs Wasser zu gehen, das ist einfach das Beste, also sind wir wieder zurück.
Nia: Ja, mein erster World Cup war zuhause in Tarifa, obwohl ich erst einige Monate zuvor mit dem Sport begonnen hatte. Ich hatte gleich Erfolg und bin auf den Geschmack gekommen. 2023 waren es insgesamt 17 Competitions an denen ich teilgenommen habe. Es waren zehn GWA World Cups in unterschiedlichen Disziplinen, der Jugendworldcup in La Palma, zwei Wingfoil Racing Events, zwei spanische Competitions, der Roca Cup in Hyeres und der Defi Event.
Nia: Ich denke schon, angesichts von zwei WM-Titeln 2023. Ich war im letzten Jahr bei allen Events auf dem Podium, im Slalom immer ganz oben.
Paula: Ich komme aus der Tschechischen Republik, einem Land ohne Zugang zum Meer. Vor dem Wingfoilen war ich zehn Jahre lang professionell im Kitesurfen unterwegs. 2020 habe ich das Wingen für mich entdeckt. Ein Sport, der mein Herz erobert hat, so wie 15 Jahre zuvor das Kitesurfen. Zu Beginn war auch ich bei vielen Wettkämpfen dabei, 2022 ich es geschafft dem WM-Titel im Freestyle und im Racing zu holen. Ich war so unfassbar glücklich!
Paula: Das Leben ist wunderschön und es hat so viel zu bieten. Anfang 2023 habe ich beschlossen, eine Wettkampfpause einzulegen. Dieser Prozess hin zu dieser Entscheidung hat mich viel Überwindung gekostet. Ich war schließlich seit mehr als zehn Jahren in meiner Komfortzone unterwegs, nahm an der World Tour teil und reiste mit Kite- und Wingfoil-Equipment um die Welt. Aber davon Abstand zu nehmen, war notwendig.
Paula: Das Level auf dem Wasser ist buchstäblich verrückt, vor allem, das Tempo, in dem neue Tricks entstehen. Für mich ist Wingfoilen aber hauptsächlich Meditation, ich tanze gerne auf dem Wasser, reite Wellen ab und springe gern hoch. Ich genieße es auch mal, ein paar Freestyle-Moves zu machen, wenn ich Menschen um mich habe, die mich motivieren und pushen. Aber ich denke, die Magie des Wingfoilens ist das Gefühl, mühelos über dem Wasser zu fliegen und Welle für Welle abzureiten. Im Laufe der Jahre habe ich gelernt, dass ich mich nicht mehr so gerne mit anderen vergleiche. Ich bin, wer ich bin, also habe ich dem Wettkampf adé gesagt, was aber nicht bedeutet, dass ich mit dem professionellen Wingfoilen aufgehört habe.
Nia: Die Reisen, die unterschiedlichen Spots und Bedingungen, die Leute, das Adrenalin und vor allem das Gewinnen. Man muss immer neue Tricks üben, um vorne dabei zu bleiben, dass ist eine Mischung aus Überwindung, Respekt und Spaß. Am Ende sind Tricks wie Front- und Back Flips meist einfacher als viele andere Moves, aber man muss sich eben überwinden und raus aus der Komfortzone. Und immer wieder denkt man, dass es doch nicht noch mehr neue Tricks geben kann und dann taucht wieder eine Innovation auf. Sicher wird noch Einiges kommen, auch hinsichtlich des Materials!
Man denkt immer, dass doch jetzt mal Schluss sein muss. Aber es kommen immer neue Tricks dazu, es hört nicht auf
Nia: Natürlich kommt inzwischen wesentlich mehr Druck rein, da ich nicht mehr nur teilnehme und mal schaue wie es läuft, sondern auf jeden Fall aufs Podium möchte! Noch dazu ist es schwierig für mich, nebenher online für die Schule zu lernen, ohne physisch am Unterricht teilzunehmen. Ich habe in Tarifa viele Freunde, manchmal hätte ich gerne mehr Zeit zuhause, um die Freundschaften zu pflegen und sich mehr zu sehen.
Nia: Ich habe tatsächlich schon mit Chris am Columbia River trainiert, das war eine Wahnsinns-Erfahrung. Wir haben über ein paar Wochen zusammen trainiert und ich habe dadurch Einiges lernen können.
Paula: Ich habe mehrere Jahre lang an Wettkämpfen teilgenommen, jetzt möchte ich einfach Spaß an diesem Sport haben. Ich teile meine Zeit selbst ein, aber auch meine Tage sind getaktet: Um 6:00 Uhr stehe ich auf, von 7:00 bis 8:00 Uhr geht’s ins Fitnessstudio und pünktlich um 9:00 Uhr sitze ich hinter meinem Laptop und beantworte E-Mails, habe Gespräche oder bearbeite meine Videos. Mein Vormittag ist voller Büroarbeit, meine Nachmittage verbringe ich hauptsächlich auf dem Wasser, entweder beim Wingfoilen oder Kitesurfen oder beim Erstellen von Inhalten für meine Sozialen Medien.
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Paula: Wie gesagt, ich liebe es, Inhalte zu erstellen und es ist schon seit langem meine Leidenschaft. Es erfordert Zeit und Arbeit, viele Follower zu haben, daher bin ich schon stolz darauf über 385.000 Follower auf Instagram zu haben, Tendenz steigend. Natürlich bin ich auch bei TikTok, Youtube und Facebook.
Paula: Social Media öffnet mir viele Türen. Wenn du Follower näher an dich heranholst und dein tägliches Leben zeigst, werden sie gut unterhalten. Du musst ständig mit deinen Followern interagieren, sonst gehen sie weg. Ich arbeite hauptsächlich mit professionellen Videofilmern und Fotografen zusammen. Die Inhalte bearbeite ich selbst, das ist viel Computerarbeit.
Ich feiere nicht, ich spiele keine Videospiele oder schaue jeden Tag Netflix, ich mache keine dummen Dinge, die nur Zeit kosten und mich nirgendwohin bringen
Paula: Ich bin eine professionelle Wassersportlerin und lebe quasi am Strand, trage fast den ganzen Tag Bikinis oder Surfanzüge. Ganz zu schweigen davon, dass ich jede Woche stundenlang im Fitnessstudio trainiere, um einen weiblichen, kräftigen Körper zu bekommen. Darauf bin ich stolz und ja, ich denke, das gehört zu mir. Meine Social-Media-Beiträge fangen mein Leben so ein, wie es ist. Es ist mir eigentlich egal, was andere darüber denken. Ich weiß nur, dass viele Leute dabei gerne zusehen. Meine Mission ist es auch, Menschen zu einem aktiveren Lebensstil zu verhelfen. Ich glaube, dass das, was ich tue, ansprechend ist und auch andere motivieren kann: Ich stehe früh auf, halte mich fit. Ich feiere nicht, ich spiele keine Videospiele oder schaue jeden Tag Netflix, ich mache keine dummen Dinge, die nur Zeit kosten und mich nirgendwohin bringen.
Nia: Mir macht es nur Spaß, solange es nebenbei läuft. Ich freue mich über jeden Follower. Aber vor allem konzentriere ich mich im Moment auf meine sportlichen Ziele und die Schule, für Social Media fehlt mir da schlicht die Zeit.